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  • DE-78464 Konstanz, DE-78628 Rottweil
  • 06/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-270685)

Neubau Justizvollzugsanstalt in Rottweil


  • 1. Preis

    © OBERMEYER Planen + Beraten

    Architekten
    OBERMEYER Planen + Beraten, München (DE), Berlin (DE), Hannover (DE), Stuttgart (DE), Wiesbaden (DE), Köln (DE), Hamburg (DE), Erfurt (DE), Neu-Ulm (DE), Dresden (DE), Leipzig (DE), Chemnitz (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: el:ch landschaftsarchitekten, München (DE), Berlin (DE)
    Visualisierer: 3DWAY architectural graphics, München (DE)

    Preisgeld
    90.000 EUR

    Erläuterungstext
    In den letzten Jahren zeigte sich die Belegsituation im baden-württembergischen Justizvollzug zunehmend angespannt. Eine neue, multifunktionelle JVA mit 500 Plätzen stellte sich als unabdingbar heraus. Jetzt soll dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt werden. Zu diesem Zweck lobte das Land Baden-Württemberg einen zweistufigen europaweit offenen Realisierungswettbewerb aus, den OBERMEYER klar für sich entscheiden konnte.

    Bei den Wettbewerbsvorgaben dominierte neben der landschaftlichen Einbindung des Gebäudekomplexes auch die wirtschaftliche Umsetzbarkeit.
    Standort der neuen JVA ist das „Esch“, eine Freifläche nördlich von Rottweil. Rund zwölf Hektar Fläche sind für den Bau nötig. 470 der 500 Haftplätze befinden sich im geschlossenen Bereich. Hier werden Strafgefangene und Untersuchungsgefangene untergebracht. 30 weitere Plätze bietet ein Freigängerheim. Eröffnung ist voraussichtlich 2025.

    Der geometrisch klar definierte Gebäudekomplex bildet eine Synthese mit dem weich geformten Landschaftsraum. Die Gebäude sind L-förmig angeordnet, zum Neckartal nach Osten und dem Waldrand im Süden hin erstrecken sich die drei T-förmigen Bauten mit Hafträumen. Alle Dächer sind begrünt. Das Areal wird von einer 5,5 m hohen Außensicherung umschlossen. Das Freigängerheim liegt außerhalb und soll als Kommunikationsplattform zwischen Innen und Außen fungieren.
    In der Nähe der Torwache befinden sich Besucher-, Verwaltungs- und Aufnahmeräume sowie eine separat zugängliche Dreifachsporthalle.
    Der L-förmige Hauptbaukörper entwickelt sich entsprechend der Hangneigung vom eingeschossigen Zugangsbereich zu den dreigeschossigen Haftbereichen. Im Gebäude befinden sich ferner Bereiche für Bildung und Freizeit, eine Gesundheitsabteilung, Werkstätten, Sportflächen sowie Ver- und Entsorgungseinrichtungen. Für eine attraktive, räumliche Gliederung sorgen begrünte Innenhöfe.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit überzeugt in der städtebaulichen-landschaftlichen Einbindung durch die Entwicklung des Gebäudekomplexes entlang der Höhenlinien. Die klare Gebäudegeometrie bildet hierbei einen reizvollen Kontrast zur weich geformten Landschaft. Diese Positionierung der Gebäudevolumetrie auf dem Gelände schafft einen großzügigen Freiraum im Nordwesten und erzeugt Distanz der Gebäude zum Naherholungsweg.

    Die Gliederung der Baukörper durch eingestellte Höfe erzeugt eine im Inneren und Äußeren wahrnehmbare Differenzierung und Maßstäblichkeit der Gesamtanlage.

    Das äußere Erscheinungsbild ist pragmatisch und angemessen für ein Funktionsgebäude dieser Art, gleichwohl zeigt es mit der gewählten Materialität und den farblichen Bezügen zur Landschaft einen sensiblen Umgang mit dem Ort. Die notwendigen Einfriedungen sind in das gestalterische Konzept eingebunden.

    Das Raumprogramm ist bis auf zu geringen technischen Funktionsflächen gut erfüllt. Die grundsätzliche Zonierung der Anlage ist schlüssig und strukturell klar aufgebaut. Die funktionalen Anforderungen insbesondere an die Haftgebäude werden sehr gut erfüllt.

    Kritik gibt es an den folgenden Punkten: Die Flächen im Bereich der Zuliefersituation, des Zugangs zur Andienung und das Vorfeld des Zentrallagers und der Werkstätten sind unterdimensioniert. Ebenso wird die Nähe des Andienungsbereiches zu den Sportfreiflächen kritisch gesehen.

    Die Kennwerte liegen im wirtschaftlichen Bereich. Besondere Schwierigkeiten hinsichtlich der Konstruktion sind nicht zu erkennen. Durch die Lage des Entwurfs auf der Kuppe und den Höhenlinien folgend sind auch die Eingriffe in den Baugrund überschaubar.

    Das Preisgericht würdigt die Arbeit als inspirierenden und intelligenten Beitrag - insgesamt eine Arbeit, die einen sehr eigenständigen Beitrag zur gestellten Aufgabe liefert durch die Positionierung im Gelände und die Gliederung der Baukörper. Insbesondere die funktional klaren und einzelnen Haftgebäude sind so in die Gesamtanlage integriert, dass nicht die Assoziation JVA im Vordergrund der Wahrnehmung steht, insbesondere von der wichtigen Aussicht vom Testturm.