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  • DE Wuppertal
  • 01/2004
  • Ergebnis
  • (ID 2-673)

„Historische Parkanlage Hardt“


  • 1. Preis

    Gesamtplan

    Landschaftsarchitekten
    ST-Freiraum Landschaftsarchitekten, Duisburg (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Sandra Lenzhölzer, Katja Weydringer, Petra Hüging, Ingo von Reeken

    Erläuterungstext
    Der Reisegarten – „Ein neuer Garten für die Stadt“

    Alle Kontinente und Länder dieser Welt haben Pflanzenarten importiert und exportiert. Der Prozess der Durchdringung wird immer weitergehen. Pflanzen gehen auf die Reise, kommen an einem Ort an, bereichern und beeinfussen ihn, werden sesshaft oder setzen ihre Reise weiter fort.
    Botanische Gärten sind Reisegärten:
    Eine Reise durch den Regenwald, dann zum Mittelmeer, ein Abstecher in die Wüste und schließlich in eine Heidelandschaft. All dies ist in einem Botanischen Garten möglich. Ein Ölbaum erinnert an die letzte Reise nach Italien – nur das Zirpen der Grillen und der Geschmack des leckeren Rotweins fehlen. Reisen werden im Kopf wiederholt oder fortgesetzt – Bilder von fremden, exotischen Gärten setzen sich neu zusammen. Jeder Besucher entwirft ein eigenes Bild seines Gartens – immer anders, individuell, nach Jahreszeit und Stimmung verschieden.


    Der Reisegarten – Pflanzen verreisen und kommen an

    Mit der Neustrukturierung der Fläche der Stadtgärtnerei ergibt sich die Chance, die Bereiche der „Alten Neuen Hardt“ mit denen der „Neuen Hardt“ zusammenwachsen zu lassen. Diese Parkverbindung, ohne störende Einbauten, schafft Großzügigkeit und ermöglicht neue Blickbeziehungen.

    Ein besonderer Akzent ist das neue Demonstrationsgewächshaus, der „Pflanzenbahnhof“, der eine deutliche Verbindung zum Botanischen Garten, zur Villa Eller und zum Elisenturm herstellt. Vorhandene, historische Park-elemente werden so mit dem neu entstehenden Reisegarten verknüpft . Von hier aus verreisen alljährlich, wenn es die Temperaturen im Frühjahr zulassen, die Pflanzen in den Park:
    Ein Großteil verreist in den Botanischen Garten. Der andere Teil der stattlichen Kübelpflanzen aus dem Kalthaus sucht seine „heimischen Partner“ auf der sanft nach Süden geneigten neuen Rasenfläche:
    Ein Olivenbaum zur gerade blühenden Eberesche,
    ein Feigenbaum duckt sich Schutz suchend unter eine Vogelkirsche.
    Im späten Herbst treten die Kübelpflanzen dann ihre Rückreise an. Der Pflanzenbahnhof ist ihr Zielort. Hier überwintern sie schadlos in der freudigen Erwartung des nächsten Frühjahrs.

    Die mit Einzelbäumen überstandene Rasenfläche schafft für die Hardt Besucher einen nutzungsoffenen Raum. An schönen Sommertagen sollte man sich rechtzeitig eine der „Sonnenanbeter“-Liegen gegen eine angemessene Pfandgebühr im Hardt-Cafe ausleihen. Der Platz neben dem blühenden Oleander ist meistens besetzt.

    Von hier aus ist der Blick auf Barmen besonders schön. Ein sogenannter „Blicklenker“ betont diesen Standort und lässt im Kopf des Besuchers ein Reiseziel entstehen. Vielleicht erinnert der blühende Oleander aber auch an einen schönen Urlaubstag... .

