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  • DE-31832 Springe, DE-31832 Springe
  • 08/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-293601)

Erweiterungsbau des Rathauses in Springe


  • 1. Preis

    Perspektive Bürgerplatz vor dem Erweiterungsbau Rathaus Springe, © SEP | ARCHITEKTEN, Visualisierung: MACINA

    Architekten
    SEP I ARCHITEKTEN Bockelmann Klaus PartG mbB, Hannover (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Bockelmann

    Mitarbeit
    nicole alpers, Van-Toan Tran, Natalie Baranik, Marina Speckmann-Feldhaus

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner, Hannover (DE)
    Tragwerksplaner: DREWES + SPETH, Beratende Ingenieure im Bauwesen Partnerschaftsgesellschaft mbB, Hannover (DE)
    TGA-Fachplaner: Polyplan GmbH Ingenieurbüro für Energie und Umwelttechnik, Hannover (DE), Bremen (DE)

    Preisgeld
    5.300 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau

    „Bürgerplatz“
    Der ehemalige mittelalterliche Wirtschaftshof mit den erhaltenen, denkmalgeschützten
    Gebäuden Museum, Remise und der historischen Mauer wird durch die hochbauliche Ergänzung der Neubauten für die Rathauserweiterung und den neuen Kultur- und Bürgersaals zu einem vollständigen Ensemble mit klarer Platzfassung entwickelt.
    Die Vernetzung des neuen „Bürgerplatzes“ mit den angrenzenden Stadträumen gelingt durch Weiterentwicklung und Stärkung der vorhandenen Wegebeziehungen. Die „freie Mitte“ lädt zu unterschiedlichen Nutzungen und Aktivitäten ein, durch die klare Adressbildung für Rathaus, Bürgersaal, Kantine und Museum direkt am Platz entsteht ein hochöffentlicher, attraktiver Stadtraum mit unverwechselbarer Identität.

    „Burgpark“
    Um dem besonderen Charakter der ehemaligen Burganlage Rechnung zu tragen, wird das Bild des „Solitärs im Park“ konsequent weiterentwickelt. Die freie Sichtachse von der Straße „Auf dem Burghof“ in den denkmalgeschützten Burghof wird freigehalten. Durch die großzügige Öffnung des neuen „Bürgerplatzes“ zum „Burgpark“ gelingt eine starke Vernetzung der beiden sehr unterschiedlichen Raumtypologien, die in Ihrer einzigartigen Kombination eine hohe Aufenthaltsqualität für Bürger und Besucher der Stadt Springe erwarten lässt.


    Architekturkonzept
    Die neuen Gebäude für Rathauserweiterung und Bürgersaal werden als bauliche Ergänzung des bestehenden Ensembles als steinerne Baukörper mit geneigtem Dach entwickelt. Durch die Weiterführung von Maßstab, Proportion und Trauflinien sowie die Interpretation aus dem Bestand entlehnter Details, wie die Rahmung der Öffnungen mit Faschen, gelingt die sensible Einfügung der neuen Stadtbausteine den historischen Kontext. Auf eine Unterkellerung wird in sämtlichen Bereich aufgrund der archäologisch bedeutsamen Bodendenkmale konsequent verzichtet.

    Rathauserweiterung
    Das neue Gebäude für die Rathauserweiterung für Springe zeigt sich mit einer klaren Fassadenstruktur und großzügigen Öffnung zum Platz. Durch die Verwendung eines hellgrauen, geschlämmten, kohlegebrannten Wasserstrichziegels als durchgängig verwendetes Fassadenmaterial, das im geleichen Farbspiel auch für die Dachschindeln vorgeschlagen wird, entsteht ein ruhiges aber prägnantes Gebäude mit hohem Wiedererkennungswert.
    Im Erdgeschoss öffnen sich die hochöffentlichen Funktionen wie Bürgerbüro und Marketing mit dem Hauptzugang zum Platz. Die Verknüpfung des Neubaus mit dem ehemaligen Rathaus gelingt über die Anordnung des Nebeneinganges für Mitarbeiter vis à vis zum bestehenden Rathaus.
    Die innere Ordnung der Bürogeschosse ist sehr klar und übersichtlich konzipiert. Durch offene Raumzonen im Flurbereich, Transparenz, Durchblickmöglichkeiten und großzügige Fensteröffnungen werden moderne, freundliche Arbeitsbedingungen sichergestellt.

