loading
  • DE-33098 Paderborn, DE-33098 Paderborn
  • 04/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-279650)

Abdinghof in Paderborn


  • 2. Preis


    Anzeige


    Landschaftsarchitekten
    helleckes landschaftsarchitektur, Karlsruhe (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Matern Architekten, Paderborn (DE)
    Architekten: Haug + Schmidtler Architekten, Karlsruhe (DE)

    Preisgeld
    35.000 EUR

    Erläuterungstext
    Leitidee & Entwurfskonzept
    Integration der unterschiedlichen Stadtbausteine und Verdeutlichung der räumlichen
    Strukturen. Verbesserung der Lesbarkeit und Raumwirkung durch klare Raumkanten,durchgängige Traufhöhen, Einbindung der Hofstrukturen, Hervorhebung der Baudenkmale (Immunitätsmauer) und Stärkung der historischen Gebäude (Heisingsches Haus, Marienplatz 2a) durch adäquate Nutzungen. Offenhalten der späteren Integration des
    Gebäudes Marienplatz 4.

    Städtebauliche Einbindung
    Fortführung der städtebaulichen und architektonischen Grammatik traditioneller städtischer Elemente, Proportionen, Fassadenmaterialien und Einteilung.

    Freiraumplanung
    Das Freianlagenkonzept unterstreicht die denkmalgeschützte Wegebeziehung zwischen
    altem Rathaus und Paderquellen über die Gutenbergstraße, den Franz-Stock-
    Platz und den Abdinghof.
    Dabei soll die feine Leichtigkeit der 50er Jahre im Bereich der Gutenbergstraße und
    des Franz-Stock-Platzes unter Beachtung der vielfältigen Nutzungsansprüche und der
    Barrierefreiheit herausgearbeitet werden. Dazu werden die ursprünglichen Beläge
    saniert und rekonstruiert. Durch Wechsel der Vegetation in der Gutenbergstraße werden
    die Blickbeziehungen wieder gelichtet. Am Franz-Stock-Platz wird die ursprüngliche
    Pflanzung wieder ergänzt. Die Position der Bühne wird am alten Standort reaktiviert.
    Der Abdinghof wird durch Rückbau der Stellplätze als Stadtbalkon zum Paderquellgebiet
    entwickelt. Als multifunktionaler Veranstaltungsort kann er so überzeugend den
    Rathausplatz ergänzen. Durch gezielte Gehölzpflanzungen wird der Blick auf das
    Paderquellengebiet gerahmt. Die Erneuerung der Rampenanlage ermöglicht die barrierefreie Erreichbarkeit von Museumseingang und Franz-Stock-Platz. Sie wird Teil der
    Treppenanlage, die bei Veranstaltungen auch als Zuschauerränge fungieren. Der Platzbelag stellt sich als zurückhaltender Verweis auf die 50er Jahre Gestaltung des Franz-Stock-Platzes dar und ist durchgängig befahrbar. Als Vorfeld des Museums dient der Platz auch für die Aufstellung von Großexponaten.
    Der Marienplatz stellt das innerstädtische Gegenüber des Rathausplatzes dar. Ein
    durchgehender Belag bereitet einen eleganten Stadtboden. In diesen ist die Innere
    Fläche um die Mariensäule als allseits erreichbare Plattform mit hoher Aufenthaltsqualität
    eingestellt. Ein lichter Baumhain aus Gleditschien schafft Aufenthaltsqualitäten und
    unterstreicht zugleich den neuen transparenten Raumzusammenhang, der den Blick
    zum alten Rathaus öffnet. Die Barrierewirkung der vorhandenen Böschung wird
    aufgelöst. Die Busspur wird bestmöglich von der Gebäudefassade abgerückt.
    Alle öffentlichen Platzräum werden mit Versorgungsstationen für Veranstaltungen
    versehen. Das Beleuchtungkonzept sieht eine Kombination aus den ortsüblichen
    Mastleuchten mit Baum-Bodenstrahlern zur Stärkung der Atmosphäre vor.
    Kurzparker Plätze für Fahrräder werden dezentral auf den Plätzen angeordnet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurfsverfasser entwickelt einen klar strukturierten, großmaßstäblichen und städtischen Baukörper, der den Straßenraum klärend nachzeichnet und schließt.

    Die Einbindung in das städtische Gefüge gelingt durch die Übernahme bestehender Trauflinien und Firsthöhen.

    Eine rhythmisch gegliederte Lochfassade und das oberhalb des ersten Dachgeschosses abgeflachte Satteldach mit seinen strukturierenden Gauben geben dem Gebäude ein ansprechendes und ortstypisches Gesicht zum angrenzenden Stadtraum.

    Der Umgang mit den Höhenentwicklungen gelingt leicht und scheinbar selbstverständlich. Der Haupteingang am Marienplatz wird nach Westen bzw. nach unten verlegt. Die Erschließungssituation an der Gebäudeecke zum Abdinghof wird entschärft. Es gelingt so eine durchgängige Ebene im Erdgeschoss vom Marienplatz bis zum Abdinghof zu entwickeln, welche dem Inneren und Äußeren des Hauses zu Gute kommt.

    Positiv bewertet die Jury die Platzierung des zweiten Haupteingangs in der Flanke des Baukörpers an der Straße Am Abdinghof. Der Neubau wird vom Verwaltungstrakt am Abdinghof abgelöst und zeigt dort eine selbstbewusste Präsenz und eigenständige Struktur. Die Belebung der Erdgeschosszone zur Straße Am Abdinghof durch Ausbildung
    eines Hochparterres wird positiv bewertet.

    Die innere Struktur des Baukörpers ist nicht mit der gleichen Qualität wie der Außenraum entwickelt. Auch wird die Fassadenausbildung in Erd- und Obergeschoss kritisch bewertet.

    Die Arbeit lässt aufgrund der angemessenen BGF und der Fassadenkonstruktion eine wirtschaftliche Realisierung erwarten. Flächendefizite vor allem im Bereich des Bürgerservices werden im Bestandsgebäude ausgeglichen, sodass insgesamt eine Unterbringung des Raumprogramms zu erwarten ist.

    Durch die gewählte Höhenlage des Haupteingangs zum neuen Rathaus schaffen die Verfasser eine einladende und außerordentlich selbstverständliche Verbindung zwischen Gebäude und vorgelagertem Marienplatz. Die eigentliche Platzgestaltung geht angemessen und respektvoll mit historisch-spiritueller Bedeutung des Ortes um und entwickelt mit einer neuen Treppenanlage und einem lockeren Baumhain einen offenen, robusten Stadtraum mit vielen Nutzungsoptionen. Die bewahrende Bearbeitung des Franz-Stock-Platzes wird anerkannt, die Ausbildung des Abdinghofes als Stadtbalkon und als gebautes Entree für das tieferliegende Paderquellgebiet als richtig empfunden. In Verbindung mit den Gebäuden besteht hier die Chance auf Wiederbelebung des Freiraums.

    So sehr sich der klassisch anmutende Baukörper auch in den Stadtraum einfügt, so sehr wird der Mut zu zeitgenössischem architektonischem Ausdruck vermisst. Insgesamt handelt es sich um eine gelungene Arbeit.


Anzeige