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  • DE-71638 Ludwigsburg, DE-71636 Ludwigsburg
  • 07/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-277180)

Neuordnung des Areals Bildungszentrum West in Ludwigsburg


  • 3. Preis

    Lageplan, © Auer Weber

    Architekten
    Auer Weber, Stuttgart (DE), München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Christof Teige

    Mitarbeit
    Robert Vöhringer, Denise Fröhlich

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: gla | gessweinlandschaftsarchitekten, Schorndorf (DE)
    Projektsteuerer: Drees & Sommer AG, Stuttgart (DE), Munsbach (LU), Hamburg (DE), München (DE), Düsseldorf (DE), Leipzig (DE), Köln (DE), Nürnberg (DE), Frankfurt am Main (DE), Berlin (DE), Dresden (DE), Kiel (DE), Stuttgart (DE)
    Tragwerksplaner: schlaich bergermann partner - sbp gmbh, Berlin (DE), Stuttgart (DE), Paris (FR), New York (US), Shanghai (CN), São Paulo (BR)

    Preisgeld
    50.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau
    Das Areal „Bildungszentrum West“ - ursprünglich Gelände der ehemaligen Königin-Olga-Kaserne - entwickelt sich zu einem öffentlichen und einladenden Quartier für den Stadtteil Ludwigsburg West. Hier wirken Schul- und Sportbauten sowie öffentliche Einrichtungen zusammen und schaffen Raum für Ausbildung, Sport und soziales Leben. Durch die Setzung der Baukörper entstehen klare Wegeverbindungen durch das Areal in Nord-Süd und in Ost-West Richtung sowie eine Abfolge unterschiedlicher öffentlicher Freiräume.
    Auftakt an der Kaiserstraße bildet der Quartiersplatz, über den das neue Schulgebäude des Otto-Hahn-Gymnasiums und der Gottlieb-Daimler Realschule, das „Stadthaus“ mit Bibliothek, Cafeteria, Mensa und Ganztagesräumen und die Osterholz Grundschule zusammengebunden werden. Die Mitte des Areals - im Zentrum der Wegeverbindungen - bildet der Pausenhof der neuen Schulen. Er wird räumlich nach Norden und Osten durch die beiden Baukörper der Sporthallen gefasst, so dass die Rückansicht der bestehenden Rundsporthalle eingebunden ist. Außerhalb der schulisch genutzten Zeiten dient der Platz als multifunktionale Fläche für den gesamten Stadtteil. Der bestehende Parkplatz der Rundsporthalle wird neu organisiert. Sämtliche erforderlichen Stellplätze können hier und an der Heinrich-Schweitzer-Straße ebenerdig ohne eine aufwendige Tiefgarage angeboten werden. Die Raumkante zur Straße wird durch die Vegetation gebildet.


    Äußere und innere Organisation
    Die beiden neuen Schulen, das Otto-Hahn-Gymnasium und die Gottlieb-Daimler Realschule, sind in einem Gebäude organisiert, das sich in drei gleiche, zusammenhängende Volumina gliedert. Diese Gliederung bildet die Nutzungsbereiche ab. Im mittleren von der Kaiserstraße zurückgesetzten Baukörper befinden sich der großzügige Eingangsbereich und die gemeinsame zweigeschossige Aula. Von hier aus werden die gemeinsam genutzten Fachklassen im Erdgeschoss der beiden anderen Baukörper erschlossen. Im Sockelgeschoss dieser Baukörper befinden sich jeweils geräumige, tagesbelichtete Räume zur Unterbringung der Fahrräder der Schüler, sowie die erforderlichen Technikräume und die städtischen Lagerflächen. Der südliche Baukörper nimmt in den Obergeschossen die Klassenräume der Gottlieb-Daimler Realschule auf, der nördliche die des Otto-Hahn-Gymnasiums. Pro Ebene und Baukörper sind jeweils 2 Lernhäuser, d.h. Jahrgangscluster mit je 5 Klassenräumen, um ein zentrales Atrium angeordnet.
    Die gemeinsam genutzten Räume für Bildende Kunst und Musik organisieren sich ringförmig im mittleren Baukörper auf Ebene des nutzbaren Innenhofes. Im Geschoss darüber befinden sich die beiden Jahrgangscluster der Sekundarstufe II des Gymnasiums. Im ersten Obergeschoss über der Aula befindet sich die Verwaltung mit den zentralen Räumen für die Lehrer. Erdgeschoss und
    1.Obergeschoss sind über eine großzügige Treppenanlage mit Sitzstufen miteinander räumlich verbunden.
    Die Mensa mit Cafeteria, die Räume für den Ganztagesbereich und die Stadtteilbibliothek mit sind ein einem eigenständigen dreigeschossigen Gebäude zwischen den Schulbauten organisiert. Ein zentrales Foyer mit Haupteingang zur Kaiserstraße erschließt alle Funktionsbereiche. Die Bibliothek ist über eine großzügige „Lesetreppe“ mit Sitzstufen in das 1. Obergeschoss verbunden. Im 2. Obergeschoss befindet sich das Schülerwissenszentrum mit seinem differenzierten Raumangebot.
    Die 2-teilbare Sporthalle und die vereinseigene Basketballhalle sind gemeinsam in einem Baukörper westlich der Rundsporthalle übereinander gestapelt organisiert. Am Haupteingang, der zur Mitte hin orientiert ist, befindet sich der gewünschte Kraftraum. Die Dachflächen des Gebäudes sind nutzbar, hier wird ein Außenspielfeld angeboten. Zusätzlich ermöglicht eine eingeschnittene Terrasse geschützt Sport im Freien. Im Sockelgeschoss des Gebäudes sind angrenzend die gewünschten Museumdepotflächen angeordnet, die hier mit LKW´s gut angefahren werden können. Der optionale Ersatzneubau für die derzeit bestehende Sporthallen ist mit Ausnahme des Außenspielfeldes baugleich zu den beiden Hallen organisiert.


