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  • DE-04860 Torgau
  • 05/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-286023)

9. Sächsische Landesgartenschau 2022 in Torgau


  • 1. Preis

    Perspektive

    Landschaftsarchitekten
    Station C23 - Büro für Architektur, Landschaftsarchitektur und Städtebau, Leipzig (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Dr. Sigrun Langner

    Mitarbeit
    Beatrice Puschkarski, Michael Rudolph, Franziska Busch

    Preisgeld
    31.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die Landesgartenschau Torgau steht unter dem Thema Natur - Mensch - Geschichte. Die Natur prägt die Stadt Torgau und ihre Umgebung, sie gibt dem Gartenschaugelände den Rahmen. Der Mensch steht im Mittelpunkt, und mit der Landesgartenschau eröffnen sich neue Möglichkeiten des Miteinanders, der Aneignung neuer Flächen, und des bürgerschaftlichen Engagements. Die Geschichte ist in Torgau präsent
    wie in kaum einer anderen Stadt der Region, sie zieht Besucher an und bereichert das gesamte Projekt.
    Die drei Themen sind räumlichen Schwerpunkten zugeordnet, jedoch gibt es keine eindeutige Trennung, denn alle Themen sind im gesamten Gartenschaugelände, und auch in der gesamten Stadt, immer stark miteinander verknüpft.
    All dies gibt dem zukünftigen Gartenschaugelände bereits jetzt einen starken Charakter – bestimmt durch die Vegetation, die Lebensräume für Tiere und Pflanzen, den Bezug zur Elbe und zur Altstadt, die Geschichte von Renaissance bis Festungsbau. Mit dem Entwurf sollen diese Potentiale aufgegriffen und behutsam weiter entwickelt, sowie auf neue Weise nutzbar gemacht werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser greifen die Leitidee „Natur.Mensch.Geschichte“ prägnant auf und überzeugen mit dem sensiblen gestalterischen Umgang an den verschiedenen Planungsstandorten. Das Spiel zwischen intensiv und extensiv gestalteten Flächen wird standortbezogen sehr positiv bewertet.

    Das signifikante Motiv der „Spangen“ und „Schleifen“ verbindet wie selbstverständlich die unterschiedlichen Stadträume und verwebt sie mit der historischen Siedlungsstruktur, die im Ideenteil eine gekonnte behutsame Akzentuierung mit teilweise neu gestalteten Freiflächen erfährt (Innenhof Proviantmagazin, Spielplatz „Weiße Sonne“).

    Den städtebaulichen Auftakt bildet der wohl proportionierte Bahnhofsvorplatz, der in einer überzeugenden Angemessenheit in das Glacis und die Stadt leitet. Im Glacis wird die historische Befundlage geachtet und sensibel herausgearbeitet. Neue bauliche Anlagen mit „Spangen“ (Stelzenspielplatz, Ornis-Steg, Spange zum Jungen Garten) ordnen sich gekonnt zwischen den ergänzenden Staudenflächen ein und bereichern die Gesamtanlage. In diesem Zusammenhang wäre die Herausarbeitung der historischen Standorte von Denkmälern wünschenswert.

    Der Übergang vom Glacis zum Jungen Garten erfährt eine intensive, pointierte Gestaltung mit Freizeitnutzungen für Jung und Alt, was einen charmanten Mehrgenerationen-Mittelpunkt schafft, wobei hier jedoch Immissionskonflikte zu erwarten sind.

    Der schmale Übergang nach Norden zwischen den Kleingärten besitzt einen sympathischen „Anger-Charakter“ , der als Gemeinschaftsfläche nutzbar ist und endet am „Wiesenbalkon“, von wo sich einzigartige Blicke in die große Eichenwiese mit Kiefernhain, zum Skaterpark, zum Wasser-/Waldspielplatz sowie zum „Deichgucker“ bieten.

    Der Junge Garten besticht in seinem Herantreten an den Landschaftsraum Elbe durch den „Deichgucker“, einem Turm, der über den Deich blicken lässt.
    Im Kontext dazu, tritt das Glacis selbstbewusst mit dem Aussichtspunkt „Elb-Wächter“ an die Elbe, der eine bedeutende Reminiszenz an die Bastion VIII darstellt.

    Die städtebauliche Einbindung des Schlachthofareals gelingt den Verfassern besonders gut mit überwiegend landschaftlichen Elementen. Die Herausarbeitung der Bastion V als Aussichtspunkt und die Einbindung dessen in einen „blumigen Keil“, der als großzügige „Aufenthaltsfuge“ zwischen Stadthalle und dem notwendigen ruhenden Verkehr fungiert, überzeugt im konzeptionellen Ansatz, wird jedoch hinsichtlich der überwiegend gärtnerischen Ausformulierung im Kontext zur Stadthallennutzung kontrovers diskutiert.

    Der gefächert gestaltete Parkplatz setzt bewusst die Fassade des Kalkofens als Kulisse ein, lässt jedoch in vermittelbarer Nachbarschaft zum Wohnen Immissionskonflikte erwarten. Die behutsame kulturelle Aufwertung der Bastion VII wird begrüßt.

    Die verschiedenen Räume sind gelungen miteinander verbunden und erfahren eine gestalterische Symbiose, die die räumliche Qualität neu definiert.

    Die Arbeit erfüllt alle funktionalen Vorgaben sowohl für die Daueranlage als auch für den Zeitraum der Durchführung und überzeugt hinsichtlich der ökologischen, nachhaltigen sowie wirtschaftlichen Aspekte und lässt eine signifikante Umsetzung für Torgau erwarten.