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  • DE-04860 Torgau
  • 05/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-286023)

9. Sächsische Landesgartenschau 2022 in Torgau


  • 4. Preis

    Dauernutzung des Gartenschaugeländes, © geskes.hack Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    geskes.hack Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    10.000 EUR

    Erläuterungstext
    Torgau beeindruckt seine Besucher durch die Lage an der Elbaue und durch seine reiche, kulturhistorische Kulisse. Diese stadträumlichen Potentiale werden durch die Gartenschau besonders herausgearbeitet:
    - Das denkmalgeschützte nördliche Glacis erfährt eine umfassende Sanierung und wird nördlich des Stadtparks durch einen neuen „Jungen Garten“ ergänzt. Die beiden Parkanlagen werden durch einen attraktiven Park-Korridor gut miteinander verbunden.
    - Entlang der alten Stadtmauer werden die Straßen- und Platzräume neu gestaltet. Es entsteht ein zusammenhängender, innerer Altstadtring.
    - Durch die Konversion des ehemaligen Schlachthofareals entsteht, direkt an der Uferpromenade, ein Kulturquartier. Die Stadt wendet sich dadurch noch mehr der Elbe zu.

    Nördlicher Glacis

    Die Grünanlagen, die Plätze und die Wegeverläufe werden im nördlichen Glacis behutsam, nach den Vorgaben des Denkmal- und Naturschutzes saniert und zum Teil auch rekonstruiert.
    Durch wenige, zurückhaltende Eingriffe und Ergänzungen wird der bestehende Park gestalterisch aufgewertet:
    - Durch die Herausnahme des Teichdamms werden die historischen Blickachsen über den Eisbahn-Teich wieder erlebbar.
    - Aussichtsstege entlang der Uferkante laden die Besucher zum Verweilen am Wasser ein.
    - Der vorhandene Waldspielplatz wird kleinräumig erweitert und ergänzt.
    - Die Zugänge von der Bahnhofsstraße und von der Wolffersdorffstraße werden zu einladenden Parkentrees aufgewertet.
    -Entlang der Parkwege bereichern robuste Pflanzungen aus Waldstauen und Gräsern das Glacis.
    - Die Eingänge und die Denkmäler werden durch Schmuckpflanzungen hervorgehoben.
    - Aussichtsplätze an der Elbkante bieten beeindruckende Ausblicke hinab in die weiten Elbwiesen.

    Junger Garten

    Nördlich des Stadtpark-Glacis entsteht mit dem Jungen Garten ein neuer, robuster Park mit einem vielfältigen Spiel- und Freizeitangebot. Ein großzügiger Park-Korridor überbrückt dabei die Distanz durch das Gewerbegebiet und die Kleingartenanlage und verbindet die beiden Parks räumlich und funktional zu einer Einheit.
    Die ehemalige Fertigungshalle eignet sich sehr gut für eine Nachnutzung als Jugendzentrum mit Indoor-Angeboten. Vor der Halle ordnen sich ein Beachvolleyball- und ein Multifunktionsfeld an. Es bietet sich an, die rückwärtigen Mauerflächen der benachbarten Gewerbebauten zu einer Graffitigalerie umzugestalten. Der robuste Vorplatz bildet das belebte Zentrum des neuen Parks.

    Die Kleingartenanlage wird grundsaniert und als öffentlich zugänglicher Kleingartenpark ein integraler Bestandteil des Jungen Gartens. Für die Öffnung des Parzellenbands werden sechs Parzellen an die westlich angrenzende Siedlung verlegt. Sie schirmen hier die Wohnbebauung etwas ab.
    Nördlich der Kleingärten fügen sich mehrere Spielschollen und eine Skateanlage in die vorhandene, lichte Bestandsvegetation ein. Durch die markanten, bespiel- und bekletterbaren Objekte entsteht eine abwechslungsreiche, naturnahe Spiellandschaft. Ein Kletter- und Aussichtsturm am Elberadweg bietet den Besuchern eine weite Aussicht über den Hochwasserdamm zur Elbe und markiert zugleich den östlichen Zugang zum Jungen Garten. Über einen kleinen Steig gelangt man von hier über den Damm zu den weitläufigen Elbwiesen.

