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  • Anerkennung

    Lageplan M 1 : 1000

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Lehmann Architekten GmbH, Offenburg (DE), Berlin (DE)

    Preisgeld
    22.000 EUR

    Erläuterungstext
    Der Freistaat Bayern plant die Neugründung der Medizinischen Fakultät in Augsburg. Der für die Gründung vorgesehene Standort befindet sich westlich des Stadtzentrums im Stadtteil Kriegshaber und in direkter Nachbarschaft zum Klinikum Augsburgs. Hier soll zukünftig die wissenschaftliche Ausbildung und Forschung in unmittelbarer Nähe zum Klinikum und den Patienten ermöglicht werden.

    Das Baufeld für die neue Fakultät schließt im Süden an das bestehende Klinikum an. Es soll ein Campus entstehen mit hoher Aufenthaltsqualität und modernen Gebäuden für die Forschung und Lehre.

    Bei der Formulierung der städtebaulichen Lösung wurden folgende Aspekte berücksichtigt:

    - stufenweiser Aufbau der Fakultät und Unterteilung des Grundstücks in die Entwicklungsbereiche Campus, Erweiterung I und II
    - Berücksichtigung der Rahmenbedingungen des Bebauungsplans
    - Einbindung des zentralen Klinikgebäudes und der Straßenbahnhaltestelle
    - Vernetzung des Campus mit den vorhandenen Einrichtungen und Landschaftselementen (Wegenetz, Patientengarten, Parkplatz, Klinikum)
    - Ausbildung einer grünen Mitte
    - kompakte und für die Forschung und Lehre optimale Baukörper

    Aufgabenstellung
    Der Campus und die Erweiterungsstufe I sind Gegenstand der Wettbewerbsplanung. Im Bereich des Campus sind folgende Einrichtungen und Gebäude vorgesehen:

    - Lehrgebäude, Dekanat, Fachbibliothek und das Institut DeMEdA
    - Forschungsgebäude ITM

    Für diese Gebäude ist im Rahmen des Wettbewerbs eine Objektplanung gewünscht.
    Weitere Einrichtungen sind das Zentrum für integrierte translationale Forschung, das Forschungsgebäude der Klinischen Institute, eine Mensa und ein Verfügungsgebäude für die Forschung. Im Erweiterungsbereich I sollen weitere Forschungs- und Lehrgebäude berücksichtigt werden.

    Städtebauliches Konzept
    Die Lehr- und Forschungsgebäude gruppieren sich um eine Mitte und geben dem zentralen Platz des Universitätscampus seine räumliche Fassung. Die Gebäude sind zueinander versetzt angeordnet, so dass ein spannungsvolles Raumgefüge entsteht. Der zentrale Platz des Campus wird gefasst, lässt aber gleichzeitig die Öffnung und Vernetzung mit dem umliegenden Stadt- und Landschaftsraum zu. Nach Außen unterstützt die versetzte Anordnung der Baukörper die Verzahnung des Campus mit dem städtischen Umfeld und der umgebenden Landschaft.

    Das Gestaltungsprinzip, Raumfluchten durch versetzt angeordnete Baukörper aufzulösen findet sich auch in der Höhenentwicklung der Baukörper wieder: die Gebäudehöhe variieren in der Ausbaustufe Campus zwischen 4 und 6 Geschossen und im Erweiterungsgebiet I zwischen 4 und 5.

    Die drei Baukörper im Erweiterungsgebiet I bilden den räumlichen Abschluss des Campus im Süden und bereiten den Anschluss an das zukünftige Erweiterungsgebiet II vor.

    Den baulichen Auftakt der Gebäudegruppe bildet das mittig am nördlichen Rand angeordnete Lehrgebäude, das als zentraler Anlaufpunkt das Bindeglied zwischen dem Campus, dem Straßenbahnhalt, dem Klinikgebäude und dem Wegenetz der Parkanlage herstellt. Entlang der Ostseite des Gebäudes führt die übergeordnete Erschließung vom zentralen Klinikgebäude auf den Campus. An diese Wegeverbindung schließt weiterhin das Forschungsgebäude ITM an.

