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    Lageplan 1:500

    Stadtplaner
    WICK + PARTNER ARCHITEKTEN STADTPLANER, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Michael Schröder , Karl Haag

    Mitarbeit
    Kristin Kalbhenn

    Preisgeld
    15.000 EUR

    Erläuterungstext
    Leitidee
    Die Struktur des Entwurfes leitet sich aus zwei Gliederungsprinzipien ab:
    Zum einen wird das Maß der angrenzenden Blockstruktur aufgegriffen, um so an den Außenkanten des Quartiers eine logische Fortsetzung des Straßenprospekts zu erzielen. Im Inneren des Quartiers untergliedern sich die Blocks jedoch in U-förmige Teilstrukturen, die wiederum eine Analogie zur benachbarten IHK herstellen und die Struktur in überschaubare Einheiten gliedert.
    Zum anderen wird die schon im Rahmenplan Jägerstraße gewünschte Freiraumachse zwischen Weinberg, Winzerhaus und der Kriegsbergstraße aufgegriffen und durch eine zweite Sicht- und Bewegungsachse vom Weinberg über das parallel zum Bonatzbahnhof verlaufende Freiraumband über dem neuen Bahnhof bis zum gegenüberliegenden Talkesselrand bis zur Uhlandshöhe ergänzt.
    Durch dieses Gliederungsprinzip entsteht eine Struktur, die sich nach außen relativ geschlossen zeigt und sich so vor Lärmimmissionen schützt, dabei aber gezielte Blicke durch das Quartier auf den Weinberg freigibt. Die zum Inneren des Quartiers ausgerichteten Baukörperteile der Hofstrukturen sind geschützt und ab dem 1. OG dem Wohnen vorbehalten.
    Das Wohnen ist so nicht nur in exklusiven obersten Geschossen verortet, sondern verteilt sich gleichmäßig im Quartier und sichert so eine soziale Kontrolle des öffentlichen Raums.
    Die bauliche Struktur wird durch ein freiräumliches Netz aus vielfältigen Wegeverbindungen und Platzbereichen ergänzt, das ein attraktives Wohn- und Arbeitsumfeld schafft.

    Erschließung
    Über die Jäger- und die Ossietzkystraße wird das Quartier von außen erschlossen. Alle öffentlichen Stellplätze und die Zufahrten zu den Tiefgaragen liegen hier, so dass das Innere des Quartiers mit Ausnahme von Ver- und Entsorgungsfahrzeugen vom Verkehr, auch vom Parksuchverkehr freibleiben kann und ausschließlich Fuß- und Radfahren vorbehalten bleibt. Diese Fuß- und Radwege sind so angeordnet, dass sie die von außen ankommenden Wegeverbindungen aufgreifen und über das Quartier hinweg verknüpfen.
    Der ruhende Verkehr wird im westlichen Quartiersteil überwiegend in zweigeschossigen Tiefgaragen untergebracht. im östlichen Quartiersabschnitt sind Tiefgaragen nur eingeschränkt möglich. Die sonstigen notwendigen Stellplätze, auch für die Nutzung der Alten Bahndirektion, werden in 4 Ebenen des Kopfbaus an der Heilbronner Straße untergebracht. Diese Ebenen, die im unmittelbaren Umfeld stark befahrener Straßen liegen, scheinen für eine Büronutzung ohnehin eher unattraktiv.

