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  • DE-81667 München, DE-81667 München
  • 05/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-276718)

Generalsanierung Gasteig in München


  • ein 1. Preis Zur Überarbeitung aufgefordert

    © RSLA / HENN

    Landschaftsarchitekten
    Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten und Stadtplaner GmbH, München (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: HENN, München (DE), Berlin (DE), Beijing (CN)
    Akustikplaner: NAGATA ACOUSTICS, Tokyo (JP), Los Angeles (US), Paris (FR)
    Tragwerksplaner: Sailer Stepan und Partner GmbH, München (DE)
    TGA-Fachplaner: Climaplan GmbH, München (DE)
    Brandschutzplaner: nees Ingenieure GmbH, Münster (DE), Hamburg (DE)
    sonstige Fachplaner: Kunkel Consulting International GmbH, Bürstadt (DE)
    sonstige Fachplaner: ekz.bibliotheksservice GmbH, Reutlingen (DE)
    TGA-Fachplaner: Ingenieurbüro Knab GmbH, München (DE)
    Verkehrsplaner: Regierungsbaumeister Schlegel GmbH & Co KG, München (DE)

    Preisgeld
    210.000 EUR

    Erläuterungstext
    Mit der Sanierung des Gasteig bekommt München ein Gebäude, das mit seinem kulturell, vielfältigen Angebot weltweit unvergleichbar sein wird. Ein neues bauliches Element, das behutsam als gläserne Brücke die bestehenden Gebäudeteile verbindet, gibt dem Gasteig seine neue Transparenz und Identität. Sie öffnet den Gasteig zur Stadt, gewährt Einblicke in das Geschehen und lädt alle Besucher und Mitarbeiter ein, Teil des kulturellen Lebens der Stadt zu werden. Die KULTURBÜHNE wird zum Leitbild des neuen Gasteig. Sie steht gestalterisch in seiner transparenten, gläsernen und offenen Gestaltung bewusst in Kontrast zum monolithischen, mineralischen Bestand. Zusammen baut sich eine Spannung auf, die den Gasteig programmatisch und architektonisch in ein neues Zeitalter führt.
    Der Devise „ONE“ Gasteig folgend, zieht sich die neue KULTURBÜHNE als Raumkontinuum horizontal und vertikal durch alle Bereiche des Gasteig. Sie ist Erschließung, Foyer, Ausstellungsfläche und Eventbereich zugleich. Sie ermöglicht Besuchern und Mitarbeitern klare Orientierung und kurze Wege zwischen allen Funktionen.
    Die KULTURBÜHNE wird im Inneren als urbanes Element, als eine Straße mit einzelnen Adressen erlebbar, die wiederum Teil des großen Ganzen ist. Hier hat jeder Bereich, egal ob Philharmonie, Carl-Orff Saal, Bibliothek oder die Volkshochschule seine eigene Identität in einem vielfältigen Umfeld.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit schafft inhaltlich und auch städtebaulich eine Verbindung der scheinbaren
    Gegensätze von Kontinuität und Neugestaltung:

    Der städtebauliche Akzent des Gasteiggebäudes von der Ludwigs-Brücke wird
    in seiner charakteristischen Massivität durch den Rückbau der 'Kristalle' und
    das weitgehende Schließen der Fassaden noch gesteigert - gleichzeitig machen
    markante Einschnitte und ein neues, hervorspringendes, horizontales
    Haupterschließungselement eine neue Transparenz / Offenheit und verbesserte
    Nutzbarkeit des Gebäudes nach außen deutlich. Dieses horizontale, zweigeschoßige
    Erschließungs- und 'Aktionselement', die von den Autoren sogenannte
    Kulturbühne, wird zum Schaufenster, das den neuen Gasteig mit seinen
    vielfältigen und sich überlagernden Nutzungen nach außen und innen veranschaulicht
    und erlebbar macht. Städtebaulich wird mit diesem Element eine
    neue Erschließungsachse geschaffen, die sowohl im Westen als auch im Osten
    neue attraktive, überdachte und deutlich sichtbare Eingangssituationen bietet.

