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  • DE-77656 Offenburg, DE-77656 Offenburg
  • 02/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-279426)

Erweiterung Messe Offenburg-Ortenau


  • Anerkennung


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    Architekten
    ArGe Architekten Leins | Ohnemus | Wagner, Waldkirch (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Planstatt Senner, Überlingen (DE), Stuttgart (DE), München (DE)
    Tragwerksplaner: Mayer-Vorfelder und Dinkelacker, Sindelfingen (DE), Dresden (DE), München (DE), Friedrichshafen (DE), Thessaloniki (GR)
    TGA-Fachplaner: Paul + Gampe + Partner GmbH, Esslingen a.N. (DE)

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    Wettbewerb EMO - Erweiterung Messe Offenburg-Ortenau
    ArGe Architekten

    1. Masterplan 2030 – Gesamträumliche Betrachtung:

    Der in 4 Etappen zu erfüllende Masterplan 2030 als städtebauliche Leitidee basiert auf einem neuen „Messe-Boulevard“ als Rückgrat und Entwicklungsachse nach Westen. Er schafft eine verbindende Achse von West nach Ost und markiert bzw. bildet in Synergie mit den vorhandenen Anlagen den Haupteingang. Zusammen mit der „Freifläche Mitte“ – vor der neuen Messehalle 20 gelegen – und dem Reitplatz entsteht ein großer freier; jedoch strukturierter und ablesbarer Raum, der viel Platz für Ausstellungen und Besucherbewegungen ermöglicht.

    Der Besucher steht (dort) im Mittelpunkt der Messe.

    1.1 Bauabschnitte – Der Masterplan 2030 wird in folgenden Bauabschnitten realisiert:

    BA1 = Realisierungsphase der neuen Messehalle 20  siehe Erläuterungen zum BA1 oben

    BA2 = Bauphase der Ersatzhalle 234 für die Hallen 3 und 4:
    Als Ersatz für die Hallen hinter dem Verwaltungsgebäude entsteht südlich des Mercure-Hotels die neue Halle 234. Während der Bauzeit kann die 2 noch erhalten bleiben und nach Fertigstellung der neuen Halle 234 abgebrochen werden. Auf deren Grundfläche soll im Rahmen der 3. Bauphase der „Messe-Boulvard“ entstehen.
    Die Ersatzhalle 234 wird als Mulitfunktionshalle und einer bespielbare Grundfläche von ca. 2.000 m² vorgesehen, ferner sollen mit ihr eine Werkstatt und Wirtschaftsräume errichtet werden.

    BA3 = Ausbau und Erweiterung der Messe nach Westen

    Das neue Verwaltungsgebäude wird als sechs- bis achtgeschoßiges Punkthaus auf dem neuen „Messe-Boulevard“ gebaut und könnte neben der Verwaltungsnutzung durch die Messegesellschaft auch Mietflächen für messenahe Dienstleister bieten. Es liegt zentral und markiert deutlich den „Eingang Mitte“ als Haupteingang und zentraler Besucheranfahrt der Messe Offenburg-Ortenau und dient als markanter fernwirkender Blickfang und Orientierungspunkt außer- und innerhalb der Messe. Nordwestlich des neuen Verwaltungsgebäudes mit Zufahrt vom „Messekreisel“ und am Ende des „Messe-Boulevards“ gelegen wird das neue Parkhaus mit 625 Stellplätzen vorgeschlagen.

    In der 3. Bauphase wird das Messegelände West nach seiner prominenten Verbindung mit dem Hauptzugang und dem „Freibereich Mitte“ durch den „Messe-Boulevard“ geordnet, in infrastrukturell gut erschlossene Messefelder für Freigeländeproduktionen und –nutzungen aller Art, für Interimsparkplätze analog zur heutigen Nutzung oder zum P8 bzw. für den mit BA4 möglichen Vollausbau vorbereitet.
    Die Erschließungsstraße wird weitgehend erhalten, jedoch Teil des Messegeländes und im Kreuzungsbereich mit dem „Messe-Boulevard“ zurückgebaut.