    Gestaltung des öffentlichen Raums
    Die Jägerstraße wird zu einem städtischen Boulevard ausgebaut, der neben der Fahrerschließung auch attraktiver Raum für Fuß- und Radfahrer ist. Die Nordseite wird, analog zu der schon vor der IHK angelegten Situation, zu einer breiten Flanierzone mit mittiger Baumstellung ausgebaut. Der Platz im Ideenteil bietet in diesem Bereich, durch Treppenstufen vom Verkehr abgesetzt, hat Aufenthaltsqualität und stellt den unmittelbaren Bezug zum Weinberg her. Auf der Südseite wird der Gehbereich durch eine Baumreihe mit Längsparkern vom Fahrverkehr abgesetzt.
    In der Ossietzkystraße werden die bestehenden Bäume auf der Westseite erhalten. Die Senkrechtparker werden dazwischen so angeordnet, dass sie aus beiden Richtungen zu befahren sind. Analog zur Südseite der Jägerstraße werden auf der Ostseite Längsparker unter Bäumen angeordnet.
    Wichtige Straßenquerungen in der Jäger- und Ossietzkystraße, wie der Zugang zum Ledererbau und die Querung der NS-gerichteten Sicht- und Bewegungsachsen werden überpflastert, um den Verkehr zu bremsen und eine sichere Querung zu ermöglichen.
    Das Innere des Quartiers wird mit einem durchgängigen Stadtboden mit freien Bäumen in den Bewegungszonen gestaltet. Die Sicht- und Bewegungsachsen erhalten durch die Wasser- und Grüntreppe besondere Identitäten. Die Hofbereiche sind durch max. 1.50 hohe Niveausprünge vom Stadtboden abgesetzt und schaffen so ruhigere und privatere Bereiche. Auf der Nordseite der Alten Bahndirektion schafft eine platzartige Aufweitung des Raums ein angemessenes Umfeld für die angedachte Hotelnutzung. In Reminiszenz zur historischen Hofanlage wird der Platzbereich von einem Brunnen besetzt.
    Auf der Südseite des Quartiers zieht sich der Stadtboden bis zur Heilbronner Straße. Freie Bäume, die sich zum Straßenraum verdichten, schaffen einen räumlichen Abschluss. Ein Feld mit Wassersprudlern kann diesen Bereich qualitativ aufwerten.

    Baukörper
    Die Baukörper differieren innerhalb eines Blocks in Höhe und Breite. Die ca. 21m breiten Bauteile entlang der Jäger- und der Kriegsbergstraße sind ausschließlich der Büronutzung vorbehalten. Die N/S ausgerichteten Bauteile sind nur ca. 15m breit und bieten so Raum für Wohn- und Büronutzung.
    Ein Achsmaß von ca. 6.50m lässt gleichermaßen die Anordnung der Stellplätze und Fahrspuren in den Tiefgaragen, sowie ein Ausbaumaß von ca. 1.30m in den Büroebenen zu.
    Die Alte Bahndirektion wird, mit Ausnahme eines kleinen Anbaus an der Nordostseite, der die Barrierefreiheit und die Öffnung zum öffentlichen Raum für die dort angesiedelte Nutzung herstellt, freigestellt. Die historische Hofsituation wird nicht wieder nachgebaut, sondern neu interpretiert.
    Die Baukörper entlang der Jägerstraße nehmen im Grundmaß die Höhe der IHK auf. Einzelne Überhöhungen setzten städtebauliche Akzente im Straßenraum. Die Bauteile entlang der Sicht- und Bewegungsachsen sind dagegen im Durchschnitt ein Geschoss niederer gehalten, um den Blick zum Weinberg freizuhalten. Auf „klassische“ Staffelgeschosse wird zu Gunsten eindeutiger Kubaturen bewusst verzichtet.
    Die Dächer sind begrünt, um beim Blick vom Kriegsberg in die Stadt einen harmonischen Übergang zur Freiraumgestaltung über dem neuen Tiefbahnhof und weiter zum Schlossgarten zu generieren.

    Nutzungsverteilung
    In den Erdgeschosszonen sind in allen Baukörpern Nutzungen angeordnet, die einer gewissen Öffentlichkeit bedürfen. Dies können gleichermaßen Praxen, gastronomische Einrichtungen, Einrichtungen für Sport- und Freizeit oder Handel sein.
    Die zum Inneren des Quartiers orientierten Baukörper sind in den Obergeschossen dem Wohnen vorbehalten. Die übrigen Flächen stehen Büronutzungen zur Verfügung. Die Geschosse der überhöhten Punkte entlang der Jägerstraße bieten Raum für hochwertigen Wohnraum mit Blick auf Stadt und Weinberg im oberen Preissegment.
    Die gewählte Nutzungsmischung generiert ein lebendiges und sozial gemischtes Quartier, das vom Bahnhof einen attraktiven und frequentierten Auftakt für die Hangfußbebauung entlang des Kriegsbergs schafft.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Den Entwurfsverfassern gelingt eine Fortführung der Quartiersstruktur mit einer angemessenen Körnung der einzelnen Stadtbausteine und sehr differenzierter Höhenentwicklung.

