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  • DE-78315 Radolfzell am Bodensee, DE-78315 Radolfzell am Bodensee
  • 06/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-290498)

Neubau Altenpflegeheim „Zum Heiligen Geist“ auf der Mettnau


  • Anerkennung

    Lageplan 1:500

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: KTL Architekten | Koczor Teuchert Lünz GbR | Architekten BDA Ingenieure, Rottweil (DE)

    Preisgeld
    7.800 EUR

    Erläuterungstext
    Der Neubau des Pflegeheims „Hospital zum Heiligen Geist“ befindet sich an der Schnittstelle zwischen dem Areal des Hegau-Bodensee-Klinikums und der nördlich angrenzenden Wohnbebauung.
    Zur Hausherrenstraße tritt der Neubau nur dreigeschossig in Erscheinung und fügt sich damit in die Gebäudehöhen der Nachbargebäude ein.
    Der Haupteingang liegt an der Hausherrenstraße und erschließt das gesamte Gebäude. Dem Haupteingang ist ein aufgewerteter Straßenraum vorgelagert, der mit einem gezielten Belagswechsel zu einen attraktiven Vorplatz wird.
    Die Materialwahl ist auf einen nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen abgestimmt. Wasserdurchlässige Pflasterbeläge und Decken, großflächige Wiesen und Rasenflächen sind von einzelnen schattenspendenden Großsträuchern und Bäumen überstellt und geben dem Freiraum seinen natürlichen Charakter.
    Die der Öffentlichkeit zugewandten Nutzungen liegen direkt am Eingangsbereich: Café, Besprechungsräume, Frisör.
    Besprechungsräume und Café lassen sich zu einer zusammenhängenden Fläche verbinden. Das Dienstzimmer der Ebene 0 dient als Ansprechstation für Besucher und ist direkt vom Eingangsbereich aus erreichbar.
    Ein geschützter Innenhof dient als Freifläche der Wohngruppe 1.1. Der Eingangsbereich wird durch diesen Hof zusätzlich belichtet, es entstehen vielfältige Ein- und Ausblicke. Die Intimität des Innenhofes kann durch den variablen Sonnenschutz gezielt gesteuert werden.
    Die Wohngruppen erhalten jeweils ein großzügiges Wohn-Esszimmer mit einem zugeordneten Außenbereich. Je nach Geschoss sind das ein geschützter Innenhof, eine Terrasse, einen Dachgarten oder Balkone die mit Holzdecks zum Verweilen einladen.
    Jeweils zwei Wohngruppen lassen sich optional gemeinsam betreiben. Dienst- und Personalräume sowie die Nebenräume liegen jeweils zentral zwischen den beiden Wohngruppen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurfsansatz, das Raumprogramm in einem 3-geschossigen auf einen Sockel aufgesetzten Baukörper zu organisieren wird anerkannt.
    Hierdurch fügt sich der Baukörper in seiner Massstäblichkeit gut in den Stadtraum ein und bildet einen angemessenen Übergang von der Klinik zur nördlich angrenzenden Wohnbebauung.
    Der Höhenversprung wird gut bewältigt.
    Die Gliederung des Hauptbaukörpers in zwei, um ein Achsraster gegeneinander versetzte Baukörper überzeugt städtebaulich, da hierdurch zur Hausherren-strasse eine Vorzone entsteht und der Gebäudezugang markiert wird.
    Stadträumlich und architektonisch nicht überzeugend ist die Ausformulierung des eingeschossigen, gestaffelten Anbaus, der diese Situation verunklärt.
    Leider entspricht die Qualität des Hauptzugangs nicht der stadträumlichen Setzung. Der Zugang ist wie die Funktionsbereiche beengt, eine Orientierung nur schwer möglich.
    Das Angebot, das dem Foyer angelagerte Dienstzimmer als Empfangstresen zu nutzen ist nicht möglich.
    Hier bedarf es eines sep. Empfangsbereichs der in der ausgewiesenen Fläche nicht möglich ist. In diesem Zusammenhang ist auch die Lage des Verwaltungs-bereiches auf Ebene -1 problematisch, der von Besuchern nur schwer aufzufinden ist.
    Ungünstig ist im Erdgeschoss die Kombination von Pflegebereichen mit den Funktionsbereichen, da hierdurch wechselseitig Störungen entstehen.
    Innerhalb der Pflegeeinheiten wird die Lage der Wohnküchen mit den vorgelagerten Aussenflächen grundsätzlich positiv bewertet, allerdings führt die Anordnung einer grossen Anzahl der Zimmer direkt zu den Wohnküchen hin, zu Ruhestörungen.
    Die Wahrung der Intimsphäre wird erschwert. Das Dienstzimmer liegt nicht zentral, was zu langen Wegen führt.
    Die Pflegezimmer entsprechen den Vorgaben. Die Rhythmisierung der Flurzone durch die längs ausgerichteten Bäder gliedert die teilweise langen Flurzonen.
    Positiv bewertet wird der Ansatz, allen Bereichen Aussenflächen zuzuordnen.
    Die Erschliessung der Demenzoase auf Ebene -1 über verwinkelte Flurzonen an Lagerflächen vorbei ist unbefriedigend.
    Der Raumzuschnitt und die räumliche Organisation sind ungünstig.
    Das Angebot eines Lichthofes auf dieser Ebene überzeugt wegen der geringen Dimension nicht und wirkt eher als Lichtschlitz.
    Die Anlieferzone auf Ebene -2 entspricht den Vorgaben, eine Wendemöglichkeit für die Lieferfahrzeuge ist gegeben.
    Die Fassadengestaltung mit der horizontalen Gliederung von eingefassten Fensterbändern führt zusammen mit der 3-Geschossigkeit zu einer der Bauaufgabe angemessen Architektursprache.
    Der Versuch das Raumprogramm auf 3 Obergeschosse zu komprimieren und im Erdgeschoss einen Pflegebereich auszuweisen führt teilweise zu gestalterischen und funktionalen Mängeln.
    Ein interessanter Entwurfsansatz, der zwar hinsichtlich der Strukturdaten eine gute Wirtschaftlichkeit erwarten lässt, der aber insgesamt nicht überzeugen kann.