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  • DE-01099 Dresden, DE-06231 Bad Dürrenberg
  • 03/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-284818)

Landesgartenschau Bad Dürrenberg 2022


  • 1. Preis

    © Rehwaldt Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Till Rehwaldt

    Mitarbeit
    Carolina Keller, Isabel Schergaut, Michal Michalski, Tanja Murko

    Preisgeld
    28.200 EUR

    Erläuterungstext
    Der Kurpark von Bad Dürrenberg wird in der Konzeption als eine vielfältige Anlage entwickelt, deren Teile sich jeweils als spezifische räumliche und atmosphärische Charaktere prä-sentieren. Ziel ist es, die historischen Anlagen in ihren Qualitäten wiederzugewinnen, gleich-zeitig jedoch auch zeitgenössische Gartenräume hinzuzufügen. Die ikonografische Ausstrah-lung des Gradierwerkes ist dabei ein starkes gestalterisches Motiv, welches wie ein Rückgrat den diversen Perspektiven eine Orientierung gibt.

    Platz am Kohlebahntunnel
    Der Platz am Kohlebahntunnel wird als multifunktionaler Stadtplatz konzipiert. Ein schattiges Gehölzdach, Sitzmöglichkeiten und die Freisitzfläche der Hotelgastronomie schaffen einen attraktiven, modernen Verweilort. Ein in den Geländesprung integrierter Informationspunkt gibt Auskunft zur Geschichte der Kohlebahn.

    Entree und Borlachplatz
    Das nördliche Entree wird als ein großzügiger Auftakt gestaltet. Die Grundfläche der ehema-ligen Gradieranlage wird hier zu einem Platzmotiv, über welches die Rathausvorfläche und der Parkplatz mit der Kuranlage verknüpft werden. Am nördlichen Kopf der Anlage wird in die bestehenden Fundamente ein Holzdeck eingezogen, welches eine zusätzliche Aufenthalts-qualität bietet. Während der Gartenschau befindet sich hier der Haupteingang.
    Die anschließende Rasenfläche öffnet einen weiten Blick zum Borlachplatz. Dieser ist in grü-ne und steinerne Zonen gegliedert, die notwendigen Parkplätze sind verdeckt am Rand ein-geordnet.

    Palmenhof
    Am Palmenhaus entsteht ein multifunktionaler Raum, welcher als Veranstaltungsort und auch Präsentationsfläche für besondere Pflanzen (z.B. Kübelpflanzen, Sommerblumen, Gärtnermarkt) geeignet ist. Auch bietet sich hier die Möglichkeit für zusätzliche Freisitzange-bote der Parkgastronomie. Während der Gartenschau wird dazu ein temporärer Bau nördlich der Parkgastronomie platziert. An die westliche Seite des Palmenhauses wird temporär die Blumenhalle gefügt, die Andienung erfolgt über den Wirtschaftshof.

    Nördlicher Kurpark
    Die historischen Gartenstrukturen werden in ihrer Struktur belassen und denkmalgerecht weiterentwickelt. Wegeflächen und Pflanzungen werden zurückhaltend saniert, während der Gartenschau sind ergänzende Pflanzthemen vorgesehen, die sich am Motiv der historischen wegebegleitenden Rabatten orientieren. Als eine zeitgenössische Hinzufügung wird im Be-reich des derzeitigen Spielplatzes ein Wasserparterre konzipiert, welches sich räumlich in die Gesamtanlage integriert.

    Wasserparterre
    Hier entsteht ein hybrider Garten-Platz mit vielfältigen Angeboten zum Spiel und Aufenthalt. Ein flacher Wasserspiegel überstreicht eine Platzebene, welche durch leichte Höhendifferen-zen in verschiedene Abschnitte unterteilt ist. Das Wasserparterre ist von Bäumen überstan-den, welche das Vegetationsmotiv der Bestandsanlagen weiterführen. Sprudelelemente oder auch seitlich angeordnete Spielelemente sind Attraktionen für Jung und Alt, vor allem in der Kombination mit dem Kurpark-Restaurant.

    Beamtengärten
    Die Zone der Beamtengärten wird zu einer vielfältig strukturierten Anlage ausgeformt, welche insbesondere auch während der Gartenschau eine hohe Attraktivität entfalten kann. Hier befinden sich die Themengärten, ergänzt durch Wechselflor und Ausstellerflächen. Integriert eingeordnet ist die bestehende Bühnenanlage.

    Südlicher Kurpark
    Auch der südliche Kurpark wird im Wesentlichen denkmalgerecht weiterentwickelt, wobei der Schwerpunkt auf den Vegetationsmotiven liegt. Die ehemaligen Flächen des Gradierwerkes werden zugänglich gemacht und bieten eine besondere Aufenthaltsqualität. Abschnittsweise sind hier wie auch im Nordbereich Plateaus eingezogen, welche die Höhe der Fundamente gliedern und die Anlage zum Sitzen geeignet machen. Am südlichen Endpunkt des histori-schen Gradierwerkes entsteht mit dem „Gradengrüst“ ein besonderes Objekt als räumlicher Abschluss und Höhepunkt.

