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  • DE-70771 Leinfelden-Echterdingen
  • 02/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-273958)

Schelmenäcker


  • ein 3. Preis


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    Architekten
    SCHILLING ESCHER STEINHILBER ARCHITEKTEN, Stuttgart (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Investoren: pro.b Projektentwicklung & Projektsteuerung GmbH & Co. KG, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: Georg Wasmer Landschaftsarchitekten, Berlin (DE)

    Preisgeld
    15.000 EUR

    Erläuterungstext
    ICH _ WIR _ ALLE

    SOZIALES KONZEPT UND GESTALTUNGSPRINZIP

    „Ich _ Wir _ Alle“ , Dialog und Dynamik, ist sowohl Soziales Konzept bezüglich Nutzungsvielfalt und Nutzungsmischung als auch Gestaltungsprinzip für die drei Höfe.
    Städtebauliche Spielregeln ermöglichen größtmögliche Vielfalt bei gleichzeitiger homogener Gesamtwirkung (gemeinsame DNA, unterschiedliche Charaktere, Verwandtschaften und Eigenarten im Dialog).

    _Gliederung der Baukörper in Sockel und Dachgeschosse, Rücksprünge der
    Staffelgeschosse maximal an 2 Seiten
    _Betonung der öffentlichen Räume durch die Fassadengestaltung
    _Klare Trennung von öffentlichen und privaten Räumen, Hauseingänge liegen an Strassen und Gassen
    _Baukasten zur Fassadengestaltung, tektonische Fassadengliederung,
    Arkaden entlang der Max-Lang-Strasse
    _Zuordnung einer kollektiven Funktion für jedes Gebäude
    _Unterstützung der Gestaltungsidee durch ein Farbkonzept
    _30% Glasanteil der Fassaden, um KfW-40 zu ermöglichen

    Die Fassaden der drei winkelförmigen Baukörper an der Max-Lang-Strasse folgen jeweils einem anderen Gestaltungsprinzip, Ähnlichkeiten werden durch den vorgegebenen Rhythmus der Grundrisse und die Gestaltungsrichtlinien erzeugt.
    Jeder dieser Winkelbauten hat einen Zwilling im Quartier, der ein Gebäude mit einer anderen Typologie sein soll, das sind die Punkthäuser.
    Diese gestalterischen Spielregeln ermöglichen jeweils eine eigene Handschrift der Höfe, binden diese zugleich wieder zu einem Ganzen zusammen. Die Eigenart jedes Hofs wiederum wird betont durch die „Hofhäuser“ mit ihren unterschiedlichen Wohnkonzepten, die sich in der Fassadengestaltung ausdrücken.


    ERSCHLIESSUNG

    Die Erschließung der Gebäude erfolgt über die Max-Lang-Straße und über die Stichwege, welche sich von Norden nach Süden erstrecken. Plätze bilden den Auftakt der Stichwege. Die Plätze und Stichwege sind ausschließlich dem Fuß- und Radverkehr gewidmet, mit Ausnahme der Feuerwehrzufahrten und Aufstellflächen. In Ost- Westrichtung verknüpft ein Fußweg die verschieden Quartiersfreiräume miteinander und bindet das Quartier an die angrenzenden öffentlichen Freiflächen wie Pausengärten und die „Brücke zur Landschaft“ an.

    NUTZUNGSKONZEPT

    Öffentliche und gemeinschaftliche Nutzungen im Erdgeschoss und an den Plätzen sowie ein vielfältiges Wohnraumangebot für unterschiedlichste Bewohnergruppen ergeben ein lebendiges Wohnquartier.
    _Läden und Gastronomie, nicht störendes Gewerbe entlang der Max-Lang-Strasse, an den Quartiersplätzen und den Nord-Süd-Gassen
    _Zuordnung von kollektiven Räumen zur Identitätsbildung der Wohnhäuser, Optionsräume z.B. Musikraum, Leseraum, Fitnessraum, Workspace, Atelier, Waschsalon, Verwaltung/Rezeption/medizinische oder soziale Betreuung, Fahrradwerkstatt . . . . . .
    _Vernetzung der kollektiven Räume und der Höfe durch einen Verbindungsweg an der Südfassade und Durchgänge zum jeweiligen Nachbarhof.

