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  • DE-09120 Chemnitz, DE-09112 Chemnitz
  • 04/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-282310)

Neubau Oberschule am Richard-Hartmann-Platz in Chemnitz


  • Anerkennung

    © Arbeitsgemeinschaft RA/JBS

    Architekten
    JORDAN BALZER SCHUBERT Architekten PartG mbB, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Rico Schubert , Alexander Balzer , Tobias Jordan

    Mitarbeit
    Stefan Görner

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Rieger Architektur, Dresden (DE)
    Landschaftsarchitekten: LOR Landschaftsarchitekten Otto + Richter, Dresden (DE)
    Visualisierer: LINDENKREUZ EGGERT | Bildermacherei & Utopografie, Dresden (DE)

    Preisgeld
    4.750 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit einem in zwei Flügel gegliederten Schulgebäude bezieht sich der Entwurf auf beide architektonischen Referenzen im Umfeld – den Straßenraum an der Hartmannstraße und das Hallenensemble westlich des Hartmann-platzes. Auf der Nordseite wird gegenüber der kraftvoll auftretenden Polizeidirektion ein Vorplatz aufgespannt, der von dem viergeschossigen Nordflügel der Oberschule angemessen gerahmt wird. Die Dimensionierung und Ausformulierung an der Richard-Hartmann-Straße werden im Preisgericht kritisch gesehen.
    Der auf drei Geschosse zurückgenommene Südflügel orientiert sich zu den dort anschließenden Freiräumen – dem direkt zugänglichen Pausenhof und den Sportanlagen. Diese Konfiguration ist nachvollziehbar, die schräg abgeschliffenen Gebäudeecken wirken allerdings etwas manieriert und schwächen den architektonischen Auftritt des Gebäudes.
    Die horizontal strukturierte Fassade mit den abgeschrägten Faschen soll zwischen den historischen Gebäuden im Umfeld und der Axiomatik des zeitgemäßen Schulbaus vermitteln. Eine Bildungseinrichtung von Rang könnte jedoch durchaus selbstbewusster auftreten. Der vollständig verglaste und etwas eingezogene Eingangsbereich ist als Antwort auf den Vorplatz, Stadtbahnhaltestelle und die zu erwartenden Fußgängerströme gut nachvollzielbar und angemessen.
    Der sich nach oben öffnende Innenraum kultiviert den Blick zu den südlich anschließenden Freiräumen und erzeugt eine angenehme Atmosphäre. Die Integration der Mensa fördert den weiten Raumeindruck, könnte je-doch zu Konflikten in der alltäglichen Nutzung führen. Die Grundrisse sind im Grundsatz plausibel und funktionsfähig organisiert. Durch die Anordnung der Differenzierungsräume jeweils zwischen zwei Klassenräumen sind die Möglichkeiten einer besonderen Förderung von Schülern bis hin perspektivischen Realisierung von Inklusion gegeben. Lediglich Mensa und Foyer können für schulische Veranstaltungen genutzt werden. Der separat ausgewiesene Mehrzweckraum und Fachraum Musik liegen zu weit entfernt und bieten keine Mehrfachnutzungsmöglichkeit. Die vorhandenen Toiletten sind für das Schüleraufkommen nicht ausreichend, jedoch durch die zwei Standorte je Etage gut verteilt. Auch führt die Zweigliedrigkeit des Baukörpers zu Orientierungsproblemen und teilweise langen Wegen über die Verbindungsflügel.
    Die angebotenen drei Treppen im Gebäude reichen rechnerisch aus. Es ist jedoch zu erwarten, dass sich die Schüler Richtung Foyer orientieren, was die Dimensionierung der vorderen Treppe als grenzwertig erscheinen lässt.
    Der Arbeit gelingt ein selbstverständlicher Übergang von öffentlichem zum kollektiven Raum, sowie eine harmonische Verzahnung von Innen- und Außenraum. Der Ansatz der Verzahnung von Schulfreiflächen mit dem Grünraum wird konzeptionell positiv gesehen, jedoch können die gewählten Motive und Zuordnungen nicht in Gänze überzeugen: So ist die gewünschte Fußwegverbindung gekappt, ein Teil der Stellplätze auf ein Nachbargrundstück verlagert und der vorgeschlagene Shared Space an der Hartmannstraße nicht umsetzbar.
    Die BGF und das Verhältnis von Nutz- zu Verkehrsfläche lassen auf eine wirtschaftliche Realisierung schließen. Einschränkend stehen dieser der gegliederte Baukörper und eine leichte Konstruktion mit begrenzter Speicher-fähigkeit gegenüber.
    Insgesamt bieten die Verfasser einen guten Entwurf an, der vor allem durch den Innenraumatmosphäre über-zeugt. In Bemühen um kontextuelles Bauen – einem räumlichen Bezug sowohl zur Polizeidirektion als auch zum historischen Ensemble der Hartmannhallen – verfangen sie sich in einem konzeptionellen Zwiespalt, der sich in Funktion und Architektur nachteilig auswirkt.