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  • DE-10787 Berlin
  • 12/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-291336)

Fassadengestaltung Deutsches Institut für Normung e.V. in Berlin


  • 3. Preis

    Fassadenansicht, © Gärtner und Christ

    Architekten
    behet bondzio lin architekten, Münster (DE), Leipzig (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    Fassadengestaltung Deutsches Institut für Normung e.V. Berlin


    Erläuterungsbericht


    a. Erläuterung und Begründung des vorgeschlagenen Entwurfskonzeptes
    Die vorgefundene Bestandssituation ist geprägt, durch unterschiedliche bauliche Zeitschichten und im Hinblick auf Baukörpervolumetrie, Entwurfssprache und Materialität als heterogen zu bezeichnen. Für die Entwicklung einer schlüssigen Fassade ist aus unserer Sicht zunächst eine Beruhigung der baulichen Figur erforderlich. Hierfür schlagen wir die im Weiteren aufgeführten gezielte Eingriffe in den Bestand vor:
    1. Subtraktion
    In einem ersten Schritt werden die vorhandenen Dachaufbauten und weitere aus der Baukörperflucht hervortretende Elemente zurückgebaut.
    2. Addition
    Daraufhin werden in Teilbereichen bauliche Ergänzungen vorgenommen. Hierzu zählen v.a. die mehrere Geschosse umfassende Baukörperergänzung am Haupteingang sowie das Schließen der Baukörperflucht im Erdgeschoss durch eine bauliche Ergänzung im Bereich des Mitarbeiterrestaurants zur Burggrafenstraße.
    Durch die v.g. Maßnahmen wird die Präsenz des Baukörpers besonders im Bereich des Haupteinganges gestärkt. Dieser tritt nun über alle Geschosse aus der Baukörperflucht hervor und markiert so eindeutig den Zugang zum Gebäude. Ferner gewinnt die Kubatur an Eindeutigkeit. Es findet eine klare Unterscheidung zwischen liegendem, straßenbegleitendem Baukörper (Flachbau) und stehendem Hochhaus statt. Auf dieser so geschaffenen Grundlage findet nun die Entwicklung einer schlüssigen Fassade statt.
    3. Umhüllung
    Die Fassade trägt der größtenteils einheitlichen Nutzung der Grundrisse Rechnung und bildet diese nach Außen hin in Form einer klar gegliederten Struktur ab. Sonderbereiche wie z.B. der neu gestaltete Haupteingang oder der Dachgarten werden durch Differenzierungen innerhalb dieser Struktur zum Ausdruck gebracht.
    Die Erscheinung der Fassade ist bestimmt durch geschosshohe Fassadenelemente als Metall-Glaskonstruktionen, die ihr einen technischen Charakter verleihen. Geschlossene Lüftungsklappen wechseln sich in einem einheitlichen Rhythmus mit Glasflächen ab, wobei die Rahmen der Einzelelemente durch schmale Metall-Profile gebildet werden.
    Vor- und Rücksprünge innerhalb der Fassade bilden ein Schattenspiel, welches neben den reflektierenden Glas- und Metallflächen je nach Sonnenstand der Fassade einen differenzierten Ausdruck verleiht.

    b. Beschreibung von Konstruktion und Materialien
    Die Fassade wird konstruktiv im wesentlichen als Elementfassade ausgebildet. In Teilbereichen (Ausfachungen, Dachrandabschlüsse, Sockelzone) wird die Fassade mit einer vorgehängten Metallkonstruktion verkleidet.
    Die Fassadenelemente sind als thermisch getrennte Konstruktion ausgebildet. Zentrales Bauteil ist ein mittig geteiltes, Fensterelement, welches im Bereich von sonnenexponierten Bereichen als Verbundfenster mit integriertem Raffstore ausgebildet wird. Nach oben hin wird das Fenster von einem Dämmpaneel angeschlossen. Seitlich an das Fenster angesetzt sind zwei opake Lüftungsklappen. Da die Lüftungsfunktion durch diese übernommen wird, ist eine Lüftung über die Fenster im Regelfall nicht erforderlich. Im Fall der Verbundfenster kann zu Revisions- und Reinigungszwecken der innere Fensterflügel geöffnet werden. Vorteil der v.b. Konstruktion ist die Tatsache, dass der außenliegende Sonnenschutz windunabhängig zum Einsatz kommen kann.
    Die Fassade materialisiert sich als Metallkonstruktion aus eloxierten Aluminiumblechen (d=3mm) in einem Bronzeton. Im Bereich der Fenster kommt – kontrastierend - ein hellgrauer Farbton (ebenfalls Eloxal) als Oberfläche für die Profile und Bleche zum Einsatz.

