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  • DE-79111 Freiburg im Breisgau, DE-79114 Freiburg im Breisgau
  • 10/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-262905)

Neuer Stadtteil Dietenbach


  • Preisgruppe Zur Überarbeitung aufgefordert

    Überarbeitung 2. Phase, © Hosoya Schaefer Architects AG / Agence Ter

    Stadtplaner
    Hosoya Schaefer Architects AG, Zürich (CH) Büroprofil

    Verfasser
    Markus Schaefer , Alexander Kneer , Hiromi Hosoya

    Mitarbeit
    Michele Fumagalli, Daniel Ostrowski

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Agence Ter, Karlsruhe (DE), Paris (FR)

    Erläuterungstext
    Der neue Stadtteil Dietenbach bietet eine Mischung aus zeitgemäßer Urbanität und Nutzungsvielfalt, durchgrüntem Wohnraum und landschaftlicher Weite.

    Erreicht wird dies auf Stadtteilebene durch zwei sich weitende Parkbänder sowie innerhalb des Quartiers durch große, raumbildende Nachbarschafts-Superblocks, die nach außen – zum Straßenraum - urban in Erscheinung treten und nach Innen vielfältige, grüne Wohnwelten bieten. Sie bestehen wiederum aus kleineren, unterschiedlichen Geviertbausteinen, werden im Inneren autofrei über Wohnwege erschlossen und verfügen über einen zentralen Nachbarschaftsanger als gemeinschaftlich nutzbaren Freiraum.

    Die zwei großen Parkbänder, der Mooswaldpark und der Auenpark Dietenbach, bringen landschaftlichen Freiraum bis tief ins Quartier. Gleichzeitig organisieren sie die Mobilität – sie sind den Fußgängern vorbehalten und bieten schnelle, attraktive Radwegverbindungen ins übergeordnete Netz und zum Stadtzentrum.

    Die Parkbänder sind so angelegt, dass sie die Sichtachsen zu Schwarzwald und Kaiserstuhl aufnehmen und inszenieren – die Mittelgebirgszüge bilden sozusagen die dritte, offene Parkkante. Sie sind in Windrichtung ausgerichtet und sorgen für eine gute Durchlüftung, Wärmeinseln werden vermieden.

    Besonderer Wert wird auch innerhalb des Quartiers auf Blickachsen gelegt. Der Boulevard von der Besanconallee kommend öffnet den Blick in den Park; am Endpunkt wichtiger Achsen – zum Beispiel vom Rieselfeld kommend - steht jeweils ein hohes Gebäude und schafft so Orientierung. Ein Hochhaus in der Wendeschleife bildet Blickfang und Abschluss des Dietenbach-Freiraums.

    Ein Boulevard als Hauptstraße in Form eines Z verbindet die beiden Anschlusspunkte und bildet prägnante Stadteingänge. In der Stadtteilmitte wird der Boulevard nicht gemeinsam mit der Stadtbahn, sondern parallel geführt. Zwischen den beiden Hauptachsen Autoverkehr und Stadtteilbahn spannt sich so das Stadtteilzentrum (als Mischgebiet) auf. Durch die Aufteilung der Trassen können sehr breite, trennende Straßenquerschnitte im Zentrum vermieden werden und es kann ein urbane, dichte, intensiv genutzte Mitte erzeugt werden. Das Zentrum ist klar begrenzt und definiert.

    Am Südende des Zentrums liegt der Dietenbacher Stadtplatz; hier treffen sich die wesentlichen Verbindungsachsen. Er ist verkehrsfrei und öffnet sich nach Westen zum Mooswaldpark mit Blick zum Kaiserstuhl.

    Das Quartier soll eine urbane Dichte mit raumbildenden Straßenzügen nicht nur im Zentrum ermöglichen. Die größte Dichte liegt bei rund 2.0 in Etappe 2 und im Zentrum leicht darüber. In den Randgebieten dominieren einfamilienhausähnliche Strukturen bei einer Dichte von 1.3; auch diese Quartiere weisen jedoch eine verdichtete, urbane Quartierssammelstraße im Inneren auf.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Planverfasser entwerfen einen neuen Stadtteil mit zwei großen Parkbändern. Mit dem
    Dietenbachpark und den Mooswaldpark entstehen drei gut proportionierte Siedlungsbereiche, die durch ein urbanes Zentrum überzeugend miteinander verknüpft werden. Diese neue Mitte zeichnet sich durch eine angemessene bauliche Dichte und vielfältige Nutzungsangebote aus.

    Der Entwurf basiert auf unterschiedlich großen Baublöcken, die in der jeweiligen räumlichen Konstellation überzeugend ausgebildet werden. Die in die Typologie eingeschriebenen „Nachbarschaftsblocks“ ermöglichen vielfältige Wohnformen und eine gute soziale Durchmischung. Positiv bewertet wird dieser Idee, dass sie auf kleinem Raum unterschiedliche bauliche Körnungen bietet und so Quartiere mit vielfältigen Charakteren entstehen lässt. Den Vorschlag kennzeichnet eine differenzierte soziale Mischung auf der nachbarschaftlichen Ebene. Dies wird auch im Detail überzeugend dargestellt. Zu hinterfragen ist allerdings, ob in jedem Baufeld zwanghaft alle
    Wohntypologien angeboten werden müssen. In den Randbereichen gibt es gleichwohl das Potential, partiell dichtere Wohnstrukturen einzufügen, um einen stärkeren Rand für den Stadtteil auszubilden. Während die städtebauliche Dichte generell angemessen erscheint, sollte der „Tramturm“ hinsichtlich seiner Höhe und Lage in der Frischluftschneise überprüft werden.

    Durch die Grünzüge wird der neue Stadtteil mit den angrenzenden Landschaftsräumen des Mooswaldes und des Dietenbachparks überzeugend verknüpft. Die Parkanlagen tragen zur Verbesserung des Stadtklimas bei und bieten vielfältige Nutzungs- und Erholungsmöglichkeiten. Die ÖPNV-Erschließung in den neuen Stadtteils ist schlüssig. Die Wendeschleife darf jedoch nicht im Grünzug liegen, sondern sollte vielmehr mit dem P+R Platz kombiniert werden. Die MIV-Erschließung ist wenig nachvollziehbar und erschwert die Orientierung im neuen Stadtteil. Positiv werden die durchgängigen Radwegachsen entlang des Mooswaldparks und des Dietenbachparks bewertet. Die
    Stichstraßenerschließung in den Randbereichen ist hinsichtlich ihrer Funktionalität für Feuerwehr und Müllabfuhr zu überarbeiten.

    Insgesamt überzeugt der Entwurf durch seine Bearbeitungstiefe in den unterschiedlichen Maßstäben, sowohl in der baulichen als auch in der freiraumplanerischen Differenzierung. Die Visualisierung des Stadtplatzes gibt einen Ausblick auf ein urbanes Stadtquartier mit hoher stadträumlicher Qualität.