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  • DE-76829 Landau in der Pfalz
  • 08/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-298689)

Neugestaltung Weißquartierplatz in Landau in der Pfalz


  • 1. Preis

    Im Herzen der Innenstadt von Landau entsteht ein belebter Stadtplatz – der neue Weißquartierplatz, © faktorgruen

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Schedlbauer

    Mitarbeit
    Ricardo Patings, Danilo Meixner, Michał Herl, Elena Tzoulakis

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner, Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    25.000 EUR

    Erläuterungstext
    Der neue Weißquartierplatz

    Im Herzen der Innenstadt von Landau entsteht ein belebter Stadtplatz – der neue Weißquartierplatz. Durch das Entfernen der oberirdischen Stellplätze wird ein neuer Stadtraum gewonnen und den Bürgern zurückgegeben. Als offener Platz kann er bespielt werden und wie eine städtische Bühne funktionieren.

    Im Randbereich entsteht ein Saum von Bäumen, der wie ein Rahmen den innen liegenden Platzraum begrenzt. Die angrenzenden Straßen werden in den Rahmen einbezogen und erhalten den gleichen Pflasterbelag. Umlaufende Lichtstelen begleiten den Rahmen und tragen zu dessen Stärkung bei. Vor den nördlich gelegenen Gebäuden weitet sich der Platzrahmen und bildet eine Vorfläche für die Außengastronomie mit ihrer Bestuhlung.

    Innerhalb des Rahmens definiert ein markantes Platzfeld die Mitte des Platzes, einzelne locker eingestreute Sitzelemente sind spielerisch zueinander angeordnet und bieten unterschiedliche Aufenthaltsmöglichkeiten auf dem Platz. Als große Holzdecks bilden sie Treff- und Kommunikationsorte und beleben den Platz von innen heraus. Ihre Form erinnert an die historischen Wallanlagen an dieser Stelle.
    Ein Wasserspiel in Form eines Fontänenfeldes stellt die Verbindung zur nahe gelegenen Queich her und schafft ein weiteres belebendes Element. Die Queichfontänen bilden ein prägendes Gestaltungselement auf dem Platz und verleihen ihm seine Eigenständigkeit und Identität. Als spielerisches Element machen sie die verschiedenen Erscheinungsformen des Wassers über die Jahreszeiten hinweg erlebbar und tragen zur Verbesserung des Stadtklimas beiträgt.
    Als Gegenüber zur bestehenden Gastronomie entsteht auf dem Platz ein Cafépavillon, der die Südseite des Platzes belebt. Hier befindet sich die Zufahrt der Tiefgarage. Komplett in Beton erbaut nimmt der Pavillon das Motiv des Platzes 3-dimensional auf und wird so zu einem Teil des Platzes. Gleiches bildet der Buswartebereich, in den der zweite Zugang zur Tiefgarage integriert ist. In die Fassade eingelassene Straßennamen und Schriftzüge geben Information zur Geschichte, erinnern an die Namensgebung des Quartiers und schaffen eine zusätzliche Identifikation.

    Landauer Platzfolge
    Der neue Weißquartierplatz reiht sich ein in die Platzfolge, Rathausplatz, Obertorplatz und Untertorplatz und bildet als vierter Platz sozusagen den Abschluss und Schlussstein in der Reihe. Gleichzeitig bildet er ein wichtiges Stadtentree entlang der neu gestalteten Ostbahnstraße. Der Cafépavillon bildet hier einen Auftakt, ohne jedoch den Platz zu verstellen, der in seiner gut proportionierten Gesamtgröße erhalten bleibt.

    Von einer zusätzlichen Bebauung des Platzes soll zugunsten der vorhandenen und markanten Platzkanten Abstand genommen werden. Der Platz wirkt heute durch seine historischen Raumkanten, die teilweise bis auf die Zeit des Barock zurückgehen. Sämtliche Gestaltungselemente unterstützen diesen Charakter und lassen den Platz in seiner wohltuenden Dimension weiterhin erkennbar.

    Nutzungskonzept
    Während die Mitte frei von störenden Einbauten bleibt, nehmen die Ränder die entsprechenden Nutzungen, wie Außengastronomie, Fahrräder, Bushaltestelle oder TG-Ein-und Ausgänge auf. Das Wasserfeld als kräftiges und markantes Motiv bildet den Schwerpunkt des Platzes und bietet vielfältige Aufenthalts- und Betätigungsmöglichkeiten. Die Unterhaltungskosten können dabei durch bodenbündige Düsen in Verbindung mit einer Umwälzung niedrig gehalten werden.

    Die Blick- und Wegebeziehungen aus den angrenzenden Quartieren werden aufgenommen und freigehalten. Der neue Weißquartierplatz bildet die grüne Visitenkarte für das Weißquartier und bietet Raum für Stadtteilfeste und Veranstaltungen.

    Material und Oberflächen
    Für den rahmenden Belag wird ein robuster und nachhaltiger Naturstein-Pflasterbelag vorgeschlagen, alternativ kann ein Betonwerkstein in einer hochwertigen Oberfläche zum Einsatz kommen. Die Verlegung wird in einem wilden Verband vorgeschlagen, um alle Richtungen aufnehmen zu können. Die Formatigkeit kann sich dabei im Großpflasterbereich bis hin zu Pflasterplatten bewegen. Die Oberfläche wird gestrahlt oder feingestockt ausgeführt, wodurch eine optimale Begehbarkeit und Barrierefreiheit auch für ältere Menschen und Behinderte erzielt wird. Zusätzlich kann das Abrollgeräusch im Bereich von Fahrbahnen dadurch auf ein Minimum reduziert werden. Die Farbigkeit nimmt die charakteristischen, vorherrschenden warmen Farbtöne auf und bewegt sich in einem changierenden Farbspektrum von Gelb-beige bis zu warmen Grau-Tönen.

