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  • 5. Preis

    Lageplan 1:1000

    Landschaftsarchitekten
    plancontext gmbh landschaftsarchitektur, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Christian Roeder, Enrico Kliem

    Erläuterungstext
    Sulzbach an der Murr – Stärkung der Mitte

    Sulzbach hat mit der Aufnahme des Ortskerns in das Landessanierungsprogramm eine außerordentliche Chance, sich zukünftig als herausragender Ort im Wettbewerb mit anderen Städten und Gemeinden zu positionieren. Die Nähe zu übergeordneten Zentren wie Stuttgart und Heilbronn aber auch den Unterzentren Schwäbisch Hall, Wüstenrot, Backnang und Murrhardt bieten dabei ein großes Entwicklungspotenzial.
    Ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der innerstädtischen Lebensqualität ist bereits vollbracht: Die Umfahrung des Ortes durch die B14 und die Märchenstraße haben zu einer erheblichen Reduzierung des Verkehrs in der Ortsmitte beigetragen. Nun gilt es diese freigewordenen Flächen in einem übergreifenden Gesamtentwurf zu qualitätvollen Freiräumen, attraktiven Flächen für die Außengastronomie und interessante Standorte für Gewerbe sowie hochwertiges Wohnen zu entwickeln.

    Der neu gestaltete Ortskern von Sulzbach erhält ein neues Platz- und Raumgefüge mit einer durchgängigen, übergreifenden Gestaltungskonzeption. Verkehrsberuhigende Maßnahmen in den Straßen und Gassen, Aufweitungen der Gehwegbereiche, eine klare Hierarchie der Plätze und grünen Räume markieren und stärken die Ortsmitte und geben ihr eine eigene Identität.

    Qualitative Entwicklung des Ortskerns

    Durch sensibel eingefügte Neubauten wird der Ortskern funktional gestärkt und das Ortsbild verbessert. Ihre zeitgenössische Architektursprache orientiert sich im Bezug auf Maßstab und Gestalt an vorhandenen, das Ortsbild charakterisierenden Gebäuden. Durch einen qualitativen Umbau des Zentrums entstehen Gebäude und Freiräume, die so flexibel und vielgestaltig sind, dass in ihnen gewohnt, gearbeitet und die Freizeit verbracht werden kann. Auf diese Weise sollen die Räume der Dynamik und Flexibilität des Alltags gerecht werden. Die gezielte Ansiedlung von Einzelhandel und Gewerbe ergänzt sinnvoll das vorhandene Angebot.
    Mit Hilfe der Neubauten werden gleichzeitig die Platzkanten und Raumproportionen definiert und ergänzt. Die entstehenden Außenräume werden als vielfältig nutzbare Lebensräume gestaltet.

    Verkehrsführung

    In der Ortsmitte entstehen attraktive Straßenräume die durch das Gewerbe und die Gastronomie mitgenutzt werden können. Ziel der Umgestaltung ist ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern. Die Trennung von Gehweg und Straße wird durch eine differenzierte Belagsgestaltung in unterschiedlichen Verlegeverbänden aufgelöst.
    Hallerstraße, Backnanger Straße und Bahnhofstraße werden auf diese Weise verkehrsberuhigt. Kleinere Gassen werden als Mischverkehrsflächen mit einer einheitlichen Pflasterung versehen und so zu vielseitig nutzbaren Bereichen.
    Parkierungsbereiche werden als Mischflächen gepflastert und mit Bäumen versehen. Die insgesamt 97 Stellplätze im Straßenbereich des Ortskerns werden durch eine eingeschossige Tiefgarage unter dem Neubaukomplex an der Gerberstraße und dem Rathausplatz ergänzt. Hier entstehen ca. 55 weitere Stellplätze.
    Am neu gestalteten Rathausplatz wird die Hallerstraße nordwestlich niveaugleich vorbeigeführt. Es entsteht ein repräsentativer Rathausvorplatz.


    Platzhierarchie

    Die Neugestaltung der Freiräume ermöglicht eine Entwicklung von differenzierten öffentlichen Plätzen mit unterschiedlichem Charakter und Nutzungsmöglichkeiten.

    Die großen Plätze: Kirchberg / Rathausplatz
    Der Kirchberg wird zu einer gestalterischen Einheit zusammen gefasst. Die städtebauliche Besonderheit der höher gelegenen ehemaligen Wehrkirche wird heraus gestellt und inszeniert. Der Kirchberg bildet ein räumliches und gestalterisches Pendant zum neu gestalteten Rathausplatz. Dieser wird der repräsentative und Identitätsstiftende Mittelpunkt des Ortskerns und zugleich eine Spielbühne für Märkte, Feste und Veranstaltungen.

