loading
  • DE-35037 Marburg, DE-35037 Marburg
  • 01/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-275064)

St. Peter und Paul in Marburg


  • 1. Preis


    Anzeige


    Architekten
    REITH WEHNER STORCH ARCHITEKTEN UND INGENIEURE PARTNERSCHAFT, Fulda (DE)

    Mitarbeit
    Stephan Storch, Manfred Reith, Max Reith, Carolin Herber

    Preisgeld
    24.480 EUR

    Erläuterungstext
    St Peter und Paul Erläuterungstext

    Städtebau / Struktur / Leitgedanke

    Der Kirchenbau St. Peter und Paul besetzt die nordwestliche
    Ecke des großräumigen Stadtraums um das neue Erwin Piscator
    Haus. Ziel ist es, im Kontext der umgebenden Kultur und
    Bildungsbauten eine angemessene Präsenz des neuen
    Gemeindezentrums an der neuen „Kulturmeile“ von Marburg zu
    erreichen.

    Der Neubau verbleibt in der eingerückten Flucht der Kirche und
    spannt einen Kirchplatz entlang der Biegenstraße auf. Kirche und
    Gemeinderäume stehen erhöht auf einem einheitlich gestalteten
    Sockel / Tablett was das neue Zentrum St. Peter und Paul fasst.
    Gleichzeitig entfaltet sich hierbei der südliche Abschluss der
    gründerzeitlichen Bebauung mit Giebel und Turm und wird zum
    Prospekt des Kirchplatzes.

    Der bauzeitliche Grundkörper der Kirche entfaltet seine
    Ausprägung in Richtung Süden und Osten. Die Nordfassade ist
    als schlichte, geschlossene Wand angelegt und lässt einen
    direkten baulichen Anschluss zu.

    Die vorgelagerte Kolonnade, in Tiefe der risalitartigen
    Kirchenfassade, stellt einen plastischen Filter zum
    Neubauvolumen her. Die unregelmäßige Stützenstellung bildet
    einen „transparenten“ Vorhang. Die in 2. Ebene liegende
    Glasfassade öffnet den Einblick in das gemeindliche Leben von
    St. Peter und Paul. In der Abendwirkung entfaltet sich eine große
    Leuchtkraft und Präsenz in den öffentlichen Raum.

    Zur geplanten Parkanlage im Westen und den Gärten im Norden
    bildet das Zentrum einen klaren Abschluss. Der Abstand zur
    Bebauung der Johannes-Müller-Straße ermöglicht eine grüne
    Verknüpfung von Park und Gärten.

    Freiraum

    Der Kirchplatz mit Sitzstufen führt über die Kolonnade zum
    Hauptzugang, die als großer überdachter Freiraum eine hohe
    Aufenthaltsqualität bietet.

    Ein Wasserbecken, das den Schall der Straße filtert und ein
    großer Baum strukturieren den Kirchplatz, lassen jedoch genug
    Freiraum für Gemeindeaktivitäten und Außengastronomie. Die
    breiten Sitzstufen verbinden den Kirchplatz großzügig mit dem
    Stadtraum und laden zum Verweilen ein.

    Über das durchgesteckte Foyer mit integriertem Bistro werden
    Kirchplatz und Innenhof zusammengeführt. Der vorgesehene
    Belag aus roten Sandsteinplatten im Innen- und Außenbereich
    unterstützt die verbindende Wirkung.

    Der ruhige kontemplative Charakter des Innenhofs, zu dem sich
    auch der Gemeindesaal der KHG und der Konferenzraum
    orientieren, wird durch ein zentrales Wasserbecken mit Skulptur
    zu einem introvertierten Rückzugsraum. Der Innenhof kann bei
    Veranstaltungen fließend an das Foyer als Raumerweiterung
    hinzugeschaltet werden.

