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  • DE-58730 Fröndenberg/Ruhr, DE-58730 Fröndenberg/Ruhr
  • 06/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-288657)

Umgestaltung der Stadtmitte von Fröndenberg/Ruhr


  • ein 3. Preis

    Perspektive Marktplatz, © Förder Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    Förder Landschaftsarchitekten, Essen (DE), Luxembourg (LU) Büroprofil

    Verfasser
    Matthias Förder , Lutz Zangenberg , Tim Kohlschütter

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    Stadt Fröndenberg
    Der Entwurf „Drei Plätze für die neue Mitte Fröndenberg“ verwebt Stiftsviertel und Ruhraue
    mit der Innenstadt, schafft ein ruhiges Gesamtensemble und aktiviert dieses als neue Mitte Fröndenbergs. Diese neue Mitte Fröndenbergs wird über drei Plätze mit eigenen Identitäten und starken Charakteren zusammengehalten.
    Im Zuge der Stadtentwicklung Fröndenberg wurde vor ca. 30 Jahren die bestehende Stadt
    unterhalb der oberen Innenstadt erweitert. Hierbei wurde ergänzend zu dem historischen
    Gebäudebestand eine neue Stadtmitte geschaffen, welche die Ansprüche einer modernen
    Stadt entsprechen sollte. Dieses städtebauliche Ensemble hat bis heute Bestand und
    strukturiert die Freiräume der neuen Mitte Fröndenberg.

    Marktplatz – Der Geschäftige
    Der Marktplatz ist als Herzstück der neuen Mitte Fröndenbergs zu sehen. Um diesen als Ort der Zusammenkunft zu stärken wird der neue Marktplatz vom MIV freigehalten. In seiner Identität durch einen Marktbrunnen gestärkt, entsteht ein neues Bild des Marktplatzes. Wiedererkennbar, klar wahrnehmbar und unverwechselbar ist dieser ein Treffpunkt in der neuen Mitte Fröndenbergs. Neue Baumpflanzungen ergänzend zum Bestandsbaum schaffen ein lockeres Raumgefüge. Aufenthaltsmöglichkeiten orientieren sich zum neuen Marktbrunnen und schaffen so ein neues Zentrum des Raumes.

    Die Verbindung
    Neben dem Marktplatz ist der Bruayplatz der zweite wichtige Ort im räumlichen Gefüge der Innenstadt. Um beide Plätze miteinander zu verbinden spielen die Straßen `Im Stift` und Windschotenersraße eine zentrale Rolle. Diese werden attraktiviert, um die Innenstadt zusammenwachsen zu lassen. Der Parkplatz entlang der Straße `Im Stift` wird in Teilen durch ein mit Wein bewachsenes Rankgerüst abgegrenzt. Um die Verbindung zwischen Markt-und Bruayplatz zu intensivieren wird die Winschotenerstraße im nördlichen Teil um neue Gehölzpflanzungen ergänzt und schafft in Verbindung mit attraktiven Sitzelementen hohe Aufenthaltsqualität im Bereich des Lichtkunstbrunnens. Der Platz auf der Winschotener Straße wird als Plateau ausgebildet, um die Durchwegbarkeit und Offenheit des Raumes zu stärken.
    Über dies hinaus wird durch ein einheitliches Stadtmobiliar eine klare Verbindung zwischen Marktplatz und Bruayplatz hergestellt.

    Bruayplatz – Der Ruhige
    Ergänzend zum geschäftigen Marktplatz ist der Bruayplatz ein Platz der Ruhe. Hierbei legt der Entwurf mit seinen Holzdecks und Sitzmauern im südlichen Teil des Platzes besonders Wert auf die Möglichkeit des Aufenthalts und der Erholung. Parallel dazu wird der schon bestehende „Spieldrache“ zu einem größeren und attraktiven Spielplatz erweitert. Ein nördlich des Spielbereiches angeordnetes Fontänenfeld macht das Element Wasser erlebbar.
    Einige der im nördlichen Teil des Platzes gewachsenen Gehölze werden gerodet. Durch diese Maßnahme wird eine Sichtachse zwischen neuer Innenstadt und der bestehenden St. Marienkirche Fröndenberg forciert. Diese Maßnahme erhöht zum einen die
    Aufenthaltsqualität am Bruayplatz und schafft ergänzend dazu eine Verbindung zwischen
    der höherliegenden Altstadt und den Ruhrauen. Ein Rankgerüst bestehend aus einer mit Stahlseilen verspannten Stahlkonstruktion schafft eine attraktive Raumgrenze zum Neubau des Discounters. Dieses wird mit Wein berankt, somit entsteht in den Sommermonaten ein dichter Rand durch das Blattwerk und in den Wintermonaten durch Astwerk. Diese neue grüne Raumkante bietet außerdem einen interessanten Farbwechsel zur Herbstzeit und entspricht insgesamt dem Charakter des
    Bruayplatzes.

