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  • DE-88212 Ravensburg, DE-88214 Ravensburg
  • 01/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-283243)

Stadteingang am Bahnhof und erlebbarer Schussen


  • ein 3. Preis

    Lageplan, © bwp Bode, Williams + Partner mit Tamandua Architekten

    Landschaftsarchitekten
    bwp bode, williams und partner landschaftsarchitektur, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Udo Bode , Benjamin Boye

    Mitarbeit
    Alessandro Drescher

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: TAMANDUA - Schmelzer Martinelli Gbr, Berlin (DE)

    Preisgeld
    15.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Selbstverständlichkeit im Umgang mit den städtebaulichen Setzungen und der freiräumlichen Gestaltung aus. Das Bahnhofsgebäude bleibt erhalten und wird nach Norden mit zwei- und dreigeschossigen Anbauten erweitert. So wird der Bereich zwischen Bahnhofsplatz und ZOB räumlich maßstäblich definiert. Der neue Steg über die Bahnanlagen ist in die Bebauung integriert. Dies kann baukörperlich und vor allem mit Blick auf eine gute Auffindbarkeit nicht überzeugen. Überzeugend dagegen ist die Ausgestaltung des Bahnhofsplatzes. Durch die Verlagerung der Erschließung auf die Südseite und die Verlegung der Kurzzeitparkplätze in die südliche Bahnhofplatz-Straße wird die Aufenthaltsqualität des Platzes verbessert. Dabei stören allerdings die Stellplätze für die Reisebusse ebenso wie die Stellplätze des Schienenersatzverkehrs im Durchgangsbereich zum ZOB (Transferium). Die Taxistellplätze in der Platzmitte sind hierbei nicht störend und gut gewählt. Sie liegen pragmatisch nahe zum Bahnhof. Im südlichen Bereich des Bearbeitungsgebiets schlagen die Verfasser eine bis zu fünfgeschossige Wohnbebauung vor. Die Baumasse ist in vier eher zu kleinteilige Bausteine gegliedert, die sich in den Stadtraum einfügen. Die Wohnnutzung wird jedoch kritisch gesehen, auch wenn die Verfasser passive Schallschutzmaßnahmen vorschlagen. Da der gesamte Kurzzeit-Parkierungsbedarf in der nach Osten verlagerten Bahnhofplatz-Straße angeordnet wird, sind zusätzliche Lärmbelastungen zu erwarten und ggf. aufwendige Tiefgaragen im Grundwasser erforderlich.
    Eine Verkehrsberuhigung vor dem Ausgang der Unterführung erfolgt durch die Unterbindung der Überfahrt des Bahnhofsvorbereichs.
    Der neue Steg über die Bahngleise verbindet die Stadtseite mit dem freiräumlich sehr angemessen gestalteten Freiraum an der Schussen. Die schräge Positionierung des Stegs mag der Lage des neuen Radhauses geschuldet sein und eine direkte Anbindung zum Parkierungs- und Fernbusterminal im Norden des Plangebiets ermöglichen. Seine architektonische Gestaltung und die bauliche Dimension erscheinen jedoch gewollt, übertrieben und nicht überzeugend.
    Der Freiraum an der Schussen dagegen verspricht eine sehr angemessene und atmosphärische Ausgestaltung des Uferbereichs. Die zurückhaltende Bepflanzung, die einfache Wegeführung und die sensible Modellierung des Geländes zur Schussen hin lassen vielfältige Nutzungen zu. Die Ausgestaltung des Ufersaums und die Platzierung der Zugänge zum Wasser sind gut ausgeformt. Durch die Verschwenkung der Escher-Wyss-Straße zum Bahngleis hin entsteht ein zusammenhängender Park. Die bestehende Fußgängerunterführung wird konsequent verlängert und mündet direkt am neu gestalteten Schussenbalkon. Dadurch wird der Konflikt zwischen Kfz und Fußgänger vermieden. Die Gestaltung des Ausgangs bleibt aber hinter den Möglichkeiten einer Neuordnung zurück.
    Der Freiraum an der Schussen wird durch die beiden Gebäude im Süden und Norden räumlich gefasst. Im nördlichen Gebäude, dem „Mobilitäts-Hub“ werden die notwendigen Stellplätze nachgewiesen und die Fernbusterminals angeordnet. Anbindung, Wendemöglichkeiten und Erschließung der Gewerbeflächen jenseits der Schussen sind in richtigen Dimensionen gewährleistet.
    Das Gebäude im Süden schafft eine interessante Gliederung der Freibereiche und wertet die Bestandsnutzungen auf. Der hohe Baukörper schafft einen stadträumlichen Akzent, der auch vom Bahnhofsplatz aus erlebbar ist. Seine Ausprägung und vor allem die Gebäudelänge werden jedoch hinterfragt. Die Dimension und Positionierung des Gebäudes am vorgeschlagenen Verschwenk der Erschließungsstraße führt zu unnötigen Zwängen für den Straßenverlauf.
    Die Arbeit hat ihre Stärken in der Dimensionierung, Gestaltung und Prägung der öffentlichen Räumen und Freianlagen insbesondere am Schussenufer. Sie erscheint
    sehr stimmig in der Setzung der Raumkanten. Erschließung und Wegeführungen sind nachvollziehbar, jedoch nicht in allen Bereichen ideal. Dagegen enttäuschen die Vorschläge zur architektonischen Gestaltung der neuen Baukörper, insbesondere für den
    Bahnhof und den Steg über die Gleise. In Summe stellt der Beitrag eine angemessene, gut dimensionierte und in weiten Bereichen hochwertige Lösung der schwierigen Aufgabe dar.