    Abschnittsweise Realisierung
    Bei der Konzeption des Städtebaus wurde insbesondere auf die stufenweise bauliche Umsetzung geachtet. Das Lehrgebäude und das ITM sollen in einem ersten Schritt realisiert werden.

    Das Gebäude der Mensa stellt den kleinsten Baustein dar und ist aufgrund seiner Funktion auf der Freifläche des Campus angeordnet. Im ersten Bauabschnitt „Campus“ bildet die Mensa den räumlichen Abschluss der Freifläche. Im zweiten Bauabschnitt wird die Mensa zum zentralen Punkt der Freifläche.

    Gebäudeplanung
    Das fünfgeschossige Lehrgebäude gliedert sich in die Bereiche Lehrsäle und Seminarräume (EG, O2), Bibliothek (O1), Dekanat (O4/O5) und das Institut DeMEdA (O4).
    Der große Hörsaal als Hauptraum ist auf dem Erdgeschossniveau in der Gebäudemitte angeordnet und wird direkt über das Foyer erschlossen. Der Saal entwickelt sich absteigend bis in das Untergeschoss. Die Dachfläche über dem Saal ist als nutzbarer Innenhof gestaltet. Die Folgegeschosse gliedern sich um den Hof.

    Das Forschungsgebäude ITM verfügt über sechs Geschosse. Die Grundrissgliederung ergibt sich aus der Labornutzung. Die Laborbereiche spannen sich zwischen den Gebäudekernen und den begehbaren Installationsschächten auf. Die Labore sind gegliedert in den Bereich der Schreibtischarbeitsplätze, die an der Fassade angeordnet sind und durch transparente Wände von den Laborarbeitsplätzen getrennt werden. An die Laborarbeitsplätze schließen in der Gebäudemittelzone die Nebenräume an, die von mehreren Laboreinheiten genutzt werden sollen. können. Die Gebäudestruktur ist so gewählt, dass die Laborflächen auch flexibel in kleinere Module von 50m² und 100m² untereilt werden können. In den beiden obersten Geschossen öffnet sich die Mittelzone zu einem Innenhof. Hier befinden sich die Labore der medizinischen und naturwissenschaftlichen Praktika.

    Freiraumkonzept
    Das freiräumliche Konzept fügt sich wie selbstverständlich in die örtliche Situation ein und stellt die Vernetzung zu den benachbarten Einrichtungen, wie Klinikum, Patientengarten, Straßenbahnhaltestelle sowie zu den übergeordneten Fuß-und Radwegverbindungen her.

    Das Herzstück der Planung bildet der zentrale Campusplatz, als grüne Mitte bildet er die Grundlage für einen offenen, kommunikativen Wissenschafts- und Begegnungsort. Alle Baukörper orientieren sich zum Campus und erhalten hierüber ihre Adresse, was die Bedeutung der gemeinsamen Mitte stärkt. Diese zentrale Platzsituation versteht sich als verbindendes Element aller Campusbereiche und Treffpunkt des studentischen Lebens.

    Die Campus-Wiese wird leicht vertieft ausgebildet. Dadurch entsteht eine hohe Aufenthaltsqualität. Gleichzeitig können die Flächen das Regenwasser der umgebenden Flächen aufnehmen und in gereinigter Form dem Grundwasser zuführen. Das grüne Feld setzt sich im Bereich der Mensa als Platzfeld mit einem großformatigen Plattenbelag fort.

    Im Bereich südlich der Mensa bildet ein langgezogenes Baumfeld ein weiteres kräftiges Freiraumelement. Eine Fläche aus wassergebundener Decke wird locker mit Solitärbäumen überstellt und schafft ein angenehmes Schattendach als Treffpunkt für die Studenten der südlichen Erweiterungsbauten. Gleichzeitig stellt es die Verbindung zum Erweiterungsbereich II her. Im Norden des Campus-Areals führt ein Weg zu der vorhandenen Brücke und stellt die Verbindung zu dem Patientengarten westlich der Straßenbahnlinie her.

    Der vorhandene Baumbestand wird erhalten und in das Konzept integriert. Die erforderlichen Stellplätze werden in Form von Baumdächern zwischen den einzelnen Gebäuden angeordnet. Eine diagonale Wegeverbindung bindet den neuen Campus an die vorhandene Stellplatzanlage an.