    Bestandsrathaus (Burghof)
    Das bestehende Rathausgebäude erfährt neben der Neuordnung der Nutzungsstrukturen im Inneren ohne wesentliche bauliche Eingriffe, lediglich im Bereich des von der unteren Denkmalschutzbehörde bevorzugten Anschlussbereiches eine bauliche Intervention. Durch Anordnung eines neuen Eingangsbereiches, der sich dem Bürgerplatz und dem Neubau für die Rathauserweiterung zuwendet und öffnet, wird neben der Gestaltung einer neuen Adresse auch die barrierefreie Erschließung des denkmalgeschützten alten Rathauses erreicht.
    Auf eine bauliche Anbindung an die Rathauserweiterung wird zugunsten der städtebaulichen und denkmalgerechten Erhaltung der ehemaligen Burg als Solitär verzichtet.

    Remise
    In der ehemaligen, denkmalgeschützten Remise werden die besonderen Nutzungen für Kantine und Sitzungsaal situiert. In Kombination mit dem im Zentrum des Gebäudes angeordneten Foyer lassen sich unterschiedliche Varianten gemeinsamer Nutzung umsetzen. Für die innenräumliche Situation von Kantine und Sitzungssaal wäre eine Öffnung der Zwischendecke bis ins Dach wünschenswert.
    Durch die großzügige Öffnung des Foyers zum Bürgerplatz und den beiden auch öffentlich nutzbaren Funktionen gelingt eine weitere Aktivierung und Belebung des neuen Platzraumes.

    Kultur- und Bürgersaal
    Der Neubau für den Kultur- und Bürgersaal wird als Pendant zur Rathauserweiterung an der bisher nicht gefassten Süd-Ost Ecke des Platzraumes vorgeschlagen. In Materialität und Detailausbildung zeigt sich der Bürgersaal in Analogie zum gegenüberliegenden Rathausneubau. Der für unterschiedliche Veranstaltungen flexibel nutzbare Saal öffnet sich großzügig zum Bürgerplatz. Der Innenraum des Saals wird als „Futteral“ aus weiß lasierter Weißtanne konzipiert, der durch Mikirolochungen in ausgewählten Bereichen der Dach- und Wandbekleidung, sowie durch schallabsorbierend wirksame Ausführung des frei eingestellten Garderobenelements eine sehr gute Raumakustik gewährleistet. Im Dachbereich eingesetzte, elektronisch gesteuerte, drehbare Lamellen ermöglichen eine flexibel steuerbare Tageslichtatmosphäre für unterschiedliche Raum- und Nutzungsanforderungen des Saals.


    Tragwerk

    Rathauserweiterung
    Das Bauwerk des Erweiterungsbaus für das Rathaus (1. BA) wird als Massivkonstruktion geplant. Die Außenwände sind tragende Mauerwerks- und wo erforderlich Stahlbetonwände Die Geschossdecken einschließlich der Geschossdecke über dem Dachgeschosse werden, als Stahlbetondecken, die linienförmig auf den Außenwänden aufgelagert werden ausgeführt. Die beiden Tragachsen im Mittelbereich bestehen aus Wandscheiben und Punktstützen in den offenen Bereichen. Der maximale Abstand der freien Spannweite beträgt nicht mehr als ca. 6,50m, so dass die Geschossdecken wirtschaftlich mit h = 25 cm dimensioniert werden können. Die Dachgeschossdecke wird auf den mittleren Tragachsen aufgelagert und an der Dachschräge durch Stahlstützen, die in der Sparrenebene liegen punktförmig mit e = 6,50 m gestützt. Zur Gebäudeaussteifung werden die Treppenhaus- und Erschließungskerne herangezogen. Als Gründung ist eine Flachgründung mit elastisch gebetteter Sohlplatte vorgesehen. Der Rand der Sohlplatte ist frostfrei zu gründen.