    Die Erreichbarkeit der Hardt wird durch neue Wegeverbindungen verbessert. Zwei Zugänge vom Otto-Schell-Weg schaffen Durchlässigkeit und bieten kleine Rundwege an. Mit der Erweiterung des Botanischen Gartens auf dem östlich des Rote Kreuz Hospitals angrenzenden Geländes sind neue Fußwege bis zur Haltestelle „Landgericht“ in der Talachse der Wupper möglich. Vom Schauspielhaus zeigt ein „Theaterweg“ die Verbindung zur Hardt und hier insbesondere zur Waldbühne auf.
    Die Waldbühne bietet seinen Besuchern im Veranstaltungsjahr der Regionale eine besondere Reise an:
    Die Felswand wird zur temporären Projektionswand für eine Zeitreise in die Vergangenheit.

    Der Reisegarten und die mit ihm verbundenen Bilder sind vielfältig!

    Der Reisegarten –
    Ein Pflanzenbahnhof verbindet oder von Fremdländischem und Heimischem

    Vom Otto-Schell-Weg führen zwei Zugänge zum Pflanzenbahnhof. Der heute vorhandene südliche Zugang wird aufgewertet. Großformatiges Natursteinpflaster aus Grauwacke ersetzt zukünftig den Asphaltbelag. In die Pflasterfläche eingestreut liegen sogenannte „Mäzenesteine“. Sie knüpfen an die Tradition der Hardtanlage an, erinnern an Persönlichkeiten, die sich in der Vergangenheit um den Park und den Botanischen Garten verdient gemacht haben. Für die Gegenwart und die Zukunft bieten sie neuen Mäzene die Möglichkeit, über Spenden ihren Namen in diese Steine eingravieren zu lassen.

    Die den Weg begleitende Böschung erhält eine Pflanzung aus geschnittenen Buchsstreifen mit schattenverträglichen Staudenbändern. Im Frühjahr begrüßt dieser blühende Saum den Parkbesucher mit violetten Krokussen. Im Sommer wechseln sich Hostablüten und Eisenhut ab. Zum nördlich angrenzenden Parkplatzbereich führen Treppen und Rampen, die in ihrer Verlängerung fußläufige Verbindungen zum nördlichen, neuen Parkweg aufzeigen. Der Bereich wird durchlässig und einsehbar. Heckenscheiben grenzen die insgesamt rund 75 Stellplätze von den sich zum Park hin öffnenden Wegeverbindungen ab.

    Im Bereich der heutigen Zufahrt zum Gelände der Stadtgärtnerei entsteht der neue Betriebshof. Die überdachte Remise stellt die östliche Grenze zum Parkplatzbereich dar. Die insgesamt ca. 800 qm große, mit Betonstein gepflasterte Hoffläche integriert den vorhandenen Baumbestand. Vom Hofbereich aus erschließen rückwärtige Eingänge für die MitarbeiterInnen den Pflanzenbahnhof und machen eine ungehinderte Bewirtschaftung und Beschickung des Gewächshauses möglich.
    Der Pflanzenbahnhof selbst liegt in einer mit kleinformatigem Natursteinpflaster aus Grauwacke befestigten Platzfläche. Dieser „Verbinder“ schließt den Elisenturm und die Villa Eller als südliche Platzkante mit ein. Altes und Neues bildet eine Einheit. Der in diesem Bereich vorhandene Baumbestand wird in die Platzfläche integriert.
    Der gläserne Pflanzenbahnhof gliedert sich in ein insgesamt rund 365 qm (EG) großes Haupthaus und zwei sich in den Parkbereich hineinschiebende je rund 100 qm große Nebenhäuser. Alle drei Gebäudeeinheiten kann der Besucher durch einen verbindenden internen Weg bereisen. Der Platzbelag des Außenraumes wird mit dem Verbindungsweg im Inneren des Gewächshauses fortgesetzt. Den nördlichen Endpunkt des Weges stellt ein „Blicklenker“ dar, der dem Besucher die Einladung zu einer Parkreise ausspricht. Die zur Platzseite ausgerichtete Westseite des Haupthauses bietet für „Dauer-Pflanzen-Gäste“ ausreichende Aufstellfläche. Pflanzen finden unter einem gläsernen Dach, das von Brettschichtholz und Stahl getragen wird eine frostsichere Unterkunft. Siebdrucke auf den Fassadenaußenflächen erinnern an bekannte fremdländische Einwanderer und ihre Ankunftszeit. Ein zusätzliches verschiebbares Beschattungssystem schützt empfindliche Pflanzengäste.
    Neben dem rund 140 qm großen Warmhausbereich wird im Haupthaus des Pflanzenbahnhofs zusätzlich ein ca. 25 qm großer Besprechungs-/ Vortragsraum und eine für Besucher zugängliche WC-Anlage angeboten.

