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  • DE-26382 Wilhelmshaven, DE-26382 Wilhelmshaven
  • 02/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-267281)

Neubau des Trilateralen Weltnaturerbe Wattenmeer-Partnerschaftszentrums (TWWP) in Wilhelmshaven


  • Anerkennung

    © architekten prof klaus sill

    Architekten
    architekten prof. klaus sill, Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Klaus Sill , Ando Yoo

    Mitarbeit
    Falko Fock, Jan de Wolff, Thomas Sprenger, Immo Kobelt

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: YLA Ando Yoo Landschaftsarchitektur, Hamburg (DE)

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    AUFGABE
    Die drei Wattenmeerstaaten Dänemark, Deutschland und die Niederlande beabsichtigen, das Trilateralen-Weltnaturerbe-Wattenmeer-Partnerschaftszentrums (TWWP) mit Verwaltungs-, Besucher- und Tagungsräumen im niedersächsischen Wilhelmshaven zu realisieren. Das TWWP dient der internationalen Wattenmeerkooperation zur Wahrnehmung der gemeinsamen globalen Verantwortung für das Weltnaturerbe Wattenmeer.
    Der Auslober betont im direkten Kontakt mit den teilnehmenden Architekturbüros am 5. September seinen hohen Anspruch an den architektonischen Entwurf, der mit hoher Signifikanz die Bedeutung und Relevanz des Projektes zum Ausdruck bringen soll.


    STÄDTEBAULICHE KONZEPTION
    Der Ansatz für die Ansiedelung des TWWP leitet sich aus dem städtebaulichen Entwicklungskonzept für das Stadtumbaugebiet `Jadeallee` mit der Ausbildung der Stadtachse `Jadeallee` zwischen der Innenstadt und dem Wattenmeer ab und wurde in das Leitprojekt „vitale Südseite“ des gesamtstädtischen Stadtentwicklungsplanes STEP plus der Stadt Wilhelmshaven aufgenommen. Das Grundstück ist eine ehemaligen militärisch genutzten Konversionsfläche, auf der es sowohl einige Bestandsbauten und wertvollen Baumbestand gibt.
    Die übergeordneten städtebaulichen Ziele der Stadt Wilhelmshaven für die Gesamtentwicklung sind
    • Die Revitalisierung der Konversionsfläche „Wiesbadenbrücke“ durch Entwicklung eines
    Mischgebietes am Großen Hafen.
    • Die Revitalisierung der Konversionsfläche „BanterSeePark“ durch Ansiedlung von
    gehobenen Dienstleistungsbetrieben, Gemeinbedarfseinrichtungen und
    Forschungseinrichtungen.
    • Die Entwicklung eines Konzeptes für hochwertige öffentliche Freiräume im
    ‚BanterSeePark`. Darüber hinaus verpflichtet die unmittelbare Lage des neuen TWWP gegenüber des wuchtigen Baukörpers des Hotels Atlantic zu einer adäquaten architektonischen Reaktion, um dem neuen Gebäude die ihm angemessene Adressbildung an der Jadeallee zukommen zu lassen.

    Wir sind der Meinung, dass sich die Einmaligkeit dieses Vorhabens bereits in der städtebaulichen Grundkonzeption artikulieren sollte und mit einem neuen Namen – dem Trilateralen Wattenmeer Campus [TWC] – die hohe Bedeutung des gesamten Areals zum Ausdruck bringen kann. Die hervorragende Lage unmittelbar am Banter See und das zukünftige Nutzerspektrum gehobener Dienstleistungsbetriebe und Forschungseinrichtungen,
    die sinnvoller Weise alle einen Bezug zum TWWP haben sollten, wird durch unseren Namensvorschlag in seiner hohen wissenschaftlichen und ökonomischen Bedeutung besonders betont.
    Dementsprechend soll unsere städtebauliche Konzeption die Vielfalt neuer Stadtentwicklungsgebiete in Wilhelmshaven erhöhen und bietet entlang der Emsstraße vier frei geformte Baukörper an, die in Ihrer architektonischen Morphologie Anleihen an die Biomorphologie des Wattenmeeres andeuten und durch die geometrischen Setzungen der Innenhöfe gleichzeitig ihre funktionale und strukturelle Ausrichtung betonen. Zusammen mit dem existierenden Jadeinformationszentrum bieten sie attraktive Perspektiven für eine nachhaltige Entwicklung.
    Die Gebäude rücken im Norden bewusst von der Emsstraße ab, um – ähnlich wie das Bestandsgebäude – ausreichend Stellplätze schaffen zu können und orientieren sich nach Süden an der erhaltenswerten Baumreihe, die den Übergang zum Banter Park darstellt.