    Bürgersaal
    Das Dach des stützenfreien Bürgersaals (2. BA) wird als Holzkonstruktion geplant. Um Zugbänder zwischen den Traufen zu vermeiden, werden die Dachflächen als Faltwerk konstruiert. Als Randträger an den Traufen wird ein Stahlträger vorgesehen. Dies ermöglicht auch die große Wandöffnung stützenfrei zu überspannen. Die tragenden Wände des Bürgersaals sind als Stahlbetonwände konzipiert, die auch die Gebäudeaussteifung sicherstellen. Die Bauwerksgründung ist ebenfalls eine Flachgründung auf elastisch gebetteter Sohlplatte mit umlaufender Frostschürze.

    Energieeffizienz und Nachhaltigkeit
    Der Entwurf greift die in der Auslobung dokumentierte energetische Qualität der Gebäudehülle auf. Die einfache Kubatur unterstützt dabei eine wärmebrückenoptimierte und luftdichte Ausführung der Bauteilanschlüsse.
    Bei einem fassadenbezogenen Flächenanteil von im Mittel etwa 45% sind die Fensterflächen mit einstrahlungsabhängig gesteuerten externen Sonnschutzeinrichtungen ausgestattet. Zusammen mit der massiven Bauweise bei weitgehend freiliegenden thermischen Speichermassen bildet dies die bauliche Grundlage für die Sicherstellung des sommerlichen thermischen Komforts.
    Die Fensteröffnungen sind mit geringer Sturzhöhe gestaltet. Dies wirkt sich positiv auf die natürliche Belichtung und somit auf den visuellen Komfort aus. Ferner ist damit die Voraussetzung geschaffen für eine effektive tageslichtabhängige Steuerung der künstlichen Beleuchtung.

    Zur Sicherstellung des raumlufthygienischen Komforts sieht der Entwurf für den 1. Bauabschnitt (Rathaus) eine Abluftanlage für die innen liegenden Bereiche (WCs, Putzmittelräume, Teeküche und Flur) vor. Die Außenluftnachströmung (Mindestluftwechsel) erfolgt über Nachströmöffnungen in den Fensterlaibungen der an den Fassaden angeordneten Räume und Überströmmöglichkeiten in der Glasinnenwand. Das Abluftgerät wird auf dem Spitzboden aufgestellt, so dass die Fortluft über das Dach abgeführt werden kann.

    Für den 2. Bauabschnitt (Bürgersaal) ist im Hinblick auf die größeren erforderlichen Luftwechsel eine Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung vorgesehen. Das Lüftungsgerät wird in einem Technikraum im Spitzboden über den Nebenräumen aufgestellt. Zur Vermeidung aufwendiger Lüftungskanalinstallationen wird die Zuluft von dort über Weitwurfdüsen verteilt.
    Im Bereich der Remise wird im Spitzboden oberhalb des Gebäudemittelteil situierten Foyers ebenfalls eine Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung vorgeschlagen. Die Zugangsmöglichkeit zur Technik ist von außen über das Zwerchhaus gegeben. Die das Foyer flankierenden, bis zum First geöffneten Räume für Sitzungssaal und Kantine werden über die Stirnwände mittels Weitwurfdüsen lufttechnisch versorgt. In den Räumen des denkmalgeschützten Gebäudes können so störende Kanäle vermieden werden.
    Neben der Bereitstellung des notwendigen Außenluftwechsels können die beschriebenen raumlufttechnischen Anlagen ebenfalls zur freien sommerlichen Nachtauskühlung eingesetzt werden.

    Zur Wärmeversorgung (1. und 2. Bauabschnitt) ist die Anbindung an das bestehende Fernwärmenetz geplant. Das Fernwärmenetz wird aus überwiegend regenerativ erzeugter Wärme gespeist. Die mögliche Installation einer Photovoltaikanlage auf den Dachflächen als zusätzliche erneuerbare Komponente zur Energieversorgung ist daher optional. Die Wärmeübergabe zur Raumheizung erfolgt über Heizkörper vor den Fensterbrüstungen (1. Bauabschnitt) bzw. über in die Wandgestaltung integrierte statische Heizflächen (2. Bauabschnitt).