    Technik, Energie und Betrieb
    Die Gebäude zeichnen sich durch eine kompakte Bauweise aus und sind hinsichtlich der Gebäudetiefen für die Lehre und Forschung optimiert. Im Zusammenspiel mit dem Architekturkonzept wird ein energie- und versorgungstechnisches Gesamtkonzept vorgeschlagen, welches einerseits einen hohen Grad an Nutzungsqualität bietet, andererseits aber durch die Verwendung hocheffizienter und energiesparender Technologien und deren überlegte Integration in die Gebäude sorgsam mit Umwelt und Ressourcen umgeht und kostensparend zu betreiben ist.

    Der Konzeptionsansatz für die technischen Einrichtungen basiert dabei auf energetisch und betriebswirtschaftlich optimierten Anlagen. Es werden in allen Gewerken Wärmerückgewinnungssysteme mit minimalem Strom- und Energiebedarf sowie maximalem Wirkungsgrad eingesetzt. So verfügen z.B. sämtliche Lüftungsanlagen über eine interne Wärmerückgewinnung mit einem hohen Wirkungsgrad.

    Ein begehbarer Versorgungsgang verbindet die einzelnen Gebäude und kann entsprechend den Ausbaustufen abschnittsweise realisiert werden. Die Kältezentrale für den Campus ist im Dachgeschoss des Lehrgebäudes vorgesehen.

    Der Einsatz von Solarkollektoren auf dem Dach verringert den Energiebedarf der Gebäude. Dazu trägt auch der Einsatz von gesteuerter, effizienter Beleuchtung mit LED Leuchtmitteln bei.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Gebäude des Medizincampus gruppieren sich um den zentralen Campus und geben dem Ensemble ein ausgewogenes Raumgefüge. Die Gesamtanlage fügt sich gut in die vorhandene Situation ein und lässt eine hohe Aufenthaltsqualität und eine gute Vernetzung zu den vorhandenen Stadt- und Freiräumen erwarten. Die längliche Rechteckform der Gebäude verlagert den Campus nach Süden und der in der Nord-Ost-Ecke vorhandene Baum-/Busch-/Pflanzbestand kann somit größtenteils erhalten werden.

    Die als Einzelbaukörper konzipierten Gebäude lassen eine geordnete Entwicklung des Campus zu. Der unterirdische Versorgungsgang wird positiv gesehen, wobei die Lage und die Anbindung an die Gebäude optimiert werden könnten. Der unterirdische Gang für Personen ist entbehrlich. Die Verbindung Campus- Klinikum ist unkompliziert, kann aber sicher auch mit der Verbindung zum Parkplatz verbessert werden.

    Die Situierung der Mensa als Solitärbaukörper ist sehr attraktiv, wird aber später im Betrieb nur mit einigen Kompromissen realisierbar sein.
    Die Lage des Schalthauses zwischen Parkplatz und Straßenbahnwendeschleife ist an dieser Stelle günstig gelegen. Die Parkplätze in den Gebäudezwischenräumen beeinträchtigen die Aufenthaltsqualität nur geringfügig.

    Die Grundrisse der Gebäude überzeugen durch eine klar strukturierte Zuordnung der Funktionen, die untereinander wirtschaftlich mit drei Treppenhäusern erschlossen werden. Die Dimensionierung der Treppen entspricht nicht dem zu erwarteten Personenaufkommen.

    Der Präpariersaal im 1. OG ist möglich. Die Labore sind klar und übersichtlich angelegt und lassen einen reibungslosen Betrieb erwarten. Die Flächen der Bibliothek, Lehre und die Verkehrsflächen sind leicht überdimensioniert – liegen aber noch in einem akzeptablen Rahmen.

    Die in den Plänen erkennbare TGA-Ausstattung überzeugt das Preisgericht nicht und bedarf einer gesamtheitlichen Überplanung (Lage der Technik für Zu- und Fortluft, Schachtgrößen).

    Die Fassaden sind insgesamt ansprechend. Die Fensterelemente werden aufgrund der Größe und der Anforderungen an den Sonnenschutz sehr aufwändig.