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  • DE-69115 Heidelberg, DE-69117 Heidelberg
  • 05/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-292187)

Bahnhofsplatz Süd in Heidelberg


  • 2. Preis

    © A24 Landschaft + Leon Giseke

    Landschaftsarchitekten
    A24 Landschaft, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Steffan Robel , Jan Grimmek

    Erläuterungstext
    Die Bahnstadt kommt an

    Mit der Bahnstadt Heidelberg entsteht eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in Deutschland - mit über 100 Hektar sogar größer als die Altstadt. Der Bahnhofsplatz Süd spiegelt die Innovationskraft der Bahnstadt wieder und wird zum großzügigen Entree eines neuen, modernen Stadtteils.
    Die zeitgenössische Platzgestaltung des Bahnhofsplatzes Süd versinnbildlicht die Beziehung zwischen Bahnstadt und Bahnhof: Ein Belagsmuster verdichtet sich zum Bahnhof hin und leitet die Verkehrsströme zum Bahnhof. Gleichzeitig inszeniert das Belagsmuster den Bahnhof und die Bahn als Ausgangspunkt der städtebaulichen Entwicklung der Bahnstadt.

    Ein Platz für Alle

    Die großzügige, offene Platzfläche ist nutzungsoffen. Ein Bahnhofsplatz ist immer auch ein Verkehrsplatz und Wegebziehungen prägen den Platz. Auf dem Bahnhofsplatz Süd definieren lange Bänke die Wegebeziehungen, leiten über den Platz und bilden zugleich einander zugewandte Sitzgruppen unter Bäumen.

    Neben den Platz prägenden Sitzelementen entstehen zwischen den Hauptverkehrsströmen weitere, vielfältige Aufenthaltszonen: Kleine, den Gebäuden zugeordnete Bereiche, die sich ideal für Außengastronomie eignen und den Platz lebendig werden lassen.

    Durch das durchgängige und niveaugleiche Belagsmaterial ist der Platz für unterschiedlichste temporäre Veranstalungen geeignet.

    Lange Bänke mit Rückenlehne fassen den Niveauversprung der nördliche Platzkante. Die südexponierten Bänke bieten hier eine besondere Aufenthaltqualität mit einer Blickorientierung über den gesamten Platz. Gleichzeitig bilden sie die Brüstung des „Platzbalkons“ von wo aus sich der Blick über das Gleisfeld auf die Hügel des Odenwald weitet.

    Der Platz öffnet sich nach Süden zum Czernyring und bindet das Kongresszentrum optisch mit in den Platz ein. Die markante Architektur mit dem Arkadengang der Stadtloggia bildet eine starke Wegeverbindung zwischen Banhofsgebäude und Kongresszentrum.

    Ein Platz für Heidelbergs Zukunft

    Im Kontrast zur historischen Altstadt Heidelbergs entsteht mit der Bahnstadt ein überaus moderner Stadtteil, Ausdruck des Spannungsfelds der Wissenschaftsstadt Heidelberg zwischen Tradition und Zukunftsorientiertheit.

    Als Auftakt dieses modernen Stadtteils wird der Bahnhofsplatz Süd mit einem zeitlosen aber zeitgenössischen Materialkonzept gestaltet, ohne Gefahr zu laufen „modisch“ zu wirken.

    Das Belagsmuster des Platzes wird aus kontrastierenden, hellen und dunklen Natursteinplatten (z.B. Bayernwaldgranit) in wechselnden Formaten ausgebildet.

    Durch die durchgängige Verwendung von lackiertem Stahl beim Mobiliar entsteht eine einheitliche, den Platz prägende Mobiliarfamilie. So wird die moderne Fromensprache der Bänke als Stahlbänke mit Holzauflage umgesetzt. Die mehrarmigen Leuchten des Types Palo Alto vom Hersteller Vibia greifen das Farbspiel aus lichten Blautönen des Mobiliars auf. Ergänzt wird das Mobiliar durch Fahrradbügel und Papierkörbe ebenfalls im Farbsprektrum des Mobiliars gehalten.