    Freianlagenkonzept
    Entwickelt aus dem historischen Kontext und im Zusammenspiel mit den hochbaulichen Strukturen entsteht eine neue Raumfolge mit unterschiedlichen Charakteristika. Das Umfeld des Museums mit der historischen Remise wird durch die ergänzenden Gebäude zu einer neuen Mitte entwickelt. Die Wirkung des bestehenden Rathauses (Burghof) als Solitär wird gestärkt und durch gezielte landschaftsarchitektonische Interventionen wird die ehemalige Burg zum zentralen Element im Bürgerpark. Es entstehen zwei Freiraumelemente: Der Bürgerplatz und der Burgpark, die jeweils eine eigene und prägende Charakteristik in sich tragen.

    Bürgerplatz
    Zwischen Museum, Remise sowie den Neubauten für Rathauserweiterung und Bürgersaal entsteht ein großzügiger offener Platz. Dieser Platz stellt eine freiräumliche Erweiterung der angrenzenden Gebäude dar und ermöglicht die Zusammenführung der unterschiedlichen Nutzungsbereiche.
    Die neue Mitte wird zu einem Ort für alle. Ein durchgehender Belag akzentuiert den Platz und lässt Ihn als Einheit wirken. Durch einen sensiblen Verbandswechsel im Belag und durch eine breite Bänderung markiert, werden gleichermaßen sowohl die Platzkanten, mit allen wichtigen Zugängen und Erschließungsfunktionen, als auch die Platzmitte als Aufenthaltsort akzentuiert. Zudem bietet der Platz die Möglichkeit der Nutzung und Bestuhlung durch das Betriebsrestaurant des Rathauses.
    Zwei radiale Intarsien gliedern und strukturieren den Raum. Durch diese zurückhaltende Gestaltung werden vegetativ geprägte Aufenthaltsbereiche angeboten, gleichzeitigt wird der offene und großzügige Platzcharakter gewahrt. Der offene Charakter lässt vielseitige Nutzungen zu, sodass auch größere Veranstaltungen auf dem Platz stattfinden können.

    Burgpark
    Durch die vorgeschlagene Gestaltung wird die ehemalige Burg zum zentralen Element des Burgparks. Zusammen mit dem wertvollen Baumbestand und einer Teilentsiegelung der befestigten Flächen wird der Park behutsam ergänzt und durch neue Wegeverbindungen entlang des Biotops für Besucher und Beschäftigte erlebbar. Die Lage des bestehenden Rathauses (Burghof) wird durch die Aufwertung des Umfeldes gestärkt und erhält einen neuen zentralen und barrierefreien Eingang im Übergang zum Bürgerplatz.

    Zwei Stellplatzbereiche, sensibel in den Baumbestand eingefügt, schaffen Flächen für den ruhenden Verkehr. Die Stellplätze an der Straße „Auf dem Burghof“ werden ergänzt und teilweise neu geordnet. Die Zufahrt wird Richtung Süden verlegt, so dass eine deutliche Stärkung der Raumwirkung als Park gelingt. Zusätzlich sind im Osten des Neubaus neue Stellplätze angeordnet. Diese sind ebenfalls unter einem Baumdach angeordnet und werden von der Schulstraße und dem Domänenweg angedient. Diese neue Erschließung funktioniert als Zufahrt für Müllentsorgung und Feuerwehr. Im Bereich dieser Stellplatzanlage sind auch Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sowie eine Einhausung für den Müll situiert. Weitere Fahrradstellplätze befinden sich dezentral an den Eingangsbereichen.
    Analog zu den Entwicklungen des Hochbaus können auch die Freiräume abschnittsweise realisiert werden.
    Insgesamt entsteht durch die Umgestaltung, Neuordnung und Ergänzung des Bestandes die Chance einen neuen zentralen Stadtbaustein zu entwickeln, der einen Mehrwert für die Besucher und Bewohner Springes bietet.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.