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  • DE-23552 Lübeck
  • 12/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-8399)

"Mitten in Lübeck - Achse Schrangen Klingenberg"


  • 1. Preis

    Stadtraum M 1:2500

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    Bauingenieure
    Böger + Jäckle, Henstedt-Ulzburg (DE), Dessau-Roßlau (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: TGP Landschaftsarchitekten Trüper, Gondesen und Partner mbB, Lübeck (DE)
    Architekten: ppp architekten + stadtplaner, Lübeck (DE), Hamburg (DE)
    Bauingenieure: pbh Planungsbüro Hahm GmbH, Osnabrück (DE), Münster (DE), Lübeck (DE)

    Erläuterungstext
    Ziel und Gesamtbild
    Der zentrale öffentliche Raum im Weltkulturerbe Lübeck wird in der Nord-Südausdehnung vom Koberg bis zum Klingenberg betrachtet mit seinen beiden Verlängerungen zu den Toren Burgtor und Mühlentor. Mittig im Westen liegt der Bereich Marienkirche – Rathaus – Markt, der von der Gestaltung her mit in den Betrachtungsraum gehört, im Osten die Königstraße, eingespannt zwischen Koberg und Klingenberg.
    Die Verbindungsstraßen zwischen den beiden Nord-Süd-Achsen Breite Straße/Sandstraße und Königstraße stellen eine Leiter dar, deren Anfang/Ende der Koberg und der Klingenberg bilden. Bezogen auf Gestaltung und Material sind die beiden Achsen eng miteinander verknüpft.
    Die Straßenräume werden im klassischen europäischen Straßenprofil ausgebildet: Fahrspur, Hauptstrom der Fußgänger, Randstreifen – Bürgersteig, Schaufenster, Freiluftgastronomie. Die Plätze Koberg, Schrangen, Markt und Klingenberg haben jeweils eine eigene Geschichte und Bedeutung und damit auch eine eigene Nutzung.
    Im Bodenbelag werden sie gleich behandelt, nur Format, Verlegerichtung oder Oberflächenbehandlung geben ihnen eine feine Eigenständigkeit. In der Ausstattung und Nutzung werden sie ihrer jeweiligen Geschichte und Bedeutung entsprechend ausgebildet.

    Breite Straße
    Die Mittelspur für den Hauptfußgängerstrom wird 4,80 m breit und mit glatter Oberfläche aus geflammtem rötlichen Granit in den Formaten 15 cm breit und 20/25/30 lang gepflastert; ein Bordstein aus dem gleichen Material bildet den Rand. Die Bereiche vor den Häuserfronten werden mit Granitplatten, Oberfläche geflammt, in den Formaten 31 cm breit und 30/45/60/75/90 cm lang gepflastert. Die Baumscheiben der geschnittenen Linden werden in den gleichen Plattenformaten ausgebildet und mit Schlitzen für das Oberflächenwasser versehen.
    Vor dem historischen Rathaus, Eingang und Durchgang Kanzleigebäude, werden als Reminiszenz an die Gebäude große Platten in Abstimmung auf die jeweilige Gebäudefassade verlegt.
    Im Einmündungsbereich Holstenstraße/Obere Wahmstraße wird die historische Straßenflucht durch Kastenlinden (Tilia tomentosa) nachempfunden. Unter den Linden werden Bank-elemente in den Fluchten der historischen Parzellenstruktur aufgestellt.
    Die Hüxstraße als ehemalige Zuwegung zum Markt von Osten her wird als Bordsteinmarkierung unter den Marktarkaden sichtbar belassen. Der mittige Hauptfußgängerstrom wird durch ein Fontänenfeld auf die beiden Fußgängerfurten Obere Wahmstraße und Holstenstraße gelenkt. Liefer- und Rettungsfahrzeuge können das Brunnenfeld überfahren. Eine Signalanlage regelt die Überquerung zur Sandstraße.
    Auf dem Kohlmarkt wird die Fahrspur auf 8,50 m verschmälert und südlich geführt. Dadurch entsteht die Möglichkeit, den Südriegel des Marktplatzes ohne Straßenumbau in die historische Bauflucht zu bringen. In solch einen Neubau ließ sich der Wetterschutz der Bushaltestellen in Forum von Arkaden o. ä. integrieren.
    Die Beleuchtung der Breiten Straße sieht wie folgt aus: Vor dem Kanzleigebäude bleiben die Doppelstelen erhalten. Der Bereich Rathaus wird nur über eine detaillierte Ausleuchtung der Rathausfassade illuminiert. Anschließend an das Rathaus erfolgt eine Ausleuchtung mit Mastleuchten, die auch in der Sandstraße fortgeführt wird.

    Sandstraße
    Die Sandstraße erhält wie die Breite Straße das klassische Straßenprofil, Dachgefälle in der Fahrbahn und Bordsteine in 2 cm Höhe für die Wasserführung; nur im Bereich der Bushaltestellen wird der Bordstein auf die erforderliche Höhe angezogen. Auf der Westseite werden drei Buswartehäuser aufgestellt; ein Pflasterstreifen markiert den Haltestellenbereich für drei Gelenkbusse.
    Gegenüber wird die historische Straßenflucht wie in der Breiten Straße bis zur Aegidienstraße vorgezogen. Hier wirkt sich die Einengung des Straßenraumes sehr positiv auf die Platzbildung des Klingenbergs aus. Das Motiv der Bänke in Parzellenflucht wird auch hier weiter fortgeführt. Die Pflasterung der Fahrspur läuft von der Sandstraße kommend trichterförmig in den Klingenberg, die Bordsteine markieren nun den verkehrsberuhigten Bereich des Platzes.
    Die Beleuchtung besteht aus Mastleuchten wie im Anschlussbereich der Breiten Straße.

