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  • DE-89537 Giengen, DE-89537 Giengen
  • 01/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-291717)

Umgestaltung Rathausplatz


  • 1. Rang

    Platzeingang vom Postberg / Reichsstadtring, © silands | Gresz + Kaiser Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    silands | Gresz + Kaiser Landschaftsarchitekten PartG mbB, Ulm (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Lichtplaner: DAY & LIGHT LICHTPLANUNG, München (DE)
    Visualisierer: Architektur & Zeichnung, München (DE)

    Erläuterungstext
    ORT & KONTEXT

    Als räumliches und gesellschaftliches Zentrum ist der Marktplatz seit der Stadtgründung durch die Staufer Herzstück der Giengener Stadtanlage. Im geschichtlichen Kontext wird dies deutlich beim Betrachten der historischen Stadtgrundrisse und Stiche. In der Gegenwart zeugt davon die Vielfalt an Nutzungen und Veranstaltungen, denen der Marktplatz eine Heimat bietet - von Stadtkonzerten und Märkten über die Rathausserenade bis hin zum jährlichen Kinderfest und Panschertreff.

    Dazwischen - und damit ist vor allem das 20. Jahrhundert gemeint - leitete sich der Anspruch an dem Platz vor allem aus den Bedürfnissen der Automobilität ab. Das Ausmaß der damit verbundenen Eingriffe in den Stadtkörper - der Postbergdurchbruch, der Abbruch des Brunnenhauses und die Errichtung der Alten Post - wird deutlich, wenn man den heutigen Stadtgrundriss mit jenem aus dem Jahr 1830 vergleicht. Mit der Öffnung der ehemals fast geschlossenen Marktplatzbebauung Richtung Burgstraße und Steiff-Museum ist am Postberg ein neues „Portal zur Stadt“ entstanden. Verbunden war mit der Veränderung des Stadtgrundrisses jedoch auch ein Eingriff in die ursprüngliche Proportion der historischen Platzanlage.

    IDEE & UMSETZUNG

    Der Entwurf verfolgt das Ziel, mit einer zurückhaltenden, die wertvolle Platzkulisse respektierenden Gestaltung den vielfältigen Anforderungen an diesen zentralen Stadtraum gerecht zu werden. Dabei steht zum einen die multifunktionale Nutzbarkeit des Platzes im Vordergrund. Zum anderen existiert der Wunsch der Bürgerinnen und Bürger nach einem attraktiven, prägnanten und dauerhaften Aufenthalts- und Verweilangebot, sowohl im gastronomischen als auch im nichtkommerziellen Bereich.

    Stadträumlich erfolgt die Umsetzung des Entwurfsgedankens in Anlehnung an die historische Platzanlage. So wird vorgeschlagen, die Platzfläche vor dem Rathaus und dem Schreibwarengeschäft Süßmuth als vielfältig nutzbaren Stadtraum offen zu halten und somit den regelmäßig stattfindenden Märkten in der Mittleren Marktstraße einen Erweiterungsraum und Auftakt zu geben. Demgegenüber soll am Standort des historischen Brunnenhauses ein neues „Stadtmöbel“ in Form eines Brunnentisches entstehen, das im Rahmen von Veranstaltungen (bei Nichtbetrieb des Brunnens) als „Stadtbühne“ bespielt werden kann.

    Dieses neue Stadtmöbel soll Begegnungsort und Kristallisationspunkt des zukünftigen Platzes sein. Mit einer Sitzbank im Westen und dem „Herauswachsen“ der Fläche aus dem topografischen Geländeverlauf im Osten entstehen vielfältige Sitz- und Verweilmöglichkeiten mit Blick auf das Wasser und in die Marktstraße. Kinder werden durch Wasserfontänen und einen Brunnenüberlauf in Form eines kleinen Wasserfalls zum Spielen und Erleben animiert. Die Bronzeguss-Plastik von Prof. Karl-Ulrich Nuß erhält einen ganz selbstverständlichen Platz inmitten der Wasserfläche, die bei Nichtbetrieb der Fontänen als Himmelsspiegel sowohl Richtung Rathaus als auch Richtung Alte Post funktioniert. Brunnenplastik und Wasserfontänen sind sowohl in der Blickachse der Marktstraße als auch in der Blickachse des Postbergs erlebbar und geben der historischen Platzbebauung ein kräftiges und gleichzeitig angemessenes „Vorgelege“.

