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  • DE-70173 Stuttgart, DE-70372 Stuttgart
  • 03/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-272156)

Neckarknie Stuttgart - Bad Cannstatt 2017


  • 3. Preis

    © Koeber Landschaftsarchitektur

    Landschaftsarchitekten
    Koeber Landschaftsarchitektur GmbH, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Christopher Bölz

    In Zusammenarbeit mit:
    Verkehrsplaner: Koehler & Leutwein - Ingenieurbüro für Verkehrswesen, Karlsruhe (DE)
    Architekten: asp Architekten GmbH, Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    17.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit interpretiert den Flussraum des Neckars als Sequenz von Freiräumen, die flussaufwärts abwechselnd als landschaftlich/weiche Uferzonen oder urban/harte Ufer gestaltet werden. Dieser stringente Entwurfsansatz überzeugt.

    Zwischen König-Karls-Brücke und neuer Eisenbahnbrücke wird das Ufer auf der Altstadtseite schlüssig als aktiver urbaner Raum – „Schleusenplatz“ genannt – in Fortführung der „Hall of Fame“ mit Sport-, Spiel- und Gastronomienutzungen belebt. Hierfür wird die historische Eisenbahnbrücke zurückgebaut. Die freiräumliche und architektonische Gestaltung weiß hier zu überzeugen. Diesem Uferbereich vorgelagert wird die Mittelmole als Schleuseninsel mit reduzierter Gestaltung zum Anlege- und Badeplatz profiliert. Die Erschließung erfolgt ausschließlich über den zukünftigen Fuß- und Radsteg der neuen Eisenbahnbrücke.

    Der Seilerwasen wird als Uferpark unter Einbeziehung von vorhandener Topografie und Baumbestand sehr zurückhaltend gestaltet und schafft damit ein gutes Pendant zum zukünftigen Wilhelmaufer. Entlang einer breiten Promenade führen Sitzstufen-anlagen zum Wasser. Schwimmende Holzdecks bieten die Möglichkeit zum Wassererlebnis mit Sonnenbad. Die vorgeschlagene Allee entlang der vermeintlichen Stadtkante überzeugt insbesondere aufgrund ihrer schematischen Linienführung nicht. Sie erzeugt in der Folge Restflächen zum Verlauf der Schönestraße. Es ist zudem zu hinterfragen, ob trotz der Angebote auf dem Schleusenplatz der vollkommene Verzicht auf Spiel- und Bewegungsflächen für die angrenzenden Quartiere in diesem Bereich vertretbar ist. Die Übergänge von der Altstadt in den Uferpark sind schwach.

    Die Zuordnung des Hochbunkers mit transparentem Aufsatz und Cafénutzung zur Stadtseite ist überzeugend gelöst und erzeugt mit dem sogenannten „Bunkerplatz“ einen attraktiven neuen Stadtraum. Der Verkehrsknoten wird leicht zur Rosen-steinbrücke hin verlegt wodurch als Folge der Zuordnung des Bunkers zur Altstadt an dieser Stelle das Erleben des Neckars beeinträchtigt und die Rad- und Fußgängerbewegung entlang des Flusses erschwert wird.

    Zwischen Rosenstein- und Wilhelmsbrücke wird die vorhandene markante Fassung des Neckars durch Ufermauern und Baumreihen beibehalten. Die vorhandene Promenade entlang der Neckartalstraße wird auf Kosten der stadtauswärts führenden Fahrbahn verbreitert.

    Das westliche Ufer zwischen Wilhelmsbrücke und Mühlsteg soll weniger von hohen Mauern als vielmehr von einer niedrigen Ufergestaltung bestimmt werden. Hierbei wird die Bestandssituation aufgegriffen, weitergeführt und in Form einer abgewinkelten Terrassierung neu interpretiert. Ermöglicht wird diese großzügigere Ufergestaltung durch die Wegnahme einer Fahrbahn der Neckartalstraße. Den räumlichen Abschluss auf Höhe der Krefelder Straße vis-a-vis zu den Kurparkanlagen bildet eine Flusstreppe.

    Insgesamt kann diese Ufergestaltung allerdings nicht vollständig überzeugen und hält nicht die gestalterische Qualität der übrigen Abschnitte.

    Der Verzicht auf die stadtauswärts führende Fahrbahn der Neckartalstraße führt zu keinem adäquaten Mehrwert im Freiraum und ist hinsichtlich der zu erwartenden verkehrlichen Belastung der Neckarvorstadt durch lokale Verkehre sehr kritisch zu bewerten. Die Befreiung der Wilhelmsbrücke vom Individualverkehr wird begrüßt.

    Zusammenfassend handelt es sich um eine stringent entwickelte Arbeit, die sich trotz der erwähnten Mängel durch ihre eigenständige Lesart der Stadtlandschaft und den daraus resultierenden zurückhaltenden Umgang mit dem Bestand auszeichnet.