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  • Anerkennung

    Lageplan, © Hähnig - Gemmeke

    Architekten, Stadtplaner
    Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA, Tübingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Anthony Carimando, Jan Gienau

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: silands | Gresz + Kaiser Landschaftsarchitekten PartG mbB, Ulm (DE)

    Preisgeld
    12.000 EUR

    Erläuterungstext
    Mit dem Neubau des Pflegeheims der Evangelischen Diakonieschwesternschaft wird eine langfristige stadträumliche Entwicklung des Wiedenhöfer Stift-Areals angestoßen. An dem zentralen Grünkorridor, von Süd nach Nord verlaufend entsteht an der Brahmsstraße die gewünschte städtebauliche Akzentuierung. Mit Setzung eines U-förmigen Baukörpers werden die Raumkanten zum westlichen Nachbarschaftsplatz, der Brahmsstraße klar formuliert und nach Norden zum Pocket-Park verzahnend Bebauung und Grünraum entwickelt.
    Der neue Platz bildet mit differenzierten Aufenthaltsqualitäten ein attraktives, einladendes Vorfeld, eine Adresse für das neue Pflegeheim. Großzügige geschützte Freibereiche schaffen fließende Übergänge von Innen nach Außen. Café, Begegnung, Arztpraxis, Frisör, Verwaltung und Eingangssituation bespielen den Platz. Synergien und unterschiedliche Nutzungsüberlegungen entstehen, werden angeboten.
    Um einen zentralen grünen Innenhof gliedern sich die Wohngruppen mit kombinierbaren, schaltbaren Gemeinschaftsräumen, Schnittstellen und Orientierungen zu den angrenzenden Freiräumen, Parkbereichen, geschützten Demenzgärten. Für die gemeinsamen Wohnbereiche mit Küche, Sitzecke, Wohnzimmer und Loggien werden durchgesteckte Grundrisstypologien, die sich zum einen in den ruhigen grünen Innenhof orientieren, zum anderen geschützte überdachte Außenbereiche zu den öffentlichen Räumen im Süden schaffen, angeboten. Von Süd nach Nord orientiert entstehen lichtdurchflutete Raumgelenke, die die jeweiligen Wohngruppen untereinander vernetzen. Dienstzimmer, zentraler Kommunikationspunkt und die Erschließungskerne sind diesem zentralen Bereich zugeordnet und schaffen direkte kurze Wege für ihre Bewohner und Besucher. Alle Einzelzimmer und die Nutzungseinheiten zweier koppelbarer Pflegezimmer sind ost- bzw. west- und südorientiert.
    Die Topographie des Südhangs nutzend entsteht im Erdgeschoss eine Lichthofsituation, die sich ab dem ersten Obergeschoss nach Norden in den Park und die Gärten U-förmig öffnet. Zu den angrenzenden zukünftigen Bebauungsstrukturen der Wohnquartiere und der bestehenden Einfamilienhausgebiete entstehen verträgliche Proportionen, Geschossigkeiten und somit stadträumlich fließende Übergänge zwischen Neuplanung und Bestand. Die beiden punktartigen Solitäre entlang der Brahmsstraße im Osten integrieren die altengerechten Wohnungstypologien direkt in die angrenzende Parksituation.

    Durchgängige Wegevernetzungen verzahnen die Nutzungen mit den angrenzenden öffentlichen Räumen und den vorhandenen übergeordneten Fuß- und Radwegeverbindungen. Alle notwendigen Stellplätze werden hangintegriert in zwei unabhängigen Tiefgaragen vorgeschlagen, so dass großzügige durchgängige Freiraumstrukturen entwickelt werden können. In seiner architektonischen Haltung wird für den Neubau des Pflegeheims eine attraktive, offene, kompakte Erdgeschosszone ausgebildet. Auf diesem „Sockel“ entwickeln sich drei Pflegegeschosse die eine durchgängig, ruhig gegliederte Fassadenstruktur mit bodentiefen
    Fensterelementen aufzeigt. Die Punktgebäude des altengerechten Wohnens folgen diesem Ausdruck und der zurückhaltenden Architektursprache. Durch seine kompakte Bauform und Öffnung zum nördlichen Parkraum entstehen die gewünschten Verknüpfungen zu den angrenzenden Garten- und Parksituationen.
    Der Pflegeheimneubau und die beiden Wohngebäude definieren zur Brahmsstraße eine klare straßenbegleitende Raumkante, inszenieren den neuen öffentlichen Platzraum und bilden den Auftakt bzw. Endpunkt einer zentralen grünen Spange als Platzfolge von Süd nach Nord bis hin zur Hildrizhausener Straße. Ein Architekturbaustein der mit seiner Typologie, Orientierung und seinem klaren architektonischen Ausdruck in das neue Quartier einleitet. Ein Ort der die zukünftigen Nutzer und Bewohner in ein übergeordnetes städtebauliches Umfeld einbindet und Synergien mit den geplanten Wohnnutzungen für Familien, Senioren und Wohnformen für Singles und Wohngruppen aufzeigt.