    c. Angaben zum Reinigungs- und Wartungskonzept
    Alle Fensterflächen sind nach innen zu öffnen. Dies ermöglicht - für Hochhaus und Flachbau gleichermaßen - grundsätzlich eine Reinigung und Wartung aus dem Gebäudeinneren. Für den Bereich des Hochhauses wird jedoch aufgrund der erhöhten Windeinwirkungen die Weiterverwendung der bestehenden Befahranlage vorgesehen. Für ggf. erforderliche Umbaumaßnahmen an der v.g. Anlage werden pauschal 15.000€ in der Kostenschätzung berücksichtigt.

    d. Angaben zu Schallschutz und Lüftungskonzept
    Laut dem, der Auslobung beigefügtem Schallschutzgutachten ist die Fensterausführung ohne zusätzliche schallschutztechnische Maßnahmen (z.B. Prallscheiben) umsetzbar. Nichts desto weniger wird durch den, für sonnenexponierte Fassadenbereiche vorgeschlagenen, Einsatz von Verbundfenstern ein verbesserter Schallschutz für Teilbereiche erzielt.
    Eine natürliche Lüftung kann im Regelfall über die Fassade erfolgen. Hierzu sind in den Fensterelementen opake Lüftungsklappen vorgesehen. Die Lüftungsklappen sind in jeder zweiten Achse angeordnet und ermöglichen somit flexible Trennwandstellungen, so dass unabhängig von der Lage der Trennwandstellung bei einem Zweiachsbüro grundsätzlich ein Öffnungsflügel vorhanden ist.


    e. Angaben zum sommerlichen und winterlichen Wärmeschutz
    Grundsätzlich wird die gesamte Gebäudehülle gemäß den thermischen Anforderungen der aktuellen ENEV ausgebildet. Hierfür ist maßgebend, dass sowohl Fenster (3-Schieben-Isolierverglasung), wie auch Dämmschichtdicke (160mm) den normativen Vorgaben entsprechen.
    Für die Umsetzung des sommerlichen Wärmeschutzes ist darüber hinaus die Einwirkung der Sonneneinstrahlung durch die Fenster zu unterbinden. Hierzu wird im Bereich der sonnenexponierten Fassaden ein Verbundfenster mit integriertem, windunabhängigem Sonnenschutz ausgebildet.

    f. Aussagen zur Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
    Die elementierte Bauweise der Fassade mit vielen sich wiederholenden Objekten ermöglicht einen hohen Vorfabrikationsgrad. Dieser führt, neben einer hohen Maßhaltigkeit der Elemente (Qualität) v.a. auch zu einer zeitoptimierten Montage. Die v.g. Aspekte lassen eine wirtschaftliche und somit kostenoptimierte Produktion und Montage erwarten.
    Als Material wird Recycling-Aluminium (mit Eloxal-Oberfläche) als ein langlebiger, da korrosionsbeständiger Werkstoff gewählt

    g. Angaben zu konstruktiven Maßnahmen und Fassadenlasten

    Die Fassade ist als Aluminiumkonstruktion vorgesehen und somit tendenziell als „leichte“ Fassade zu sehen. Eine Einhaltung der Gewichtsobergrenze von 150kg/qm für das Hochhaus bzw. 350kg/qm für den Flachbau ist nach überschlägiger Ermittlung gegeben.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Entwurf besticht durch die Transformation des heterogenen Gebäudeensembles zu einer integrierten Gesamtfigur. Die Gebäudefigur entwickelt sich zu einer konsequenten und ausdrucksstarken Stadtfigur, die sich am DIN-Platz selbstverständlich positioniert.

    Die Klarheit des transformieren Gebäudes wird einerseits durch die Vervollständigung des Hochhauses und des Staffelgeschosses erreicht. Die durchgehende vertikale Fassadengliederung strukturiert konsequent die neue Gebäudefigur. Differenziert erscheinen der Gebäudesockel und auch die oberen Abschlüsse.

    Die Präzision der Fassade mit den industriellen Elementen schafft eine Verbindung zum DIN und findet gleichzeitig den überzeugenden Anschluss zum denkmalgeschützten Nachbargebäude. Mit der architektonischen Haltung wird nachhaltig ein Beitrag geschaffen, der dem Gebäude auch in der Zukunft Zeitlosigkeit verspricht.

    Kritisch wird die Fenstergröße und Aufteilung gesehen, die hinsichtlich der Belichtung keine maximale Tagesbelichtung erreicht. Weniger überzeugend ist die Darstellung der Innenansicht, die zu wenig flexible Trennwandanschlüsse zeigt.

    Mit der Überhöhung des Foyers gelingt eine großzügige und angemessene Adresse.

    Die Erweiterung im Bereich der Kantine wird als Raumangebot grundsätzlich positiv gesehen, in der Ausformulierung ist dieses allerdings architektonisch noch zu schwach.

    Insgesamt überzeugt die Arbeit mit der städtebaulichen und architektonischen Haltung und bietet eine sehr gute Grundlage für die Weiterentwicklung des Standortes, auch wenn es zu möglichen Diskussionen über die Farbgestaltung kommen kann.