    Die Mehrzweckhalle im Osten bildet zusammen mit dem Baukörper des neuen TWWP den Auftakt zum Banter Park, dem Trilateralen Wattenmeer Campus [TWC]. Die sanft geformten Gebäudevolumina beider Gebäude stehen in einem bewussten Kontrast zum Baukörper des Atlantic Hotels, bilden aber im Zusammenwirken aller drei Baukörper einen interessanten und neuen städtischen Raum direkt an der Jadeallee an. Dem Flaneur in Wilhelmshaven werden zwei Möglichkeiten angeboten. Entweder er folgt der großzügigen Wegeführung in den Park und zum TWWP oder er folgt der bereits neugestalteten Promenade entlang der Jadeallee in Richtung Süden.

    UMGANG MIT DEM HOCHBUNKER AN DER JADEALLEE
    Der Auslober regt die intensive Auseinandersetzung mit dem bestehenden Hochbunker an der Jadeallee an indem er schreibt: „ Der Hochbunker an der Jadeallee ist letzter Zeitzeuge aus dieser Epoche [NS-Zeit]. Seine geplante Überbauung durch das Trilaterale Weltnaturerbe Wattenmeer Partnerschaftszentrum soll die Zeitschichten verdeutlichen und den Dialog zwischen Geschichte, Gegenwart und Zukunft thematisieren. Das Trilaterale Weltnaturerbe Wattenmeer Partnerschaftszentrum soll als Symbol für die Aufgaben der Zukunft stehen: Schutz des UNESCO-Weltnaturerbes, Nachhaltigkeit und friedliche Globalität. Der zukünftige Umgang mit dem Luftschutzbunker ist Teil dieses Verfahrens“.

    Ein hohe Erwartung an ein Gebäude, dessen sinnvollste Perspektive doch wohl der Abriss wäre – ähnlich wie mit seinem Pendent bereits geschehen – und dessen Bedeutung als `Zeitzeuge` begrenzt ist und aus unserer Sicht am besten durch eine kritische kulturelle und/oder künstlerische Intervention vorgenommen werden könnte.
    Trotzdem sind diese tausende Kubikmeter von Beton nicht per se ein Symbol des faschistischen Naziregimes oder Ankerpunkt neuer deutschnationaler Tendenzen. Wenn also kein Abriss, dann nehmen wir den Bunker so an, wie er sich darstellt und verändern ihn im Sinne der oben zitierten Präambel: Als eine unansehnliches, schwarz-graues Betonvolumen, das zugunsten des neuen Gebäude des TWWP umgeformt und hergerichtet wird. Sein großer Vorzug ist die Masse und daher kommen ihm zwei neue Funktionen zu:
    • Der Bunker wird zum Eisspeicher und ist damit für die Öffentlichkeit unzugänglich und gleichzeitig wird er zum wichtigen Faktor innerhalb des Energiekonzeptes des TWWP. [siehe Energiekonzept]
    • Der Bunker wird zum Fundament des neuen Gebäudes, indem bestimmte Teile des neuen Gebäudes ihre Lasten in die Aussenwände des Bunkers einleiten [siehe Konzept Tragwerk] Um sein Erscheinungsbild positiv zu verändern, wird der Bunker begrünt und an seiner Ost- und Westseite um zwei neue Erschließungselemente für das TWWP ergänzt.


