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  • DE-95336 Mainleus, DE-95336 Mainleus
  • 03/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-279814)

„Alte Spinnerei“ Markt Mainleus


  • 2. Preis

    Perspektive

    Landschaftsarchitekten
    freiraumpioniere landschaftsarchitekten, Weimar (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: UmbauStadt GbR, Weimar (DE), Berlin (DE), Frankfurt a. M. (DE), Wien (AT)
    Modellbauer: modellwerk weimar | Architekturmodelle, Modellbau, Frässervice, Laserservice, Weimar (DE)

    Preisgeld
    11.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebauliche Leitidee und Gesamtkonzeption
    Nachdem der Bereich der Spinnerei historisch neben der Ortslage und als in sich abgeschlossenes Areal entstanden ist und wahrgenommen wurde, zielt sie Arbeit darauf, das Fabrikareal zur lebendigen und grünen Mitte für ganz Mainleus zu entwickeln und damit einen Raum zu schaffen, welcher die umliegenden Quartiere miteinander verknüpft und zentrale Nutzungsangebote schafft. Die vorgeschlagene Zonierung des Areals rund um einen neuen Park und die gelungene Durcharbeitung des Erschließungssystems folgen weitgehend selbstverständlich diesem selbstgesteckten Ziel.

    Qualität der städtebaulichen Struktur sowie Gestaltqualität und Funktionalität der Bebauung
    Als zentrales Element zentriert und integriert der neu geschaffene „Park an der Weberei“ gemeinsam mit dem südlich daran anschließenden „Platz am Kesselhaus“ sowohl die neuen Quartiersbausteine als auch den angrenzenden Bestand. Im Zusammenspiel mit den westlich angrenzenden Spinnereigebäuden und deren öffentlichen Nutzungen entsteht hier ein attraktiver (und im Teilnehmerfeld des Wettbewerbes durchaus einzigartiger) Ort mit hohem Identifikationspotenzial.
    Das vorgeschlagene Straßennetz mit der von Süd nach Nord verlaufenden „Baumwollstraße“ und dem auf Höhe der bestehenden Fußwegverbindung nach Hornschuchhausen auf diese aufbindenden, von Ost nach West verlaufenden „Färbereiweg“ trennt und verbindet die einzelnen Areale (Wohnen, Gewerbe und öffentliche Nutzungen) sinnvoll und ermöglicht mit sehr angemessenen Mitteln deren Erschließung.

    Gestaltqualität und Funktionalität der Grün- und Freiräume
    Unabhängig von der oben beschriebenen verkehrlichen Erschließung wird ein vielfältiges und differenziertes Angebot an autofreien öffentlichen Räumen geschaffen, welches Fußgängern, Radfahrern und Rollatornutzern attraktive Durchwegungsangebote macht und gut in die Umgebung vermittelt.
    Leider kann die vorgeschlagene Freiflächengestaltung nicht in allen Teilen bis ins Detail überzeugen. Dies gilt insbesondere für die nördliche Verlängerung des „Vorplatzes“ entlang der Zweizylinderspinnerei als auch die Ausgestaltung des südlichen Parkabschlusses mit Wasserbecken und umlaufendem Grünstreifen. Kritisch gesehen wird auch die Anordnung der Quartiersstellplätze im Bereich des nördlichen - vom Verfasser so benannten - „Pflanzenparavent“.

    Funktions- und Nutzungszuordnung / Erfüllung der funktionalen Anforderungen
    Alle gestellten funktionalen Anforderungen werden grundsätzlich erfüllt. Besonders positiv bewertet werden die Anordnung der Gewerbeeinheiten östlich der Baumwollstraße, die Unterbringung des Nahversorgers im nördlichen Teil der Zweizylinderspinnerei sowie Anordnung und Ausbildung des Wohnheims der Rummelsburger Diakonie im Übergang zur westlichen Nachbarsiedlung. Auch Anordnung und Zonierung des neuen Wohngebietes überzeugen, leider fehlen jedoch Vorschläge für innovative Wohnkonzepte und -angebote.

    Die gut gesetzten Gewerbeeinheiten im Osten des Areals schirmen sowohl deren eigene Lärmimmissionen als auch jene der angrenzenden Sportanlagen gut gegenüber den Wohnbauflächen ab. Die schalltechnischen Auswirkungen der bereits erwähnten Stellplatzanlage westlich der Baumwollstraße sind aufgrund der unmittelbaren Nähe zum neuen Wohnungsbau hingegen nochmals zu prüfen.

    Vernetzung mit der Umgebung
    Dank des sehr durchdachten Fuß- und Radwegenetzes gelingt der Arbeit in alle Richtungen eine gute Verzahnung mit den angrenzenden Quartieren. Dies gilt erfreulicher Weise auch für die Anbindung des bereits neu errichteten Seniorenheimes.

    Möglichkeit der schrittweisen Umsetzung und Angabe von Zwischennutzungen
    Die Verfasser unterscheiden mittel- und langfristig drei Projektphasen, welche eine schrittweise Realisierung des Vorhabens vordenken und zulassen; „Aktivierung“, „Positionierung“ und „Integration“.
    Dabei werden bereits in der Phase der „Aktivierung“ die mittel- und langfristig erforderlichen Erschließungsinfrastrukturen angelegt. Dies setzt allerdings voraus, dass auch der - im Vergleich zu anderen Arbeiten sehr weitreichende - Rückbau des Gebäudebestandes bereits in dieser Phase erfolgt. Lediglich für den laut Auslobung zu erhaltenden Gebäudebestand werden sinnvoll erscheinende Zwischennutzungen vorgeschlagen.

    Insgesamt gelingt der Arbeit eine überzeugende Verwandlung des Spinnereigeländes zu einem neuen zentralen Ort für ganz Mainleus, auch wenn es aus Sicht der Jury wünschenswert gewesen wäre, die Vergangenheit des Ortes noch stärker in den Verwandlungsprozeß einzubeziehen.