    Materialität und Ausstattung als Verknüpfung der neuen Mitte Fröndenberg
    Für eine klare Orientierung im Stadtraum „der neuen Mitte Fröndenbergs“ sorgen neben
    einem verbindenden Lichtband und einem einheitlichem Material, dem wieder verwendeten
    Klinker auch der neue Brunnen auf dem Markt- und das neue Fontänenfeld auf dem
    Bruayplatz.
    Das Lichtband zieht sich vom westlichen Teil des Plangebietes über den Bruayaplatz durch die Windschotenerstraße entlang des Lichtkunstbrunnens bis an das südliche Ende des Marktplatzes und verbindet somit das Plangebiet optisch zu einer Innenstadt. Eine
    Fortführung des Lichtbandes in weiteren Teilen Fröndenbergs bietet eine gute Möglichkeit
    ein gesamtheitliches Konzept zur Orientierung zu schaffen. Verstärkt wird der Effekt einer
    homogenen Innenstadt an Hand des durchlaufenden Klinkerbelags. Dieser bereits in der
    Vergangenheit schon identitätsstiftende Klinkerbelag wird weiter verwendet und verbindet
    damit alle Elemente der neuen Mitte Fröndenberg und schafft eine Einheitlichkeit des
    Raumes.

    5 Verbindung Innenstadt – Obere Stadt
    Ergänzend zu der neuen Einheitlichkeit der Innenstadt legt der Entwurf einen Schwerpunkt
    auf die Verbindung zwischen Stiftsviertel und den Ruhrauen. Dies wird mit drei Maßnahmen fokussiert. Es wird eine Blickbeziehung zwischen Bruayplatz und St. Marienkirche geschaffen.
    Diese Blickbeziehung wird zum einen mit nord-süd ausgerichteten Lichtstehlen verstärkt,
    zum anderen bilden Lichtstufen am Stiftshang eine optische Verbindung zwischen Alt und
    Neu. Durch einen „Stiftsbalkon“ im Hang auf Höhe der St. Marienkirche wird sowohl eine
    visuelle Beziehung vom Bruayplatz, als auch umgekehrt geschaffen. Abschließend wird im Bereich südlich des Marktplatzes die Ruhrstraße als Fußweg gestärkt und der Bahnübergang ausgebaut. Nördlich des Himmelmannplatzes, erreichbar vom Marktplatz, wird ein kleiner Platz, das Stiftsentrée geschaffen. Dies lädt zum Besuchen des Stiftsviertels ein und stellt die Verbindung von Marktplatz und Stiftsviertel her. Auch hier dient Licht als verbindendes Element.

    Eine für alle – Neue Mitte Fröndenberg
    Die neue Mitte Fröndenberg besticht nicht nur aufgrund ihrer klaren Gestaltung auf Marktund Bruayplatz sowie den verbindenden Elementen zwischen beiden Plätzen, sondern schafft es zusätzlich mit einfachen Mitteln den historischen Bestand der Altstadt über die neue Mitte mit den Ruhrauen zu verbinden. Weiter bildet die neu geschaffene Situation um den Brunnen am Marktplatz eine identitätsstiftende Atmosphäre, welche über die Grenzen der Innenstadt hinaus wahrgenommen wird.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Leitidee der drei Plätze für die Umgestaltung der Fröndenberger Innenstadt wird sehr konsequent gesetzt und verbindet die verschiedenen Teilräume auf zurückhaltende, mit sparsamen Eingriffen arbeitende Art und Weise. Der Marktplatz erhält einen neuen Brunnen und wird um einige Baumpflanzungen und Sitzmöbel ergänzt. Es entsteht eine räumlich attraktive Situation, die angemessen mit der Situation umgeht. Die Verbindung über die Passage Im Stift am Himmelmannplatz vorbei über die Winschotener Straße wird über einige Baumpflanzungen und Möblierung für den attraktiveren Aufenthalt verbessert.

    Besonders der Gelenkpunkt östlich der Winschotener Straße greift den Baumbestand auf und bietet mit dem „Winschotener Plateau“ einen attraktiven Umlenkpunkt in Richtung Bruayplatz. Neue Sitzmöglichkeiten verbessern hier in Zusammenhang mit der Gastronomie die Aufenthaltsqualität.

    Der Übergang von der Winschotener Straße zum Bruayplatz ist durch die Öffnung zu einer von Grünflächen gerahmten Aufenthaltsfläche gut gelöst. Sitz- und Liegeflächen bieten hier gute Aufenthaltsqualität und schaffen einen Treffpunkt. Hier werden auch Abstellmöglichkeiten für Fahrräder angeboten. Zum südlichen Abschnitt werden die vorhandenen Spielmöglichkeiten aufgegriffen und ergänzt. Ein Fontänenfeld im Übergang zur Platzfläche belebt den Platz. Eine Sitzmauer am Spielbereich betont die neue Orientierung zur Platzmitte. Die Raumkante zum neuen Aldi-Parkplatz wird durch ein weinberanktes Stahlgerüst, gebildet.

    Die Verbindung zur Oberstadt soll durch Lichtinstallationen und einen „Stiftsbalkon“ im Bereich der Marienkirche deutlicher hervorgehoben werden. Die Vorschläge zu einer verbesserten Anbindung im Bereich „Stiftsentree“ über Lichtstufen und ein Wasserbecken werden grundsätzlich positiv beurteilt. Das als Leitlinie in der gesamten Unterstadt vorgeschlagene Lichtband wirkt allerdings übertrieben und ist verzichtbar. Die Form und Dimension des Brunnens auf dem Markt ist ebenfalls noch mit den Funktionen des Marktes abzugleichen.

    Insgesamt würdigt die die Jury den Entwurf als einen soliden Beitrag.