    TWWP ALS KOMMUNIKATIVE STADT
    Zu den architektonischen Ansprüchen des neuen Gebäudes schreibt der Auslober folgendes: „Das künftige Partnerschaftszentrum soll dabei eine Leuchtturmfunktion für das gesamte Wattenmeergebiet erfüllen. Der Neubau wird die zentrale „Adresse“ der trilateralen Zusammenarbeit zum Schutz des Wattenmeers bilden. Dies soll sich in einer entsprechenden umweltverträglichen und energieeffizienten Bauweise widerspiegeln. Zugleich soll das Gebäude den Repräsentationsansprüchen einer internationalen Organisation genügen“
    Wir stimmen diesen hohen Erwartungen an das Gebäude vorbehaltlos zu, sind aber der Meinung, dass die erwartete Leuchtturmfunktion auch im Zusammenhang mit der geforderten Überbauung des Hochbunkers nicht zwangsläufig zu einem Turm, Hochhaus oder Ähnlichem führt, sondern dass die geforderte architektonische Signifikanz auch anders hergestellt werden kann.

    Eine demokratische Institution, dessen grenzüberschreitende Tätigkeit auf Netzwerkarbeit basiert, benötigt aus unserer Sicht keinen Turm, in dem es Oben und Unten gibt, sondern eine Ebene, eine Plattform, auf der sich Vernetzung, Verhandlung und flache Hierarchien optimal organisieren. Daher sieht unser Entwurf ein TWWP auf EINER Ebene vor, die auf einer Höhenkote von 14.50 m über dem Gelände und damit über dem Hochbunker angeordnet ist. Sie ist organisiert wie eine Stadt, in der es ein Zentrum [Herz] gibt, großzügige Boulevards und engere Straßen und Wege, in der es Orte zum Repräsentieren und Nischen zum informellen Gespräch gibt und die ein Wegenetz besitzt, das windmühlenartig in alle vier Himmelsrichtungen ausgerichtet ist und allen Mitarbeiter.Innen und Besucher.Innen die gleiche eindrucksvolle Aussicht auf den Banter Park, den Banter See, das Wattenmeer und die Stadt Wilhelmshaven gewährt.
    Eine noch bessere Aussicht wird nur noch der Öffentlichkeit geboten indem sie den Rundweg auf der Besucherterrasse oberhalb des TWWP auf dem Gebäude besucht. Mit eigener Treppe und Aufzug ausgerüstet, kann dieses `Highlight` direkt vom Banter Park erreicht werden und bietet für Besucher und Touristen – selbstverständlich auch für die Mitarbeiter.Innen des TWWP einen signifikanten und unvergesslichen Ausblick.

    Die Gebäudeorganisation des TWWP ist in konzentrischen Zonen angelegt. Das Zentrum – das Herz – liegt mit den beiden Besprechungsräumen unmittelbar auf dem Bunker auf der Ebene 12.20 m. Diese haben entsprechend Ihrer Nutzung und Bedeutung eine erhöhte Geschosshöhe. In der an das Herz anschließenden Zone befinden sich die Haupterschließungen des Gebäudes, die sich windmühlenartig an vier Positionen an die Außenfassaden erweitern und dort weitere interne Meetingpoints definieren.
    An die Erschließungszone angelagert sind weitere Funktions- und Archivflächen, die durch vier rechteckige Patios teilweise natürlich belichtet und belüftet sind.
    Als letzte und äußere Zone liegen die Büroflächen des CWSS und des NLPV direkt an den Außenfassaden des Gebäudes, jeweils durch einen entsprechenden Flur separat erschlossen, sind alle Arbeitsräume mit einem signifikanten Ausblick in die Umgebung der Stadt und der Natur versehen.