    BA4 = Vollausbau des Messegeländes  Masterplan 2030

    Diese (zeitlich auch weiter gestreckt denkbare) Bauphase stellt den Vollausbau der Messe Offenburg-Ortenau dar und sieht dafür drei weitere Messehallen ganz im Westen vor, die je nach Flächenbedarf abschnittsweise auf den Messefeldern aus der 3. Bauphase errichtet werden. Dabei bleibt der „Messe-Boulevard“ das alles verbindende Element. Die Erschließungsstraße in ihrer jetzigen Form und Materialität wird aufgegeben bzw. ihre Erschließungsfunktionen für Halle 1 und den Südzugang in die der neuen Messefelder bzw. –hallen integriert. Zusammen mit der (mit nach Süden parallel zum Bahndamm hin verschwenkten) neuen Messeumfahrt (Verlängerung der Platanenallee südlich des Bahndamms) entstehen so ein neuer, gut erschlossener Südeingang und es wird ein Ringschluß mit der bestehenden Lieferumfahrt gebildet.

    Die beim Neubau neuer Messehallen jeweils entfallenden Parkplätze müssen entweder unter diesen neuen Hallen ersetzt oder auf weiteren Flächen in der Peripherie untergebracht werden. Weitere Parkbereiche können unter der Brücke der B33 ausgebaut werden. Sind Tiefgaragen aus Kostengründen nicht möglich, könnte das in BA2 erreichtet Parkhaus auf ca. 1.000 Stellplätze aufgestockt oder im Südwesten ein weiteres Parkhaus erstellt werden.

    Halle 2 wird neu gebaut und in seinen Ausmaßen an die vorhandene Halle 1 angeglichen.
    1.2 Erschließung

    Zukünftig gibt es drei Hauptzugänge. Den vorhandenen Eingang im Norden an der Oberrheinhalle, den „Eingang Mitte“ am Messe-Boulevard und den Südeingang. Alle Eingänge haben repräsentative Eingangsbereiche. Die Hallenandienung der Aussteller erfolgt von außen, so daß die Mitte frei bleibt. Alle Zufahrten werden mittels Rolltore und einem Schließsystem gesichert.

    Die Anlieferwege und Besucherwege sind optisch und belagstechnisch verschieden, sodass es eine klare Abgrenzung gibt. Trotzdem ist die Mitte auch für LKWs erreichbar, jedoch haben dort eindeutig die Fußgänger Priorität. Das neue Parkhaus bietet neuen Parkplatz direkt am mittleren Eingang und ist leicht vom Kreisel in der Schutterwälder Straße zu erreichen. Westlich der neuen Halle 234 und direkt am mittleren Haupteingang können Busse und Taxis halten. Weitere Parkhäuser könnten entweder ganz im Westen unter den neuen Hallen, in der Peripherie oder in einem weiteren Parkhaus platziert werden.

    Der temporäre Parkplatz (P8) und Ausstellungsplatz (Multifunktionsfläche) nördlich der neuen Halle 20 bleibt in Form einer großen wassergebundenen Fläche erhalten. Ein weiterer temporärer Parkplatz kann südlich von Halle 1 entstehen.

    1.3 Grünkonzept

    Der Messe-Boulevard ist geprägt durch den Verwaltungsneubau und eine grüne Achse und Baumreihen mit Säulenbäumen. Die grüne Achse bietet den Besuchern Aufenthalt im Schatten der Bäume. Der Belag hebt sich von der Umgebung ab und neue Attraktion auf dem „Messe-Boulevard“ ist ein Fontänenfeld, welches im Zentrum der Messe sprudelt. Hier kann man sich ausruhen und sich in Pausen treffen. Auch die große Freifläche mit Reitplatz ist mit Baumreihen gegliedert und eingefasst. Eine weitere Baumreihe führt zum Südeingang. Im Gegensatz zu den gerade und parallel zur Kinzig verlaufenden Baumreihen der Hauptachsen bieten aufgelockerte Baumreihen von West nach Ost zwischen den Hallen einen Kontrast und weitere Aufenthaltsmöglichkeiten.