    Die stadträumliche Einbindung gelingt durch Aufnahme der topografischen und neuen stadträumlichen Bezüge mit dem neuen Bahnhof und Straßburger-Platz. Die beiden Achsen in Fortführung des Arnulf-Klett-Platzes zum Weinberg und des Straßburger Platzes sind maßvoll, aber stadträumlich sehr wirksam und prägnant entwickelt. Die Silhouette der Gebäude betont die Achsen. Es werden nach Außen klare Raumkanten abgebildet, nach Innen entwickeln sich vielfältige und lebendige Hofstrukturen und Wegeverknüpfungen. Die Räume bilden eine gute Umfeldqualität für die beabsichtigte Mischnutzung mit möglichst hohem Wohnanteil. Die Gebäudetiefen sind daher zum Teil zu überprüfen.

    Die Ausbildung der einzelnen Stadtbausteine mit parzellierten Strukturen, die auch abschnittsweise additiv umgesetzt werden können, ermöglichen eine große Vielfalt an Gebäudetypologien und Nutzungsstrukturen. Mit dieser Vielfalt entsteht auch eine attraktive 5. Fassade.

    Die Jägerstraße wird als Stadtboulevard und attraktive Bewegungsachse gestaltet und erhält mit dem „Rebenplatz“ und der neuen diagonalen Sichtachse eine besondere räumliche Prägung, bei der das Schwallbauwerk selbstverständlich integriert werden kann.

    Der Wohnanteil ist insgesamt deutlich zu gering, insbesondere zur ruhigen Jägerstraße sollten mehr Angebote geschaffen werden. Der Entwurf bietet mehr ruhige Lagen, die für Wohnen geeignet sind, als von den Verfassern bisher angeboten werden. Mit dem Erhalt des Wohngebäudes Ossietzkystr. 6 wird die Entwicklung der Stadt als gewachsene Struktur sichtbar und zeigt, dass sich das stadtbildprägende Gebäude gut integrieren lässt.

    Das Büro- und Parkdeckgebäude ist dagegen überproportioniert und bildet zur Heilbronner Straße keine passende Raumkante. Die vier angebotenen Parkdecks werden hier als displatziert angesehen. Das Gebäude sollte in seiner räumlichen Wirkung und Nutzungsprägung deutlich überarbeitet werden. Eine höhere, jedoch schlankere Baukörperfigur ist dagegen denkbar. Die Einbindung des U-Turns und die auskragenden Bauteile sind nicht gelöst und werden in Verbindung mit fehlenden Fußwegeführungen sehr kritisch gesehen.

    Das Parkierungskonzept bietet einzelne autarke Tiefgaragen an, notwendige Stellplätze sollten hier generell in Tiefgaragen nachgewiesen werden.

    Die „Alte Bahndirektion“ wird durch die räumliche Figur wieder gut eingebunden und bleibt als prägnanter Stadtbaustein erhalten. Durch die Verbindungs- und Erweiterungsmöglichkeit sind vielfältige Bespielungen gegeben.

    Innerhalb der Teilfläche „Alte Bahndirektion“ ist insgesamt die geforderte Baumasse nicht erreicht. Eine maßvolle Verdichtung ist gewünscht, die jedoch das Konzept in seinen Grundzügen nicht verändert. Die Gebäudehöhen und mögliche Staffelgeschosse sind mit den Nutzungsanforderungen kompatibel weiter zu entwickeln.

    Insgesamt gelingt den Entwurfsverfassern ein guter Beitrag für das neue Stadtquartier.


INFO-BOX

Angelegt am 07.03.2018, 14:24
Zuletzt aktualisiert 08.03.2018, 10:04
Beitrags-ID 4-153193
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