    ERSCHLIESSUNG
    Die Haupterschließung des Gebäudes erfolgt dem städtebaulichen Konzept folgend, von der Jadeallee. Vor die Ostseite des Hochbunkers ist ein notwendiger Treppenraum sowie ein Auszug für die Mitarbeiter.Innen und Besucher.Innen des TWWP angeordnet. Es erschließt sowohl die Ebene der Besprechungsräume auf 12.20 m, die Hauptebene des TWWP auf 14.50 m und die Dachterrasse auf 19.20 m.
    Ein zweiter, notwendiger Treppenraum ist vor die Westseite des Bunkers gestellt und stellt die Erschliessung der Aussichtsterrasse für die aus dem Park kommenden Besucher.Innen per Treppe und Aufzug getrennt. Auf diese Weise werden die internen Verkehre des TWWP und die externen Wege konsequent getrennt.
    Gleichzeitig dient das westliche Treppenhaus der Anlieferung und Versorgung des Gebäudes. Anlieferverkehre gelangen über die Stichstraße an der Banter Ruine zu diesem Punkt.
    Die unmittelbare Kombination von Treppen und Aufzügen und die Stationen auf allen 3 Nutzungsebene gewährleisten die barrierefreie Erschließung des gesamten Gebäudes.

    ERWEITERUNG = VERDICHTUNG NACH INNEN
    Nach der mittlerweile weit verbreiteten Erkenntnis, dass Gebäude länger halten als Nutzungen, schlagen wir vor, dass eine mögliche spätere Erweiterung des TWWP durch Verdichtung nach Innen erfolgen kann. Das ist die wirtschaftlichste Lösung. Dazu sind die an die vier Patios angrenzenden Bereiche ausgezeichnete Potenzialflächen. Sie lassen sowohl die Erweiterung der Büros wie anderer Bereich [zb. der Bibliothek] zu. Da die Erfahrungen aus dem Bürobau belegen, dass Archive und Lagerbereiche durch die zunehmende Digitalisierung und Optimierung sukzessive obsolet werden, entstehen so innerhalb des Gebäudes gut vernetzte Erweiterungsflächen.

    BRANDSCHUTZ
    Das Gebäude besitzt zwei Notwendige Treppenräume, die die Einhaltung der notwendigen Rettungsweglängen für den 1. Fluchtweg sicherstellen. Der 2. Rettungsweg kann entweder über das jeweils 2. Treppenhaus oder über eine Anleiterbarkeit des Gebäudes erfolgen. Hier wird im Rahmen der Genehmigungsplanung die Abstimmung mit der Feuerwehr und der Bauaufsicht zu einer effizienten und sicheren Brandschutzplanung führen.


    LANDSCHAFTSPLANUNG
    STÄDTEBAULICHER IDEENTEIL
    Die Grünfläche mit wertvollem alten Baumbestand, die sich südlich der neuen Bebauung entlang der Emsstraße zwischen Vogelwarte und dem Neubau des TWWP aufspannt, soll zu einem großzügigen öffentlichen Park umgestaltet werden. Der sogenannte „Banter Park“ wird durch Wiesenansaaten im Westen, einer zentralen Picknick- und Liegewiese und einem Naturspielplatz für Kinder und Erwachsene im Osten in Wert gesetzt und nutzbar gemacht.
    Die aus Kriegstrümmern befestigte Uferkante wird renaturiert und eine naturnahe Verlandungszone mit Schilf- und Binsenvegetation geschaffen.
    Das Stegthema der vorhandenen Seeschwalbenkolonie erweitern wir durch eine zweite Pontonanlage. Begrünte Pontons und ein Badepier im Osten ergänzen die Uferlandschaft.
    Die Topografie des Parks wird durch Landschaftszitate der Wattenmeerküste mit Weiß- und Graudünen angereichert. Das Wegesystem erhält Querverbindungen von der Emsstraße zum Banter See.
    Weitgehende Erhaltung des Baumbestandes im neuen Park, entlang der Emsstraße und im Bereich der Kirchenwurt. Neue Alleepflanzung an der Emsstraße. Westlicher Abschluss des neuen Parks durch das „Banter Gehölz“ mit einheimischen Laubbaumarten.
    Schaffung einer Seebühne mit Erdtribüne, die den neuen Banter Platz zum Park abschirmt und Raum für Veranstaltungen und Konzerte schafft.
    Ausbau einer Badestelle mit Sandaufschüttung südlich des neuen Platzes unter Einbeziehung der vorhandenen Slipanlage und dem neuen Badepier.