    Die neuen Stellplätze werden durch die Allee- und Baumpflanzungen auf dem Messegelände ausgeglichen.

    1.4 Regenwasserkonzept

    Das Regenwasser der Dachflächen wird in Zisternen zur Bewirtschaftung gesammelt und mit Überläufen an Versickerungsmulden angeschlossen, für den Endausbau West (BA4) wird der bestehende Flutgraben entlang des Bahndamms bzw. der neuen Südumfahrt als Retentionsraum verlängert. Die neuen Hallen erhalten alle Gründächer, so daß das Wasser dort auch vermehrt zurückgehalten wird. Die Platzflächen auf dem „Messe-Boulevard“ entwässern in die zentral gelegenen Grünflächen. Das Leitungsrecht bleibt bestehen und wird nicht berührt.

    2. Freianlagen des Realisierungsteils

    Über eine klare Achse von West nach Ost wird der mittlere Messeeingang zum Haupteingang gestärkt und
    schafft eine klare Verbindung zur „Freifläche Mitte“ nördlich der neuen Halle 20 und zum Reitplatz.
    Die „Freifläche Mitte“ bleibt als solche erhalten und wird nicht nur im Osten, sondern auch im Westen durch eine prägende Baumreihe räumlich eingefasst und definiert. Die neue Ost-West-Achse verbessert die Orientierung und die Fußwegeverbindung und stellt den 1. Bauabschnitt des späteren „Messe-Boulevards“ dar.

    Der Südeingang zum Messegelände – westlich der neuen Messehalle 20 gelegen – ermöglicht u.a. auch deren alleinstehende Nutzung. Ansonsten bleibt der Bereich zwischen Halle 1 und der neue Messehalle 20 offen und durchlässig. Die Anlieferung der neuen Messehalle 20 erfolgt im Osten und Süden. Dort kann auch die Baden-Arena angedient werden. Somit ist die „Freifläche Mitte“ der Messe vorrangig für die Besucher fußläufig frei gehalten bzw. kann auch weiterhin als Multifunktions- und Ausweichparkfläche dienen. Sie bildet das Zentrum auch zukünftig, wenn die Messe nach Westen erweitert wird.

    Alle Hallenbereiche sind barrierefrei erschlossen. Das komplette Regenwasser der neuen Messehalle 20 wird in einer Zisterne zur Regenwasserbewirtschaftung am Gebäude gesammelt und für die Gebäudekühlung (siehe Haustechnikkonzept) genutzt. Überschüssiges Wasser wird in den vorhandenen Flutgraben (südlich, parallel zur Bahnlinie) abgeleitet.

    3. Realisierungsteil – Neue Messehalle 20

    Durch den Neubau der Messehalle 20 erweitert die Messe Offenburg Ortenau ihre Ausstellungs- und Veranstaltungshallenfläche um ca. 5.850 m². Die Nutzungsflexibilität der Baden-Arena und der Halle 1 werden mit dem hier vorgeschlagenen Neubau durch bauliche Verbindung der Baden-Arena mit dem Foyer der neuen Halle 20 erhöht, es entstehen Synergien durch gemeinsame Nutzungsmöglichkeit der neu entstehenden Catering-, Produktions- und Backstagebereiche sowie der bestehenden Anlieferwege und Aufstellflächen für Produktions- und Veranstaltungstechnik am südlichen Ende des Messegeländes bzw. der Baden-Arena.

    Der Entwurf läßt diese bestehende Lagerfläche bei höchst disziplinierter Ausnutzung des Baufeldes und durch Konzentration aller Programmflächen in einem kompakten ungegliederten Baukörper unbebaut und nutzt so die vorhandene Lieferinfrastruktur optimal und wirtschaftlich weiter, ohne mit den Besucherwegen zu kollidieren. An diesem Lieferhof sind mit dem Eingang Ost und dem Anlieferungstor Ost sind die Betriebs-, Lager- und Backstagezugänge konzentriert.

