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  • DE-77656 Offenburg, DE-77656 Offenburg
  • 02/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-279426)

Erweiterung Messe Offenburg-Ortenau


  • Anerkennung

    Modell, © Bez + Kock Architekten

    Architekten
    Bez+Kock Architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Koeber Landschaftsarchitektur GmbH, Stuttgart (DE)
    Tragwerksplaner: merz kley partner, Dornbirn (AT), Altenrhein (CH)
    TGA-Fachplaner: Henne & Walter GbR, Reutlingen (DE)
    TGA-Fachplaner: Raible + Partner GmbH & Co. KG - Planungsbüro für Elektro- und Kommunikationstechnik, Eningen u. A (DE), Ditzingen (DE), Wittenberg (DE), Unterschleißheim (DE), Frankfurt am Main (DE)
    Modellbauer: Architekturmodelle Degen Modellbau, Esslingen (DE), Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Ordnung und Identitätsstiftung

    Ziel des Masterplans 2030 ist es, der prosperierenden Messe Offenburg – Ortenau ein übergeordnetes städtebauliches und strukturelles Ordnungsprinzip für die kommenden Jahre an die Hand zu geben. Die bislang eher unkoordiniert gewachsene Liegenschaft weist deutliche funktionale und gestalterische Defizite auf, eine Orientierung auf dem Messegelände ist nicht ganz einfach.

    Die bevorstehenden Baumaßnahmen bieten nun die Gelegenheit, das Gelände ausgehend vom Gebäudebestand so zu restrukturieren, dass eine klare Ordnung und damit eine verbesserte Funktionalität und Orientierbarkeit entstehen kann. Damit einher geht die Schaffung einer ortsspezifischen und unverwechselbaren Identität für das Gelände der Messe Offenburg – Ortenau.

    Am Rande des Schwarzwaldes gelegen, sollen die Neubauten durch die substanzielle Verwendung des heimischen und nachwachsenden Baustoffes Holz in Konstruktion und Fassade geprägt werden. Die Handwerklichkeit und die haptischen Qualitäten eines Holzbaus verbinden sich mit vorbildlicher Nachhaltigkeit und spezifischem regionalem Charakter. Die derzeit von baulicher Heterogenität geprägte Messe erhält künftig ein unverwechselbares identitätsstiftendes Gesicht mit deutlich lesbarem Ortsbezug. Dieses Alleinstellungsmerkmal kann der weiteren Entwicklung der Messe eine zusätzliche Dynamik verleihen.

    Eine Besonderheit der Offenburger Messe stellt die grüne Mitte dar, um die sich sämtliche Messehallen gruppieren. Dieses wichtige und Orientierung gebende Element wird aufgegriffen und gestärkt. Zu diesem Zweck wird das derzeit vorhandene Vordach, welches der Oberrheinhalle vorgeblendet ist zu einem um die grüne Mitte umlaufenden Mantel erweitert. Die unterschiedlichen Hallen erhalten so ein gemeinsames Gesicht, welches zur grünen Mitte blickt. Die Gebäudezugänge werden attraktiviert, ein umlaufender wettergeschützter Umgang entlang der Hallen erleichtert den Messebesuch. Im Süden und Westen formuliert das Dach zudem klar erkennbare Eingangsssituationen zum Messegelände. Die funktionale Wegetrennung von Besuchern und Ausstellern ist einfach und klar: Während die Innenseite der Messe dem Besucher gehört, erfolgt die Andienung aus der umlaufenden Peripherie, lediglich unterbrochen von den Hauptzugängen.

    Mit der Realisierung der Messehalle 234, des Parkhauses und der neuen Verwaltung wird im Westen eine angemessen repräsentative Platzsituation geschaffen, die den Eingang West zum adressbildenden Hauptzugang des Messegeländes macht. Die Verwaltung wird dabei der Messehalle 1 vorgeblendet, so dass der zentrale Zugangsplatz eine allseitig neue Prägung bekommt. Mit wenigen Schritten gelangen die Besucher vom Parkhaus über den Platz zum Messezugang West. Das Erdgeschoss des Verwaltungsbaus kann als Informations- und Ticketingzone zum Schaufenster der Messe werden. Zwischen der neuen Messehalle 20 und der Messehalle 1 entsteht eine Torsituation die den Übergang zum Freigelände West neu definiert.