    Bahnhofsplatz

    Der Bahnhofsvorplatz wird räumlich erweitert und mit einem hochwertigen und robusten Platzbelag versehen. Ein Wasserspiel akzentuiert die Platzfläche und schafft eine angenehme Aufenthaltsqualität. Durch die Herausnahme der immergrünen Nadelgehölze öffnet sich der Platz visuell zur benachbarten Grünanlage. Stauden- und Gräsertuffs verleihen der kleinen Parkanlage eine heitere und einladende Atmosphäre.
    Der Bahnhofsplatz bildet in Zukunft das repräsentative Entrée zur Stadt. Eine großzügige Wegespange verbindet den Bahnhof mit dem Glacis und dem Stadtzentrum.

    Schlachthofareal

    Das brach liegende Industrieareal erfährt eine Konversion zu einem lebendigen Kulturquartier an der Elbkante. Die Freianlagen um die Stadthalle werden dabei als ein zusammenhängender und vielseitig nutzbarer Festhain begriffen. Der Platz erhält einen hochwertigen und robusten Steinbelag. Ein Hain aus lockerer gestellten und hoch aufgeasteten Großbäumen beschirmt die Platzfläche. Er bietet sich für die Durchführung verschiedener Veranstaltungen wie Bürgerfeste und Open Air Veranstaltungen an. Im östlichen Bereich ist bei Bedarf Raum für ca. 140 PKW-Stellplätze. Neben der geplanten Gastronomie ist im Freiraum Platz für eine Außenbestuhlung. Ein Wasserspiel verleiht dem westlichen Eingangsbereich einen repräsentativen Rahmen und lädt die Besucher zum Verweilen ein. Der kleine Vorplatz am elbseitigen Haupteingang wird durch eine Stele akzentuiert.
    Im Gegensatz zum steinernen Festplatz erhält der nördliche Bereich um die Bastion V und das Zielhaus einen vegetativ geprägten Charakter. Hier ist Raum für einen attraktiven Spielplatz, Freisitze und Fahrradständer.
    Ein abwechslungsreich bepflanztes Vegetationsband vermittelt dabei räumlich zwischen den beiden unterschiedlichen Quartiershälften und verbindet als visuelles Leitelement das Kulturquartier und die benachbarte Elbpromenade.

    Bastion VII

    Die Bastion VII wird als Kultur- und Gastronomieort entwickelt. Ein großzügiger Vorplatz bietet sich als Entree und für Außengastronomie an.

    Ideenteil Altstadtring

    Entlang der alten Stadtmauer werden die Straßen- und Platzräume gestalterisch aufgewertet. Sie verbinden sich zu einer, die historische Altstadt umfassende, Achse öffentlicher Stadträume: dem Altstadtring.

    Der Friedrichplatz

    Der Friedrichplatz wurde in der Gründerzeit als repräsentativer, grüner Gedenkplatz angelegt.
    In Anlehnung an dieses historische aber heute nicht mehr ablesbare Raumkonzept wird vorgeschlagen den innenliegenden Platz als ein offenes, grünes Rasenplateau leicht zu überhöhen und mit einer umlaufenden Sitzstufe einzufassen. Ein breites Wegeband vor der Sitzstufe ermöglicht dem Besucher einen angenehmen, sicheren Aufenthalt auf der „Platzinsel“. Ein Kunstobjekt an der Stelle der ehemaligen Friedrichsstatue markiert den Endpunkt der Bahnhofsachse.

