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  • DE-47443 Meerbeck (Moers), DE-47441 Moers
  • 07/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-290904)

Grüner Kern - Volkspark Neu Meerbeck


  • 1. Preis

    Promenadenring und Aktivpark im Zentrum des Volksparks Neu Meerbeck, © A24 Landschaft + A. Calitz Visual

    Landschaftsarchitekten
    A24 Landschaft, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Steffan Robel , Jan Grimmek

    Preisgeld
    50.000 EUR

    Erläuterungstext
    Im Herzen Sport
    Im Zentrum von Moers-Meerbeck bilden Sportanlagen, ein Friedhof und naturnahe Wäldchen ein einzigartiges Freiraumkonglomerat. Eine ringförmige Parkpromenade verbindet diese zu einem neuen Volkspark für den Stadtteil Meerbeck. Sportanlagen bilden das aktive Herz des Volksparks. Ruhigere Freianlagen, wie der Friedhof Meerbeck, umlagern die Sportanlagen und verbinden sie mit dem Stadtteil.


    Parkkonzept
    Die ehemalige Bergarbeitersiedlung Moers-Meerbeck wird seit ihrer Gründung vor 100 Jahren durch großflächige Bahntrassen vom eigentlichen Stadtzentrum getrennt. Nur wenige Straßenverbindungen queren die Bahngleise. Die räumliche Trennung führte zu einer eigenen Identität und ausgeprägten Verbundenheit der Bewohner mit ihrem Stadtteil und seiner eng mit dem Bergbau und der Zeche Rheinpreußen verflochtenen Entwicklungsgeschichte.
    Der stark durchgrünte Stadtteil mit seinem dichten Netz an baumbestandenen Straßenzügen und Vorgärten verdichtet sich im Zentrum rund um das ehemalige Rheinpreußen-Stadion zu einem Konglomerat aus weitläufigen Grünflächen. Hier stoßen ganz unterschiedliche Freiraumkategorien aufeinander: Friedhof, Vereinssportgelände, Ruderalwäldchen ergänzt durch diverse soziale Einrichtungen. Gemeinsam ist ihnen die hohe soziale Relevanz als wichtiger Begegnungsort und „Salon“ des Stadtteils Meerbeck. Entsprechend dem Wettbewerbsslogan „Volkspark Neu_Meerbeck“ soll hier ein neues inklusives Stadtteilzentrum für alle Bevölkerungs- und Altersgruppen entstehen. Eine Art grüner Nukleus, der die Werte des Volksparkgedankens als barrierefreien Ort der zwanglosen Begegnung und des Austauschs, der körperlichen Betätigung und Erholung in die heutige Zeit überführt. Hier soll der neue Gemeinschaftsgedanke gepflegt und eine neue Stadtteilidentität ausgehandelt werden. Der neue Volkspark manifestiert sich in einem zentralen Promenadenring, der die verschiedenen Parkteile zusammenhält und mit den umliegenden Stadtquartieren verknüpft. Das Konglomerat an Grünflächen wandelt sich von einer Barriere im Stadtraum mit abgeschotteten, monofunktionalen Nutzungsinseln, hin zu einem vernetzenden, multifunktionalen Freiraumgelenk. Die Heterogenität der Teilräume bleibt in eigenständigen, klar ablesbaren Parkbausteinen erhalten, die mit ihren spezifischen Charakteren für eine spannungsvolle Vielfalt an Raumeindrücken sorgen. Kleine Eingangsplätze mit wiedererkennbarer Formensprache betonen die stadtseitigen Zugangsbereiche.


    Aktivpark
    Das Herzstück des neuen Volksparks ist der Aktivpark auf dem Gelände des ehemaligen Rheinpreußen-Stadions. Das ehemals umzäunte Vereinsportgelände wird geöffnet und durch neue Nutzungsbausteine zum kompakt organisierten Aktivpark erweitert, bei dem sich Vereinssportnutzungen mit vielfältigen Schulsport- und Freizeitsportnutzungen überlagern.
    Eine zentrale Nord-Süd-Verbindung führt zwischen den beiden Großspielfeldern hindurch und verbindet den Barbaraplatz mit den sozialen Angeboten im Süden. Eine langgezogene Tribünenanlage aus Beton (mit Sitzelementen aus aufgeschraubten Stadionsitzen) orientiert sich beiderseits zu den Spielfeldern und betont zusammen mit der Sprintbahn die Linearität der Anlage. Der Schiedsrichterturm wird saniert und als Wahrzeichen des ehemaligen Stadions in die neue Tribünenanlage integriert. Die Ausrichtung der Kunstrasengroßspielfelder verbleibt in nordwestlicher Orientierung und prägt die orthogonale Grundaufteilung des Sportcampus. Die weiteren Flächen untergliedern sich in thematisch differenzierte Bereiche für Ballsport, Wurfsport, Schlagballsport und Rollsport.
    Der Trendsportbereich wird in nordöstlicher Ecke nahe der bestehenden Vereinsbaulichkeiten positioniert. Hier gruppieren sich publikumswirksam die stark frequentierten Ballsportarten mit einem Multifunktionsspielfeld (mit Ballfangzaun) und einer eingelassenen Sandspielfläche mit umlaufendem Sitzrand aus Beton und wettkampftauglicher Beachvolleyballanlage. Alternativ entspricht die Fläche auch den Maßen eines Beachsoccer-Spielfeldes. Der neue Vereinsheimpavillon integriert einen öffentlichen Kiosk und wird zum wichtigen Ankerpunkt innerhalb der Parkpromenade. Von den frei verteilten Tischen unter dem schattigen Baumhain kann man gut den sportlichen Wettkämpfen zuschauen. Die südöstliche Ecke wird durch einen großflächigen Skatepark besetzt. Hier wird die natürliche Topographie für die Einbettung eines abwechslungsreichen Parcours mit variierenden Schwierigkeitsstufen genutzt. Die Tennisfelder werden mit Speedmintonfeldern kombiniert. Die Bogenschießanlage mit Sicherheitsumzäunung wird nach Norden ausgerichtet.