    Die Durchmischung von Wohnformen und Grundrisstypologien trägt zu einer bunten Mischung von Bewohnern bei
    _Experimentelle Wohnformen wie Cluster oder Wohngruppen
    _ gestapelte Einfamilienhäuser
    _Townhäuser
    _Geschosswohnungen mit Schalträumen zur Anpassung der Wohnungen an sich ändernde Lebenssituationen
    _ Gästezimmer oder Mikrowohnungen
    _Sonderwohnformen (Mutter und Kind, betreutes Wohnen, Senioren-WG)


    Verschiedene Immobilienakteure garantieren die soziale Mischung
    _Baugenossenschaft
    _Wohnungsbaugesellschaft
    _Baugemeinschaften
    _ preiswerte Eigentumswohnungen
    Eigentumswohnungen fördern eine langfristig stabile Gemeinschaft und Eigeninitiativen

    FREIRÄUME

    Das Quartier wird durch unterschiedliche Freiraumtypen geprägt.

    Die Eingangsbereiche zu den Quartieren und Wohnhäusern bilden drei Plätze mit Ihren daran anschließenden Stichwegen. Eine differenzierte Ausformulierung der Plätze, wie unterschiedliche Baumstrukturen, Baumarten und Sitzelemente verleihen diesen Eingangsbereichen einen eigenen Charakter. Durch Ausschluss des motorisierten Verkehrs entsteht ein halböffentlicher Stadtraum, welcher von den Bewohnern vielfältig genutzt werden kann, wie z.B. Bestuhlung durch Cafes, Marktständen, rollerbladen, Boule spielen oder der spontanen Kommunikation unter Nachbarn dient.

    Höhenunterschiede mit großzügigen Treppen- und Rampen-anlagen unterstreichen den privaten Charakter der Höfe und Gartenbereiche. Hecken trennen die privaten Wohnungsgärten im Bereich der Erdgeschosswohnungen von dem angrenzenden Gemeinschaftsbereichen klar ab. Zentrale Rasenflächen mit verschiedenen Baum-, Staudenpflanzungen und Gemeinschaftsbereichen, wie einer gemeinsamen Tafel stehen den unmittelbaren Bewohnern und Hausgemeinschaften zu Verfügung.

    Spiellandschaften mit vielfältigen, abwechslungsreichen Spielmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Altersgruppen im Süden des Quartiers, bilden die Übergänge zu den angrenzenden Obstbaumwiesen. Ein Wechselspiel aus Sandflächen, Spiel-, Sitz- und Liegeskulpturen, sowie Retentionsflächen verleiht den Spiellandschaften einen besonderen Charakter. Die Retentionsflächen welche das anfallende Regenwasser als Zwischenspeicher aufnehmen, werden als Mulden, flächige Anstauflächen und zum Teil als Teiche ausgebildet. Entlang des Verbindungswegs laden Plätze und Beete zum Verweilen, Gärtner und Kommunizieren ein. Von hier aus eröffnen sich besondere Blicke auf die Landschaft.
    Die Bestandsbäume der alten Max-Lang-Straße bleiben erhalten, werden zum Teil ergänzt und spenden in den Spielbereichen Schatten.
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    ÖKOLOGISCHES KONZEPT

    _ KfW 40 Standard, Beheizung und Belüftung über Fussbodenheizung kombiniert mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (gleichzeitig Reduktion der Lärmbelastung von Max-Lang-Strasse und Stadtbahn)
    _Mieterstrom aus Fotovoltaikanlagen auf den Dächern
    _Erhöhung der Nutzung des BHKW- und PV-Stroms durch Elektroautos mit einem intelligenten Last-Management (Smart Grid System)
    _E-Ladestationen für PKW und Fahrräder
    _Gartenbewässerung mit Regenwasser, weitgehende Versickerung des Regenwassers auf dem Grundstück