    Der Sockel zur Stadt bzw. zur Rosenheimer Straße wird ummodelliert, um hier
    fließendere Zugänglichkeiten zu schaffen. Die umgedeuteten Eingangssituationen
    und Baukörper erzeugen eine stärkere Wirkung - aber auch eine stärkere
    Integration und Vernetzung des Gebäudes in das umgebende Stadtquartier. Die
    neue Traufkante nach Osten, die durch den Restaurantaufbau entsteht, wirkt
    durch die Weiterführung der bestehenden Kubatur selbstverständlich. In der
    Jury wurde allerdings auch kontrovers diskutiert, ob diese Umformulierung - und
    der letztlich eher zurückhaltende Akzent der neuen 'Kulturbühne' - in der Fernsicht
    als Adressbildung und 'Landmark' an dieser wichtigen Stelle die richtige
    Antwort ist.

    Die Arbeit verfolgt einen integrativen Ansatz, in dem neue und bestehende Elemente
    zu einem neuen Ganzen verschmolzen werden. Dabei wird der Bestand
    weitgehend respektiert, verstärkt und besser nutzbar gemacht. Aus den vorhandenen
    Qualitäten werden neue Elemente entwickelt, wie etwa die Fassadenteile
    aus durchbrochenen Ziegel-Verbänden, die die Geschlossenheit der Baukörper
    wahren und dennoch Ausblicke von Innen ermöglichen, oder das Angebot einer
    'Medien Fassade' die eine wechselnde Beschriftung der Ziegelfassade ermöglichen
    soll. Die Eingriffe erhöhen die Wirkung des Bestehenden und sind auf ein
    notwendiges Maß beschränkt.

    Generell kann man die Arbeit als den Versuch beschreiben, die hochgesteckten
    Ziele einer völligen Erneuerung der Institutionen mit begrenzten Eingriffen zu
    erreichen. Beispielhaft dafür sei der Saal der Philharmonie erwähnt, der räumlich
    weitgehend unverändert - nur durch eine Verschiebung der Bühne - und die
    Ergänzung von Seiten- und Hinterbühnen akustisch verbessert werden soll. In
    diesem Bereich wird der 'minimale' Ansatz der Autoren jedoch kritisch gesehen.

    Die Erschließung wird erheblich verbessert und geklärt. Die Erschließungselemente
    werden dabei immer auch als Aktions-, Lehr-, Treff- und Aufenthaltsräume
    begriffen:
    Im jetzigen UG werden an strategischen Stellen zusätzliche Eingänge geschaffen,
    die den abweisenden Sockel umdeuten: im Westen kann sowohl das Restaurant
    à la carte' direkt über einen Vorraum mit Aufzügen erreicht werden als
    auch das Foyer der Philharmonie, mit dem dort neu positionierten Restaurant
    'gast'. An der Außenecke der Stadtbibliothek wird ein neuer Eingang direkt von
    der Rosenheimer Straße angeboten, der die dort neu positionierte Jugendbibliothek
    zugänglich macht und mit der neu im Erdgeschoss angebotenen Kinderbibliothek
    verbindet. Dort sind, wie an vielen Stellen im Haus, Treppen gleichzeitig
    als Sitzstufen und Leselandschaften bzw. Auditorien für spontane Aufführungen angeboten. Die vorhandenen räumlichen Qualitäten des Bibliotheksbaus
    mit seinen versetzten Ebenen werden erhalten und durch Fortführung der
    Lufträume in das Erdgeschoss noch verstärkt.

    Den neuen Haupteingang vom Celibidache-Forum erreicht man barrierefrei
    über eine in die Treppenanlage integrierte Rampe. Von dort aus betritt man
    eine im Erdgeschoss alle Bereiche verbindende neue Erschließungshalle.
    Diese kann auch direkt von der S-Bahn kommend - über einen weiteren 'Haupteingang'
    nach Osten betreten werden. Hier sollte die Wegeführung von den Arkaden
    zum neuen Eingang überdacht werden, die den Besucher zwingt den
    Regenschutz zu verlassen.