    Gradengrüst
    Das „Gradengrüst“ ist eine zeitgenössische Interpretation des historischen Bauwerkes und erinnert an die frühere Ausdehnung der Anlage. Die Konstruktion besteht aus mehreren höl-zernen Rahmen als eine Figur, die die Form des Gradierwerkes zitiert. Ein horizontal gerich-tetes Seilgeflecht greift das Motiv des Schwarzdornreisigs auf. Im Inneren besteht (ähnlich einem Kletterturm) die Möglichkeit des Aufstiegs, von oben bietet sich eine weite Aussicht. Damit wird ein thematisches Spielobjekt entwickelt, welches Aktivitäten für Jung und Alt er-möglicht.

    Saalehang
    Die Anlagen am Saalehang werden als eine historische Kulturlandschaft interpretiert, wobei insbesondere die Themen des Obst- und Weinbaus eine neue Bedeutung erlangen. Im Nor-den werden die „Gutsgärten“ neu konzipiert, die sich in ihrer Bepflanzung an historischen Nutzgärten orientieren. Früher bestehende Weinterrassen werden aufgerebt.
    Wegeverknüpfungen und neue Blickbeziehungen schaffen eine gewisse Transparenz, ohne jedoch die dichten Gehölzbestände als räumliche Kulisse zu verlieren. Mit dem „Café am Amtsberg“ wird ein neuer Anziehungspunkt am Steilufer geschaffen, von hier aus besteht auch die Möglichkeit, wieder direkt an das Flussufer zu gelangen. Weitere Attraktionen und gleichzeitig die Verknüpfung mit dem Element Wasser bilden der Bade- und Gondelsteg so-wie die Holzstege entlang des Saaleweges.
    Auch im südlichen Bereich des Hanges wird der ehemals bestehende Weinberg wieder auf-gerebt, oberhalb wird ein kleiner Ausschank eingerichtet.

    Gradenbank
    Aus der Grundrißfigur des Gradierwerkes wird ein dreidimensionales Sitzelement entwickelt, welches charaktergebend für den Kurpark ist und vielfältige Funktionen z. B. Sitzen, Liegen ermöglicht. Auch die weiteren nötigen Ausstattungselemente wie z.B. Papierkörbe, Leuchten werden als ein einheitliches Programm konzipiert.

    Wirtschaftlichkeit/Barrierefreiheit
    Um eine wirtschaftliche Umgestaltung zu erreichen, werden robuste und dauerhafte Baustof-fe und Konstruktionen, langlebige Gehölze sowie pflegearme Pflanzungen verwendet. Der Bestand wird überwiegend punktuell erneuert, Eingriffe in die Bestandssituation werden be-hutsam geplant. Das Gelände wird zukünftig weitgehend barrierefrei gestaltet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit orientiert sich stark am Vorhandenen und wertschätzt die Belange der Denkmalpflege in den historischen Bereichen. So werden Kurpark und Waldgarten nahezu gänzlich in ihrer Struktur belassen oder sensibel erneuert. Lediglich die Spange der Beamtengärten werden im Süden als neue keilförmige Struktur ergänzt. Die Bereiche außerhalb der sensiblen Kernbereiche des Gartendenkmals sind schlüssig gelöst. So gelangt man von einer großzügigen Eingangssituation am Kohlebahnplatz über eine weitläufige Achse zum Platz am Meller Tor weiter nach Süden entlang der Gradierwerke. Diese breite Promenade entlang des beeindruckenden Hauptbauwerks überzeugt als Rückgrat der Anlage. Das Aufräumen der derzeit kleinteiligen, angrenzenden Bereiche wird begrüßt. Ebenfalls richtig sind der freie, steinerne Borlachplatz für Veranstaltungen und die Freifläche am Palmenhaus. Thematisch und in der Größe fragwürdig erscheint hingegen die überdimensionierte Setzung eines großen Wasserspielplatzes im Zentrum des Parks. Die Setzung wirkt thematisch bezugslos und liegt finanziell weder in Anlage noch Unterhalt im Rahmen. Der Auslober wünscht sich hier eine differenziertere Programmierung.
    In den Saalehang wird ebenfalls sehr zurückhaltend eingegriffen. Was aus Sicht des Natur- und Artenschutzes begrüßt wird, wird mit räumlich-inszenatorischem Blick kritisch gesehen. Hier fehlt eine interessante, räumliche Idee, die den Bestand mit etwas Neuem bricht - eine Idee die, die Verbindung von Stadt und Gradierwerken über das Gartenplateau hinweg zur Saale hin räumlich begeisternd in Szene setzt. Hier hätte sich die Jury mehr Mut gewünscht.
    Die Durchführung einer Gartenschau ist gut vorstellbar.
    Insgesamt ein Entwurf der durch seine Solidität, seine Sensibilität und eine klare Zonierung überzeugt.