    _Weitgehende Verwendung ökologischer Baustoffe, Holzfenster, Innentüren und Bodenbeläge aus Holz, Dämmsysteme mit geringem Energieinhalt in der
    Herstellung und späteren Entsorgung, bzw. monolithische Aussenwände aus Ziegel
    _Konzept zur möglichen Nachnutzung der TG, wenn sich der Stellplatzbedarf aufgrund autonomen Fahrens reduziert. Sukzessive Umnutzung der TG:
    Tieferlegen der Hofflächen mit Anbindung an die südlichen Spielflächen, Verglasung der Fassaden, Raum für Arbeiten (Werkstätten etc.) und Freizeit (Fitnessstudio), privat oder kommerziell nutzbar (Entwicklung zur productive city).

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit 1014 hält sich im Wesentlichen an die städtebaulichen Vorgaben des Bebauungsplanentwurfs. Die 4-geschossgen Gebäudeteile entlang der Max-Lang-Straße und das 5-geschossige Haus entlang der Pausengärten werden durch Staffelgeschosse ergänzt. Durch diese Gliederung der Baukörper in der Höhenentwicklung und die wechselnde Gestaltung der Fassaden erscheint die Bebauung auch auf die gesamte Länge der Max-Lang-Straße angemessen abwechslungsreich. Die Bearbeitung der Fassaden mit den Materialien Klinker und mit Besenstrich strukturierten Putzflächen ist von hoher Qualität und überzeugt durch ihre differenzierte und durchdachte Bearbeitung.
    Die Verteilung und Art der Nutzungen in den Gebäuden ist nachvollziehbar. Entlang der Max-Lang-Straße werden im Wesentlichen Gewerbenutzungen vorgeschlagen, die sich auch zu den Höfen hin öffnen und keine Rückseiten ausbilden. Im Erdgeschoss des Gebäudes entlang der Pausengärten wird die Gewerbenutzung tiefer das Grundstück gezogen, was aber bei der Art der Nutzung entlang des Weges als möglich erscheint. Kritisch diskutiert werden die an der Max-Lang-Straße vorgeschlagenen Arkaden, die dahinterliegende Fassaden verschatten und abweisend erscheinen lassen.
    Überzeugend ist die grundrissliche Organisation der Wohnungen. Neben dieser rein handwerklichen Qualität werden - z.B. mit Maisonette-Wohnungen in den Hofhäusern -
    neue Wohnungstypologien vorgeschlagen, die das Angebot an Wohnformen qualitätvoll bereichern.
    Die Gestaltung der Freiräume erscheint bei guter Funktionalität auf angenehme Weise zurückhaltend. Der Innenhof der einzelnen Parzellen wird durch einen großzügigen Weg erschlossen. Auf eine Ost-West-Querung innerhalb des Quartiers wird verzichtet. So entsteht eine klare Trennung der Freiflächen in einen halböffentlichen Bereich und einen privaten grünen Hof.
    Das Freiraumkonzept stützt und ergänzt sehr reduziert, aber klug, die vorgelegte Architekturhaltung. Sehr hochwertige Entrées leiten die Fußgänger in die halböffentlichen Hofräume, die sehr klar die erforderlichen Abschattierungen von intimeren und gemeinschaftlich genutzten Räumen bieten. Hier werden die klassischen Gartennutzungen angeboten. Das Regenwassermanagement eröffnet attraktive Freiraumangebote an temporären und dauerhaften Wasserflächen. Oberirdische PKW-
    und Fahrradstellpätze sind nicht nachgewiesen. Das vorgeschlagene Nachnutzungskonzept für die Tiefgarage wird positiv bewertet.
    Insgesamt stellt die Arbeit 1014 einen sehr guten Beitrag zur Aufgabe dar, der vor allem durch eine feingliedrige und präzise Gestaltung der Fassaden und seine hohe Qualität und Vielfalt der Wohnungen und Wohnungstypologien überzeugt. Bei der Nutzungsverteilung wird der geforderte Anteil an geförderten Wohnungen nicht ganz erreicht.


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