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  • DE-04860 Torgau
  • 05/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-286023)

9. Sächsische Landesgartenschau 2022 in Torgau


  • Anerkennung

    © Visualisierung: www.lindenkreuz-eggert.de

    Visualisierer
    LINDENKREUZ EGGERT | Bildermacherei & Utopografie, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Georg Lindenkreuz , Enrico Eggert

    Mitarbeit
    Johanna Konopatzky

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten, Architekten, Stadtplaner: QUERFELD EINS Landschaft | Städtebau | Architektur PartGmbB, Dresden (DE)

    Preisgeld
    6.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Als übergeordnete Leitidee des Konzeptes sollen tiefere „Ein- und Ausblicke“ in die
    historischen und landschaftsräumlichen Bezüge der Torgauer Stadtentwicklung gewährt und die Wahrnehmung für die Besonderheiten des Ortes sensibilisiert werden. Dafür setzen sich die Verfasser sehr dezidiert mit der Stadtgeschichte, den erhaltenen Zeitzeugen und den landschaftsräumlichen Besonderheiten Torgaus auseinander und generieren spannende, gut gesetzte Einblicke in die Geschichte der Torgauer Stadtentwicklung und ihren gartenkünstlerischen und naturräumlichen Besonderheiten, wie den ehemaligen Glacsisanlagen, der Eisbahnwiese und der Elbaue.
    Die Themen der Landesgartenschau „Natur, Mensch und Geschichte“ werden dem Besucher durch gezielte Interventionen (wie Informationsstelen und Möblierung) auf subtile Art und Weise näher gebracht. So werden einerseits historisch bedeutsame Orte wie das „Denkmal für die Gefallenen“ und das „Wolfersdorf Denkmal“ in den Glacisanlagen durch sensible Veränderung der Wegeführung und kleine Platzaufweitungen neu inszeniert und durch weitere Informationen zur Torgauer Geschichte wie der „Geschichtsstafel über den 2. Weltkrieg“ ergänzt. Die naturräumlichen Besonderheiten und die ökologische Bedeutung der vorhandenen Parkstrukturen und Landschaftsräume sollen durch Naturdenkmale, Lehrpfade, Naturspielplätze und ein blaues Klassenzimmer auf vielfältige Weise vermittelt und erlebbar gemacht werden. Neben den geschichtlichen und naturbezogenen „Einblicken“ werden an ausgewählten Stellen, wie dem Steg in den Eisbahnwiesen und dem Elbbalkon durch neue „Ausblicke“ die reizvollen Landschaftsräume Torgaus wirkungsvoll in Szene gesetzt. Auf gesamtstädtischer Ebene werden die alten Stadtstrukturen aus vergangenen
    Jahrhunderten wieder belebt und in Szene gesetzt. Der Leipziger Wall, die Promenade und der Friedrichsplatz entlang des inneren Stadtrings sollen behutsam nachgezeichnet und durch die gestalterische Aufwertung defizitärer Bereiche, wie dem Rosa-Luxenburg Platz, dem Parkplatz an der Elbstraße und dem Bäckereigarten zu einem durchgängigen
    Stadtraum verwoben werden. Die ursprünglichen landschaftsräumlichen Strukturen der Glacisanlage mit ihren wertvollen Auwäldern, der sogenannten Eisbahnwiese und der historischen Erschließungs- und Gehölzstruktur werden in ihrer Charakteristik erhalten und durch sensible Ergänzungen der Wegestruktur besser erschlossen. Die angrenzenden Areale werden sinnvoll angebunden. Weniger sensibel erscheint allerdings die Setzung und Ausformulierung des Naturstrandes. Hinsichtlich seiner Lage und Größe stellt der Strand an dieser Stelle einen starken Eingriff in die Natur und Landschaft dar. Insbesondere die Schutzziele des Arten-und Biotopschutzes finden hier keine Berücksichtigung. Als verbindendes Element zwischen dem Glacis und dem Jungen Garten wird eine Plaza vorgeschlagen, die für die Dauernutzung ein Multifunktionsspielfeld und Flächen für Urban Gardening anbietet. Während die Plaza für das Ausstellungskonzept sehr gut zoniert und bespielt erscheint, ist vor allem die Spielfeldnuztung im Dauerkonzept hinsichtlich der Lage und Lärmimmission in diesem zentralen Bereich kritisch zu bewerten. Im nördlich angrenzenden Jungen Garten spannen intensive Nutzungen wie eine Skate- und Parcousranlage im Westen und ein Elbbalkon im Osten einen nutzungsoffenen zentralen Raum auf, der an Querungen weitere Nutzungen, wie Boule, Spiel und Picknick ermöglicht. Während diese Nutzungszonierungen überzeugen, erscheint die funktionale Trennung der
    BMX Bahn von der Skateanlage nicht sinnvoll. Die Idee des Elbbalkons, der einen freien Ausblick über den Deich auf die Elbauen gewähleistet wird zwar ausdrücklich befürwortet, allerdings hinsichtlich der Umsetzbarkeit an dieser Stelle bezweifelt, weil die Realisierung einen massiven Eingriff in das bestende Hochwasserschutzbauwerk darstellen würde. Eine besser Möglichkeit des Ausblicks bietet hingegen die Landschaftsschaukel, welche den Aussichtspunkt an der ehemaligen Bastion VIII neu inszentiert und einen hohen Erlebniswert erwarten lässt. Die Bastion am Schlachthofgelände wird als Spielhügel mit Hangrutsche und Klangspielplatz sehr schön bespielt. Allerdings funktioniert der vorgeschlagene Spielbereich nur während der Gartenschau und verliert in der Dauerkonzeption vis-a-vis des großen Parkplatzes deutlich an Aufenthaltsqualität.
    Insgesamt überzeugt die Arbeit durch ihren sensiblen Umgang mit dem Bestand, basierend auf einer sehr tiefen Durchdringung und Kenntnis der örtlichen Besonderheiten, unter besonderer Berücksichtigung der Schutzziele des Denkmal-, Biotop- und Naturschutzes. Die Akzentuierung dieser behutsamen schlüssigen Planung durch intensivere Entwurfselemente wie den Steg an den Eisbahnwiesen, den Naturstrand und den Elbbalkon hätte hinsichtlich ihrer Lage, Form, Größe und Funktion allerdings prägnanter gesetzt werden und so für die Landesgartenschau und darüber hinaus eine größere Strahlkraft entwickeln können.