    Klingenberg
    Der trichterförmige Klingenberg als Endpunkt der Nord-Südachse Koberg – Klingenberg wird im Format 15 cm breit und 20/25/30 cm lang wie die Fahrspur voll ausgepflastert. Die Bordsteine markieren den Rand des Mittelraumes, und die Durchfahrt zur Mühlenstraße wird lediglich als Spur markiert, während die Abfahrt zur Aegidienstraße durch Bordsteine im Gehwegplattenmaterial gekennzeichnet wird. Die Einfahrt Schmiedestraße wird von Einbauten freigehalten und nur locker durch die Möblierung Lichthocker abgegrenzt.
    In der Achse Pferdemarkt – Dom wird die Westseite des Platzes ebenfalls mit einer zweiten Platzkante aus geschnittenen Linden versehen.
    Den Abschluss des Platzes bildet eine Brunnenanlage aus Wasserwänden, 3 m hoch, als Abschluss des Platzes mit integriertem Kiosk, öffentlicher WC Anlage und Technikraum, dessen Rückwand ebenfalls eine Wasserwand ist. Hier fließt das Wasser von oben nach unten, sonst ebenerdig mit einem Band aus Wasserdüsen, die eine geschlossene Wand bilden. Die Höhe der Wasserwände wird nach Norden bis auf 0,80 m abgestuft.
    Jenseits der Schmiedestraße steht ein Zwillingskiosk.
    Der Platz wird überwiegend durch die beleuchteten Wasserwände und als Leuchtkörper ausgebildete Sitzwürfel illuminiert. Die Ränder werden von den gleichen Mastleuchten wie in der Sandstraße und der Breiten Straße gerahmt.

    Schrangen
    Der Schrangen stellt schon durch seine historische Entwicklung eine Einmaligkeit im Lübecker Straßennetz dar. Er ist die einzige in Ost-West-Richtung verlaufende Straße, die nur als Spange zwischen den beiden Nord-Südachsen Breite Straße und Königstraße liegt. Auch die Bebauung war in der Vergangenheit wechselvoll, mal Platz – mal Gasse.
    Jetzt wird der Schrangen zweigeteilt. Die östliche Seite wird durch einen lang gestreckten monolithischen Baukörper in zwei Gassen gegliedert, die den Blick auf den Chor von St. Marien noch steigern. Der westliche Bereich zur Breiten Straße wird als Festplatz ausgebildet.
    Hohe Mastleuchten, multifunktional nutzbare Scheinwerfer, eine Vorrichtung zur Befestigung einer Leinwand, Bühnendekoration, Lautsprecher etc. rahmen den Platz und leuchten einen rechteckigen Bühnen- und Festraum aus.
    Am Fuß der Lampen stehen beidseitig Bänke, die mit dem Lampenmast eine Einheit bilden. Auf der Nordseite werden fünf Wildbirnen (Pyrus calleryana „Chanticleer“) kleinkronig, aber mit pyramidal wachsender Krone gepflanzt. Die Blüte im Mai gibt dem Platz zusätzlich ein für die Lübecker Innenstadt einmaliges Bild.
    Das Pflaster besteht einheitlich aus rötlichem, glatt geflammtem Granit 15 cm breit, 20/25/30/35 cm lang. Auch so unterscheidet sich der Schrangen von den anderen Rippenstraßen der „Leiter“ zwischen den beiden Nord-Südachsen.

    Schrangenhaus
    Zwischen den beherrschenden gläsernen Kaufhausgebäuden wird im Osten ein langer, schlanker monolithischer Baukörper vorgeschlagen, der die historische Raumstruktur mit zwei Gassen und einem westlichem Platz wiederherstellt.
    Das Haus ist typologisch eher eine Skulptur, sucht aber in Proportion und Materialität Bezüge zu anderen (historischen) Sonderbauten, wie Kanzleigebäude oder Rathausarkaden. Jedoch ist die formale Gestaltung massiver und skulpturaler, um sich in diesem Umfeld behaupten zu können. Die Oberfläche aus sehr langen, dünnen Ziegeln (53/9/4,5) schafft Bezüge zum historischen Umfeld, spricht aber eine deutlich zeitgemäße Sprache.
    Das Haus formuliert zwei Gassen mit unterschiedlichem Charakter: Die nördliche Gasse bietet einen einmaligen Blick auf St. Marien, der durch eine lange Kaskadentreppe am Gebäude beim Heraufschreiten noch besonders inszeniert wird. Die südliche Gasse wird durch die öffentlichen Nutzungen im Gebäude wie Restaurant, Café und Bar geprägt und belebt.
    Eine großzügige Dachterrasse bietet im östlichen Teil eine sonnige Freiluftgastronomie und im westlichen Bereich eine öffentliche Besucherterrasse mit phantastischem Blick auf St. Marien.
    Im Innern wird die besondere Topografie des Schrangen durch eine nach Osten zunehmende Raumhöhe und eine langgestreckte Rampe thematisiert. Zwischen dem Restaurant und dem Café spannt sich ein langer Bartresen, der entsprechend dem Gefälle abgetreppt ist. Während an den Kopfseiten des Hauses großzügige Öffnungen in den Körper eingeschnitten sind, gibt im Barbereich eine perforierte Ziegelfassade ein besonderes intimes Licht.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

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