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  • DE-32052 Herford, DE-32049 Herford
  • 03/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-280894)

Gelände der Hammersmith-Kaserne in Herford


  • 1. Preis

    Lageplan M 1:1000

    Architekten
    behet bondzio lin architekten, Münster (DE), Leipzig (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: SAL Landschaftsarchitektur GmbH, Münster (DE)

    Preisgeld
    24.000 EUR

    Erläuterungstext
    • Erhalt der ehemaligen Unterkunftsgebäude und Stallungen als materielle Ressource, als Träger von Identität und als Link in die Geschichte des Ortes, so- wie partielle Ergänzung des Quartiers mit neuen Gebäuden.


    • Großflächige Entsiegelung und Durchgrünung des Quartiers
    Ausgehend von der ehemaligen Wentworthkaserne durch das Quartier hindurch fließt der Grünraum mit eingebetteten Rad- und Fußwegen bis zum Anschluss an den Grünzug im Nordosten mit dem Nebengewäs- ser des Putchemühlenbachs.

    • Erhalt um Umcodierung des „Parkangers zum Quartiersanger“
    Der „Parkplatzanger“ zwischen den ehemaligen Unterkunfts- und Verwaltungsgebäuden besitzt starke räumliche und atmosphärische Qualitäten. Der Ort wird als Fußgänger dominierter Shared-Space umcodiert, das Parken aus dem Raum herausgenommen und unter- geordnet für Besucher zwischen die Gebäude verortet. Der neue Quartiersanger ist ein Raum der Durchwegung, Verbindung und zugleich des Aufenthalts.
    Soziale Infrastruktur, Räume für Dienstleistungs- und Freizeitangebote sowie CoWorkingspaces besetzen durchgängig die Erdgeschosszonen. Der Anger wird somit zu einem gemeinschaftlich geprägten Ort, der Kommunikation, der Interaktion und des Aufenthalts, atmosphärisch aufgeladen durch die Identität der Kasernengebäude und die majestätischen Bestandsbäume.

    • Freiraumplanerischer Umgang mit der topographischen Kante
    Entlang der markanten topographischen Kante (bis zu 4m Höhensprung) erstreckt sich in Ost-West Ausrichtung der neue Quartierspark. Zum Übergang an den Grünzug des Putchenmühlenbaches entsteht ein großzügiges Freiraumdelta, welches durch Rasenterrassen und einer sich ausdehnenden Sport- und Spiellandschaft gebildet wird. Nach Westen erstreckt sich ein Grünraum, der bei Starkregenereignissen das gesamte Niederschlagswasser der versiegelten Flächen rückhalten kann. Sitzstufen bilden die Schnittstelle zum Quartiersanger, der die Grünverbindung fortführt und durch drei multifunktional nutzbare Platzaufweitungen definiert wird.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Grundidee des Entwurfes, die prägenden räumlichen Strukturen des alten Kasernenareals, die Mannschaftsgebäude und die Topografie zum Ausgangspunkt der Entwurfskonzeption zu machen, wird positiv bewertet.
    Das nicht zum Erhalt bestimmte Mannschaftsgebäude am Eingang Vlothoer Straße mit einer Nahversorgungseinrichtung zu belegen, stellt mit dem Quartierstor (kleiner grüner Platz) eine angemessene Geste dar.
    Die Jury wertet ausgesprochen positiv die Aufwertung des sog. Quartiersangers und die Integration neuer Wohnnutzungen in altem Bestand.
    Das vorgeschlagene Umnutzungskonzept am Quartiersanger – in Räume für Dienstleistung-, Freizeitund Co-Workingspaces – gibt dem Anger einen neuen Nutzungsschwerpunkt und etabliert damit das neue Quartierszentrum. Damit wird das Ziel: „Wohnen, Leben, Arbeiten“ im Bestand erreicht. Der nördliche Teil des Quartiersangers geht in den eher parkartigen, mit Retentionsfläche belegten Freiraum über. Dieser befindet sich an der natürlichen Hangkante des neuen Quartiersparks.
    Die Ausrichtung der in den Hang gesetzten Reihenhaustypologien schafft hervorragende Südgartensituationen.
    Die bereits im Bestand zurückversetzten Pferdeställe werden in Reihenhäuser umgewandelt. Insgesamt ist hier die Typologisierung nochmals zu erörtern. Somit entsteht ein singuläres Quartier, welches allerdings verkehrlich den Wohncharakter nicht ausreichend widerspiegelt. Das ehemalige geschlossene Kasernenareal wird hingegen durch die gewählte Anbindung zum Stiftskamp geöffnet.
    Der Charakter der Hammersmith Innenhöfe im neuen Wohnquartier wird positiv bewertet. Es sollen neue Nachbarschaftsräume im sog. halböffentlichen Raum entstehen. Die unterschiedlichen vorgeschlagenen Wohntypologien ermöglichen eine heterogene Bewohnerstruktur. Die Zuordnungen der Eingänge, die Anlage der privaten Freiflächen überzeugen noch nicht.

    Das Konzept, die gradlinig angelegte Quartiersstraße an einem offenen Platz (Shared Space) enden zu lassen erscheint im Hinblick auf das zu erwartende Verkehrsaufkommen fraglich.

    Die Öffnung des Quartiers zum bestehenden Grünzug wird positiv gewertet. Anlage und der Charakter der Wege müssen jedoch im Hinblick auf die Nutzungsqualitäten noch weiter entwickelt werden.

    Insgesamt entsteht ein modernes Wohnquartier mit eigenem Charakter, der die bestehende Historie u.a. durch den erhaltenen Gebäudebestand aufgreift und aufgrund der harmonisch zusammen gefügten Baufelder, der Bebauungsdichte und der Raum definierende Bebauungstypologie dem Quartier ein neues Gesicht und attraktive Adresse gibt.

    Die vorgeschlagenen Wohnbautypologien bedürfen dabei der sorgfältigen Übersetzung in Planung und Architektur.

    Die Umbaufähigkeit der Handelsimmobilie und somit die Größe des Nahversorgers ist zu prüfen. In diesem Zusammenhang sind Umgebungsqualitäten bei einem größerem Nahversorger zu klären.