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  • 1. Preis

    © UKW Innenarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    Förder Landschaftsarchitekten, Essen (DE), Luxembourg (LU) Büroprofil

    Verfasser
    Matthias Förder

    In Zusammenarbeit mit:
    Innenarchitekten: UKW Innenarchitekten, Krefeld (DE)

    Preisgeld
    3.000 EUR

    Erläuterungstext
    Kirche mit Bildung und Kultur im Einklang

    Die Architektur der St. Augustinus Kirche präsentiert sich als ein insgesamt schlichter Backsteinbau mit mächtigem Glockenturm. Das Material Ziegel dominiert das komplette Bauwerk.

    Städtebaulich erschließt sich der Kirchenbau als Hauptvolumen von der Bahnhofstraße. Die St. Augustinus Kirche bekommt eine zusätzliche Aufgabe in Form der Bücherei der St. Andreas Gemeinde in Funktion der öffentlichen Bücherei der Stadt Cloppenburg inklusive des Umlandes. Bildung ist der Schlüssel zu einer funktionierenden Gesellschaft und grade in Zeiten unterschiedlicher Einflüsse wichtiger denn je. Eine Bücherei als kulturellen Ort in einer Kirche mit einer Kirche zu verbinden ist nahezu eine
    perfekte Symbiose.
    Beides sind Orte der Kontemplation, beide Orte dienen sowohl der persönlichen Bildung, des Denkens, aber genauso auch dem gesellschaftlich, kollektiven Leben in einer Gemeinde.
    Daher zielt dieser Entwurf auf eine gewollte Verbindung dieser beiden doch unterschiedlichen Funktionen.

    Der dominante Haupteingang zu diesem Bauwerk aus dem Jahre 1958/59 wird gemeinsam genutzt und das an- schließende Foyer kann für Ausstellungen genutzt werden. Eine Glaswand als Abschluss des Foyers schafft den Übergang in den Hauptraum, der nun als Bücherei dient, zweigeschossig und überwältigend in seiner inneren, architektonischen Formgebung.

    Im hinteren Bereich entsteht ein hoher Zylinder, eine Rotunde aus massivem, mehrschichtigen Holz, einem der Urbaustoffe dieser Welt. Eingefasst von einer elliptischen Geschossdecke für das Obergeschoss der Bücherei, wächst diese Rotunde
    geradezu symbolisch nach oben und erzeugt im Inneren durch seine fein abgestufte Holzoberfläche und eine Decke, ausgebildet als ein diffus Licht abgebendes transparent, pneumatisches Folienkissen, einen nahezu meditativen Innenraum.

    Die Parkplätze östlich des Einganges angeordnet, integrieren sich in das Gefüge zur Nachbarbebauung und halten so den Platz frei um den Hauptzugang großzügig freizustellen und gleichzeitig den durch eine neue Allee gesäumten Weg zum wohl proportionierten Innenhof zu bilden. Die rechtwinklige Anordnung von Gras- und
    Pflanzenbeeten, sowie Rasenflächen ordnen den Außenraum unter Beachtung des Innenhofes mit ebenfalls hoher Aufenthaltsqualität.

    Die gewählten Materialien basieren aus Rücksicht auf den vorhandenen Ziegel und ergänzen dieses ursprüngliche Material primär um den Werkstoff Holz für die Rotunde sowie den Boden in weiten Bereichen. Die Möblierung der Bücherei ist wie die weißen Wände zurückhaltend in Weiß gehalten, ergänzt um an besonderen Stellen durchaus sichtbar Kontrast bildende Farben, die Bezug nehmen auf das Rot des Ziegels und das dominante Blau der verbleibenden farbigen Verglasungen im Radfenster, im Foyer und im gesamten, halbrunden Sakristeigebäude.

    Die Beschriftung Kirche und Bücherei ist aus schlichten, einzelnen Stahlstabbuchstaben gefertigt auf das Mauerwerk montiert, um ganz offen mit der erweiterten, aber gewollten Nutzung des Bauwerkes umzugehen.

