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  • DE-81671 München, DE-81671 München
  • 02/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-289306)

iCampus Rhenania im Werksviertel


  • 1. Preis


    Architekten
    HENN, München (DE), Berlin (DE), Beijing (CN) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Brandschutzplaner: nees Ingenieure GmbH, Münster (DE), Hamburg (DE)

    Preisgeld
    47.000 EUR

    Erläuterungstext
    Mit dem Bürokomplex „iCampus Rhenania“ entsteht ein neues Quartier im Münchner Osten. Auf dem Gelände befindet sich das ehemalige Verwaltungsgebäude der Firma Rhenania aus den 1920er Jahren, das denkmalgeschützt ist. Der Entwurf, der sich in mehrere Baukörper gliedert, bildet gemeinsam mit dem Bestandsgebäude ein Ensemble.

    Das Quartier nimmt die Gebäudefluchten und Baufeldgrößen auf, gliedert sich in kleinere Baumassen, um einen Dialog zum historischen Gebäude im neuklassizistischen Stil herzustellen. Das Ensemble aus Altbau und Neubau steht in Kontrast zueinander: der helle mineralische, dekorative Bestand und der schwarze, metallische, reduzierte Neubau geben dem Areal seine Diversität.

    In den Erdgeschossen ist Gewerbe und Gastronomie vorgesehen, die oberen Geschossen werden als Büroräume genutzt. Es gibt zwei Haupteingänge mit repräsentativen Foyers, an die alle vertikalen Haupterschließungskerne angebunden sind. Die Foyers orientieren sich zum neuen Campusplatz und bilden einen attraktiven Übergang von außen nach innen. Die Struktur und Lage der Erschließungskerne ermöglicht eine Aufteilung der Geschosse in 400 qm Nutzungseinheiten. Diese können einzeln genutzt oder mit der benachbarten Einheit gekoppelt werden. Durch unterschiedliche Bundtiefen wird ein Höchstmaß an Flexibilität und Zukunftsoffenheit gewährleistet, um unterschiedlichen Nutzergrößer, einen oder mehreren Mietern oder verschiedenen Bürokonzepten offen zu stehen.

    Der iCampus Rhenania bildet den Auftakt für eine neue Allee, die sich durch den gesamten Block zieht und sich durch einen anderen Belag vom zentralen Campusplatz abhebt. Auf dem Campusplatz befinden sich die Außensitzplätze der Gastronomie und flächige Pflanztröge mit flankierenden Holzbänken. Kleinere Kiefernarten und Dünengräser geben dem Platz ein mediterranes Flair. Die Gestaltung des Platzes findet auf den Dachterrassen, die sich durch die gestaffelten Baukörper ergeben, seine Fortsetzung.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Preisgericht würdigt den Entwurf insbesondere für die sehr sensible Einbettung des En-sembles in den städtebaulichen Kontext, die auch im 2. Bauabschnitt funktioniert. In der Maßstäblichkeit wird ein selbstverständlicher Übergang von der kleinteiligen Bebauung ent-lang der Friedenstraße in die weitere Bebauung des iCampus und den Charakter des Werksviertels insgesamt erreicht, was durch die gekonnte Höhenstaffelung unterstützt wird. Das in seiner Erscheinung als im Kontext vermeintlich fremd erscheinende Denkmal wird dadurch respektvoll integriert. Vom Preisgericht ausdrücklich begrüßt wird das Konzept der Dachpergolen, die eine spiele-rische Vermittlung zwischen den gestaffelten Höhen der Baukörpern schaffen. Das Konzept beinhaltet das Potential zur Nutzung von Dachflächen und sinnvollen Anordnung von Dachaufbauten. Die Dachpergolen sind als Fortführung des Rahmenwerks der Fassade in-terpretiert und prägen das Gebäudevolumen. Deshalb werden sie als Abstandsflächenrele-vant beurteilt und bedürfen in gewissen Bereichen der Befreiung vom Bebauungsplan und der Zustimmung der Nachbarn (MGS). Das dargestellte System erlaubt nach Einschätzung des Preisgerichts solche etwaig erforderlichen Anpassung. Der offene Durchgang zum iCampus ist wichtiger Bestandteil des Konzepts, der den gelun-genen Innenhof gut in die Außenanlagen des gesamten Campus integriert. Sollte ein Brü-ckenbauwerk erforderlich sind, wäre die Höhe des Durchgangs optimal dreigeschossig und das Brückenbauwerk selbst möglichst filigran zu konzipieren, um den Eindruck der Öffnung wenig zu tangieren. Die Transparenz der Fassaden, die den Einblick in das Geschehen im Innern erlaubt, ver-spricht ein lebendiges Bild, das dem Charakter des Werksviertels gut entspricht und die in-dividuelle Außenerscheinung der einzelnen Mieter unterstützt. Die unterschiedlichen Tei-lungsrhythmen der Fassaden wirken jedoch etwas willkürlich, die Unterschiedlichkeit könn-te stärker auf die unterschiedlichen Baukörper bezogen sein und sich nicht innerhalb eines Baukörpers wiederfinden. Die Gliederung in ein 2,7m Raster sollte ermöglicht werden, ins-besondere für eine flexible Grundrissstruktur. Das Erschließungskonzept bedarf ebenfalls der Optimierung – sowohl in Bezug auf die Prä-gung und Anzahl der Zugänge zu den Büroetagen um einzelne Mieter stärker zur Geltung zu bringen, als auch die Raumqualität der Empfangsflächen auf den Etagen. Die Büroorga-nisation in den sehr tiefen Baukörpern entsprechen noch nicht den Vorgaben des Aus-lobers. Die Planung Tiefgarage ist im Fall der Weiterentwicklung des Konzepts komplett zu über-prüfen, wie auch die Lage und Größe der Technikflächen, worin jedoch keine strukturelle Schwäche erkannt wird. Die Kosten sind mit dem in der Auslobung genannten Rahmen zu harmonisieren, wofür das Preisgericht das Potential sieht. Eine weitere Stärke des Entwurfs erkennt das Preisgericht im Vergleich der Arbeiten in der qualitätsvollen Gesamtsituation in beiden Bauabschnitten. Der Eingriff in das städtebaulich gut integrierte Denkmal beschränkt sich auf minimale Maßnahmen und Bedarf einer Konkretisierung im Detail. Insgesamt bildet der Entwurf einen hervorragenden Beitrag zum Wettbewerb, der insbeson-dere aufgrund seiner städtebaulichen Qualität und Angemessenheit in der Gesamtat-mosphäre ausgezeichnet wird.