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  • DE-71063 Sindelfingen
  • 04/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-300858)

Mobilitätspavillon am Bahnhof Sindelfingen


  • 5. Preis

    Vogelperspektive, © KTP

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Modellbauer: Architekturmodelle Degen Modellbau, Esslingen (DE), Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    -

    Lage und Konzept

    Ein heterogenes Feld zwischen der viel befahrenen Hanns-Martin-Schleyer-Straße im Nord-Osten und der vielgleisigen Bahnanlage im Süd-Westen wird zusätzlich durch den übermächtigen, nord-süd-verlaufenden Fußgängersteg mit verknotetem Abgang verunklärt – ein Unort, der Klärung und Aufwertung über die eigentlichen Grundstücksgrenzen des geplanten Mobilitätspavillons hinaus benötigt!

    Ein identitätsstiftendes, kräftiges Baumfeld wird künftig diesen Ort markieren.

    Die neuen Bäume sind anfangs 12 m hoch und werden in Bälde 20m hoch sein.

    Sie prägen den Ort, sie überragen die Traufen des Bahnhofsgebäudes, sie brechen das dominante Bild der Fußgängerbrücke.

    Sie markieren einen sympathischen und freundlichen Raum für eine Vielzahl von Menschen, die hier kreuzen und queren, sich orientieren und warten, Verkehrsmittel aller Art wechseln, sich sicher fühlen und soweit möglich und notwendig gerne hier sind.


    Der Mobilitätspavillon

    Der Pavillon markiert als Zeichen diesen sympathischen Ort, an der Schnittstelle aller Bewegungen:

    • Er fokussiert, aber er versperrt nicht
    • Er lenkt und gestaltet Blicke, macht neugierig ohne zu verwirren
    • Er schützt (vor Regen und Wind) bleibt aber ohne Hürde und Schwelle
    • Er funktioniert mit DHL, WC, Schließfach, Kiosk, Warten, wird aber mehr als nur praktisch und nützlich empfunden.
    • Es ist eine Skulptur im Baufeld an einem dafür gut vorbereiteten, angenehmen Ort; er erledigt ganz beiläufig alle Bedürfnisse zu dem Zeitpunkt und an dem Ort
    • Nicht vordergründig nützlich, nicht technisch überhöht
    • Nicht austauschbar und technokratisch – nicht modular
    • Einmalig für diesen Ort


    Blicke und Wege - Aufenthalt und Warten

    Die Skulptur leistet dennoch (unmerklich):

    • Einen guten, uniquen Kiosk, der sowohl den Bahnhofsvorplatz als auch den Mobilitätspavillon selbst bespielt
    • Er leistet Vordach und Wartezonen für den Bushalt im Nord-Osten, den Bahnhalt im Süd-Westen und den Taxihalt im Westen
    • Er schafft Blick- und Wegebeziehungen zwischen dem Bahnhofsvorplatz und der Taxi- und Parkzone im Westen
    • Das keilförmige Funktionsgebäude nimmt DHL-Station, WCs, Schließfächer und Technikraum in einer kräftigen Wandscheibe auf.
    • Ein Dachoberlicht in der Mitte unterstützt den lichtdurchfluteten Eindruck
    • Fahrradabstellplätze in der richtigen Anzahl (36) überdacht und um eine gewünschte Anzahl (bis in Summe 140) nicht überdacht finden einen sicheren Platz im Wegenetz
    • Die Pedelec-Station wird hier eingereiht
    • Über eine kleine, flache Stufenanlage wird der Bahnsteig im Süd-Westen mit der Fläche des Mobilitätspavillons verbunden
    • Die Sindelfinger Box möbliert sympathisch den süd-östlichen Freiraum


    Bodenbeläge Verbinden und Vernetzen

    Die gestalteten Bodenbeläge unterstützen die gute Bearbeitung des baumüberstandenen Vorfeldes.

    -

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser versuchen, mit einem großen Baumfeld, floral gestalteten Belagsoberflächen und einem skulptural geformten Mobilitätspavillon einen identitätsstiftenden Ort zu schaffen. Das gelingt in diesem ohnehin sehr desparaten Umfeld nicht. Die plastische Ausbildung des Pavillons und seine singuläre Erscheinung erscheinen auf den ersten Blick sympathisch und erfrischend. Es zeigen sich aber schnell erhebliche Mängel. So wurden die Hauptwegebeziehungen zwar richtig erkannt, jedoch im Gebäude nicht umgesetzt. Der Grundriss zwingt zu Umwegen und knüpft an den falschen Punkten an die bestehenden Wegebezüge an. Die Funktionsbereiche innerhalb des Pavillons sind in ihrer Lage gut platziert. Die räumliche Ausbildung ist aber nicht überzeugend, da sie Blickbezüge behindern und den Pavillon insbesondere zur Straße hin richtiggehend abschotten. Die Fahrradstellplätze sind offen unter dem großen Dach angeordnet. Das sieht großzügig aus, schafft aber einen sehr unbefriedigenden Raum. Die windschiefe Ausbildung des kreuzförmigen Gebäudes lässt schlecht nutzbare Außenräume mit geringer Aufenthaltsqualität entstehen. Insbesondere wird der Bereich zwischen Pavillon und dem Aufgang zum Fußgängersteg bemängelt, der durch weitere Fahrradstellplätze und Fahrradboxen zugestellt wird. Auch auf der Westseite werden am nicht überdachten Wartebereich weitere Fahrradstellplätze angeordnet, die den Raum verstellen.
    Die gefaltete Betondachkonstruktion ist formal begründet und konstruktiv nicht überzeugend, da trotz der Faltung zusätzlich Betonstützen notwendig werden, die dem Grundansatz zuwiderlaufen. Die Vielfalt der vorgeschlagenen Oberflächenbehandlungen zeigt Kreativität aber wenig Konsequenz. Die Möglichkeit einer Erweiterung besteht nicht.
    Die Arbeit überrascht durch einen mutigen Entwurfsansatz. Sie enttäuscht aber durch falsche räumliche Zuordnungen, mangelnde Funktionalität und überzogenen Formalismus.