loading
  • 4. Preis

    © rendertaxi GmbH / ACMS Architekten GmbH

    Architekten
    Architektur Contor Müller Schlüter, ACMS Architekten GmbH, Wuppertal (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: KRAFT.RAUM., Krefeld (DE), Düsseldorf (DE)

    Erläuterungstext
    Der Neubau des Gymnasiums Langenhagen liegt im öffentlichen Grüngürtel, welcher sich von den östlich gelegenen Kaltluftentstehungsgebieten der Wietzeaue bis zur Langenhagener Kernstadt zieht. Mit den sich daraus ergebenen städtebaulichen und stadtklimatischen Rahmenbedingungen geht der Entwurf sensibel um. Der vorhandene Gehölzbestand bleibt mit Ausnahme der quer zur Kaltluftleitbahn stehenden Baumreihe größtenteils erhalten. Die Versiegelung der Freiflächen ist minimiert, ein Großteil der Dachflächen wird begrünt. Die Kubatur des Neubaus wird gegliedert in 3 dreigeschossige Gebäude welche ineinander verschoben parallel zur Strömungsrichtung der Kaltluft gruppiert sind. Die Versprünge der Baukörper zueinander lassen konkave und konvexe Freiräume entstehen. Durch diese werden ein kleiner Vorplatz mit klarer Adressbildung des Gymnasiums und ein gefasster Pausenhof definiert. Die eingeschossigen Sportgebäude säumen die Außen- und Freianlagen der Schule. Die höhengestaffelte Ausbildung der Sporthallen mit flacheren Nebenzonenbereichen und das Freistellen des Bauteils schaffen Gassen entlang der Theodor-Heuss Straße, die die Baumasse entsprechend der städtebaulichen und stadtklimatischen Belange gliedern.

    Die zentrale Idee der Freiraumgestaltung ist es ein hohes Maß an Aufenthaltsqualität zu gewährleisten und zugleich den Bedürfnissen und Anforderungen einer Vielzahl von Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrenden gerecht zu werden. Die Freiraumgestaltung des Gymnasiums Langenhagen spiegelt die orthogonale Formensprache der Architektur wider. In unterschiedlichen Teilbereichen wird auf die verschiedenen Bedürfnisse eingegangen und dabei auf funktionale Aspekte Rücksicht genommen. Der im Norden angesiedelte Bereich wird als großzügige Vorplatzfläche angelegt, der eine klare und attraktive Eingangssituation schafft. Der Platz wird von einem klassischen Plattenbelag aus hochwertigem Betonwerkstein in Reihenverband bestimmt. Struktur und Rhythmus werden durch verschiedene Oberflächenbearbeitungen sowie unterschiedlich breite Plattenbänder geschaffen. Gruppen von mittelgroßen Gehölzen (Prunus avium) in Kombination mit polygonal- geformten Sitzelementen integrieren sich wohlplatziert in die Fläche und schaffen neben einer Akzentuierung attraktive Warte- und Aufenthaltsbereiche. Die Materialität des Platzes wird durch das Foyer des Gebäudes bis hin zum Schulhof einheitlich fortgeführt und mündet in einem skulpturalen Dach welches den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bietet sich auch bei schlechtem Wetter im Freien aufzuhalten. Die südlich angelegten Schulhofflächen sind vielfältig gestaltet und bieten neben aktiven Spiel- und Bewegungsflächen eine Vielzahl an Ruhe- und Rückzugsorte an. Neben ausreichend befestigten Flächen schlägt der Entwurf eine Vielzahl von großzügigen Grünflächen vor. Die Anordnung und Gliederung der einzelnen Bereiche bezieht sich auf die unterschiedlichen Altersgruppen und ermöglicht eine Trennung der Flächen. Der vorhandene Baumbestand wird weitestgehend berücksichtigt und mit in die Planung integriert. Die extensiv ausgeprägten Bereiche im Inneren der Architektur sind als grüne Innenhöfe ausgebildet und ermöglichen auch den innen liegenden Räumen einen direkten Bezug ins Grüne. Es entstehen drei in ihrer Gestaltung unterschiedliche Innenhöfe die neben ihrer attraktiven Erscheinung begehbar und multifunktional bespielbar sind. Die südlich des Pausenhoffs angedachten Bereiche sind hauptsächlich als Sport- und Bewegungsflächen konzipiert. Hier schlagen wir neben der Laufbahn, zwei Weitsprunggruben, eine Stoßkuhle sowie eine multifunktionale Rasenfläche mit integriertem Fußballfeld vor. Die Freiflächen sind weitestgehend pflegeextensiv und wirtschaftlich gestaltet und können je nach Bedürfnissen ergänzt werden.

    Das Gebäude ist in einer komprimierten klaren Struktur organisiert. In dieser werden Funktionsbereiche derart zueinander geordnet, dass eine Mehrfachnutzung und Flexibilität der bereitgestellten Flächen ermöglicht wird. Das erhöht die Flächeneffizienz. Gleichzeitig wird eine eindeutige Staffelung von öffentlichen, halböffentlichen und privaten Bereichen sowie deren Lage zueinander definiert. Dies dient einer leichten Orientierung, dem Schaffen von Geborgenheit und folgt dem Prinzip der kurzen Wege.