    Die nach innen geneigten gläsernen Dachflächen der Gewächshäuser inszenieren das Auffangen des Regenwassers und seine anschließende Sammlung in Zisternen. Die zwischen den Gewächshaus-Einheiten liegenden Wasserbecken sammeln darüber hinaus überschüssiges Regenwasser. Ihre Bepflanzung mit Papyrus und Seerosen zeigt auch an dieser Stelle den Verbund zwischen Fremdländischem und Heimischem.

    In einer zweiten Baustufe wird das heutige Gärtnerhaus durch ein neues Gärtnerhaus mit Büro- und Aufenthaltsräumen ersetzt. Durch das Vorhalten von Pflanzinseln in der zur Platzfläche gerichteten Mauerscheibe entstehen hier die hängenden „Hardt-Gärten“ im kleinen Format. Durch Öffnungen in dieser Mauerscheibe sind Aus- und Einblicke möglich.

    Der nördliche neue Parkweg aus wassergebundener Wegedecke findet seinen Endpunkt am Caf¾ Hardt. Die Restauration wird dadurch Bestandteil dieses neuen zentralen Bereiches:

    Der Pflanzenbahnhof verbindet!

    Der Reisegarten – Zeitreise und mobile Veranstaltungsinfrastruktur

    Das Thema des Reisegartens erhält im Bereich der Waldbühne eine neue Dimension. Der Besucher wird auf eine Zeitreise mitgenommen. Die imposante und den Ort prägende Felswand wird zur temporären Projektionswand. Die Themen für diese Veranstaltungsreihe können vielfältig sein:
    Felszeichnungen aus Lascaux, gezeichnete Felsen in der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts, Lichtinstallationen auf Fels..... .
    Eine Zeitreise durch die Kunstgeschichte.
    Von Holzplateaus aus kann der Besucher dieses Schauspiel beobachten.

    Am Fuße der Felswand begleitet ein aus dem gleichen Sandstein bestehendes Schotterband die neue Felsbühne. Eine sanft geneigte Rasenfläche nimmt den Platz der ehemaligen, wenig genutzten Rollschuhbahn ein und verschafft damit Großzügigkeit..

    Insgesamt wird die Veranstaltungsinfrastruktur verbessert. Neben einer Bestuhlung werden mobile Backstagewagen zur Verfügung gestellt, die im Sommer den Bühnenbereich besser nutzbar machen. Ihren sicheren Winterstandort erhalten diese mobilen Wagen im westlichen Zugangsbereich unter einem neuen Dach. Neben der Garderobe findet hier an regnerischen Tagen die Ausgabe der „1000 Regenschirme“ statt: eine mobile Überdachung, die mit einem Sponsoring-Konzept leicht umgesetzt werden kann und ohne zusätzliche Einbauten in diesem sensiblen Bereich auskommt.
    Die Parkinfrastruktur im westlichen Eingangsbereich wird durch eine vom Kanalnetz unabhängige Toilettenanlage ergänzt.
    Die Waldbühne wird so zum Bestandteil des Reisegartens: Ihre Infrastruktur geht jahreszeitlich nach Bedarf auf die Reise und die neue Bühne, die Felswand, nimmt ihre Besucher mit auf eine Zeitreise!

    Der Reisegarten ist ein besonderer Garten. Für die Pflanzen, die in ihm leben und für die Menschen, die ihn besuchen:

    „Ein neuer Garten für die Stadt“.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.