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  • DE-72622 Nürtingen, DE-72622 Nürtingen
  • 06/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-281030)

Wohnbaugebiet Bergäcker in Nürtingen


  • 2. Preis

    Lageplan

    Stadtplaner
    FSP Stadtplanung, Freiburg im Breisgau (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: K9 ARCHITEKTEN Borgards.Lösch.Piribauer, Freiburg im Breisgau (DE)
    Landschaftsarchitekten: faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    15.000 EUR

    Erläuterungstext
    Idee des neuen Stadtquartiers
    Das neue Quartier Bergäcker wird durch vier größere Baufelder definiert, die sich um eine gemeinsame Mitte anordnen. Anknüpfungspunkte der Erschließung und kleine Freiräume definieren die Baufluchten und Hausgrundstücke und erzeugen eine einfache und übersichtliche Grundstruktur für den neuen Ort. Bauparzellen und Freiräume, Straßen und Wohnhöfe lassen ein maßstäbliches Quartier mit hoher Identifikation für seine Bewohner entstehen.

    Einbettung in den vorgefundenen Ort
    Das Quartier Bergäcker passt sich in die vorhandene Umgebung ein. Zum östlich gelegenen Bestandsquartier wird ein kleiner grüner Korridor entstehen, der mit den ortstypischen Obstbäumen und der Möglichkeit zum gemeinsamen Urban Gardening etwas Abstand zur bestehenden Bebauung definiert und einen übersichtlichen Kreuzungspunkt mit der erweiterten Buslinie schafft. Auch mit dem Schulcampus wird ein gemeinsamer Freiraum definiert, in dem die neue Kita sehr selbstverständlich integriert wird. Die kleine Talsenke im Westen des Areals ist Ort für eine kleine Freiraumzäsur mit Landschaftsfenster und Blick in die Ferne von der Mitte des Quartiers aus. Die verkehrliche Anbindung wird so kurz wie möglich gewählt. Sie knüpft an die Kreuzung Robert-Bosch-Straße und trifft in einem leichten Bogen die Mitte des neune Quartiers.

    Die Bauquartiere: Parzellen in Nachbarschaft
    Das Quartier setzt sich aus mehreren Wohnfeldern bzw. Bauquartieren zusammen. Die meisten Gebäude orientieren sich nach Süden. Versatze in der baulichen Struktur ermöglichen schöne Ausblicke und lassen auch tiefer stehendes Sonnenlicht in die Wohnhöfe fallen. Die Baustruktur ermöglicht differenzierte Bauweisen, die unterschiedlichsten Bautypologien können im Verlauf der weiteren Planung weiterentwickelt werden ohne die städtebauliche Figur zu verlassen. Es entsteht ein Quartier mit einer gut durchmischten Nachbarschaft, die sich in den gemeinsam genutzten Wohn- und Spielstraßen trifft.

    Lagen
    Die städtebauliche Figur kreiert viele gute Wohnungslagen. Erdgeschosswohnungen erhalten große und gut belichtete Gartenanteile. Größere Wohnungen sind von drei Seiten belichtet, in den Dachgeschossen können große Dachterrassen oder Dachgärten entstehen. Durch die fast allseitige Randlage und dem „inneren Rand“
    an den Freiräumen ergeben sich für viele Wohnungen tolle Ausblicke mit grüner Optik. In der Quartiersmitte werden alle gemeinschaftlichen Nutzungen in einem Gebäude am Platz untergebracht. Café und Familienzentrum erhalten eine schöne Westausrichtung auf den Platz, Jugend und Kita liegen in unmittelbarer Nachbarschaft. An dieser Stelle sind auch weitere kleinere Büroeinheiten oder auch ein kleiner Quartiersladen denkbar.

