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  • Gewinner

    Nachtansicht Großer Offenbachplatz, © UKW Innenarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    Förder Landschaftsarchitekten, Essen (DE), Luxembourg (LU) Büroprofil

    Verfasser
    Matthias Förder

    In Zusammenarbeit mit:
    Innenarchitekten: UKW Innenarchitekten, Krefeld (DE)

    Erläuterungstext
    Leitgedanke
    Die beiden Plätze werden städtebaulich wie architektonisch dominiert von den
    Gebäuden Wilhelm Riphahns und den Platzanlagen von Jürgen Hans Grümmer. Ziel
    ist hier keine neue, zusätzliche Form oder Formvielfalt konkurrierend zu addieren,
    sondern auf die vorhandenen Formen zu reagieren, die Maßstäblichkeit der
    Umgebung aufzunehmen. Der Ring des Brunnes wird vervielfältigt und zu vier Stück,
    abgestuft ringförmig großen Sitzskulpturen um die vorhandenen Bäume, bzw. am
    Café.

    Entwurf | Bühnenringe
    Die stark geometrisch, orthogonalen Formen der Platzgestaltung korrespondieren
    mit der Scharfkantigkeit und den dynamischen Winkeln der Gebäudekanten. Der
    Ring aus der Form des Brunnens abgeleitet, fügt sich völlig selbstverständlich in das
    Gesamtgefüge ein. Die pointiert gesetzten Bäume geben den Ort der Ringe vor und
    siehe da – die Orte der Bäume werden durch die Hinzufügung der Ringe sogar noch
    gesteigert. Die steigenden Durchmesser der Ringe ergeben zusammen mit dem
    Brunnen eine geordnete Systematik.
    Die Formgebung der unendlichen Sitzbank nimmt sich der dynamischen
    Formensprache der Gebäude an. Das Profil der Bank wird an den Durchgängen
    sichtbar.
    Nach außen ist die Formgebung und Profilierung der Bänke so gewählt, dass eine
    Leichtigkeit, ein schwebender Charakter entsteht, die dem denkmalgeschützten
    Umfeld Respekt zollt. Die abgeschrägten Flächen verleihen der Bank eine gewisse
    Eleganz und Eigenständigkeit. Die Abschrägung auch an der Innenseite hat zudem
    einen ergonomischen Nutzen.
    Die beiden möglichen Sitzpositionen verlangen vom Nutzer eine bewusste
    Entscheidung - in den Stadtraum gerichtet oder zum Baum als Zentrum des Ringes.
    Die Lichtlinie ist an der Innenseite in einer Schattenfuge versteckt, um den direkten
    Lichtaustritt unsichtbar und blendfrei zu gestalten. Die Form der Ringe wird so auch
    nachts sichtbar und markiert die Bäume als helle Sitzinseln im Stadtraum, als
    besonders atmosphärische Orte. Sie erzeugen als Kreisform eine gewisse
    Geborgenheit. Es entsteht eine neue Maßstäblichkeit, die in Kontrast zu den
    weitläufigen Platzformaten steht. Die Bäume dienen gleichzeitig als willkommener
    Schattenspender.
    Jeweils zwei Zugänge gewähren die barrierefreie Zugänglichkeit. In der
    Schnittdarstellung sind Aufstehhilfen/Armlehnen dargestellt, deren Anzahl und
    Position im weiteren Planungsverlauf zu klären wäre.
    Die Bänke sollen aus Beton erstellt werden und werden somit das ganze Jahr über
    ohne zu große Temperaturschwankungen benutzbar, ohne größeren Pflegeaufwand.
    Somit entsteht auch morphologisch ein zusammenhängendes Bild. Auf dem kleinen
    Offenbachplatz verschränkt sich der größte der vier Ringe mit der sonstigen
    Sommermöblierung und diese wird so Teil des Ganzen. Zwei Pollerreihen schirmen
    den zu schützenden Bereich unauffällig ab.
    Bei einer abgewickelten Länge aller vier Ringe von 170 Metern und angenommener
    Sitzfläche von 70 cm je Nutzer, ergäben sich insgesamt eine stattliche Anzahl von 242 Sitzplätzen.

    Angaben zu Konstruktion + Material
    Es handelt sich um eine Konstruktion aus faserarmiertem Beton, einem mineralisches Material, das in maximalen Elementgröße zu produzieren ist. Die Formgebung ist möglichst materialsparend entwickelt. Die Farbgebung orientiert sich an den Oberflächen des Brunnens und der Fassade des Opernhauses. Der Textilbeton wird nicht mit einer Stahl-, sondern mit einer Bewehrung aus Glas- oder Carbonfasern produziert. Die Oberflächengüte entspräche der SB 4, also Betonoberflächen mit besonders hoher gestalterischer Bedeutung für repräsentative Bauteile im Hochbau. Instandhaltungs- und Folgekosten wären hiermit weitegehend ausgeschlossen. Textilbeton gilt als sehr nachhaltig, ideal für derartige öffentliche Bauaufgaben. Eine Verkettung ist herstellerabhängig zu lösen. Inwieweit die Elementierung lösbar konstruiert wird und ggf. Transportöffnungen vorgesehen werden, ist im Verlauf des Projektes zu klären. Die Armlehnen sind aus vorpatinierter Bronze. Eine Lichtlinie ist optional vorgesehen um die innere Bodenfläche der Ringe auszuleuchten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die vier vorgeschlagenen Ringe erfüllen in mehrfacher Hinsicht die Erwartungen der Auslobung. Sie sind geeignet die beiden Plätze ohne Verkennung ihres historischen Wertes zu bereichern und weiter zu entwickeln. Die Ringe lösen sich in Geometrie, Dimension und Platzierung von der Vorgabe ab und sind in ihrer Ausformung und Materialität hervorragend für die unterschiedliche Formen des Aufenthalts wie Sitzen, Liegen, Lehnen geeignet. Die vorgeschlagene Sitzbank verträgt Applikationen wie Lehne und Aufstehhilfe, ohne das Grundkonzept zu beeinträchtigen. Insgesamt ein entschlossener, von Einfühlsamkeit und Gestaltwillen geprägter Entwurf.