    Architektur und Erscheinungsbild
    Die kompakten Baukörper der neuen Gebäude des Bildungszentrums West stellen sich in ihrer Grundgliederung als einfache klare Volumina dar. Die Eingänge sind durch Gebäudeeinschnitte bzw. Unterschnitte akzentuiert. Die horizontal gegliederten Fassaden zeichnen sich durch einen ausgewogenen Anteil von offenen und geschlossenen Flächen aus. Die Schulen, das Stadthaus und die Sporthallen erhalten über die Verwendung des gleichen Fassadenmaterials eine gemeinsame, helle und freundliche Erscheinung. Die Bekleidung aus hell geschlämmten Ziegeln verleiht den Gebäuden eine haptische Materialität, die dazu beiträgt, einen Ort mit eigener Identität zu schaffen. Im Inneren bestimmen natürliche und robuste Materialien wie z.B. helles Holz, Linoleum und warmtonige Textilien das Erscheinungsbild.


    Freianlagen
    Das neugeordnete Areal des Bildungszentrums öffnet sich der Allgemeinheit. Ein Wegenetz für Fußgänger und Fahrradfahrer durchzieht und verknüpft es mit seinem Umfeld. Freiflächen mit ganz unterschiedlichem Charakter bieten hohe Aufenthaltsqualitäten für die Schüler und die Bewohner des Stadtteiles. Es werden vielfältige Lern-, Erholungs- und Spielräume für alle Altersgruppen geschaffen. Die Fläche des zentralen Pausenhofes ist mit einem Stecksystem in Form von Bodenhülsen ausgestattet, das flexible Nutzungen und Möblierungen gestattet.
    Die bestehenden Bäume werden weitgehend erhalten. Die Vegetation entlang der Straßen wirkt raumbildend. Durch das Anlegen von unterirdischen Rigolen und den verwendeten Belägen kann das anfallende Niederschlagswasser versickern.


    Nachhaltigkeit / Cradle to Cradle
    Neben dem Energieverbrauch von Gebäuden von etwa 40 % des Gsamtenergieverbrauchs in Deutschland, verursacht das Bauwesen in Europa fast 50 % des Rohstoffverbrauchs. Gleichzeitig steht die Bauindustrie für nahezu 60 % des Abfallaufkommens. Neben den Anstrengungen im Bereich Energieeffizienz müssen wir vom linearen Effizienzpfad zu einer Circular Economy mit erneuerbaren Energien und rezyklierbaren Stoffflüssen gelangen. Die Cradle-to-Cradle-Methode ist hierbei die wissenschaftliche Grundlage zur Umsetzung einer Circular Economy in der Bau- und Immobilienwirtschaft.
    Der Entwurf unterstützt hierbei durch den nachnutzungsfähigen Rohbau und deren Konstruktion als auch Fassadenkonzepte die Umsetzung eines völlig rezyklierbaren Baukörpers. Damit wird das Gebäude zu einem Rohstoffdepot, welcher die Ressourcen nach dem Ende der Nutzungszeit wieder freigibt und sie zur Grundlage neuer Produkte werden lässt. Die Umsetzung als rezyklierbaren Baukörper hat gleichzeitig noch zwei weitere positive Effekte. Zum einen wird die Flexibilität und Wandelbarkeit erhöht, da bereits bei der Konstruktion die Demontage und Adaption betrachtet werden. Zum anderen aber auch beim Einsatz von Materialen durch die spätere sortenreine Trennung hinsichtlich ihrer Schadstofffreiheit und gesundheitlichen Unbedenklichkeit überprüft.
    Somit kann nicht nur ein energieeffizientes, sondern auch schadstofffreies Gebäude realisiert werden. Durch die Dachbegrünung wird die Artenvielfalt der Vegetation erhöht und das Mikroklima verbessert. Über versickerungsfähige Flächen und offene Muldenrigolen wird lokale Versickerung des anfallenden Regenwassers angestrebt. Kanäle und Klärwerke werden entlastet und die Grundwasserneubildung wird gefördert. Bezüglich der Nachhaltigkeit wird somit ein wichtiger Beitrag für Mensch und Natur geleistet. Eine Zertifizierung gemäß BNB und Anwendung der gestellten Anforderungskriterien ist problemlos möglich.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 12.07.2018, 12:33
Zuletzt aktualisiert 23.01.2020, 12:52
Beitrags-ID 4-159254
Seitenaufrufe 208