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  • CH-4502 Solothurn, CH-4500 Solothurn
  • 02/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-272584)

Schulanlage Brühl - Neubau Doppelkindergarten und Tagesschule


  • 3. Preis


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    Projekt
    Bei Zwergen, Elfen und Waldtrollen

    Architekten
    nuak Architekten, Zürich (CH)

    Verfasser
    Daniel Leuthold , Julia Röder

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Umland, Zürich (CH)

    Erläuterungstext
    Das bestehende Schulgebäude befindet sich peripher zu Solothurns Stadtzentrum. Es stellt ein prägendes architektonisches Element innerhalb des kleinteiligen Wohnquartiers dar. In der Ikonografie übernimmt der Neubau die Sprache des Bestandes: Die Nutzungen des Kindergartens und der Tagesstätte werden in einem markanten quadratischen Volumen zusammengefasst. Der eingeschossige Holzbau kommt auf einem abgesetzten Plateau zu liegen. Ein Holzdeck bildet rund um das Gebäude einen Filter zwischen Innen und Aussen. Schiebefenster können grosszügig geöffnet werden, wodurch Gartenzimmern entstehen. Ein grosszügiges Atrium und ein überdachter Bereich dienen als Aufenthaltsraum mit Platz für Ankunft, Begegnung, Spiel oder auch gemeinsame Veranstaltungen.

    Die beiden Kindergartengruppen sowie die Tagesschule verfügen über eigenständige Eingänge. Durch geschickte Aneinanderreihung der Raumschichten kann im Gebäude komplett auf die Erschliessungsflächen verzichtet werden. Schiebetüren ermöglichen in beiden Gebäudeteilen wechselnde Raumszenarien. Im Kindergarten bilden Garderobe, Gruppen- und Hauptraum jeweils eine flexibel nutzbare Raumgruppe. Zudem ist zwischen den beiden Kindergartengruppen eine beidseitig zugängliche Raumschicht ausgebildet, welche die gemeinsamen Nutzungen beinhaltet. Bei der Tagesstätte bilden die Räume für Aufenthalt, Essen und Mehrzweck aneinandergereihte Raumsequenzen mit unterschiedlichen Qualitäten in Bezug auf Öffentlichkeit & Privatheit, Ausrichtung oder Besonnung.

    Der Pavillon wird als umweltschonender Holzbau realisiert, der auch eine einfache und schnelle Montage gewährleistet. Das Abheben vom Boden sowie grosszügige Vordächer dienen der Langlebigkeit von Material und Konstruktion. Durch Zusammenspiel von Tageslicht, Volumen, Grundriss und Fassadengestaltung kann auf aufwendige technische Systeme verzichtet werden. Die Minergie-P-Eco Zertifizierung wird erreicht.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit massvoller Distanz wird ein eingeschossig quadratisches Ensemble auf der südlichen Rasenfläche ortsbaulich situiert. Die leicht vom Boden abgehobene Gesamtform beinhaltet beide Nutzungseinheiten, die über einen erlebnisreichen gedeckten Durchgang von der Strasse zur Schule erschlossen werden. Das umlaufende Vordach und das gleichgrosse Holzdeck definieren den Neubau, welcher durch die geschickte Anordnung der Aussenräume mit lockerer, begrenzender Bepflanzung in die bestehende Anlage eingebunden wird.

    Die Tagesschule mitsamt ihrem Aussenbereich orientiert sich zum Schulhaus. Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich die Zugänge der Kindergärten und der ihnen zugeordnete geschützte Aussenraum. Die Aussenräume verbinden das Areal zu einem grossen Ganzen. Die bestehenden Gehölzgruppen werden weiterentwickelt und in das Atrium des neuen Gebäudes hineingezogen. Der Sportplatz und das naturnahe Spielwäldchen bleiben erhalten, es werden grosszügige Aussenraumqualitäten geschaffen. Insbesondere die Öffnung des neuen Gebäudes gegen Norden und das Atrium sorgt für hohe räumliche Qualitäten. Der Aussenraum für die zwei Kindergärten ist nur für einen Kindergarten gut zugänglich und überblickbar, was aus betrieblicher Sicht unerwünscht ist.

    Der Durchgang zwischen den beiden Einheiten beginnt strassenseitig gassenförmig und öffnet sich, unterstützt durch eine präzis gesetzte Öffnung im Dach, zum qualitätsvollen zentralen Innenhof. Der Bau ist als Holzelementbau konzipiert.

    Die Gesamtform mit dem qualitätsvollen architektonischen Ausdruck und der Materialisierung macht den Inhalt klar ablesbar. Die aufsteigende Dachform erzeugt wie beim Schulhaus eine nach Aussen offene Wahrnehmung der Innenräume. Die Verfasser organisieren die Grundrisse ohne Korridorbereiche als fliessende Raumfolgen. Das Prinzip der Durchlässigkeit der Gesamtform wird konsequent im Innern des Gebäudes fortgesetzt. Die Kindergärten sind als Gesamträume konzipiert. Die T-förmige Anordnung von Garderobe und Küche in der Raummitte ermöglicht unterschiedlichste Raumzuordnungen mit einfachsten Mitteln. Durch die Grundriss-Disposition wird der nördliche Kindergarten klar bevorteilt.

    Vergleichbar der Typologie japanischer Häuser sind bei der Tagesschule Raumfolgen um zwei Kerne aneinandergereiht. Die breiten Raumöffnungen und die schiebbaren Trennelemente führen zu flexiblen und nutzungsneutralen Raumzuordnungen. Die Aufenthalts-, Mehrzweck - und Essräume dienen den ruhigen Räumen als Erschliessung. Aus Sicht der Nutzer führt diese Konzeption zu betrieblich störenden Situationen.

    Das Konzept der durchlässigen Gesamtform, die architektonisch und konstruktiv qualitätsvolle Umsetzung, die innenräumlichen Qualitäten führen zusammen mit der aussenräumlichen Anbindung in die Schulanlage zu einem bemerkenswerten Beitrag für die gestellte Aufgabe.


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