    HOCHBAULICHER REALISIERUNGSTEIL
    Die abzweigende Erschließungsstraße von der Jadeallee wird Teil einer multifunktionalen Platzfläche, die den Hochbunker umgibt. Die Fläche wird durch baumbestandene Grünflächen und Flächen mit Schotterbelag, die der Versickerung des anfallenden Regenwassers dienen, gegliedert.
    Der Hochbunker erhält eine umlaufende grüne Fuge, die mit einer Mischung aus Wildem Wein (Parthenocissus tricuspidata), Efeuarten (Hedera helix spec.) und Kletterhortensie (Hydrangea petiolaris) bepflanzt wird und die Sichtbetonfassaden mit einer lebenden Pflanzenhaut überzieht, die Lebensraum für Vögel und Fledermäuse schafft.
    Lange Sitzbänke bieten einen regengeschützten Aufenthaltsort an den Eingangsbereichen des TWWP.
    Die extensive Dachbegrünung auf dem neuen TWWP Gebäude bildet eine Retentionsfläche für das Regenwasser und wird mit einer Photovoltaikanlage kombiniert.

    Stellplatzanlagen für PKW und Fahrräder sind in unmittelbarer Nähe zu den Gebäudezugängen geplant. Das vorhandene Restaurant und das neue Bootshaus werden in die benachbarte Grünfläche der Kirchenwurt eingebettet.


    TRAGWERK
    Das Tragwerkskonzept für das TWWP prädestiniert eine formal filigrane Struktur im Kontrast zu dem massivem und schweren Bunkerbauwerk aus meterdickem Stahlbeton.
    Die Decken- und Dachebenen bestehen hierbei aus einer Verbundkonstruktion aus geschweißten Stahlträgern und einer schubstarr aufgesetzten dünnen Stahlbetonplatte.
    Die zugehörigen Stahlträger werden mit Grobblechen im Schweißautomaten-Verfahren nach statisch konstruktiven Erfordernissen industriell vorgefertigt.
    Durch die effektive Wirkungsweise der Verbundquerschnitte ist immer nur ein dicker Unterflansch in Kombination mit einem wesentlich kleineren dünneren Oberflansch erforderlich, da die Stahlbetondecke die Funktion des Druckgurtes und die Bewehrung die des Zuggurtes übernehmen kann. Der kleine Oberflansch dient vorwiegend der geometrischen Positionierung der Schubsicherung mit Verbunddübeln.
    Die Bauweise unterstützt eine Tragwirkung unter Nutzung der dominanten Material- und Querschnittstärken und führt darum zu einem sehr wirtschaftlichen Einsatz von Material und Schonung von Ressourcen.
    Durch den Einsatz industriell üblicher Schweißautomaten sowie der Herstellung von großformatigen Montageeinheiten in der Werkstatt kann ein hoher Vorfertigungsgrad und eine optimierte Bauzeit erreicht werden. Durch die Lage des Baugeländes an schiffbaren Gewässern und den vorhandenen Flächen sind gute Bedingungen für Transport und Montage größerer Tragwerkselemente gegeben. Die Montage der vorgefertigten Elemente kann mit entsprechenden Hubeinrichtungen wie Turmdrehkrane oder Mobilkrane ohne zusätzliche bodenständige Traggerüste montiert werden. Dadurch ergeben sich Einsparpotentiale in den Baukosten und der Bauzeit.
    Die Verbundkonstruktion kann in Bezug auf ein verformungsverträgliches Arbeitsvermögen und eine notwendige Steifigkeit hochwirksam abgestimmt werden.
    Der vorhandene massive Bunker wird zur Aussteifung des Gebäudes herangezogen und über die Hauptfachwerke mit dem Gesamttragwerk kraftschlüssig gekoppelt. Aufgrund der langen Standzeit des Bunkers sind die möglichen Konsolidationssetzungen bereits zum großen Teil abgeklungen. Durch die Zusatzbelastungen aus dem Neubau können weitere Setzungen grundsätzlich aber nicht ausgeschlossen werden.
    Für den Fall von nachträglichen Setzungsdifferenzen zwischen Bunker und Neubau
    werden auftretende Zwangsspannungen durch das vorhandene Arbeitsvermögen der Gesamtkonstruktion verträglich abgebaut. Durch die ausreichend gegebene Steifigkeit der Tragsysteme können die dabei auftretenden Verformungen trotzdem klein gehalten werden. Die Konstruktion baut diese möglichen Setzungsdifferenzen „in sich selbst“ ohne Schaden ab.
    Die Hauptträger als Auflager der Verbundkonstruktion bestehen aus geschosshohen Fachwerkträgern und leiten neben Vertikallasten auch die horizontalen Stabilisierungslasten aus Windeinwirkung und Bauwerkimperfektionen in die Aussteifungselemente und letztendlich in die Gründung.
    Die Diagonalen in den Hauptfachwerken werden mit der Verkehrsnutzung des Gebäudes sinnvoll synchronisiert, so dass sich hieraus keine Störungen für die Bewegungsabläufe und Sichtverhältnisse im Baukörper ergeben.
    Der vertikale Lastabtrag von der Geschossebene in die Gründung erfolgt über schräg angeordnete feingliedrige Stahlstützen in bewusst ungeordneter Konstellation. Aufgrund der Lage des Bauwerks im Bereich des Gewässers ist eine notwendige Tiefgründung mit Pfählen sehr wahrscheinlich.