    Besonders aber ermöglicht der minimierte Grundflächen“verbrauch“ des Entwurfs, die Freifläche „Mitte“ in ihrer größtmöglichen Ausdehnung beizubehalten. Die neue Messehalle 20 begegnet ihrem vom Haupteingang kommenden Besucher mit einladendem Gesicht und ihrer „offenen Seite“, integriert das Freigelände in das Foyer hinein und grenzt es zugleich mit einer der Freiflächentiefe angemessen hohen Raumkante mit der vollständig verglasten, nach Norden und zur Freifläche orientierten Foyerfassade ein. Dadurch wird dem Messegelände die gewünschte eigene Charakteristik und Identität gegeben und ein adäquater Abschluß der über 350 m langen „Hallenwand“ an der Ostseite des Geländes gebildet.

    Von einer baulichen Verbindung der Hallen 1 und 20 wurde abgesehen, um die Durchlässigkeit an dieser „neuralgischen“ Stelle nicht zu vermindern. Das Freigelände West ist aber durch das auch an den nordseitigen Gebäudeecken verglaste Foyer der neuen Halle 20 mit guter Fernwirkung für die Besucherlenkung angebunden.

    Die neue Messehalle 20 wird aus Gründen der Wirtschaftlichkeit mit einer lichten Hallenhöhe von 14.00 m unter Tragwerk vorschlagen, die Hallenabmessungen betragen ca. 62,40 x 90,00 m. Für möglichst hohe Flexibilität der zu bespielenden Fläche sind die neue Messehalle 20 und ihr Foyer im Verhältnis 2/3 im Westen und 1/3 im Osten geteilt nutzbar, die Anlagentechnik (Lüftung  siehe auch Haustechnikkonzept) soll dementsprechend modular aufgebaut und zu betreiben sein.

    In das teilbare Foyer ist der zu 1/3 – 2/3 teilbare Konferenzbereich integriert, er liegt an prominenter Stelle im Obergeschoß des Foyers und direkt an der nach Norden zum zentralen Freibereich weisenden Fassade, die ihm natürliche Belichtung und gute Übersicht über das gesamte Messegelände bietet.

    Die neue Messehalle 20 ist als stützenfreie Multifunktionshalle konzipiert. Die das Haupttragwerk bildenden weitspannenden Stahlfachwerkträger kragen über die nördliche lastabtragende Hallenlängswand bzw. die südliche Stahlbetonfertigteil-Stützenreihe aus und bilden so eine (wegen der statischen Durchlaufwirkung) wirtschaftliche Dachkonstruktion für das Foyer und den Lager- und Techniktrakt. Siehe auch Tragwerkskonzept und Fassadenschnitte 1: 50

    Der Wandkoffer für die ausfahrbare Tribüne für 2.020 Besucher ist am westlichen Hallenende vorgesehen, diese Tribüne ist von der Foyerseite (OG West auf der Ebene + 9.00 m) und von der Halle her begehbar. Die mobile Bühne ist an jeder Stelle der Halle einsetzbar.

    Die Küche ist gem. Auslobung als reine Vorbereitungsküche konzipiert und mit den vorgegebenen Nebenräumen im EG der nord-östlichen Hallenseite zu einer Küchenspange zusammengefaßt und über die Gastroausgabe an das Foyer angebunden. Für Ver- und Entsorgung ist die Küchespange auf direktem Wege an den Anlieferbereich angebunden.

    Der ebenfalls am Eingang Ost angeordnete Backstagebereich der neuen Messehalle 20 ist über den „Backstage-gang“ mit der Baden-Arena verbunden, der Liefer- und Servicehof zwischen beiden Hallen ermöglicht darüber hinaus alle denkbaren betrieblichen Zusammenhänge und den Austausch von Produktions- und Veranstaltungs-quipment und –personal. Hier ist auch der Standplatz für den Ü-Wagen mit technischer Anbindung vorgesehen.