    Der Bahnhofsplatz verbindet

    Der Bahnhofsplatz Süd bindet die Bahnstadt an den Nah- und Fernverkehr an. Mit zahlreichen Bus- und Tramhaltestellen ist der Platz ein zentraler Verkehrshub der Stadt Heidelberg. Die offene Platzgestaltung trägt der starken Frequentierung des Platzes Rechnung und ermöglicht Wegebeziehungen in alle Richtungen.

    Geschickt gesetzte Bankelemente und Bäume leiten den Radverkehr zur Fahhradrampe. Die Bank um den Rampeneinschnitt lässt diesen zu einem selbstvertändlichen Element des Platzes werden, er wird gut sichtbar und für die Radfahrer leicht ansteuerbar.

    Ein grüner Platz

    Locker über den Platz gestreute Bäume bilden ein grünes Gegengewicht zur Bebauung um den Platz. Der Platz ist durchgängig nutzbar, ohne die Wegebeziehung einschränkende Beete, aber dennoch grün. Die Baumgruppen aus Sophora japonica und Gleditsia triacanthos inermis schaffen mit ihrem dichten und lichten Blätterdach unterschiedlich schattige Bereiche mit angenehmen Aufenthaltsqualitäten. Zusätzlich kühlen sie den Platz und reduzieren die Geräuschkulisse auf dem Platz.

    Zukunft Heidelberg
    Mit dem Bahnhofsplatz Süd als einen der letzen Bausteine der Bahnstadt hat die Stadt Heidelberg die Weichen für die Zukunft gestellt. Für eine lebendige und lebenswerte Stadt, eine Stadt zwischen Zukunft

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Den Verfassern gelingt es mit einer extrem reduzierten Klaviatur an Elementen und Materialien eine prägnante Setzung für den neuen Bahnhof Vorplatz zu schaffen. Der aufgespannte Raum zwischen Hotel und Konferenzzentrum jenseits des Czerny-Rings wird als städtebauliches Kontinuum gestärkt. Mit dem gewählten kontinuierlichen Farbwechsel des Natursteinbodenbelags vom Bahnhof Richtung Bahnstadt wird der Weg in den neuen Stadtteil unter Verzicht jedweder formalen Oberflächengestaltung dramaturgisch geleitet. Die in den Plänen teilweise sehr dunkel dargestellte Bodenmaterialität wird sehr kontrovers diskutiert.

    Die von den Verfassern gewählten Lage und Art der Bäume überzeugen wegen ihrer spielerischen Systematik und erlauben eine maximale Bewegungs- und Nutzungsvielfalt. Die Baumquartiere im Süden sind in Abstimmung den Parkierungszonen im UG gelöst, die Bauminseln im Norden an der Terrasse zum Bahngelände müssen als Hochbeete entwickelt werden. Die Stadtmöblierung mit Sitzgelegenheiten und Beleuchtung verspricht eine zeitgemäße Raumatmosphäre, wenngleich die gewählte Farbigkeit und hohe Anzahl, sowie eine gewisse modische Attitüde kritisch diskutiert wurden. Die direkt vor der Absturzsicherung angeordneten Sitzgelegenheiten können so nicht realisiert werden.

    Der Vorschlag eines »Shared-Space« mit gegenseitiger Rücksichtnahme überzeugt in diesem Entwurf aufgrund der sehr großzügigen und offenen Gestaltung. Etwaige Probleme zwischen Fußgängern und Radfahrern im Bereich Hinführung zur Einfahrtsrampe erscheinen auf Grund der sehr großen Übersichtlichkeit beherrschbar. Auf Grund der gewählten Materialität und der »asketisch« anmutenden Formensprache bewegt sich die Arbeit bei der wirtschaftlichen Betrachtung in einem günstigen Bereich. Es gelingt, sowohl für den Ankommenden vom Bahnhof, als auch für den Passanten am Czerny-Ring einen in sich schlüssigen Stadtraum zu erleben, der in seiner Einfachheit und Klarheit die an den Platz gestellten funktionalen Anforderungen im fair verteilt und in Erinnerung bleibt.