    Die kleinen Plätze: Mühlhof, Ratshof und Gerberhof
    Die von Geschäften und Gastronomie umgebenen Räume bilden intime kleine Plätze. Außengastronomie und Schaufenster bilden einen lebhaften Rahmen mit städtischem Flair.

    Die grünen Plätze: Rosengarten, Spielplatz an der Gerberstraße, Kirchgasse
    Kleinflächige Räume, begrenzt von Straßen und privat genutzten Gebäuden werden als grüne Oasen im Ort gestaltet. Sitzmöglichkeiten, Bäume und kleine Spielflächen bieten ruhige Rückzugsbereiche.


    Kichberg und Rathausplatz werden als städtebauliches Pendant inszeniert

    Kirchberg
    Der Kirchberg der ehemaligen Wehrkirche umfasst sowohl alle unmittelbaren Freiräume um die Ulrichskirche als auch die umliegenden Gassen und Treppen. Das im gesamten Bereich verwendete kleinformatige Natursteinpflaster im so genannten „ungeordneten Römischen Verband“ unterscheidet sich deutlich von der umgebenden Pflasterung des Ortskerns.
    Die Zugänge zur Kirche werden großzügig und für Fußgänger leichter passierbar angelegt. Breite Stufen und eine behindertenfreundliche Rampe führen von Westen her auf den Vorplatz am Hauptportal. Vom Mühlhof her erreicht man den Kirchberg über eine großzügige Treppe und einen „Balkon“, der gleichzeitig die Sichtbeziehung zum Rathausplatz herstellt.
    Die Ulrichskirche kann durch einen „Kirchgang“ umrundet werden. Auf der südlichen Seite entsteht ein ruhiger „Kräutergarten“ mit Sitzbereichen. Ein öffentliches Kräuterbeet erinnert an historische kirchliche Gartenanlagen.

    Rathausplatz
    Der Rathausplatz markiert das Zentrum von Sulzbach. Er ist als weit gehend „leerer Raum“ gestaltet, in dem nur der Brunnen ins Auge sticht. In seinen Raumkanten und Proportionen erinnert er an eine steinerne Piazza. Die Materialität und Farbigkeit des Belags auf dem Kirchberg wird aufgegriffen. Hier werden aber großformatige Platten und Pflasterbänder verwendet, die den Bezug auf das Rathaus verdeutlichen. Die historische Funktion als Rathausvorplatz wird wieder klar ablesbar und er wird seiner ursprünglichen Nutzung durch Fußgänger zugeführt.
    Das Gebäude des „Ochsen“ bleibt bestehen und wird saniert. Zwei Neubauten an der Backnager Straße und an der Gerberstraße schließen die Raumkanten des Platzes. Die eingeschossige Tiefgarage unter dem Neubaukomplex für Wohnen, Dienstleistung und Gewerbe an der Gerbertraße erstreckt sich bis unter die Platzfläche. Erschlossen wird sie über den Neubau an der Murrhardter Straße.
    Die Platzkanten werden durch kleinkronige Bäume und Mastleuchten akzentuiert. Der Brunnen auf dem Platz erinnert an eine entsprechende historische Anlage. Er setzt sich auf künstlerische Weise mit den beiden Wappentieren auseinander. Die Hallerstraße verläuft durch Poller getrennt niveaugleich am nordwestlichen Rand des Platzes.
    Der Platz ist als Zentrum des öffentlichen Lebens konzipiert. Er ist nutzungsoffen und wird zum zentralen Treffpunkt, Aufenthaltsbereich und flexiblem Veranstaltungsort. Bei Bedarf kann die Straße und die umgebenden Räume dem Platz zugeordnet werden. Der Verkehr wird dann über die Fabrikstraße, Bahnhofstraße und Gartenstraße umgeleitet.
    Der östlich des Rathaus gelegene „Ratshof“ mit Sitzmöglichkeiten und einem Staudenbeet bildet einen kleinen grünen Rückzugsraum.

    Einheitliche Gestaltsprache der Ortsmitte

    Die klare Hierarchie der Plätze und Straßen wird durch ein einheitliches Beleuchtungs- und Ausstattungskonzept gestärkt. Auch die Auswahl der Straßenbäume zielt auf eine Strukturierung unterschiedlicher Straßentypen und öffentlicher Räume ab.

    Mit der Umgestaltung ist ein wichtiger Meilenstein zur Stärkung und Verbesserung der Sulzbacher Ortsmitte erreicht. Die Sulzbacher Bürger sollen aktiv in den Umgestaltungsprozess einbezogen werden um eine starke Identifikation zu fördern.
    Gemeinsam sollen Ideen und Konzepte für die Sanierung von Gebäuden im Ortskern erarbeitet werden. Dies beinhaltet neben einer Farbpalette für die Fassaden auch Empfehlungen für die Gestaltung von Fenstern, Türen und Toren, Zäunen und Angaben zur Pflanzenverwendung.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.