    Rosa-Luxemburg-Platz

    Die historische Platzanlage (Paradeplatz) wird heute überwiegend als Stellplatz genutzt und bietet darüber hinaus wenig Aufenthaltsqualitäten.
    Der Platz sollte, seiner historischen und stadträumlichen Bedeutung entsprechend, wieder ein vielfältig nutzbares Forum öffentlichen Lebens werden. Es wird deshalb eine Verlegung der Stellplätze auf andere innerstädtische Standorte (z.B.: Parkplatz Elbstraße und Schlachthofareal) empfohlen.
    Die Platzfläche wird stufenfrei ausgebildet und mit einem hochwertigen und robusten Steinbelag ausgeführt werden. Der offene Platz erhält an seinen Rändern, nach historischem Vorbild, einen umlaufenden Baumrahmen. Unter den Baumkronen bieten sich geschützte Aufenthaltsbereiche an. Ein Brunnen in der östlichen Platzhälfte bildet einen besonderen Anziehungspunkt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf setzt sich mit dem Motto der Landesgartenschau "Natur-Mensch-Geschichte" auseinander und geht sensibel mit dem vorhandenen Potential an Natur- und Kulturgütern um. Diese Grundhaltung findet positiven Niederschlag sowohl in der Daueranlage als auch in dem Ausstellungskonzept.

    Konsequent ist die Trennung zwischen Glacisbereich, der durch wenige, an historischen Standorten platzierte Gestaltungsinseln und temporäre Pavillons bereichert wird, sowie dem "Jungen Garten", der neue Gestaltungsideen und Funktionen beherbergt. Beide Bereiche verbindet ein klar strukturierter "Parkkorridor", der mit seinem offenen Raumcharakter einen spannungsreichen Kontrast zum baumbestandenen Glacis bildet.

    Dass der Eisbahnteich durch die Wegnahme des Dammes eine zusammenhängende Wasserfläche erhält wird positiv bewertet. Dadurch ist der Raum des ehemaligen Inundationsbeckens wieder in seiner historischen Form wahrnehmbar. Erlebbar wird die Wasserfläche durch einige ans Ufer führende Stege. Die Machbarkeit dieser Gestaltungsvorschläge ist jedoch aus wassertechnischer und naturschutzfachlicher Sicht offen.

    Das historische Wegesystem wird respektiert. Begrüßenswert ist die Ausbildung einer Wegeverbindung, die vom "Jungen Garten" über das Glacis und die Bastion 7 bis ins historische Stadtzentrum führt. Für die Zeit der Gartenschau ist dafür über einen zusätzlichen Zugang nachzudenken.

    Schwächen zeigt der Entwurf im Bereich des "Jungen Gartens". Zwar sind hier wichtige, von der Stadt Torgau gewünschte Funktionen wie eine Skaterbahn verortet, doch folgt die Anordnung der Aktionsbereiche keinem schlüssigen Konzept. Auch ist die Standortwahl für das "Parkfenster" kaum nachvollziehbar.

    Die visuelle Einbeziehung der Elbaue ist durch verschiedene Aussichtspunkte gegeben. Durch die Umgestaltung des ehemaligen Schlachthofareals zu einem "Kulturquartier" erhält die elbseitige Promenade einen neuen Anziehungspunkt. Der Parkplatz ist durch eine regelmäßige Baumpflanzung logisch gegliedert. Durch ein attraktives Blumenband wird er effektvoll vom Zielhaus, der Bastion V und einem Spielplatz getrennt. Dieses korrespondiert mit zwei "blühenden Elbkähnen" am Wasserwanderrastplatz.

    Die Darstellung des innerstädtischen Grüns ist in Abschnitten eher schematisch, lässt aber dennoch ein durchdachtes, auch den äußeren Ring einbeziehendes System erkennen.

    Positiv zu werten sind die Beachtung wirtschaftlicher Aspekte und die Nachhaltigkeit des Gartenschaukonzeptes, das insgesamt wenig Rückbau erfordert.