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  • DE-78464 Konstanz, DE-78628 Rottweil
  • 06/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-270685)

Neubau Justizvollzugsanstalt in Rottweil


  • Anerkennung


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    Architekten
    Pasztori & Simons Architekten PartmbB, Berlin (DE)

    Verfasser
    Andreas Boden , Dr. Holger Krühne , Wolfgang Thal

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: studio boden, Graz (AT)

    Preisgeld
    20.000 EUR

    Erläuterungstext
    Der Entwurf nutzt die stark bewegte Topographie, um das komplexe Gebäudevolumen der JVA in den Landschaftsraum einzubetten.
    Die Hanglage wird genutzt, um die großen Volumen der Werkhallen in das Tal hinein zu organisieren, während die Haftgebäude auf der flachen Hochebene platziert werden. Auf den Werkhallen sind die gemeinschaftlichen, kleinteiligeren Nutzungen angeordnet, die so einerseits erdgeschossig direkt von der Magistrale zugänglich sind und andererseits schöne Ausblicke in die umgebende Landschaft ermöglichen.
    Die Ausgestaltung der architektonischen Elemente und die Materialwahl sind je nach Nutzungsbereich differenziert, robust und angemessen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die neue JVA wird auf kurzem Weg von Westen erschlossen, die Funktionen sind stringent an einer von Westen nach Osten laufenden, dem Geländeverlauf folgenden Magistrale aufgereiht. Die gesamte Anlage hält einen gebotenen Abstand zur sensiblen Hangkante des Neckars. Die Freiflächen liegen an den richtigen Stellen, so dass die Sichtbeziehungen insbesondere von Tierstein her als sehr verträglich eingeschätzt werden.

    Die Verfasser reagieren angemessen auf die vorhandene Topografie, indem sie die großflächigen Nutzungen auf der tiefer liegenden Südseite des Geländes an- und damit unterordnen. Die auf Ebene -2 liegenden Werkstätten werden über einen Tiefhof und das Zentrallager erschlossen und ver- und entsorgt. Sie werden allen vollzuglichen und betrieblichen Anforderungen gerecht. Allerdings ist zu prüfen, ob die Rampenzufahrt mit 10 % Gefälle bei den hiesigen klimatischen Bedingungen vertretbar ist.

    Auf den Werkstätten sind die gemeinschaftlichen, kleinteiligeren Nutzungen angeordnet, die so einerseits erdgeschossig direkt von der Magistrale zugänglich sind und andererseits schöne Ausblicke in die umgebende Landschaft ermöglichen. Hier wird eine große Qualität für Bedienstete und Besucher, aber auch für die Nutzer der Schule, der Bibliothek, des Raumes der Stille u.a. erwartet.

    Die Sporthalle befindet sich im direkten Umfeld der Torwache und ist somit auch für Externe unproblematisch zugänglich. Das Klein- und das Großspielfeld sind jedoch hiervon räumlich getrennt; sie liegen im Norden und bilden einen angemessenen Puffer zum öffentlichen Rad- und Wanderweg, könnten jedoch auch eine Belastung der in direkter Nachbarschaft gelegenen Zellenbereiche darstellen.

    Nördlich der Magistrale sind die drei jeweils 4-fingrigen Hafthäuser angeordnet. Die einhüftige Platzierung der Zellen, deren Ausrichtung nach Süd-West, Nord-West und Süd-Ost ermöglicht Blicke in die Landschaft, ohne Konflikte wegen unbotmäßiger Kontaktaufnahme zu erzeugen. Auch die zugeordneten Höfe werden als praktikabel und angemessen eingeschätzt. Die innere Organisation der Hafthäuser und der Kontrollstützpunkte sowie die Anbindung der Hafthäuser auf kurzem Weg erfüllen die vollzuglichen Anforderungen vorbildlich. Lediglich eine interne Verbindung der Kontrollstützpunkte über die Ebenen ist nicht erkennbar und müsste nachgewiesen werden.

    Die Ausgestaltung der architektonischen Elemente und die Materialwahl sind je nach Nutzungsbereich differenziert, robust und angemessen. Für die Haftzellen werden raumhohe Festverglasungen mit einem kleinen Öffnungsflügel angeboten, um den Naturraum besser erlebbar zu machen. Dieser Standard wird kontrovers diskutiert. Sowohl die Wirtschaftlichkeitswerte als auch die energetischen Kennwerte liegen im Durchschnitt und lassen eine angemessene Lösung erwarten.

    Der Entwurf mit den nördlich angeordneten Zellenbaukörpern irritiert zunächst. Bei näherer Betrachtung ist jedoch erkenntlich, dass die Zonierung und Ausgestaltung der komplexen Funktionsbereiche intelligent und der Nutzung und auch dem sensiblen Naturraum gegenüber angemessen gelungen sind.

    Somit bietet der vorliegende Entwurf einen guten Beitrag zur Lösung der anspruchsvollen Aufgabenstellung.


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