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  • DE-83024 Rosenheim, DE-83022 Rosenheim
  • 04/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-289444)

Quartier Lena-Christ-Straße in Rosenheim


  • 2. Preis

    Lageplan, © delaossaarchitekten gmbh, NRT NARR RIST TÜRK Landschaftsarchitekten

    Architekten
    delaossaarchitekten, München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: NRT NARR RIST TÜRK Landschaftsarchitekten BDLA, Stadtplaner & Ingenieure, Marzling (DE)

    Preisgeld
    18.500 EUR

    Erläuterungstext
    Lage und Umfeld

    Das Wettbewerbsgrundstück liegt im Norden der Stadt Rosenheim in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hochschulcampus. Ein kleines Stadtteilzentrum an der Lessingstraße ist in wenigen Minuten fußläufig zu erreichen. Die Umgebung ist geprägt durch die Heterogenität der wachsenden Stadt die sich auch in unterschiedlichen Gebäudestrukturen und Höhen niederschlägt. Städtebauliche Anknüpfungs- und Bezugspunkte sind kaum auffindbar, Adressbildungen sind diffus und wenig einladend.
    Auch eine eigene Quartiersidentität sucht man vergebens.
    Auf dem Planungsgrundstück befindet sich wertvoller Baumbestand.
    Aus der Westerndorfer Straße resultiert eine erhebliche Lärmbelastung.

    Städtebau und Vernetzung

    Das Entwurfskonzept begegnet der Undifferenziertheit des Stadtraums und der fehlenden Quartiersidentität mit einem entschlossenen Großblock, dem Archetypus der Stadterweiterung, der sich subtil an der vorhandenen Baustruktur orientiert und auf diese aktiv reagiert. Dabei bilden sich einerseits einladende und differenzierte Außenräume, andererseits wird der introvertierte, gut zonierte Innenhof gleich einer Oase im Stadtraum umschrieben. Die deutliche Hoferhöhung um ca. 1.2m verstärkt diesen Effekt. Nach Innen bieten sich so qualitätvolle, niveaugleiche Erdgeschosslagen, die sich nach außen als Hochparterre abbilden.
    Der markanteste Hochpunkt im Osten nimmt überörtlichen Bezug auf die Diagonale der Westerndorfer Straße zur Stadtmitte hin, während die niedrigeren der Höhengliederung und Vorplatzfassung dienen.
    Durch die hohe Identitätsbildung des Stadtbausteins profitieren Umfeld und Bewohner des neuen Gebäudes gleichermaßen. Der Außenraum wird durch die Neuartikulation wieder belebt und die fussläufigen Verbindungen in Ost-West-Richtung, aber auch durch das Quartier gestärkt.

    Identität und Adressbildung

    Der kraftvolle städtebauliche Auftritt geht mit ruhigen und selbstverständlichen Fassaden einher, die nach außen Loggien aufweisen und in changierenden Beigetönen gehalten sind. Die helle, robuste Sockelzone mäandert über die Hauszugänge die allesamt die Adresse nach außen abbilden, während die Farbgebung im Innenhof in warmen Rottönen gehalten ist und die Introvertiertheit des Hofes als schützender Mantel verstärkt. Auch die kleinen Stadtplätze an den diagonalen Ecken und die Zugangshöfe bieten nicht nur hohe Aufenthaltsqualität sondern formen auch sehr individuelle, adressbildende Vorfelder die Interesse wecken den Straßenraum zu erkunden und das Quartier über die vier gezielten Durchgänge zu durchqueren. Am stadtteilprägende Platz an der Westerndorfer/Lena-Christ-Str., dessen Atmosphäre durch den erhaltenen Baumbestand besticht, liegen ein Café sowie der zum Hof durchgesteckte Gemeinschaftsraum als Quartierstreffpunkt.

    Wohnen

    Die Grundrisse reagieren auf die besondere stadträumlichen Erfordernisse indem sich die Wohnungen über wechseltiefe Balkonbänder überwiegend in den geschützten Hof hinein orientieren. Nach außen werden Loggien vorgesehen, die im schallbelasteten Bereich als Schallschutzloggien ausgebildet sind und eine natürliche Lüftung der angrenzenden Aufenthaltsräume erlauben. Viele Wohnbereiche sind über die Loggien durchgesteckt, wo sich Essplätze oder Lese/Spielecken finden.
    Das jeweilige Erschließungssystem bezieht sich auf den Wohnungsmix und die Lage im Block. So werden neben klassischen Treppenhäusern auch Laubengänge angeboten über die kleinere Wohnungen erschlossen werden, die keine Aufenthaltsräume zum Laubengang aufweisen müssen.
    Der Höhensprung zum öffentlichen Raum wird über Durchlader-Aufzüge bewerkstelligt, die Hoffläche ist über barrierefreie Rampen erschlossen. In den Erdgeschossen liegen bei allen Eingängen Kinderwagenräume sowie gut verteilt mehrere Fahrradräume. Diejenigen Treppenhäuser welche nicht an Durchgängen liegen, sind zum Hof durchgesteckt.