    Freiraum – Flexibilität und Aufenthaltsqualität
    Das bereits beschriebene umlaufende Vordach sorgt für eine klare Zonierung des Freiraums in einen Innen- und einen Außenbereich. An den Zugängen hat das Dach eine zusammenführende Funktion zwischen Innen und Außen. Die Bereiche kennzeichnen sich zudem durch eine verbindende Gestaltung: Lange Baumreihen säumen die unbefestigten Ausstellungsflächen. Hainartige Bauminseln mit Sitzgelegenheiten brechen die durchgehend mit einem Farbasphalt homogen befestigten Flächen auf und schaffen Räume mit hoher Aufenthaltsqualität. Den Hauptzugang West markieren innen wie außen flache Wassermulden mit choreographierten Fontänen. Sie stimmen atmosphärisch auf den Messebesuch ein und begrüßen die Gäste.

    Messehalle 20 – Funktionalität und Charakter
    Ziel des Neubaus der Messehalle 20 ist es eine gleichermaßen attraktive und funktionale Plattform für die Offenburger Messe zu schaffen. Das Gebäude gliedert sich in die eigentliche Ausstellungshalle im Süden und ein auf der Nordseite vorgelagertes flacheres Bauteil, in dem auf zwei Etagen das Foyer mit Konferenzbereich und Nebenräumen untergebracht sind. Dieses flachere Bauteil verwächst mit dem um die Grüne Mitte umlaufenden Vordach zu einer kraftvollen Eingangsgeste für die neue Halle. Das Kaltlager ist mit einigen Technikräumen in ein separates Haus ausgelagert, welches die Südostecke des Baufeldes besetzt und somit eine geschützte und funktionsgerechte Anliefersituation für die Halle 20 und die Badenarena entstehen lässt.

    Der Hauptzugang zur neuen Halle erfolgt von der Vordachsituation im Norden aus der Grünen Mitte direkt ins zweigeschossige Foyer. Weitere Zugänge sind auf der Westseite (Übergang zum Freigelände West und zur Halle 1) und auf der Ostseite (Übergang zur Badenarena) vorgesehen, so dass die neue Halle optimal mit ihrem Umfeld verknüpft ist.
    Die Ausstellungsfläche wird vom Foyer durch eine Nebenraumspange getrennt die im Erdgeschoss an zwei Stellen unterbrochen ist um den Zugang zur Halle freizugeben. Die Zugänge nehmen dabei mit ihrer Lage auf die mögliche Hallenteilung 1/3 zu 2/3 Bezug.
    Der Konferenzbereich legt sich wie eine Brücke über das zweigeschossige Foyer. Es ergibt sich so eine Unterteilung des Foyers in zwei Bereiche, die im Falle einer geteilten Halle ebenfalls separat bespielt werden können. Das Catering erfolgt im niedrigeren Bereich unterhalb der Konferenzräume in einer geborgenen Raumsituation zwischen den doppelgeschossigen Foyers.

    Der Konferenzbereich blickt nach Norden in die Grüne Mitte und wird über zwei großzügige Treppenläufe aus dem Foyer heraus erschlossen. Der gut proportionierte Saal ist entsprechend der Anforderungen durch eine mobile Trennwand in zwei Teile unterteilbar. Der Backstagebereich ist im 1.OG in der Nebenraumspange verortet und besitzt über das östliche Treppenhaus eine sehr gute Anbindung an die Halle und die benachbarte Badenarena.

    Die stützenfreie Multifunktionshalle verfügt über eine kraftvolle und ordnende Struktur, die auch während der Messenutzung spürbar bleibt. Vom zentralen Träger aus, der die Halle in ihrer Längsrichtung überspannt, verlaufen in dicht gestaffeltem 4m-Rhythmus Brettschichtholzträger zu den im Norden und Süden befindlichen Längswänden hin. Dieser Rhythmus erlaubt ein engmaschiges Netz an Abhängepunkten in der Halle, er ist auch in der Profilierung der Längswände sichtbar. An den Schmalseiten der Halle ist im Westen die Raumschicht für die Unterbringung der mobilen Tribüne und der zugehörigen Fluchttreppen vorgesehen. Auf der Ostseite wird die mobilie Trennwand parkiert. Der robuste antrazith beschichtete Boden der Messehalle wird von einem gerasterten Netz an Bodenkanälen gegliedert, das die flexible Versorgung der Aussteller mit den Medien gewährleistet.

