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  • DE-94072 Bad Füssing, DE-94072 Bad Füssing
  • 06/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-292184)

Gestalterische Aufwertung des Ortszentrums von Egglfing am Inn in Bad Füssing


  • 3. Preis

    © Dömges Architekten

    Stadtplaner
    Dömges Architekten AG, Regensburg (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    15.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Konzeption
    Ziel des Entwurfes ist die Stärkung und zukunftsfähige Weiterentwicklung der vorhandenen Hofstrukturen. Entlang der Oberen Inntalstraße bilden sich eine Ostseite mit Höfen und eine Westseite mit Wohngebäuden. Beide Seiten weisen einen eigenständigen dörflichen Charakter auf. Während Hofanlagen bis an den Straßenraum heranrücken können, wird für die gegenüberliegende Wohnbebauung ein Abstand zur Straße eingehalten, um eine grüne Vorzone auszubilden. Für die durch neue Nutzungen weiter zu entwickelnden Höfe sollten ausreichend dimensionierte Bauräume vorgesehen werden, die sich um einen zentralen Innenbereich orientieren. Über den östlich der Höfe gelegenen Freiraum können diese über einen rückwärtigen Weg - abseits der Straße - entlang des geöffneten und renaturierten Bachlaufs miteinander verbunden werden.

    Neugestaltung der Ortsmitte
    Die bestehenden Potentiale in der Ortsmitte werden stärker herausgearbeitet und der heterogene Raum mit einer einheitlichen, reduzierten Oberfläche zusammengefasst. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Reduzierung der Barrierewirkung der Ortsdurchfahrt gelegt. Innerhalb der neuen Ortsmitte bilden sich mit dem Marktplatz (repräsentativ), dem Baumdach über dem Freisitz (dörflich) und der Bürgerwiese (ländlich) unterschiedlichen Nutzungsschwerpunkte heraus. Das Egglfinger Haus am Marktplatz - an den auch der Brunnen versetzt wird - rückt in die Flucht der Ortsdurchfahrt und ist somit gut auffindbar. Die städtebauliche Situierung trägt auch zur Verkehrsberuhigung bei. Das Erdgeschoss erhält mit einem Dorfladen mit Touristeninformation eine öffentlichkeitswirksame Nutzung. Das Obergeschoss ist flexibel, kann z.B. Bücherei und Gemeinschaftsräume aufnehmen. Die Freisitzfläche unter dem prägenden Baumdach der Bestandsbäume wird durch eine Reduzierung der Einbauten in seiner Nutzung gestärkt. Südlich der Kirche bietet die Bürgerwiese Raum für Aktivitäten der Dorfgemeinschaft. Die sich beidseits der Alten Inntalstraße befindlichen Hofgebäude werden freigestellt. Der leerstehende Stadl an der Oberen Inntalstraße erhält mit dem Museum für Landwirtschaft eine touristische Nutzung. Die Scheune am Landgasthof kann zur Kulturscheune umgenutzt werden und Raum für größere private sowie öffentliche Veranstaltungen bieten.

    Materialkonzept und Entwässerung
    Die Platz- und Gehwegbereiche werden in gesägtem Granit barrierefrei ausgeführt. Großformatige Gredplatten markieren die Hauseingänge am Platz. Die Fahrbahn der Oberen Inntalstraße wird im Bereich der Ortsmitte in dazu farblich abgestimmten Ortbeton mit Besenstrich gestaltet. Ein Flachbord und eine Zwei-Zeiler-Rinne in Granit fassen die Fahrbahnführung ein. Die Markierung der Stellplätze entlang der Straße erfolgt mit einem Betonzeiler, rückwärtige Stellplätze werden durch Einzelsteine markiert. Die Entwässerung erfolgt in der Oberen Inntalstraße über seitliche Rinnen. Die Entwässerungsrichtung folgt der bestehenden Topografie.

    Beleuchtungskonzept
    Im Ortskern finden Mastaufsatzleuchten Verwendung. Die Anordnung erfolgt in „Tor-Formation“ sowie vor den Gebäuden. Eine zu starke Betonung der Fahrbahnführung sollte vermieden werden. Für die Beleuchtung des Fußgängerüberwegs werden niedrige Leuchtpoller vorgesehen. Die Bäume vor der Feuerwehr sowie das Baumdach werden durch Spots im Boden beleuchtet. Im weiteren Verlauf der Ortsdurchfahrt stellen einseitig angeordnete Kofferleuchten eine effiziente Beleuchtung sicher.

    Haltestellen und Parkierung
    Die Bushaltepunkte werden in Teilen neu geordnet. Die Haltestelle für die südliche Fahrtrichtung befindet sich zukünftig direkt am Egglfinger Haus. Die Haltestelle für die Gegenrichtung ist nun nördlich am Landwirtschaftsmuseum. Für die bestehende Haltestelle an der Pichlerstraße ist neben dem Ausbau zusätzlich eine Überdachung am Gebäude vorgesehen. Die Lage aller Haltestellen ermöglicht auch eine Ausführung mit Systembord. Die Stellplätze im Bereich der Ortsmitte werden in Gruppen dezentral angeordnet. Gegenüber dem Bestand können zwei zusätzliche Stellplätze entstehen. An der Kulturscheune kann optional ein (privater) Parkplatz vorgesehen werden, der auch durch den Landgasthof nutzbar ist.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Wettbewerbsarbeit schlägt im städtebaulichen Bearbeitungsteil im Osten der Kreisstraße eine Weiterentwicklung der Hofstrukturen mit einer behutsamen baulichen Ergänzung vor. Die Anbindung dieser für Tourismus und Wohnen genutzten Gebäude hin zu einer landschaftlichen aufgewerteten Bachzone wird sehr positiv beurteilt. Die Vorgärten im Westen der Kreisstraße sollen als übergeordnete Idee aufgewertet und gestärkt werden. Das Sparkassengebäude (ehemaliges Gemeinde- und Schulhaus) soll durch ein in Kubatur und Ort ähnliches Gebäude ersetzt werden, was stadträumlich nicht ganz verständlich ist, zumal die vorgeschlagenen Nutzungen auch im Bestand unterzubringen gewesen wären. Der Erhalt des Biergartens wird begrüßt, die Verschiebung des Brunnens an einen Ort, an dem er besser zur Geltung kommt ist verständlich. Die Platzflächen westlich der Kreisstraße sind jedoch nicht an jeder Stelle bis zu Ende gedacht. Durch den Abbruch des Schweikl-Anwesens kann vor der Kirche ein grüner Platz entstehen, was grundsätzlich einen Ansatz darstellt. Die räumliche Fassung durch eine Pergolaanlage ist gut gelöst. Die angebotene Rampenanlage und die Sitzstufen vor der Friedhofsmauer erscheinen hingegen zu wenig dörflich. Der Teilabbruch der Gasthofnebengebäude, die mit einer Öffnung des Hofes einhergehen, werden positiv beurteilt. Die im Alltag für Parken genutzte Fläche kann bei Veranstaltungen multifunktional genutzt werden. Die Idee, den Stadel als Kulturscheune zu nutzen, erscheint im Hinblick auf die Stärkung der Gasthofnutzung sehr sinnvoll. Die vorgeschlagenen Beläge Asphalt und Beton für die Fahrbahn der Kreisstraße und Granitpflaster für die restlichen Bereiche sind nachvollziehbar jedoch könnte im Bereich der Kreisstraße noch etwas mehr Grünflächen vorgesehen werden. Die Bushaltestellen sind sinnvoller Weise durchgehend mit einem Kasseler Bord gelöst.