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  • 07/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-302240)

Stadt-/ Gebietsplanung

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  • Gewinner Zur Überarbeitung aufgefordert

    PLAN M 1:500 (M 1: 1000 in Vergrößerung), © Meyer Steffens Architekten und Stadtplaner BDA

    Stadtplaner
    Meyer Steffens Architekten und Stadtplaner BDA, Lübeck, Lübeck (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: BRIEN • WESSELS • WERNING, Lübeck (DE), Hamburg (DE)

    Erläuterungstext
    Überschaubare Nachbarschaften

    Die neue Siedlung gliedert sich in 12 Höfe und zwei Doppelhauszeilen im Süden und Norden zum Landschaftsschutzgebiet. Die vom Lärm der Schlutuper Straße geschützten und gut besonnten Innenhöfe werden zu Treffpunkten für die engere Nachbarschaft. Über ein engmaschiges Wegenetz aus verkehrsberuhigten Straßen, Fuß- und Radwegen sind die Höfe untereinander und mit den umliegenden Quartieren und Schulen verknüpft.
    Die Größe der Höfe bleibt auch für Kinder und Senioren überschaubar: zwischen 18 und max. 50 Wohnungen bilden eine Nachbarschaft. Die größeren Höfe können sich
    Gemeinschaftseinrichtungen in den Erdgeschossen leisten: z. B. einen Waschsalon mit
    Teeküche, Räume für E-Bikes, Kinderwagen oder Rollstühle, Gästewohnung,
    Hausmeisterbüro, ...
    Jede Wohnung erhält private Rückzugsbereiche: durch Hecken oder Mauern eingefaßte
    ebenerdige Gärten, große Balkone oder Dachterrassen und Dachgärten. In unmittelbarer
    Nähe können auch die Parzellen des Kleingartenvereins gemietet werden.

    Eine neue Gartenstadt

    Die neue Siedlung entsteht in der grünen Lunge zwischen Marli und Wesloe. Das Thema
    „Garten“ soll den Charakter der Siedlung bestimmen.
    Das ehemalige Kleingartengelände und die nördliche Feuchtwiese werden von einem hohen Gehölzstreifen mit abwechslungsreichem Baumbestand im Süden und Osten eingerahmt. An der Schlutuper Straße soll eine Fortsetzung der Lindenallee diesen Rahmen vervollständigen.
    Hinter diesem Gehölzstreifen und jenseits der Schlutuper Straße liegen weitere Kleingärten, Sportanlagen und die großen Gärten der Einfamilienhäuser Am Pohl und in der Edelsteinsiedlung.
    Zur stark befahrenen Schlutuper Straße wird mit bis zu 4 Geschossen der Maßstab der
    Zeilenbauten aus den 1950er Jahren fortgesetzt. Zum Feuchtbiotop, zu den Kleingärten und zu den Einfamilienhäusern am Pohl wird mit zwei- bis zweieinhalb Geschosse hohen
    Einfamilienhäusern und Gärten der Siedlungsrand gebildet.
    Individuell gestaltete Kleinstgärten und gemeinschaftlich angelegte Themengärten in den
    Höfen mit kleinkronigen Bäumen sollen das Bild prägen. Die Erschließungsstraßen werden von Kirschbäumen gesäumt, die Innenhöfe und Gärten werden bevorzugt mit Obstbäumen und –sträuchern gestaltet.
    Jede Wohnung im Erdgeschoß erhält einen kleinen privaten Garten, in den Obergeschossen sorgen große Balkone für Erholungs- und Pflanzraum. Alle Dächer sind zur Regenwasserrückhaltung und zur Verbesserung des Kleinklimas intensiv begrünt und können für Urban Gardening genutzt werden.

    Offene Höfe

    An der stark befahrenen Schlutuper Straße schirmen viergeschossige Gebäude das Quartier vor dem Verkehrslärm ab. Zur Straße liegen die Treppenhäuser, die jeweils 3 – 4 Wohnungen unterschiedlicher Größe je Geschoß barrierefrei erschließen, und verglaste Loggien an den Hausecken. Die Wohnungen orientieren sich überwiegend zu den grünen, gut besonnten und ruhigen Innenhöfen.
    Alternativ sind hier auch Mikrowohnungen mit verglasten Laubengängen zur Straße, Balkonen zum Innenhof und Gemeinschaftseinrichtungen an den Hausecken möglich.
    Auch die Wohnhöfe in der 2. Reihe werden im Nordwesten von dreigeschossigen Wohnhäusern mit ähnlicher Erschließung eingefaßt. Auf den intensiv begrünten Dachgärten können in einem Staffelgeschoß Penthäuser, „eingeschossige Bungalows“ entstehen. Die Höfe öffnen sich nach Südosten und Südwesten und werden im Süden von Reihenhauszeilen begrenzt.
    Die Höfe in der 3. Reihe setzen die Mischung von Mehrfamilienhäusern und Reihenhäusern fort, um unterschiedliche Wohnungsangebote um einen Hof zu ermöglichen.