    Der Lagerbereich der neuen Messehalle 20 ist auf der südlichen und südöstlichen Hallenperipherie modular in den Baukörper integriert und kann vom Lieferhof bzw. der südlichen Umfahrt aus bedient werden. Lager und der darüber angeordnete Technikbereich sind durch das auskragende Dach und die umlaufende Fassade wetterge-schützt, jedoch nicht wärmegedämmt, so daß das zu beheizende bzw. zu kühlende Gebäudevolumen auf die Nutzräume begrenzt werden und das durch die kompakte Bauwerksgeometrie gute A-V-Verhältnis weiter verbessert wird.
    3.1 Tragwerkskonzept – Neue Messehalle 20

    In der Grundkonzeption wird das Tragwerk sowohl hinsichtlich der Materialität als auch der jeweiligen Bauweise so an die unterschiedlichen Nutzungsbereiche angepasst, dass die Funktionalität, die Wirtschaftlichkeit sowie die Flexibilität und Nachhaltigkeit optimal gewährleistet sind.

    Das Tragwerkskonzept folgt dabei dem Grundsatz: „So wenig Tragwerk wie möglich – so viel wie nötig“.

    In der Veranstaltungshalle werden die großen Spannweiten mit Stahlfachwerkträgern im Abstand von 6,00 m überspannt. Die Fachwerkträger kragen zu beiden Seiten über die Foyerzone und die Lagerspange hinaus. Die dort abgehängten Fassadenkonstruktionen bilden ein Gegengewicht, durch das die Verformungen in Feldmitte über der Halle minimiert werden. So können die Fachwerkträger sowohl in ihrer Gesamthöhe wie auch in den jeweiligen Profilabmessungen statisch optimiert werden. Der Trägerabstand ist mit 6,00 m so gewählt, dass die Trapezblecheindeckung die Nebentragrichtung ohne weitere zusätzliche Tragkonstruktionen überspannen kann.

    Die mehrgeschossigen Foyer- und Küchen- bzw. Backstage-Spangen sollen als Ortbetonkonstruktion ausgeführt werden. Diese beiden Gebäuderiegel bilden die primäre L-förmige Aussteifungskonstruktion für den Abtrag der Wind- und Erdbebenkräfte. Die Tragkonstruktion ist dabei auf Einzelstützen, Flachdecken und wenige aussteifende Wände reduziert und gewährleistet somit eine flexible und nachhaltige Nutzung.

    Die großflächige Foyerfassade soll ohne horizontale Zwischenabstützungen konstruiert werden. Um bei der Höhe von ca. 17,50 m mit vergleichsweise filigranen Profilabmessungen und ohne Hinter-spannungen zu konstruieren, werden die Primärträger der Fassade von den Kragarmen der Fachwerk-träger abgehängt und in ihrer Haupttragrichtung sowohl am oberen wie auch am unteren Ende eingespannt. Für die horizontalen Riegel sind liegende Flachstahlprofile vorgesehen. Um deren Vertikalverformung zu begrenzen, werden diese in den Drittelspunkten mit Seilen von der Dach-konstruktion abgespannt. Mit einer solchen Konstruktion werden trotz großer Spannweiten Filigranität und eine maximale Transparenz gewährleistet.

    Die südliche Gebäudespange mit den Lagerzonen und der darüber liegenden Technikebene ist als Stahlbeton-Fertigteilkonstruktion geplant. Die sehr reduzierte Konstruktion erlaubt hier eine flexible Nutzung der Lagerzone.

    Die Gründung kann als kostengünstige Flachgründung auf den gut tragfähigen Kiesablagerungen der Kinzig erfolgen. In Bereichen wo diese Kiesablagerungen tiefer anstehen, können die Fundamente mit Magerbetonplomben unterbaut werden. Der Grundwasserhorizont dürfte etwa 3,00 m unter Gelände anstehen, kann aber bei Hochwasserständen der Kinzig deutlich ansteigen. Von einer Unterkellerung wurde daher insgesamt abgesehen, lediglich die Anschlußräume auf der nordöstlichen Hallenseite sollen wegen der erdverlegten Anschlußmedien (Mittelspannung, Fernwärme) durch eine Teilunter-kellerung (ca. 100 m² - Einbindetiefe ca. 2,75 m) der Küchenzone realisiert werden.