    ENERGIEKONZEPT
    Der bestehende Bunker wird als Energiezentrale umfunktioniert. Innerhalb des Bunkers wird dazu ein innengedämmter Eisspeicher vorgesehen, welcher in Verbindung mit einer Wärmepumpe die komplette Wärme- und Kälteversorgung des Gebäudes sicherstellt.
    Die Pfosten-Riegel-Fassade in 3-Scheiben-Verglasung wird als leichte Sonnenschutzverglasung, der g-Wert liegt bei ca. 25 %, in Verbindung mit profilierten innenliegenden Lamellen ausgebildet, welche gleichzeitig eine Lichtlenkung zur optimalen Tageslichtnutzung und eine hochwirksame Reflexion der solaren Lasten nach außen zur Reduzierung des Kühlenergiebedarfs ermöglichen („Köster-Lamellen“).
    Für die energieübertragenden Dach- und Bodenflächen werden erhöhte Dämmstärken im Passivhaus-Standard berücksichtigt, um den Wärmebedarf des Gebäudes größtmöglich zu reduzieren.
    Die Klimatisierung der Nutzungsbereiche wird mit einer Fußbodenheizung, die außerhalb der Heizperiode als Kühlsystem verwendet wird, geplant. Dieses Flächensystem gewährleistet einen sehr hohen thermischen Nutzerkomfort.
    Die Grundlüftung der Nutzungsbereiche erfolgt über eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Die Lüftungskanäle werden in den Fluren mit Abhangdecke geführt. Die Lufteinbringung erfolgt über die Bürotrennwände.
    Eine gute Raumakustik innerhalb der Nutzungsbereiche wird über Deckensegel gewährleistet; die Speichermasse der Betondecke bleibt dadurch für den Raum nutzbar.
    Zusätzliche Komfortlüftung/natürliche Lüftung ist über Ausstellfenster möglich. Im Rahmen der Planung werden die Möglichkeiten einer bereichsweisen ausschließlichen natürlichen Lüftung untersucht.
    Die Beleuchtung erfolgt über die nach der Raumtiefe gestufte LED-Beleuchtung in Verbindung mit Präsenzmeldern und Helligkeitsregelung.
    Eine Photovoltaikanlage ermöglicht eine optimale Ausnutzung der Dachfläche zur vollständigen Deckung des Gebäude-Strombedarfs (Nullemission-Standard).
    Zusätzliche Solarkollektoren im Dachbereich dienen der Regeneration des Eisspeichers.
    Die Anforderungen nach EnEV werden mit Hilfe dieser Maßnahmen um deutlich mehr als 15 % unterschritten.
    Die konsequente Reduzierung des Energiebedarfs sowie die sehr wirtschaftliche Energieerzeugung sorgen zudem für deutlich reduzierte Energiekosten im Vergleich zu einem Standard-Gebäude.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Gebäude bildet einen Kontrast zum Baukörper des Atlantic Hotels. Es bildet den Auftakt einer neuen architektonischen Struktur des Banter See Parks. Die Baukörperform soll sich anlehnen an die Biomorphologie des Wattenmeeres. Entlang der Emsstraße ist zwar ein sinnfälliger Gebäuderiegel vorgesehen, die Baukörper passen jedoch nicht zum bestehenden Jadeinnovationszentrum und stören das Alleinstellungsmerkmal des TWWP. Sie erscheinen überdimensioniert.

