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  • DE-63897 Miltenberg, DE-63897 Miltenberg
  • 07/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-290305)

Kindertagesstätte mit Familienzentrum in Miltenberg


  • Anerkennung

    Lageplan, © capattistaubach Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    capattistaubach Landschaftsarchitekten, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Tancredi Capatti

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin (DE)
    Tragwerksplaner: ifb frohloff staffa kühl ecker, Berlin (DE)

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Neubau positioniert sich angenehm als Raumabfolge von fünf Volumina. Der Klostergarten wird bewusst in zwei unterschiedliche Teilbereiche gegliedert. Die Raumgliederung erfolgt durch orthogonale und parallele Wandscheiben. Dadurch entstehen den Gruppenräumen zugeordnete Spielflächen für den Kindergarten und Kinderkrippenbereich, nordöstlich der Gebäudekörper zur Klostermauer, und nicht zugeordnete Außenspielflächen auf der südwestlichen Seite des Gebäudes hin.

    Gewollt ist es, Außen- und Innenräume unterschiedlicher Stimmung und verschiedener Grade von Intimität zu schaffen. Die raumbildenden Wandscheiben sollen stets eine Fuge zur Bestandswand entlang der Ankergasse aufweisen.

    Die Zugänge zum Gebäude liegen zum Klostergebäude wie auch zur Mainstraße. Die verbleibende Freifläche ist schachbrettartig strukturiert, wobei die Achsen sich zwar an den Bestand des Klostergebäudes, jedoch nicht auf den Neubau orientieren.

    Die Kindertagesstätte wird durch eine geschoßhohe Mauerscheibe vom öffentlich zugänglichen Freibereich abgegrenzt. Die Eingänge des Neubaus werden wenig spannungsreich flächig in der Scheibe angeordnet.

    Ebenso finden sich in der Mauerscheibe Sichtfenster, die den Blick auf dahinterliegende Außenspielgelände freigeben welche einer gemeinschaftlichen Nutzung der Kindertagesstätte zugeordnet und nicht näher definiert sind.

    Die sehr schematische Rasterung des Klostergartens schafft keinen Bezug zum Gebäude;
    einzelne Wegehierarchien führen nicht an entsprechende Gebäudebereiche heran. Die umlaufende intensive Nutzung durch Parkplätze erfordert eine weitere Abgrenzung zum Klostergarten und bildet keinen angenehmen Auftaktbereich.

    Durch das Thema der Mauersetzung werden die Außenräume des Gebäudekomplexes vom Klostergarten getrennt; einzelne fensterartige Öffnungen ermöglichen Einblicke. Durch die versetzten Gebäudekörper entstehen angenehme, wenn auch teilweise sehr kleine Innenhöfe, die gut geschützt den Gruppenräume zugeordnet sind. Diese konsequente -gestalterisch hochwertige- Abgrenzung zum Klostergarten wird kontrovers diskutiert.

    Die zurückhaltende Höhenentwicklung des Flachdachneubaus schmiegt sich selbstverständlich an die Höhensituation der Klostermauer und verzichtet bewusst einen städtebaulich einen Akzent zu setzen.

    Die Erschließungsbereiche werden mit Nutzungen aus dem Raumprogramm doppelt belegt. Funktional bildet diese Doppelbelegung der Flure aus Sicht der Ausloberin deutliche Nachteile für die alltägliche Nutzung.

    Die Fassaden werden mit Klinkermauerwerk verkleidet. Die dahinterliegende Mauerwerkstragschicht wird aus wärmegedämmten Hochlochziegeln errichtet. Diese Materialkombination lässt zunächst auf eine hochpreisige Bauart schließen, erweist sich auf Dauer aber als nachhaltige Bauweise. Die gewählten Flachdächer ohne aufwändige Aufbauten tragen dabei zur Wirtschaftlichkeit des Entwurfs bei.

    Die Verortung der im Ideenteil nachzuweisenden Verwaltungseinheit im Untergeschoss des Bestandsgebäudes ist kein gutes Angebot.

    Die klare Ausrichtung der Freiflächen auf den Klosterbau und die zurückhaltende Kubatur des Neubaus werden in denkmalpflegerischer Hinsicht positiv beurteilt. Die Erlebbarkeit der historischen Klostermauer bleibt erhalten, die vorgeschlagene Materialität der Ziegelbauweise stellt eine passende Materialität dar.

    Die wirtschaftliche und kompakte Bauweise erlaubt es, die Innenräume mit hochwertigen Materialien (Lärchenholzschalung) zu gestalten. Gleichzeitig wird durch eine stark ausgeprägte Innenraumunterteilung mit raumteilenden Elementen, geschlossenen und offenen Brüstungen eine Mehrgeschossigkeit in den Gruppenräumen überzeugend geschaffen.

    Konstruktiv zählt der Entwurf zu den sehr wirtschaftlichen Lösungen insbesondere durch die straffe Umsetzung des Raumprogramms und die dadurch entstehende kompakte Kubatur. Diese Kompaktheit wird allerdings nur erreicht, in dem Erschließungsflächen mit Nutzfunktionen belegt werden.