    Der raumhaltige Längsträger wird zur Aufstellung der drei Lüftungsgeräte für die Halle genutzt. Die Leitungsführung erfolgt von hier aus denkbar einfach zu beiden Seiten direkt in die Zwischenräume der Brettschichtholzträger. Kurze Kanallängen und eine sehr gute Integration der Lüftungstechnik in die Tragstruktur kennzeichnen das gewählte Prinzip.
    In Ihrer äußeren Erscheinung zeigt sich die neue Messehalle mit einer vertikalen Holzverschalung, die sich in drei Horizonte mit gestaffelter Bretterbreite untergliedert. Die drei Horizonte greifen dabei die Gebäudehöhen des Foyers und des östlich angrenzenden Nebengebäudes auf und verleihen der Halle eine angemessene Masstäblichkeit. Das leicht geneigte Satteldach wird von dem eingelassenen Längsträger mittig geteilt. Es ergibt sich eine weithin sichtbare markante Hallensilhouette an der exponierten Südseite der Messe. Die geneigten Dachflächen werden mit aufgeständerten Photovoltaikelementen belegt.

    Kompaktheit, Robustheit und Eigenständigkeit sind die wesentlichen Charaktermerkmale eines wirtschaftlichen, funktionalen und nachhaltigen Gebäudekonzeptes.

    Ein spezifisches Tragwerk für Aufgabe und Ort
    Offenburg mit seiner unmittelbaren Lage am Schwarzwald, Nachhaltigkeit und die Möglichkeit zur Demonstration der Leistungsfähgeit von Holz sind die Ansätze zur Konzeptionierung der Messehalle als Holzbau. Ästhetik und Wirtschaftlichkeit standen bei der Entwicklung des Projektes ebenso im Vordergrund wie der Einsatz von der Aufgabe angemessenen Mitteln.

    Und so ist ein Holzbau entstanden, der trotz seiner gewaltigen Abmessungen ausschließlich mit bewährten und geregelten Bauprodukten und Verbindungen auskommt. Keine Sonderkonstruktionen, keine erforderlichen Zustimmungen im Einzelfall – nur einfacher Holzbau im Großmaßstab.

    Das Rückgrat der Hallenkonstruktion ist eine Fachwerkbrücke, die aus zwei fünfachen Fachwerkträgern in BauBuche konstruiert ist. Die Gurte und Pfosten aus BauBuche, die Diagonalen aus Rundstahl. In Verbindung mit der großen statischen Höhe der Brücke ergeben sich für jeden einzelnen der insgesamt zehn Fachwerkträger fast schon übliche Querschnittsdimensionen. Einfachste Anschlüsse basieren auf der enormen Druckfestigkeit der BauBuche, woraus überaus wirtschaftliche Knotenpunkte entstehen.
    Quer zu dieser Brücke liegen die Nebenträger, die mit jeweils rund 27m Spannweite das Hauptdach der Großhalle bilden. Ganz normale Brettschichtholzträger, wie sie in zahllosen Sporthallen schon seit Jahrzehnten zum Einsatz kommen, werden dabei im Abstand von vier Metern nebeneinander gelegt. Darüber großformatige Brettsperrholzplatten als Dachschalung, die in Verbindung mit einem konventionellen Warmdachaufbau eine bauphysikalisch äußerst robuste Konstruktion bilden.

    Funktional bilden die große Brücke mit ihrem Raumangebot in Verbindung mit den Dachträgern eine Einheit, die für die Lüftungsinstallation der Halle perfekte Randbedingungen liefert: Raum für die großen Lüftungsgeräte einschließlich Zugänglichkeit in Betrieb und Wartung sowie ausreichende Gassen für die Lüftungskanäle innerhalb der Dachkonstruktion. Auf diese Weise findet die gesamte Lüftungsanlage im Dach den notwendigen Platz, womit sich Technikräume am Boden ebenso wie voluminöse Versorgungsschächte für diesen Zweck erübrigen.

    Die Fachwerkbrücke wird von jeweils zwei Stahlbetonstützen getragen, die über eine Stahlbetonwandscheibe verbunden sind. Hingegen sind die Stützen der Längswände Brettschichtholzquerschnitte, die jedem Dachträger ein direktes Auflager geben und zugleich die Hauptkonstruktion für die Außenwand sind. Die räumliche Steifigkeit und Stabilität der Messehalle wird durch die Ausbildung von Wand- und Dachflächen zu aussteifenden Scheiben gewährleistet. Zur Montage der Großkonstruktion können die Fachwerke in drei Teilen am Boden vormontiert- und anschließend mit jeweils zwei Mobilkränen auf Gerüstböcken abgesetzt werden.