    Der Eingangsbereich des Kindergartens orientiert sich nach
    Westen zur geplanten Parkanlage und ist über geschnittene
    Heckenfelder gestaltet. Über den autofreien Bereich der
    Johannes-Müller-Straße ist eine direkte Anbindung an die
    Parkanlage gegeben.

    Dem auf Gartenniveau angeordneten Kindergarten ist auf
    gesamter Breite eine große Gartenfläche vorgelagert, die
    Terrassen und Spielflächen aufnimmt. Der leicht abgesenkte
    Gartenbereich schafft einen geschützten Freiraum für die Kinder.
    Als Höhenausgleich zu den angrenzenden Gärten sind
    bepflanzte Böschungen und niedrige Stützmauern geplant, die
    als Sitzfläche genutzt werden können.

    Erschließung

    Über die Kolonnade betritt man das großzügige Foyer, das im
    vorderen Bereich entlang der Fassade zweigeschossig
    ausgebildet ist und die Erschließung des Saals im Obergeschoss
    aufnimmt und sich zum Innenhof durchsteckt. Das in das Foyer
    integrierte Bistro verfügt über einen separaten Zugang zum
    Kirchplatz, so dass eine direkte Verbindung und ein optimaler
    Service im Zusammenhang mit der geplanten Außengastronomie
    sicher gestellt ist.

    Das Foyer bildet die gemeinsame Mitte mit Verteilerfunktion.
    Hierüber erreicht man:

    - Kirche
    - Info
    - Beratung
    - Bistro
    - Saal / Veranstaltung
    - Verwaltung
    - Hof

    Über die jeweiligen Erschließungsbereiche erfolgt die direkte
    Anbindung aller Funktionen an den gemeinsamen Innenhof.
    Über einen kleinen Vorplatz mit Parkplätzen auf der Südseite,
    gegenüber dem Audimax, werden sowohl die katholische
    Hochschulgemeinde, die Jugendräume wie auch die
    Wohnnutzungen erschlossen.

    Den Kindergarten betritt man über einen eingezogenen, am Park
    gelegenen Zugang, der in eine großzügige Eingangshalle mit
    Galerie führt. Eine breite Treppenanlage mit Sitzstufen und
    seitlicher Rutsche verbinden das Eingangsniveau kindgerecht mit
    dem auf Gartenniveau gelegenen Kindergartenräumen.
    Die Zufahrt zum Kindergarten erfolgt über die Johannes-Müller-
    Straße von Norden mit seitlich angelagerten Parkplätzen am
    Wendehammer.

    Insgesamt können 24 KFZ-Stellplätze vorgehalten werden.
    Über die Biegenstraße wird eine Tiefgarage mit 11 KFZStellplätzen
    erschlossen. Hierüber erfolgt auch die
    Müllentsorgung sowie die Erschließung der Funktionsräume im
    Untergeschoss der Kirche.

    Nutzung

    Gartengeschoss:
    - Kindergarten
    - Jugendräume mit vorgelagertem Lichthof
    - Nebenräume KHG
    - Krypta mit Sakristei und Beichtraum
    - Lager und Technik
    - Funktionsräume
    - Parken

    Erdgeschoss:
    - Foyer mit Info und Bistro und vorgelagerter
    „Kolonnade“
    - Verwaltung mit Beratungs- und Konferenzraum
    - Katholische Hochschulgemeinde mit Verwaltung und
    Veranstaltungsräumen

    1. Obergeschoss
    - Saal
    - Priesterwohnungen
    - Gästeapartments

    2. Obergeschoss
    - Studentenapartments
    Fassade/Materialien
    Kirchplatz, Hof und die umlaufenden Platzbeläge aus roten
    Sandsteinplatten nehmen Bezug zur schweren, steinernen
    Westfassade der Kirche, die für Petrus steht.
    „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche
    bauen“.