    Erschließung und Vernetzung
    Das neue Wohngebiet wird von Norden her erschlossen. Es gibt nur eine Zufahrt für den KFZ Zielverkehr. Bei Bedarf kann ein Behelfsanschluss im Osten über den Akazienweg aktiviert werden. Dies ist auch die Verbindung für den Bus und den Radverkehr in Richtung Innenstadt. Fast alle Häuser werden über zwei kleine Straßenringe direkt angebunden, kleinere Stichstraßen komplettieren das Netz. Damit entsteht eine sehr effektive Erschließung, Müll- und Feuerwehrfahrzeuge erreichen jede Wohneinheit. Die Stellplätze für die Wohnungen sind in gemeinsamen Tiefgaragen unter den Baufeldern vorgesehen, die öffentlichen Stellplätze sind dezentral im Gebiet verteilt. Bei Doppelhäusern kann auch am Haus geparkt werden. Für die Fuß- und Radfahrer sind weitere Anschlüsse vorgesehen, insbesondere die Verbindungen zu den bestehenden Wohngebieten und Innenstadt sollen aktiviert werden.

    Freiraum
    Der öffentliche Freiraum versteht sich zum einen als gemeinsame grüne Naht zwischen Neubaugebiet und Bestand. Zum anderen ist er Ausgleich für eine eher dichte Bebauung im Quartier. Er nimmt neben der Kita kleinere Spielflächen und Spielplätze auf und dient dem Mikroklima. Eine offen geführte Regenentwässerung ist angedacht und unterstreicht den ökologischen Ansatz. Die Gestaltung und die Zuweisung der Freiräume besitzt eine hohe Priorität. Grundsätzlich werden private und öffentliche bzw. halböffentliche Freiräume definiert. Die meisten Erdgeschosswohnungen erhalten einen kleinen Terrassen- und Gartenanteil, geschützt in den privaten Wohnhöfen. Die verkehrsberuhigten Straßen im Gebiet sind wesentlicher Bestandteil des gemeinsamen Lebens im neuen Viertel. Sie sind für den Fußgänger und vor der Haustür spielende Kinder vorgesehen. Das Auto soll nur an wenigen Stellen sichtbar bleiben. Wichtig dabei sind die überall im Quartier vorgesehenen Vorgartenzonen, die sich die Bewohner individuell aneignen werden. Spielen auf der Straße und Werkeln im Vorgarten sind ein Garant für eine lebendige Nachbarschaft.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Leitidee des Entwurfs ist klar und konsequent formuliert: vier überschaubare Nachbarschaften gruppieren sich um einen gemeinsamen Quartiersplatz. Der gut proportionierte Platz gibt einerseits den Quartieren Adresse und Identität und verknüpft andererseits die vorgeschlagenen Freiraumbezüge. Vorgeschlagen werden: eine Grünfuge zur Landschaft mit Regenwasserableitung nach Westen, die Erweiterung des bestehenden Schulcampus mit Spielpark und Kindergarten, sowie ein Freiraumband nach Norden mit Aussichtsfenster zum Stadtzentrum. Zum Bestand im Osten hin schafft eine angemessen dimensionierte Grünzäsur Distanz und Nähe zugleich.
    Größe, Gliederung und Ausrichtung der Baufelder fördern eine flexible und robuste Entwicklung von sozial gemischten Nachbarbarschaften und versprechen eine hohe Wohnqualität. Die bauliche Dichte dürfte dabei höher ausfallen.
    Die Erschließung ist in sich logisch aufgebaut. Die Haupterschließung erfolgt von der Südtangente und mündet jeweils in einem Erschließungsbügel im westlichen und östlichen Teilquartier. Dadurch sind nahezu alle Wohneinheiten direkt zu erreichen, was die Adressbildung und Orientierung vereinfacht. Über den Akazienweg wird das Quartier in das Busliniennetz integriert, die Haltestelle liegt konsequenter Weise am Quartiersplatz. Die Parkierung erfolgt im Wesentlichen in Tiefgaragen. Leider fehlen Angaben über eine Parkierung für kostengünstigen, geförderten Wohnungsbau. Die Erschließung der umliegenden landwirtschaftlichen Flächen ist nicht gelöst.
    Die Arbeit liegt bei der Anzahl der Wohneinheiten leicht unter dem Durchschnitt. Positiv wird festgehalten, dass der Erschließungsflächenanteil geringer als der Durchschnitt ist.
    Insgesamt überzeugt der Entwurf durch sein klares, räumliches Konzept, die gelungenen Freiraumbezüge und seine Flexibilität angesichts zukünftiger Entwicklungsmöglichkeiten.