    Im Übergang zum Foyer- und Nebengebäude wird die Notwendigkeit einer Brandschutzwand erwartet, die über entsprechend gekapselte Brettsperrholzelemente gebildet werden kann. Die Konstruktion des weit auskragenden Vordaches in Verbindung mit der Überdachung des großzügigen Foyers gelingt mit hochleistungsfähig verklebten Hohlkastenelementen, die aus Furnierschichtholzplatten (Kerto), Brettschichtholzrippen und integrierten Querträgern ohne sichtbare Querträger auskommen. Bleibt die Geschossdecke über den verbleibenden Räumen im Erdgeschoss, die aufgrund ihrer Belastung in Verbindung mit ihrer großen Spannweite als Stahlbetonflachdecke konstruiert wird. Insgesamt ein Tragwerk, das sich durch Klarheit, Funktionalität, Angemessenheit und dementsprechender Wirtschaftlichkeit auszeichnet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    In dem Gesamtkonzept 2030 liegt die Stärke des Entwurfs. Mit der Fortführung des Vordachs rund um die zentrale Freifläche wird eine Fassung des Raums und der unterschiedlichen Gebäude erreicht, langfristig fügt sich die Halle 2,3,4 in die Struktur gut ein.

    Der Messezugang West ist richtig positioniert und empfängt den Besucher mit einem räumlich gut gefassten Raum. Mit der Ausformulierung der beiden neuen Eingänge Mitte und Süd werden die westlichen Freibereiche gut integriert.

    Als Alleinstellungsmerkmal werden die äußere Form des Gebäudes mit der „Laterne“ und die Nachhaltigkeit der Holzbauweise gewürdigt. Während die Holzkonstruktion denkbar erscheint, lässt vor allem die Außenfassade mit der Brettschalung die gewünschte Einbindung in das Gesamtensemble der Messe vermissen. Allerdings wird das Foyer als ein additiver, der Halle 20 nur vorgesetzter Anbau gesehen, der den Wunsch einer einheitlichen Gesamtgestaltung nicht erfüllt.

    Die Erschließung des Foyers, auch mit dem Übergang zur Baden-Arena, ist gut gelungen. Die Funktionen sind gut positioniert, Küche und Zugang Konferenzbereich erfüllen die Anforderungen an die Teilbarkeit, mit der Lage der Toiletten ist jedoch eine Trennung der Halle bzw. des Foyer bei verschiedenen Veranstaltungen nicht möglich.

    Der Konferenzbereich im 1.OG orientiert sich zur zentralen Mitte und liegt damit an der richtigen Stelle, die beiden seitlichen Lufträume lassen eine hohe Raumqualität für das Foyer erwarten.

    Das Kaltlager ist mit der Halle 20 und mit der Baden-Arena ist nur über einen zwar überdachten, aber offenen Lieferhof verbunden. Die Andienung wird damit verkompliziert, auch die Anlieferung von Osten um das neue Lager herum erscheint umständlich.

    Die Grüne Mitte nimmt die vorhandene Baumreihe auf und entwickelt daraus ein schlüssiges Gesamtkonzept, das mit den ergänzten Baumhainen auch Aufenthaltsflächen anbietet. Im westlichen Freibereich wird diese klare Grundstruktur der Mitte wiederholt und schafft auch hier eine gute Raumbildung.

    Das konstruktive Tragwerkskonzept ist im Grundsatz gut und logisch nachvollziehbar, das zentral angeordnete Brückenbauwerk bildet das Haupttragwerk und reduziert die Aufbauhöhe der Tragkonstruktion und damit auch die Gesamthöhe der Halle. Bei der Vordachkonstruktion erscheint die Holzkonstruktion allerdings zu aufwändig. Angaben zur Gründung fehlen.

    Die Technikflächen sind gut angeordnet, führen zu kurzen Leitungswegen und der Möglichkeit der Zonierung. Allerdings fehlen innovative Planungsansätze.

    Die Kenndaten liegen im oberen Bereich, die aufwendige Vordachkonstruktion verursacht zusätzliche Kosten.

    Insgesamt wird in der Arbeit ein eigenständiger Beitrag gesehen, der jedoch in der Materialität der Fassade, teilweise der Funktionalität und vor allem in der architektonischen Ausformulierung nicht überzeugen kann.