    Promenadenring
    Als neu geschaffenes Parkelement fügt der Promenadenring eine klar ablesbare Form im Stadtraum hinzu, die sämtliche Wegestränge aufnimmt und miteinander verknüpft. Er bindet den Barbararaplatz, den Friedhof, das Invalidenwäldchen aber auch den Campus der TÜV-Akademie und die südlichen Bereiche an den zentralen Volkspark an. Der Promenadenring orientiert sich beidseitig: nach innen als Rahmung des neuen Aktivparks und nach außen als Verbindung in die bestehenden Grünräume. Die homogene Wegefläche aus Asphalt mit einer Abstreuung in warmen Farbtönen wird mittig durch ein Band aus Rasensegmenten und Spielbereichen in farbigen EPDM-Flächen gegliedert. In dieses Parkband bettet sich die Bestandstopographie entlang der östlichen Geländekante ein. Der umlaufende Baumhain aus Acer rubrum erzeugt eine räumliche Fassung und schafft mit seiner prägnanten roten Herbstfärbung ein starkes, weithin sichtbares Erkennungsmerkmal. Die Baumpakete spenden Schatten, schaffen einen rundumlaufenden Lärmfilter für die angrenzenden Wohnquartiere und einen Windschutz für die zentralen Sportbereiche. Die ringförmige Promenade kann als Laufparcour für den abendlichen Workout ebenso genutzt werden wie als Flaniermeile, bei der man sich beim gemütlichen Sonntagsspaziergang mit seinen Nachbarn trifft. Die ringförmige Anordnung erlaubt ständig wechselnde Einblicke auf die Spielfeldbereiche, so dass man sowohl der Jugendmannschaft beim Fußballturnier als auch den Skatern bei ihren neuesten Tricks oder bei einem Getränk am Kiosk dem jährlichen Beachvolleyballturnier zuschauen kann. Die Kinder können auf dem Rundweg die unterschiedlichen Spielstationen ansteuern und sich in Geschicklichkeitsübungen messen. Ein generationsübergreifender Freelaticsparcour betont den südöstlichen Parkzugang in der Nähe der Senioreneinrichtungen. Kleinere, ruhigere Nutzungen wie Boulespiel und Tischtennis werden ebenfalls im Promenadenring verortet. Durch Abstecher in das naturnahe Invalidenwäldchen oder den weitläufigen Friedhof lässt sich der Spaziergang um neue Parkeindrücke erweitern.


    Barbaraplatz
    Die Barbarastraße und ihr unmittelbares Umfeld bündeln vielfältige soziale Einrichtungen wie Gemeinschaftsgrundschule, Jugendsozialzentrum, städtischer Kindergarten, Lebenshilfe Moers sowie die Moschee der VIKZ und die Evangelische Kirchengemeinde Meerbeck. Dementsprechend wird ein neues soziales Zentrum als nutzungsoffener, multifunktional bespielbarer Quartiersplatz geschaffen, der Barbaraplatz. Zwischen dem ortsbildprägenden Gebäude der Barbaraschule und der KITA entsteht ein stimmungsvoller Ort der Begegnung, für gemeinsame Veranstaltungen, saisonale Feste oder auch einen Wochenmarkt. Die ruhige Platzfläche aus wassergebundener Decke integriert die mächtigen Bestandsbäume und die historische Schulmauer. Die trennende Mauer wird zu einem langen, beidseitig bespielbaren Sitzmöbel inmitten der Platzfläche. Die Aussparungen der Mauer werden zu Sitznischen und Liegeflächen mit farbig lackierten Seitenwänden und einer Holzauflage, die sich klar vom Mauerklinker absetzen.
    Die restlichen Wegeflächen werden neu geordnet. Eine Intarsie mit Staudenbepflanzung an der Bismarckstraße bildet den Auftakt zum Barbaraplatz. Das Baumdach über den Besucherstellplätzen verlängert optisch den das Invalidenwäldchen bis auf die Grundstückskante der KITA. Die Mitarbeiterstellplätze werden rückwärtig hinter der Barabraschule untergebracht und durch eine Baumreihe zum Moscheebau abgeschirmt.