    Die Freiräume im Umfeld des Pflegeheims und der beiden Punkthäuser an der Brahmstraße bilden den Auftakt in das neu entstehende Wiedenhöfer-Stift-Areal und wirken als freiräumliches Bindeglied zum bestehenden Quartier entlang der Georg-Friedrich-Händel-Straße. Sie besitzen somit verbindende Funktion und sollen zukünftig Treffpunkt und Erholungsraum für die heutigen und zukünftigen Bewohner des Stadtquartiers sein.
    Der Entwurf baut darauf auf, kraftvolle und eigenständige Orte unterschiedlichen Charakters zu schaffen. So entsteht im Westen des Pflegeheims ein baumüberstandener Nachbarschaftsplatz zum Boulespiel, als Freisitz für das Café des Pflegezentrums und als möglicher Ort für Quartiers- und Nachbarschaftsfeste. Eine Stufenanlage mit Sitzmauern und einer Stauden- und Ziergräserkaskade verwebt den Platz mit dem höher liegenden Wohnquartier und bildet einen selbstverständlichen Rücken für die Platzanlage. Besucherstellplätze für Pflegeheim, Praxis und den Arzt werden entlang der Brahmstraße angeordnet.
    Im Kontrast zum eher urbanen Ausdruck des Nachbarschaftsplatzes werden die Freiflächen im östlichen Teil des Grundstücks mit landschaftlichem Charakter gestaltet. Ein Netz auf Fußwegen verbindet die angrenzenden Quartiers miteinander und schafft in alle Richtungen einladende Eingänge in die zukünftige grüne Mitte des Wiedenhöfer-Stift-Areals. Nördlich der Punkthäuser wird der Hang in grüne Obstbaumterrassen gegliedert, die sanft dem natürlichen Geländeverlauf folgen. Innerhalb der locker gesetzten Streuobsthaine entstehen räumlich eigenständige „Gärten“ zur Sinneswahrnehmung, zur Erholung, zur Bewegung und zur Förderung der Geschicklichkeit. In Verbindung mit südorientierten Sitzbänken entstehen so vielfältige passive und aktive Nutzungsmöglichkeiten der grünen Mitte für alle Generationen - und somit ein vielfältiger und vitaler Gemeinschaftsort für alle Bewohner der Nachbarschaft.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebaulich zeichnet sich der Entwurf durch die klare und richtige Position der Gebäude aus, die sich an den städtebaulichen Vorgaben orientieren. Das Alleinstellungsmerkmal der Arbeit ist, dass das Pflegeheim typologisch als U-Form ausgebildet wurde und der Innenhof sich nach Norden zur späteren Wohnbebauung öffnet, was städtebaulich keinen Vorteil bringt. Die Punkthäuser sitzen klar an den vorgegebenen Standorten und sind richtigerweise nach Norden zum Freiraum abgestuft. Leider fehlen die exakten Höhenangaben der Gebäude, denn die Zeichnungen stimmen nicht mit der örtlichen Topographie zusammen.

    Freiräumlich ist die Eingangssituation auf Straßenniveau und mit dem klar zugeordneten Nachbarschaftsplatz gut ausgebildet, dies gilt ebenso für die gesamte Freiraumgestaltung. Die Cafeteria leistet an der Gebäudeecke zur Straße die gewünschte Öffnung nach „Außen“.

    Die Zugänge zum Gebäude wie Praxis, Friseur, Haupteingang, Personalzugang sowie Anlieferung sind übersichtlich von außen nach innen angeordnet.

    Die Pflegebereiche sind in zwei parallelen Gebäuderiegel angeordnet, die im Südbereich durch die Gemeinschaftsräume sinnvoll zusammengeschlossen werden. Die dargestellte Transparenz lässt nur die Zeichnung sprechen. In Wirklichkeit sind die Gemeinschaftsräume geschlossenere und damit unproportionale Räume. Leider spiegeln die Fassadenansichten nicht die dahinterliegenden Funktionen wieder und sind damit sehr schematisch, mit anderen Gebäudenutzungen austauschbar und nicht identifikationsstiftend für das Pflegeheim.

    Für die Punkthäuser werden umsetzbare Wohngrundrisse in Süd- und Westausrichtung angeboten.

    Der Entwurf hat einen interessanten Gestaltungsansatz, der in vielen Bereichen des Pflegeheims funktional mit hohem Aufwand überarbeitet werden müsste. Damit bleibt die Arbeit unvollkommen und in wichtigen Aussagen schematisch.