loading
  • DE-99084 Erfurt, DE-99091 Erfurt
  • 05/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-286742)

Modellvorhaben „Neue Gartenstadt mit System“ - Wohnbebauung Tallinner Straße in Erfurt


  • Anerkennung

    Lageplan

    Landschaftsarchitekten
    Station C23 - Büro für Architektur, Landschaftsarchitektur und Städtebau, Leipzig (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Naumann Wasserkampf Architekten PartGmbB, Weimar (DE)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die vom Entwurfsverfasser intendierte Weiterentwicklung des Quartiers durch eine homogene einfache Struktur ist gut nachvollziehbar.
    Die Arbeit teilt sich städtebaulich in zwei Bereiche, das Ensemble aus 4 Häusern mit Parkdeck entlang der Tallinner Str. und den 4 Zeilenbauten welche sich nördlich daran anschließen. Die Zeilen überzeugen in ihrer Stellung zueinander, aber auch durch die scheinbar selbstverständliche Verzahnung mit dem Freiraum der Geraaue. Die 4 Häuser zur Talinner Str. bleiben in ihrer Qualität und Setzung dahinter zurück. Ihnen gelingt es nicht, den an dieser Stelle notwendigen Auftakt zum neuen Wohnquartier zu bilden und eine Vernetzung mit dem bestehenden Quartier zu befördern.
    Die schmalen Baukörper der Zeilenbauten mit ca. 10 m Gebäudetiefe und einer Mittelteilung weisen überaus wirtschaftliche Spannweiten aus und sind konzeptionell als seriell realisierbar zu bewerten. Durch eine Rasterverschiebung der Haushälften entstehen interessante Wohnungszuschnitte. Alle Wohnungen sind durchgesteckt und durch die geringe Gebäudetiefe sehr gut natürlich belichtet. Großzügige Eingangsbereiche im EG und Flurbereiche auf den Etagen bieten Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und Kinderwagen. Trotz der Größe der Baukörper bilden sich durch den Zweispänner sehr private Eingangssituationen, die eine sozial verträgliche gute Nachbarschaft befördern.
    Alle barrierefreien Wohnungen werden im EG nachgewiesen, hier finden sich auch in jedem Riegel vielfältige Gemeinschaftsräume mit Küchen und Aufenthalt, aber auch zusätzlicher Abstellraum.
    Die Wohnungen entsprechen in ihrer Größe den Fördervorschriften, durch die Minimierung von Erschließungszonen erhalten jedoch alle Wohnungen einen direkten Zugang in die Wohnküche. Ein Abstellraum in den Wohnungen fehlt.
    Die hohe Qualität der Zeilen findet sich in der Bebauung zur Talinner Str. nicht wieder, insbesondere der leicht abgesenkte Stellplatzbereich unter den Gründächern wirkt wenig einladend und lässt soziokulturelle Probleme befürchten.

    Die seriellen Baukörper mit den sehr individuell zugeschnittenen Freiräumen werden in eine angenehm ruhige Struktur eingebettet. Mit dem Motiv des Kiefernhaines und den weitläufigen Wiesenflächen entsteht ein prägnantes Bild, welches dem Quartier einen eigenständigen Charakter verleiht und den Landschaftsraum als einen erweiterten Teil des Freiraumes einbezieht. Die Erschließungswege sind grundsätzlich funktional geführt, wobei vor allem im zentralen Bereich einige wohl verzichtbar wären. In den Binnenräumen ergeben sich vielfältige Nutzungspotentiale.
    Die gemeinschaftlich als Spielplatz und Boulefläche nutzbaren Flächen sind richtigerweise
    zwischen den Gebäudegruppen angeordnet, könnten jedoch etwas prägnanter ausformuliert sein.

    Die Abstände zwischen den Gebäuden sind mit etwa 10 m sehr eng gehalten. Die Anbindung an den bestehenden Radverkehr wird als gelungen betrachtet, jedoch fehlen ausreichend Fahrradstellplätze. Mit der jetzigen Planung der Radstellplätze kann das Mobilitätskonzept nicht umgesetzt werden.
    Die Regenwasserversickerung kann nur extern in der Geraaue stattfinden, da eine Einordnung zwischen den Gebäuden auf Grund der Kompaktheit schwierig erscheint.
    Die Einhaltung des Schallschutz-Abstands ist nicht ausreichend. Es sind Schallschutzmaßnahmen am Gebäude (Grundrissorientierung Küchen/Bäder oder Wegfall von Immissionspunkten (nicht zu öffnende / keine Fenster) notwendig.
    Die bestehenden Gehölze werden kaum erhalten, dies wird kritisch bewertet. Zudem wird
    ein großzügiger Bezug zur Landschaft vermisst.

    Insgesamt lässt das Projekt eine überaus wirtschaftliche Umsetzung erwarten, die Jury würdigt den mutigen und konsequent seriellen Entwurfsansatz, sieht jedoch Probleme in der städtebaulichen und architektonischen Qualität des südlichen Baukörpers.