    Friedhof
    Die bestehende Friedhofsfläche wird behutsam erschlossen und zu einem wichtigen Verbindungsstück zwischen den westlichen Wohnquartieren und dem zentralen Sportpark ausgebaut. Dazu wird behutsam in die Bestandstruktur eingegriffen. Die meisten Maßnahmen lassen sich sofort, ohne Eingriffe in die Gräberstruktur realisieren. Die hermetische Friedhofskante wird stärker perforiert und um neue Zugänge ergänzt. Der nordwestliche Zugang am neu geordneten Marktplatz schafft eine klare Eingangssituation, die die Kriegsgräber und das Denkmal respektiert, jedoch die Wegeverbindung zwischen Bismarckstraße, Marktplatz und Aktivpark wesentlich verbessert. Der neue geschaffene südwestliche Zugang erhält einen kleinen Vorplatz. Dazu werden die vorhandenen Stellplatzflächen reduziert. Eine Staudenfläche mit einer umlaufenden Betonbank integriert den Bestandskiosk und schafft Aufenthaltsmöglichkeiten gegenüber des Saarplatzes. Die östliche Grenze wird durch den Rückbau der Tribünenanlage nahezu niveaugleich an den Promenadenring heran geführt. Eine Heckenpflanzung aus Carpinus betulus schafft eine weiche Trennung. Den Lärmfilter zu den Sportanlagen schafft die doppelreihige Baumreihe im Promenadenring.


    Invalidenwäldchen
    Das sogenannte Invalidenwäldchen am Galgenberg und das Ruderalwäldchen an der Straße Galgenbergsheide werden offener und einladender gestaltet. Der prägnante Waldcharakter bleibt erhalten, der dicht aufgewachsene Ruderalaufwuchs wird aber stark ausgelichtet. Die Strauchschicht wird komplett entfernt, so dass sich eine neue Krautschicht aus Bodendeckern etablieren kann. Angelehnt an das historisch entstandene Wegesystem sorgen netzartige Verbindungen für Spazierwege unter dem schattigen Blätterdach. Bankelemente aus Beton mit Waldstaudengärten betonen punktuell den Wegeverlauf und sorgen für besondere Akzente. Als Gegenpol zum Aktivpark wird hier ein ruhiger Rückzugsbereich geschaffen. Die Bergbaurelikte entlang der Bismarckstraße werden in die Parkgestaltung integriert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit besticht mit ihrer Idee, alle Sport- und Bewegungsfelder in einer großen offenen Mitte anzuordnen. Dieser mit einer patchworkartigen Struktur sinnfällig besetzte Raum wird durch Baumlinien gefasst, die sich zu einem starken und markanten grünen Ring verbinden. Dieser grüne Saum wird innerhalb der Baumreihen und an den Außenseiten mit Spiel- und Aufenthaltsangeboten ergänzt. Im Schatten der Bäume entsteht hohe Aufenthaltsqualität für Ältere und Familien mit Kindern, mancherorts unterbrechen die Spielangebote allerdings den Rundlauf. Leider fehlt es im Budget an einem ausreichenden Etat für Spielgeräte. Der Promenadenring vernetzt sich in alle Richtungen mit seiner Nachbarschaft; Zugänge sind mit kleinen Baumplätzen angemessen akzentuiert.

    Die Sportanlagen umfassen das geforderte Spektrum und bieten ergänzende Trendsportarten an, wobei der Skateplatz im Südosten Fragen hinsichtlich der Schallausbreitung aufwirft, selbst wenn die Flächen – wie vorgeschlagen – eingeschüsselt werden.

    Die vorgeschlagene Öffnung an der Bismarckstraße akzentuiert den Hauptzugang gut, jedoch müssen sich alle Verkehrsteilnehmer die Flächen unter der geplanten Birkenallee teilen, was zu Konflikten führen kann. Erst der neue Vorplatz an der Barbaraschule verspricht Aufenthaltsqualität, er erhält Teile der Bäume und erlaubt eine angemessene multifunktionale Nutzung als Quartiersplatz.

    Der Friedhof wird mit 4 Anschlüssen sinnvoll und schlüssig an den Sportpark angedockt, der Saarplatz zum neuen Zugang ausgebaut.

    Der prägnante Charakter des Invalidenwäldchens wird beibehalten; es erhält im Süden ein ähnlich gestaltetes Pendant.

    Das errechnete Budget für Arbeit bewegt sich am unteren Rand des Vergleichsfeldes, es könnte allerdings ein Plus an Spielgeräten/Objekten vertragen. Pflege und Unterhaltung, aber auch die Sozialkontrolle sind einfach zu bewerkstelligen.

    Insgesamt entwickelt die Arbeit eine prägnante, robuste und zukunftsorientierte Figur, die Grundlage für die weitere Entwicklung mit der Bürgerschaft sein kann und vielfältige Möglichkeiten bietet.