    3.2 Haustechnikkonzept

    Entwurf und Planung der Haustechnischen Anlagen wird der Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“ zu Grunde gelegt. Ein sparsamer Energieeinsatz und eine hohe Energieeffizienz bei niedrigen Investitionskosten ist das Ziel. Besonderes Augenmerk wird auf den späteren Betrieb und die gute Wartungs- und Bedienbarkeit gelegt.

    Sanitärtechnische Anlagen:
    Schmutz- und Regenwasser werden im Gebäude getrennt bis an die Anschlußkanäle geführt. Es wird wirtschaftlich untersucht, ob das anfallende Regenwasser zur Außenbewässerung, Abluftbefeuchtung oder für WC-Spülung genutzt werden kann (Regenwassernutzung).

    Heizungstechnische Anlagen:
    Zur Versorgung des Gebäudes ist der Anschluß an die vorhandene Nahwärmeversorgung der Messe Offenburg vorgesehen. Der Anschluß erfüllt die Anforderungen der EnEV und des EWärmeG. Es wird vorgeschlagen, in der Messehalle Deckenstrahlplatten einzubauen. Diese erlauben, die Messehalle in Zeiten der Nichtbenutzung wirtschaftlich ohne Ventilatorenergie zu beheizen und im Sommerbetrieb eine Grundkühlung der Halle, die die Lüftungsanlage unterstützt.

    Raumlufttechnische Anlagen:
    Für Messehalle und Foyer wurde ein Luftmengenbedarf von bis zu 120.000 m³/ h ermittelt. Für die Klimatisierung der Messehalle werden 3 Raumlufttechnische Anlagen zu je 40.000 m³/ h vorgeschlagen, die mit integrierten Kältemaschinen und hocheffizienter Adiabatik ausgerüstet sind. Diese Anlagen sind in der Lage, bis zu sehr hohen Außentemperaturen nur durch Befeuchten der Abluft (zum Beispiel auch mit Regenwasser aus der Regenwassernutzung) ohne zusätzlichen Einsatz von Kompressionskälte angenehme Raumtemperaturen zu erreichen. Dabei wird das Wasser direkt auf die Kunststoffwärmetauscher der Wärmerückgewinnung eingesprüht, sodass ein höherer Wirkungsgrad erreicht wird, als bei einer herkömmlichen Adiabatik. Reicht die natürliche Kühlung nicht aus, wird mit der integrierten Kältemaschine zusätzliche Kühlleistung generiert.
    Durch Auskoppelung der Kondensationswärme der Kältemaschine kann die Luftentfeuchtung ohne Einsatz von Fremdwärme realisiert werden. Durch die Kombination Lüftungsgerät mit integrierter Kältemaschine entfällt der zusätzliche Platzbedarf einer separaten Kälteerzeugung. Die Lüftungsgeräte sind unter Dach wettergeschützt aufgestellt.

    Die Außenluft wird über Fassadenöffnungen angesaugt, die Fortluft direkt über Dach ausgeblasen. Die Zuluft wird von der Decke aus in die Halle eingeblasen. Dies sowie der modulare, auf die möglichen Hallenteilungen bzw. Teilbetriebsfälle bezogene Aufbau der Anlagen, bietet bei hoher Wirtschaftlichkeit auch höchste Flexibilität der Foyer- und Hallennutzung.

    Der Küchen- und Backstagebereich und die zugehörigen Nebenräume, die ebenfalls gelüftet werden müssen, erhalten eigene RLT-Anlagen direkt über der Raumgruppe.