    Im Inneren wird der Besucher von den Empfangsbereichen im Erdgeschoss
    durch großzügige mehrgeschossige Öffnungen in der 'Kulturbühne' nach oben
    geführt. Im 1. OG verbindet die Kulturbühne alle Nutzungen räumlich und inhaltlich
    - von hier sind - dem Konzept des Ursprungbaus folgend - alle Säle erschlossen.
    Das Konzept der Architektengemeinschaft Raue Rollenhagen Lindemann
    Grossmann wird hier räumlich und inhaltlich durch einen stärkeren Außenbezug
    und die Mehrgeschossigkeit dieses Verbindungselements erweitert.
    Das Angebot einer alle Bereiche verbindenden, mit unterschiedlichsten Angeboten
    durchsetzten 'Kulturvermittlungsebene' im 2. OG wird begrüßt - ebenso
    wie der 'Lehrgarten' auf dem Dach der 'Kulturbühne' oder der Forumssaal am
    Ostende der Kulturbühne, der gleichzeitig als Erschließungselement die Ebenen
    verbindet und die Aktivitäten nach außen und innen erlebbar macht.
    In einzelnen Bereichen der Hochschule für Musik und der Volkshochschule wird
    die Belichtungssituation sehr kritisch gesehen, insbesondere im Erdgeschoss
    und dem 1. OG, in denen Lehrräume unbelichtet bleiben. Generell ist die zu erwartende
    Aufenthalts-Qualität der Innen- und Außenräume jedoch hoch - und
    weist zahlreiche informelle und formelle Interaktionsmöglichkeiten auf. Geschickt
    werden dabei durch den Bestand erzeugte 'Probleme' zu Chancen umgedeutet
    - wie etwa bei dem die Kulturbühne kreuzenden Treppenhaus im Westen,
    das zur Raumskulptur einer zweigeschossigen Kleinbühne umgedeutet
    wird und den 'Canaletto'-Ausblick auf die Stadt München zelebriert.

    Die funktionalen und inhaltlichen Vorgaben der Nutzer sind in dieser Arbeit sehr
    weitgehend umgesetzt. Die Arbeit zeigt dabei in vielen Bereichen Potentiale
    auf, wie durch intelligente Umprogrammierung und Umnutzung die Planungsziele
    eines schonenden Umgangs mit dem Bestand und dennoch eine bessere
    Funktionalität und auch Wirtschaftlichkeit im Betrieb erreicht werden können. So
    wird etwa die neue, attraktiv im Sockel nach Westen positionierte Künstlerkantine
    mit Künstlereingang über eine gemeinsam mit dem Restaurant ‚gast‘ genutzte
    Küche versorgt. Auch das komplexe Problem der Anlieferung wird durch
    einen punktuellen Eingriff, eine Rampe direkt von der Straße am Gasteig geschickt
    gelöst. Die neue Ausfahrt nutzt die bereits vorhandene Ein- und Ausfahrt
    der Tiefgarage. Die gestalterische Ausformulierung des dadurch im Sockel
    zur Rosenheimer Straße zwangsweise entstehenden großen Lochs ist nicht gelöst.
    An der neuen Zufahrt ist ein neuer Lastenaufzug strategisch geschickt positioniert
    - im Inneren werden dafür nur die notwendigen und sinnvollen Änderungen
    wie etwa die Verschiebung einer Treppe vorgenommen. Die Eingriffe
    sind punktuell richtig gesetzt und wirken durch die Übernahme der vorhandenen
    'Sprache' des Gebäudes selbstverständlich.
    Die technische Umsetzbarkeit - mit allen Problemen eines hochaufgeglasten
    Elements wie Sonnenschutz etc. - und der architektonische Ausdruck des
    neuen Elements der 'Kulturbühne' werden kontrovers diskutiert. Hier ist jedenfalls
    eine sehr sorgfältige und hochwertige und auch gestalterisch langlebige
    Ausführung unabdingbar, die dem Anspruch und der Bedeutung dieses - für
    den Entwurf zentralen Bauteils - gerecht wird.


INFO-BOX

Angelegt am 22.05.2018, 15:50
Zuletzt aktualisiert 04.06.2018, 12:39
Beitrags-ID 4-157121
Seitenaufrufe 37