    Freiräume

    Der Entwurf ist geprägt von einem großzügigen und zugleich differenzierten Wohnhof als gemeinschaftlichem Freiraum im unmittelbaren Wohnumfeld. Seine Qualität liegt in der introvertierten Haltung, die ihn innerhalb des sehr heterogenen umgebenden Stadtgefüges zu einer Oase der Ruhe macht und höchste Aufenthalts- und Nutzungsqualitäten für die Anwohner verspricht.
    Der erhaltenswerte Gehölzbestand wird soweit als möglich berücksichtigt und in die Planungskonzeption mit eingebunden.
    Innerhalb des Wohnhofes entsteht ein feinmaschiges, lebendiges Netz aus Wegen und Plätzen unterschiedlicher Dimension mit hoher Durchlässigkeit und Aufenthaltsqualität.
    Von außen ist das Planungsgebiet ist durch ein klares umlaufendes Wegeband mit der Qualität eines Boulevards erschlossen, welches sowohl von Fußgängern als auch von Radfahrern nutzbar ist und sich auch für die inneren Parkplätze und für Sondernutzungen (Feuerwehr, Müll, Pflege, Krankenwagen, Umzug) zum Befahren eignet. Die Zugänge zum Hof sind ohne Ausnahme barrierefrei.
    Der Wohnhof ist geprägt durch unterschiedlich dimensionierte, zellenartige Wiesen- und Rasenfelder, welche mit einen lichten Baumschleier überstellt sind. Hier können sich verschiedene Aktivitäten wie Spielen, Stadtgärtnern oder Aufenthalt / Entspannung entfalten. Die Bäume spenden in den heißen Sommern Schatten und geben dem Hof die unverwechselbare Atmosphäre eines „Stadthaines“. Mit den grünen Feldern mitlaufende Bänke bieten vielfältige Möglichkeiten zur Nutzung, z.B. Sitzen, Plaudern, Lesen oder für
    gemeinschaftliche Veranstaltungen. Entlang der inneren Hausfassaden fasst ein ca. 3 bis 5m breiter Terrassensaum die erdgeschossigen Wohnungen und schafft einen privaten Distanzraum, der durch in Kies eingebettete Vegetationsstrukturen (Gräser, Blühsträucher, Stauden) zum gemeinschaftlichen Freiraum hin geschützt wird. Die Baumpflanzungen im Hof können vollständig auf einer Substratschicht von 80cm Stärke auf der Tiefgaragendecke gepflanzt werden.
    Im zentralen Wohnhof entsteht ein zusammenhängender geschützter Raum von beachtlicher Größe, der sich mit seiner differenzierten Struktur insgesamt zum (informellen) Spielen eignet. Zusätzlich werden die geforderten Spielflächen in Form von 2 Kleinkinderbereichen in den seitlichen kleineren Grünzellen und einem Spielplatz für die größeren (6 bis 12jährigen) Kinder in der zentralen großen Grünfläche ausgewiesen.

    Parken/TG

    Die Tiefgarage liegt ausschließlich unter der erhöhten Hoffläche, wodurch sehr kurze Rampen realisiert werden können und die Sohle weitestgehend oberhalb des Grundwasserspiegels plaziert ist. Alle nach Stellplatzsatzung erforderlichen Stellplätze sind hier untergebracht. Die geforderten Besucherstellplätze sind in einer Parktasche entlang der Lena-Christ-Straße und im Übergang zur Hochschule auf dem eigenen Grundstück angeordnet.

    Feuerwehr

    Oberstes Gebot des Konzepts ist es den Innenhof frei von Feuerwehrzufahrten zu halten. Dies gelingt durch die Erschließung einiger Hochpunkte mittels eines Sicherheitstreppenhauses „light“, welches ohne zusätzliche technische Einrichtungen auskommt und nebenbei eine effektive Erschließung vieler Wohnungen je Geschoss erlaubt.
    Daher sind an den Außenseiten nur noch an wenigen Stellen Anleiterstellen erforderlich. Daneben kann so der schützenswerte Baumbestand maximal geschont werden.

    Bauabschnitte

    Die Anlage kann gut in zwei Abschnitten realisiert werden, da die TG über zwei Zufahrten verfügt bzw. auch nachträglich zusammengelegt werden kann.

    Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit

    Die Gebäude können als einfache Ziegelbauten errichtet werden, da die Tragstrukturen bis in die Untergeschosse durchgängig sind. Mit Aussenwandstärken von 42,5cm als hochdämmende Objektsteine kann ein Dämmstandard bis hin zu einem Effizienzhaus- 55 Standard erreicht werden.
    Durch den Verzicht auf ein WDVS, den guten Dämmstandard und eine sorgfältige Detailausbildung können eine langfristig günstige Bewirtschaftung sichergestellt und geringe Nebenkosten erreicht werden.

    Schallschutz

    Im Bereich der Westerndorfer Straße übernimmt die Großform den geforderten Schallschutz und schafft damit hohe Qualitäten im Innenhof.
    Nach außen schützen Schallschutzloggien die exponierten Individualräume und ermöglichen eine natürliche Belüftung.

    GF ca. 19.800 m²

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das städtebauliche Konzept der Blockrandbebauung überzeugt in seinen inneren und äußeren Qualitäten. Ausgehend von der 3-Geschossigkeit mit Bezug auf die Umgebungsbebauung, staffeln sich die Höhen differenziert zur Betonung der Eingangshöfe bis zu 6 Geschossen. Der Block-Innenraum schafft ein Wohnumfeld, das für Rosenheim als vorbildlich empfunden wird. Die Aufweitungen im Blockaußenraum sind angemessen dimensioniert und platziert; die große Anlage von Besucherstellplätzen an der Lena-Christ-Straße stört das Wohnumfeld empfindlich. Der hohe Versiegelungsgrad wird kritisch gesehen, aber durch hohe Qualität der Oberflächenbeschaffenheit im Blockinnenraum kompensiert.

    Die großen, zusammenhängenden Freiräume des Innenraums werden gut differenziert und kontrastieren positiv zum städtebaulichen Umfeld; sie laden ein zur Kommunikation. (…)“