    Die gewählte Form unterstützt die hierarchiefreie Aufgabenstellung des international-partnerschaftlichen Gedankens unterschiedlicher Nutzungen. Es wird jedoch keine direkt nachvollziehbare Verbindung zum Wattenmeer gesehen. Der abgehobene, auf Stelzen gesetzte Baukörper wirkt für den Besucher als schwer erreichbar. Von dem „Herz“ ist der Blick in den Himmel durch die Unterseite des Baukörpers begrenzt.

    Im Prinzip werden die Anforderungen des Raumprogramms erfüllt, wobei die Verkehrsflächen einen sehr hohen Anteil einnehmen. Kein separater Eingangsbereich für den Besucher – Einladungscharakter ist nicht vorhanden.

    Positiv ist die öffentliche Zugänglichkeit der Außenanlagen mit Campus und Kommunikationsraum – jedoch leider mit hohem Versiegelungsgrad. Aufenthaltsqualitäten sind nur auf der Dachterrasse gegeben.

    Die statischen Anforderungen sind sehr hoch, daher erscheint der Realisierungsaufwand im oberen Bereich der eingereichten Arbeiten zu liegen.

    Im Bereich der Energieversorgung schlagen die Verfasser ein schlüssiges Konzept mit hohem regenerativem Anteil (Solarstrom, Eisspeicher, Wärmepumpe) vor. Auch werden die Anordnung der Nutzungen und die Wegeführung als positiv im Sinne der Gleichbehandlung und der Orientierung im Gebäude gesehen. Die Umnutzungsfähigkeit ist gewährleistet. Die Großzügigkeit wird allerdings nur durch ein hohes Maß an Verkehrsflächen erreicht. Die Fassade des Gebäudes ist im Hinblick auf die vorgeschlagenen integrierten Sonnenschutzmaßnahmen zu entwickeln und muss den Ansprüchen an den sommerlichen Wärmeschutz genügen. Das gilt es nachzuweisen, auch im Hinblick auf die Tageslichtversorgung der tiefliegenden Raumzonen. Für das ‚Herz‘ kann die Auskragung des Gebäudes als Sonnenschutz gelten. Unter wirtschaftlichen und energetischen Aspekten bedeutet die Aufständerung einen hohen Aufwand. Dennoch bietet das Konzept einen sichtbaren nachhaltigen Ansatz für den Umgang mit Regenwasser, Gründächern und Fassadenbegrünungen. Der trilaterale Ansatz der Verfasser schlägt sich auch in der Idee der Vorfertigung der Konstruktion nieder.


INFO-BOX

Angelegt am 02.03.2018, 14:44
Zuletzt aktualisiert 16.05.2018, 17:56
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