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  • DE-88045 Friedrichshafen
  • 02/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-272754)

Stadtquartier Jettenhauser Esch in Friedrichshafen


  • 3. Preis


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    Architekten, Stadtplaner
    UTA Architekten und Stadtplaner, Stuttgart (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten, Stadtplaner: Studio Urbane Strategien, Stuttgart (DE)
    Landschaftsarchitekten: ~ GRÜNE WELLE, lebendige Landschaftsarchitektur, Grünkraut (DE)

    Preisgeld
    15.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser folgen einer städtebaulichen Leitidee, die kleinteilig gemischte Nachbarschaften entlang der Topographie auf Wohnterrassen anbietet. Im Ergebnis staffeln sich lang gestreckte und durch grüne Fugen gegliederte Hofanlagen mit unterschiedlichen Baukörpern und Wohnformen nach Süden. Auf eine städtebauliche Akzentuierung über Hochpunkte wird in diesem Beitrag bewusst verzichtet. Das Spiel unterschiedlicher Volumen und Maßstäbe verleiht dem Entwurf Individualität und Eigenständigkeit.

    Nicht ganz überzeugt ist das Preisgericht jedoch vom städtebaulichen Layout des Quartiers. Auf einen zentral gelegenen Quartiersplatz wird verzichtet. Als Quartiersmitte stellen sich die Verfasser eine schmale Fuge vor, die sich kaum durch Identität stiftende Merkmale auszeichnet.
    Die Lage der Grünräume und die Gliederung durch grüne Finger stehen der Idee des Zusammenlebens im Quartier entgegen. Könnte dieser Nachteil durch den urban anmutenden zentralen Freiraum noch kompensiert werden, so wird ein Anschluss an die kleinteilige Bebauung im Westen vermisst.
    Der breite Grünzug in Nord‐Süd‐Richtung erscheint hier nicht als richtige Antwort.
    Die Grundrisstypologie im Geschosswohnungsbau entspricht den Vorgaben und könnte mit leichten Modifikationen realisiert werden. Einige der angebotenen Haustypen sind allerdings bautechnisch aufwendig. Die Wohnqualität der nahezu vollständig einsehbaren Individualwohnformen muss als problematisch kritisiert werden. Ebenfalls ungeschickt sind die auf der Südseite sichtbaren Tiefgaragensockel. Die Ausrichtung der Wohnungen der Schallschutzbebauung ist nicht dargestellt, eine gute Wohnqualität aller Wohnungen zu errichten erscheint fraglich.

    Durch die ausschließlich unterirdische Anordnung des ruhenden Verkehrs leidet die Erreichbarkeit für Besucher. Als ungünstig stellt sich auch der Zuschnitt der Tiefgaragen dar. Im westlichen Bereich fehlt der direkte Zugang der Wohngebäude von der Parkebene.

    Wesentliche Teile des Ideenteils sind auf fremden Grundstücksflächen geplant. Grundsätzlich wird jedoch der Vorschlag der Schaffung einer Platzsituation befürwortet. Die Anordnung der Besucherstellplätze erscheint konzeptionell nachvollziehbar, ist jedoch nicht praxistauglich.

    Die Luftdurchströmung von West nach Ost ist durch die breiten, trichterförmigen Grünfinger sehr gut gewährleistet. Der Durchströmung von Norden (und analog von Süden) stellen sich im östlichen Quartier die dicht aneinander gedrückten Wohnriegel entgegen. Besonders die beiden Punkthäuser am zentralen Quartiersplatz dürften verstärkt windexponiert sein. Die breite Grünachse am Westrand der Bebauung begünstigt den Luftaustausch mit dem im Süden angrenzenden Industrie‐ und Gewerbeareal. Allgemein gilt, dass durch eine wirksame Durchgrünung des neuen Wohngebiets mit
    ausreichenden Verdunstungsflächen eine sommerliche Aufheizung vermieden werden muss, auch um die Verkehrsemissionen nicht in das Baugebiet zu leiten.

    Die geplanten Retentionsflächen liegen verstreut im Plangebiet. Die Topographie des Geländes wurde bei der Planung der Retentionsflächen nicht hinreichend aufgenommen, sodass die die vorgesehene Entwässerung nicht funktionieren dürfte. Grundsätzlich stellen die Gebäude und Tiefgaragen Querriegel in Ost‐West‐Richtung dar, die der Entwässerung in Richtung Süden entgegenstehen. Die Schmutzwasser‐ wie die Regenwasserentwässerung müssten zuerst in Richtung Osten geführt werden, um dann nach Süden an das Bestandsnetz angeschlossen werden zu können.

    Die Stellung der Gebäude und die zwischen ihnen vorgesehen Lärmschutzwände ermöglichen einen Schutz der dahinterliegenden Außenbereiche und ruhige Innenhöfe. Um den Schalleintrag zum Quartiersinnenbereich weiter zu verringern, müsste eine Lärmschutzwand vorgesehen werden, ggf. eine versetzte Konstruktion, um einen Zugang zu gewährleisten. Für die Gebäude der ersten Bebauungsreihe werden keine Schallschutzmaßnahmen aufgezeigt.

    Den Verfassern gelingt ein städtebaulich prägnanter Beitrag, der seine Qualitäten aus der Interpretation des Ortes und seiner Topografie bezieht. In den Bezügen zur Nachbarschaft führt die vorgetragene Entwurfshaltung jedoch zu einigen Schwächen.


INFO-BOX

Angelegt am 09.03.2018, 15:51
Zuletzt aktualisiert 13.03.2018, 17:30
Beitrags-ID 4-153483
Seitenaufrufe 36

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