    „Bremer Haus“, Reihenhäuser, Doppelhäuser

    Alle Reihenhäuser sind im Lageplan mit 7 m Hausbreite dargestellt. Diese Hausbreite
    ermöglicht sehr große Wohnungen, wenn sie zwei- oder dreigeschossig ausgeführt werden.
    Deshalb können hier auch Mehrgenerationenhäuser mit barrierefreien Erdgeschossen und abtrennbaren Obergeschossen für junge Familien mit Dachterrassen entstehen.
    Bei eineinhalbgeschossiger Bauweise oder bei schmaleren Hausbreiten sind die
    Wohnungsgrößen für den geförderten Wohnungsbau (95 qm für 4 Personen, 105 qm für 5
    Personen, 115 qm für 6 Personen, ...) gut erreichbar.
    Auch für die dreigeschossigen Wohnungsbauten schlagen wir teilweise anstelle der Drei- und Vierbunderschliessungen Stadthäuser mit 7 bis 10 m Hausbreiten vor, die eine Kombination von Wohnen und Arbeiten erlauben und als Mehrgenerationenhäuser geeignet sind. Diese „Bremer Häuser“ sind in den altstadtnahen Quartieren weit verbreitet und sehr nachgefragt.
    Der Siedlungsrand zum Feuchtbiotop und nach Süden wird durch Doppelhausgrundstücke gebildet. Die Doppelhäuser sollen zweieinhalb Geschosse hoch sein, um zusätzliche Dachterrassen zu ermöglichen. Alle Doppelhäuser sind groß genug, um bei Bedarf auch hier Mehrgenerationen wohnen zu ermöglichen.
    Die Anzahl der Einfamilienhäuser kann bei Hinzuzählung der „Bremer Häuser“, der
    Penthäuser oder mit schlankeren Reihenhäusern deutlich erhöht werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Konzept stellt eine deutliche Weiterentwicklung dar, die Anregungen aus der
    Zwischenpräsentation wurden aufgenommen und weiterverfolgt.
    Die Platzausbildung an der St. Philippus Kirche ist positiv hervorzuheben. Die Verschwenkung der Straße ermöglicht eine Blickbeziehung aus Richtung Schlutup kommend auf die Kirche. Die angedachte Unterbringung von Einrichtungen wie Altenwohnen, Kita, Läden usw. unterstützen die Identitätsbildung im neuen Wohnquartier.
    Über den Quartiersplatz bleiben die Durchwegung und die Beziehung zur Tankstelle
    intakt. Die Anordnung der oberirdischen Stellplätze im inneren Bereich des Baublocks am
    Quartiersplatz ist zu überdenken.
    Die geplante Lage der Kita wird positiv gesehen, dadurch wird der Quartiersplatz belebt
    und der „Hol- und Bringe-Verkehr“ nicht ins Wohnquartier hineingezogen. Die geplanten Gebäude an der Schlutuper Straße reagieren angemessen auf die Lärmbelastung durch den Fahrverkehr, die Baukörper weisen einen ruhigen Innenhof auf.
    Die Empfehlungen bezüglich des Kittner-Geländes auf eine Wohnnutzung insbesondere
    im nördlichen Teilbereich zu verzichten, ist nachvollziehbar begründet worden, der Plangeber weist u.a. auf die Lärmbelastung (Straßen-, Sportlärm) und die städtebauliche
    Ausprägung (Lage und Grundstückszuschnitt) hin.
    Die aufgezeigte Verdichtung und damit Loslösung von der klassischen Einfamilienhausstruktur wird befürwortet. Die mittige grüne Achse ist ein gutes Instrument zur Identitätsstiftung im Quartier. Die grüne Achse ist gut in die Hofstruktur mit ihren Wegeverknüpfungen einbezogen und erlaubt ein Durchqueren ohne Unterbrechungen durch Fahrverkehr.
    Bezüglich der Nutzung als Retentionsfläche ist die unmittelbare Nähe zur Wohnbebauung zu überprüfen. Der Entwurf entspricht der modernen Form einer Gartenstadt.
    Der Entwurf lässt in seiner Flexibilität verschiedene Wohnformen und Wohnnutzungen
    zu. An der östlichen Erschließungsseite sind Neben- und Stellplatzanlagen sowie
    Gebäudeköpfe abwechselnd angeordnet, so dass die überdachten Stellplatzanlagen
    prägend auf das Straßenbild wirken. Gute Verzahnung der unterschiedlichen Gebäudetypen. Die Klärung der Zugehörigkeit der öffentlichen, gemeinschaftlichen und privaten Freiflächen im Innern der Höfe, ist bezüglich des Verkaufes (Realteilung) kompliziert, da Gemeinschaftseigentum gebildet werden müsste. Dies trifft insbesondere bezüglich der Mischung mit Geschosswohnungsbau zu. Die Baustruktur eröffnet die Möglichkeit der Bildung von Baugemeinschaften und der Aufteilung in unterschiedliche Bauabschnitte.
    Die Gestaltungsidee „gelber Klinker“ , Flachdächer sowie gestaltete Einfriedungen
    sollte mittels Festsetzungen im B-Plan und in einem Gestaltungsplan als Anlage zum
    Kaufvertrag geregelt werden. Gewollt ist eine Identitätsbildung durch einen einheitlichen
    Gebietscharakter. Das Zusammenfassen der Stellplätze in Gemeinschaftsanlagen sowie die Schaffung von zumutbaren Distanzen zum eigenen Stellplatz ist ein gewolltes städtebauliches Prinzip, welches der Stärkung der Nutzung von Car-Sharing-Angeboten, ÖPNV usw. dient. Hier hebt sich der städtebauliche Entwurf von klassischen Baugebieten bewusst ab.

    Der Entwurf [...] hebt sich aufgrund seiner Ausgewogenheit und der differenzierten Berücksichtigung vieler Aspekte von der Platzausbildung an der St Philippus Kirche
    über die variablen Bautypen bis hin zur landschaftlichen Einbindung deutlich hervor
    und bietet in seiner vielfältigen Durchmischung große Chancen. Die gemachten Gestaltungsvorschläge lassen auf eine Stadterweiterung hoffen, die dem Areal den gewünschten prägenden Charakter verleihen. Insgesamt ist die Ausbildung der südlichen Achse eine gute Reaktion auf die vorhandene Grünverbindung, lediglich eine Aufweitung der Zugänge sollte geprüft werden.