    Der angehobene Kirchplatz bildet das sichtbare gemeinsame
    Fundament von Kirche und Gemeindezentrum.
    Die aufgehenden Gebäude aus hellem Weißbeton nehmen
    Bezug zur hellen und lichten Westfassade der Kirche, die für
    Paulus steht, der bei seiner Erleuchtung von einem hellen Licht
    aus dem Himmel geblendet wurde.

    Fensterbänder gliedern die Fassade und vorgehängte
    Betonstelen überformen die unterschiedlichen Funktionen
    (Loggien, Wohnungen, Büro, Veranstaltungsräume …).
    Das Foyer mit Bistro und die Erschließung des Saals im
    Obergeschoss werden Richtung Biegenstraße mit einer
    Glasfassade versehen, die als großes Schaufenster zur Stadt
    wirkt. Eine vorgestellte Kolonnade mit unregelmäßiger
    Stützenanordnung bildet eine überdachte Vorzone und wirkt als
    Filter und Vorhang. Die Kolonnade wird baurechtlich als
    untergeordnetes Bauteil verstanden und ist nicht
    abstandsflächenrelevant.

    Die innere Fassade des im Obergeschoss angeordneten Saals
    soll künstlerisch gestaltet werden, so dass der Saal auch
    außerhalb der Nutzungszeiten, insbesondere in den
    Abendstunden, als Objekt hinter der Glasfassade in den
    Stadtraum wirkt.

    Kirche

    Durch hydraulisch verfahrbare Trennwände im Kirchenraum wird
    die Möglichkeit geschaffen, den vorderen Teil des Kirchenraums
    als Werktagskapelle zu nutzen. Dazu werden die abgetreppten
    Podeste um den Altar auf ein Podest zurückgebaut, so dass
    auch seitlich des Altars Kirchenbänke angeordnet werden
    können und so die Gemeinde näher an den Priester geführt wird.
    Die Erschließung erfolgt auch für die Werktagsgottesdienste über
    den Hauteingang, so dass der Charakter der Wegekirche
    erhalten wird.

    Für Sonntags- und Feiertagsgottesdienste kann durch
    herabfahren der Trennwände ohne Veränderung der Bestuhlung
    der bauzeitliche Kirchenraum wieder hergestellt werden.
    Die Sakristei wird auf Gartenniveau verlegt und ist auf direktem
    Weg über die seitlich gelegene geradlinige Treppe aus der Kirche
    zu erreichen.

    Für Beichtgespräche wird eine eingestellte Raumskulptur
    angeboten, die eine schallgeschützte und persönliche
    Atmosphäre innerhalb des Kirchenraums schafft.
    Über die Nische der ursprünglichen Beichtstühle wird die Kirche
    mit dem neuen Foyer des Gemeindezentrums verbunden.

    Reith Wehner Storch Architekten

    Beurteilung durch das Preisgericht

    "Der Neubau bildet mit dem bestehenden Kirchengebäude ein deutlich erkennbares, überzeugendes stadträum-liches Ensemble, das in seinem Inneren einen schönen Hof definiert. Durch die Gebäudefigur und die Positionierung der ergänzenden Maßnahmen wird die gründerzeitliche Bebauung des nördlich gelegenen Neubau-baugrundstückes als Abschluss der Kulturmeile und Biegenstraße respektiert und in das Gesamtensemble ein-bezogen. Die vorgeschlagenen Gebäudehöhen und -form tragen dazu bei, dass der Denkmalwert des Gebäu-des weiter gut zur Geltung kommt.
    (...)
    Insgesamt überzeugt der Beitrag in hohem Maße sowohl unter städtebaulichen wie auch gebäudeplanerischen Gesichtspunkten."

    aus Beurteilung durch das Preisgericht am 16. Januar 2018


INFO-BOX

Angelegt am 25.01.2018, 10:20
Zuletzt aktualisiert 30.01.2018, 10:51
Beitrags-ID 4-151443
Seitenaufrufe 173

Anzeige







Anzeige