    Die Gebäudedecken und Dächer, die Fenster und weitere Bauteile werden im Rahmen der
    Ertüchtigung nach der geltenden ENEV mit entsprechenden Dämmmaßnahmen ertüchtigt. Eine energiesparende Gebäudetechnik mit Gasheizung und Fußbodenheizung ergänzt das Portfolio eines modernen Sanierungsprojektes ohne durch die Technik dominiert zu werden. Alle Umbauten, eingesetzten Materialien und eingeplante Technik
    basiert auf dem Ziel eines einfach zu unterhaltenden Gebäudes um den Unterhaltungsaufwand gering zu halten.

    Oberste Prämisse dieses Entwurfes ist das Ziel Räume mit hohen Aufenthaltsqualitäten zu schaffen.

    Das Mobiliar des Kirchenraumes ist zurückhaltend in anthrazitfarbenem steinähnlichem Material gearbeitet und bildet so den erdenden Kontrast zur wolkenartigen Decke des Zylinders.

    Verschiedene Varianten zur Nutzung und Ausrichtung des Mobiliars werden durch den runden Grundriss des Kirchenraumes geradezu herausgefordert.

    Der ehemals ausschließlich durch die Sakristei genutzte Rundbau, dient auch jetzt dieser kirchlichen Funktion, erweitert aber um einen optional nutzbaren, direkten Zugang zum Kirchenraum, aber auch der Unterbringung der notwendigen Toilettenanlagen und des gemeinsam genutzten Technik-, Lager- und Putzmittelraumes.

    Hinter der Rotunde, quasi in der Fuge zum halbrunden Abschluss entsteht ein inszeniert wirkender Treppenraum, der die Besucher der Bücherei nach oben führt. Auf der oberen Ebene dominiert die elliptische Brüstung den Raum und dient gleichzeitig der Medienablage und –betrachtung.

    Die Möblierung der Bücherei nimmt allerorten Rücksicht auf das Bestandsbauwerk wie auf den neu eingestellten, zylindrischen Kirchenraum.

    Vom Foyer führend sind zwei parallel geführte Möbel mit breiten Drehflügeltüren ausgestattet, die es erlauben, zu Zeiten in denen nur die Kirche genutzt wird, quasi eine Brücke vom Foyer direkt in den Kirchenraum zu bilden.
    Im täglichen Betrieb können beide Funktionen parallel ausgeübt werden ohne, dass Kollisionen entstehen.

    Der Servicebereich der Bücherei ist im östlichen Teil, die Medien im westlichen Teil des Erdgeschosses. Alle Medien sind entsprechend den heutigen, modernen Anforderungen positioniert und bilden ganz bewusst an vielen Stellen zusätzliche Orte zum Arbeiten und Lesen. Insgesamt bilden sich nun für beide Nutzungen Räume mit hohen Aufenthaltsqualitäten.

    Das Pfarrheim ist stark umstrukturiert worden. Hier sind im EG sowohl die Hauptversammlungsräume für beide Nutzer wie auch die Büroräume der Bücherei.
    Gleichzeitig aber auch ein vergrößertes Foyer welches mit dem um eine Achse verlegten Zugang mehr Bezug zur Mitte des neuen Innenhofes bekommt.

    Die Fassade des Pfarrheimes bekommt eine vorgesetzte Fassade aus Cortenstahl oder
    entsprechendem farbigen Fassadenbaustoff, um so einen harmonischen Übergang zum Ziegel des Kirchenbaus zu finden.

    Die Fenster werden weitestgehend bis zum Boden vergrößert, so dass auch aus den Räumen heraus ein direkter Zugang nach draußen möglich ist.
    In der Nordfassade zur Bahnhofstraße in Anbindung zum Parkplatz befinden sich die 24 Stunden Rückgabe sowie ein großer Briefkasten.

    Die Kunstwerke der St. Augustinus Kirche von Prof. Paul Dierkes sind bewusst im gesamten Bauwerk der Kirche verteilt um den Zusammenhang nochmals zu verdeutlichen. Raumnischen werden hierfür genutzt, genauso wie eine ausgesuchte Stelle in der Rotunde für die Maria mit Kind im Kirchenraum.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 02.02.2018, 13:00
Zuletzt aktualisiert 05.02.2018, 15:06
Beitrags-ID 4-151811
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