    Starkstromanlagen und Schwachstromanlagen:
    Die Mittelspannungsanlage, Trafoanlage sowie die Niederspannungshauptverteilung werden nach dem ermittelten Bedarf neu in einer Anschlußraumgruppe im UG auf der Ostseite, unter dem Küchentrakt, erstellt. Die einzelnen Gebäudeteile erhalten separate Unterverteilungen.
    Die Sicherheitsbeleuchtungsanlage wird als Zentralbatterieanlage ausgeführt. Die Sicherheitstechnischen Anlagen wie Sicherheitsbeleuchtung, Brandmeldeanlage, ELA-Anlagen und RWA-Anlagen werden nach Anforderungen vorgesehen.

    Zur Hallenversorgung werden Bodenkanäle vorgesehen. In diesen Bodenkanälen verlaufen Stromschienensysteme, die einen flexiblen Kraftstromanschluss von Messeständen realisieren lassen. Ebenfalls verläuft in diesen Kanälen die EDV Versorgung.

    Nutzungsspezifische Anlagen:
    In den Bodenkanälen werden ebenfalls Trinkwasser, Abwasser und Druckluft vorgesehen. Ebenso verlaufen Sprinkleranschlussleitungen für Messestände in diesen Kanälen.

    Das Gebäude wird flächendeckend mit einer Sprinkleranlage ausgerüstet.
    Für die Entrauchung werden 12 dachseitige RWA-Klappen angeordnet, deren Gesamtfläche von 87 m² die Anforderungen der VStättVO (1% der Grundfläche) gut erfüllen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die neue Messehalle richtet sich an der bestehenden Ostachse aus und bildet einen klaren sowie kompakten Abschluss, was eine Qualität der Arbeit ist. Der Ideenteil wiederum nimmt die Fluchten der Halle 1 auf. Über eine sehr großzügige Ost-West-Achse wird der westliche Teil des Messegeländes angeschlossen und integriert.

    Diese Verbindungsachse wirkt zu stark inszeniert, insbesondere weil die bauliche Erweiterungsflächen im Ideenteil entbehrlich sind. Die Besonderheit der Offenburger Messe mit ihrem großen Freiflächenanteil trägt das Konzept damit nicht Rechnung.

    Der Baukörper ist durch eine klare und kompakte Architektur gekennzeichnet und bildet eine hohe Qualität aus. Insbesondere die geöffnete, repräsentative Glasfassade zum Innenbereich ist sehr ansprechend, allerdings nicht wirtschaftlich. Das Volumen wirkt in der Maßstäblichkeit und mit den Abständen zu den bestehenden Baukörpern massiv.

    Leider sind die Eingänge ausschließlich nach Norden orientiert und bilden somit keine neue Adresse zum Eingang Süd. Auch die Dreigeschossigkeit des Foyers wird hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und des Betriebs kritisch gesehen.

    Der bestehende Zugang zur Badenarena ist gut integriert. Die Kaltlager im Süden führen hingegen zu längeren Wegen bei der Bestückung der Badenarena.

    Das Haustechnikkonzept ist wenig detailliert ausgearbeitet. Mit Ausnahme der Regenwassernutzung sind keine besonderen innovativen Ansätze erkennbar. Positiv ist die Integration der Technik über den Kaltlagern.

    Das Tragwerkskonzept ist schlüssig und prinzipiell nachvollziehbar dargestellt. Die Bauhöhe der Stahl-Fachwerkträger ist ausreichend gewählt und lässt eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten. Angaben zur Gründung sowie zur Aussteifung fehlen.

    Die Wirtschaftlichkeit wird aufgrund der hohen R-Kennwerte in Verbindung mit der 3- geschossig hohen Foyerfassade eher kritisch beurteilt.

    Insgesamt handelt es sich um einen guten architektonischen Beitrag, der jedoch Schwächen hinsichtlich der Integration in das bestehenden Messegelände aufweist.


INFO-BOX

Angelegt am 06.03.2018, 10:42
Zuletzt aktualisiert 12.03.2018, 10:23
Beitrags-ID 4-153104
Seitenaufrufe 90

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