    Die drei Häuser: Das Gymnasium ist in drei Häusern (und einem Sportbereich) strukturiert. Die beiden äußeren Klassenhäuser beinhalten in sich abgeschlossene Funktionsbereiche: Im östlichen Gebäude sind auf jeder Ebene jeweils zwei Jahrgänge der SEK I organisiert, was eine variable 6- bzw. 7- Zügigkeit ermöglicht. Im westlichen Gebäude befinden sich in den Obergeschossen jeweils die SEK II und die naturwissenschaftlichen Fachklassen. Hier sind im Erdgeschoss die beiden Funktionsbereiche angeordnet, welche eine öffentliche Anbindung benötigen, die Verwaltung und der Ganztagsbereich. Zwischen diesen beiden Klassenhäusern werden die öffentlichen Verkehrsströme geführt. Im Erdgeschoss wird über die verglasten Fassaden die Verbindung vom Eingang beziehungsweise vom kleinen Vorplatz und dem Schulhof hergestellt. Bei der Durchquerung des mittleren - öffentlichen – Hauses erhält der Nutzer direkten Zugang zur Mensa, zur Aula und der zentralen Erschließungstreppe in der Halle. Die so ausgebildete „Zentrale Mitte“ kann über die Schaltbarkeit der Räume je nach Bedarf variabel gestaltet und auch außerhalb des Lehrbetriebs mit unterschiedlichen Platzangeboten bereitgestellt werden. Flankierend zur zentralen Erschließung liegen in den Obergeschossen dieses Hauses die übrigen „öffentlichen“ Funktionen, wie Biblio-/Mediathek, Konferenzraum, RoboCup- und andere AG- Räume. Die Fachräume von Kunst, Musik und Informatik sind entsprechend angelagert ausgebildet. Die drei Häuser durchdringen sich in den jeweiligen Anschlussbereichen. In diesen Schnittmengen sind die allgemeinen Versorgungs- und Nebenzonenräume in zentraler Lage angeordnet. Jedes Haus erhält einen kleinen Innenhof/Patio über den auch die in der inneren Spange befindlichen Räume natürlich belichtet und belüftet werden können.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Bei dem Entwurf 1010 handelt es sich um drei dreigeschossige Baukörper sowie einen zusammengefassten Sportbereich, der das Schulgelände zur Theodor-Heuss-Straße abriegelt. Die drei Gebäude für den Schulbetrieb sind miteinander verschnitten und bilden an der richtigen Stelle nach Norden eine Eingangssituation, die außen einen Vorplatz, innen kombiniert die zentrale Mitte - Foyer, Mensa und Aula - vorsieht. Leider ist die Aula in ihrer Ausrichtung und Zuordnung nicht sehr flexibel nutzbar.

    Dem Eingangsbereich zugeordnet ist auch der Verwaltungsbereich, was positiv gesehen wird. Allerdings ist dort das Sekretariat in einem großen statt in drei mit Türen verbundenen Räumen untergebracht. Ebenso wird kritisiert, dass das Lehrerzimmer kein abschließbarer Raum ist.

    An der Verbindung hinter der Eingangshalle geht es direkt wieder in den dahinter gelegenen Schulhof hinaus.

    Während in der Mitte des mittleren Baukörpers die Aula liegt, auf der im 1.OG Grünflächen vorgesehen sind, befinden sich in den beiden anderen Baukörpern schon im EG begrünte nutzbare Innenhöfe („Schülerpatio und Lehrerpatio“). Um diese Innenhöfe verlaufen in allen drei Geschossen die Erschließungsflure, teilweise grenzen Selbstlernflächen oder Nebenräume an die Höfe, insofern ist die Belichtungssituation differenziert und gut gelöst. Das „sich gegenüber liegen“ von Klassenräumen über den Lichthof kann allerdings zu Störungen führen. Der Zuschnitt der allgemeinen Unterrichtsräume ist gut, die Möglichkeiten der Clusterbildung werden begrüßt. Die Küche muss abgetrennt sein, die direkte Zuordnung der Schulküche zur Mensa wäre wünschenswert. Räume der musischen und naturwissenschaftlichen Fächer liegen pädagogisch gut angeordnet.

    Zum notwendigen Brandschutzkonzept gibt es sinnvolle Überlegungen, die Lage der Fluchtwege und Treppenhäuser erscheint insofern plausibel.

    Die Sporthallen sind vom Schuleingang aus nicht innerhalb des Gebäudes erreichbar, aber aufgrund der direkten Nähe scheint das hinnehmbar, zumal Sport auch außerhalb der Schulzeit erwartet wird. Allerdings ist der Eingang der Hallen doch versteckt, auch wenn es zwei gleichwertige Eingänge gibt. Die gewünschte Tribüne und der Regieraum sind nicht nachprüfbar, da für die Sporthalle kein OG dargestellt wurde.

    Bei dem Gebäude handelt es sich um eine Hybridkonstruktion mit hohem Holzanteil, auch die Fassade ist mit Holz verkleidet. Diese Fassade gibt es allerdings inzwischen bei etlichen Gebäuden. Innovativ ist sie jedenfalls nicht, die Ansichten sind ruhig, unaufgeregt und konsequent, vielleicht etwas langweilig. Das Energiekonzept ist durchdacht.