    Vom Postberg aus erhalten Marktplatz und Marktstraße einen prägnanten Auftakt. Vom Marktplatz aus fungiert das Brunnenelement mit Fontänen und Wasserfall als akustischer und transluzenter räumlicher Filter Richtung Reichsstadtring. Das Befahren des Platzes vom Reichsstadtring aus wird ohne zusätzliche Poller verhindert.

    MATERIAL & WIRTSCHAFTLICHKEIT

    Der Bedeutung des Ortes und dem Wunsch nach einer langlebigen, werthaltigen und angemessenen Oberfläche Rechnung tragend, wird für die Neugestaltung des Marktplatzes ein Granitpflaster unterschiedlicher Formatigkeit und leicht variierender Nuancierung vorgeschlagen. Die Verlegung erfolgt in Reihen; die Ausrichtung des Pflasters bezieht sich auf die Geometrie des raumprägenden Rathauses. Um den Reichsstadtring einzubinden und dem Platzgedanken gestalterisch unterzuordnen, wird für die Ausführung der Fahrbahn das Material des Platzes vorgeschlagen, jedoch mit Verlegung quer zur Fahrtrichtung.
    Die Positionierung und Ausgestaltung des neuen Brunnens erlaubt einen Weiterbetrieb der vorhandenen Brunnenstube.

    Die Beibehaltung der Platztopografie gewährleistet eine wirtschaftliche Herstellung sowohl im Hinblick auf die Wiederverwendung der vorhandenen Tragschichten als auch hinsichtlich der Unwägbarkeiten archäologischer Grabungen.

    Die Wirtschaftlichkeit im Unterhalt wird durch die Wahl langlebiger und robuster Oberflächen und Ausstattungselemente gewährleistet.

    LICHT & ATMOSPHÄRE

    Die Beleuchtung folgt der Aufweitung des Marktplatzes durch eine zweireihige Anordnung von ca. 4,5 m hohen Lichtstelen, ohne diesen räumlich zu untergliedern. So wird die Platzfläche für flexible Nutzungsmöglichkeiten freigehalten. Gestalterisch setzen die Leuchten die schlichte, unaufdringliche Formensprache der Beleuchtung der Marktstraße fort, bieten jedoch mehr Funktionalität: Neben optionalen Stromanschlüssen für Markt- und Weihnachtsbeleuchtung sowie E-Mobilität können modular zusätzliche Lichtköpfe gegenüber dem Rathaus für eine Fassadenakzentuierung hinzugefügt werden. Neben der Grundbeleuchtung schafft eine dezente Aufhellung der Fassade des alten Postgebäudes visuell einen Raumabschluß nach Westen, unterstützt durch eine Anstrahlung der bestehenden Linde. Durch die Akzentuierung der Panscher-Skulptur sowie der Wasserkante an der östlichen Seite des Brunnentischs entsteht ein visueller Anker in der westlichen Platzmitte. Die atmosphärische, in warmer Lichtfarbe gehaltene Beleuchtung definiert durch ausgewogene Kontraste das Platzvolumen im nächtlichen Stadtbild und unterstützt eine belebende Außengastronomie.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf besticht durch seine konsequente Einfachheit und sein rundum durchdachtes Design.


INFO-BOX

Angelegt am 06.02.2018, 11:34
Zuletzt aktualisiert 13.02.2018, 16:55
Beitrags-ID 4-151903
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