    Der zentrale Platzbereich wird dagegen in einem großzügigen Belagsteppich aus großformatigen Betonplatten oder aus Ortbeton ausgebildet. Dieser ist robust, einfach in der Herstellung und kann optimal gereinigt werden. Die Oberfläche ist gut für ältere Menschen und Rollstuhlfahrer begeh- und nutzbar. Durch eine leicht changierende Farbgebung entsteht ein lebendiges Farbspiel, das wiederum unempfindlicher ist gegenüber Verschmutzungen.
    Die Holzdecks erhalten eine robuste Einfassung aus dem gleichen Material wie die zentrale Platzfläche, die Sitzfläche wird in einem warmen Holzbelag ausgeführt.

    Verkehr und Parkierung
    Die angrenzenden Straßen werden im Bereich des Weißquartierplatzes als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen und in den Platz integriert. Die vorhandenen Stellplätze werden in eine unterirdische Parkgarage verlegt und durch ein zusätzliches Stellplatzangebot ergänzt, sodass zukünftig ca. 160 Stellplätze zur Verfügung stehen. Die Zufahrt erfolgt auf kurzem Wege über die Moltkestraße, um den Verkehr möglichst früh abzufangen und den Platz von Verkehr frei zu halten.

    Einige wenige oberirdische Stellplätze werden als Kurzzeitparker entlang der Südseite angeboten und dienen den Besuchern des Cafés. Die Bushaltestelle wird in Form eines zusätzlichen Bauwerkes integriert, das einen zweiten Ausgang und Fluchtweg für die Tiefgarage aufnimmt.

    Vegetationskonzept
    Der Platz wird durch eine markante Baumreihe aus großkronigen Bäumen. z.B. Linden gerahmt. Im nördlichen Bereich verdichtet sich die Baumreihe und schafft einen Schwerpunkt für die Gastronomie. Hier können einzelne Bäume erhalten und in das Baumdach integriert werden. Daneben werden im Platzinneren einige wenige Solitärbäume eingestreut, diese tragen zur zusätzlichen Beschattung bei und bilden angenehme Aufenthaltsmöglichkeiten auf dem Platz. Bei einer vorgesehenen Überdeckung auf der Tiefgarage von mind. 1,00 m und einer zusätzlichen Gefälleausbildung ist eine ausreichende Gesamtaufbauhöhe gewährleistet. Als Baumart wären hier Gleditschien als lockerer, lichter und auch stadtklimaverträglicher Baum denkbar.

    Beleuchtung
    Die Anordnung der Leuchten unterstützt die rahmende Wirkung des Platzfeldes. Zwischen den Bäumen werden schlichte und zurückhaltende Mastleuchten in Form von Lichtstelen angeordnet. Diese erzeugen eine warme, angenehme Lichtstimmung. Die angrenzenden Gebäude tragen durch ihre Lichtführung zur Stärkung und Betonung der Platzkanten bei. Daneben wird das markante Motiv der Queichfontänen durch eine akzentuierte Beleuchtung inszeniert. Die Holzdecks können ebenfalls durch Lichtlinien sowie eine Anstrahlung der Bäume hervorgehoben werden. Bei der Auswahl der Leuchten wird auf eine zeitgemäße Bestückung durch LED-Technik geachtet.

    Perlen an der Queich
    Die Queich und ihre Grünräume bilden eine wichtige Achse durch das Herz Landaus. Wie eine Perlenkette, knüpfen sich die verschiedenen Freiräume an den Fluss an. Der neu gestaltete Weißquartierplatz wird zu einer dieser Perlen an der Queich.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser schlagen die Ausbildung eines großzügigen, überwiegend steinernen Platzes mit sehr urbanem Charakter vor. Die Straßen rings um die eigentliche Platzfläche sind in Naturstein gefasst und gehen schwellenlos in die eigentliche Platzfläche über. Die Integration der angrenzenden Straßen erfolgt dabei selbstverständlich und wirkungsvoll.

    Durch die Ausbildung eines Ringes aus Bäumen wird eine gut proportionierte Platzfläche geschaffen, an deren südlichem Ende ein pavillonartiger, eingeschossiger Baukörper vorgeschlagen wird. Dieser wird so platziert, dass er einerseits dem neuen Weißquartierplatz eine wohltuende Fassung gibt, andererseits geschickt gegenüber der Martin-Luther-Straße um einige Meter zurückspringt. Die historische Flucht des Straßenraums wird dort durch neu zu pflanzende Bäume gebildet und es können so an dieser Stelle auf verträgliche Weise einige oberirdische Stellplätze unter den Bäumen nachgewiesen werden. Hier wäre noch der Nachweis alternativer Angebote wie Carsharing, E-Mobilität etc. zu prüfen.

    Die Einfahrt zur Tiefgarage liegt verkehrstechnisch an der richtigen Stelle im Südosten des Platzes, es ist ein kleiner Stauraum vorhanden. Die Tiefgarage selbst ist zweigeschossig organisiert und kompakt und wirtschaftlich strukturiert. Die Anordnung der Rampe innerhalb des Pavillons ist ebenfalls selbstverständlich und sinnvoll. Die Ausdehnung des unterirdischen Gebäudes kann so weit komprimiert werden, dass Baumpflanzungen mit Bodenanschluss möglich sind, im Bereich der Tiefgarage ist jedoch großflächig mit archäologischen Funden zu rechnen. Die Anzahl der geforderten Stellplätze wird dabei leicht unterschritten.
    Die Gestaltung und vorgeschlagene Nutzung der Platzfläche erscheint angemessen und nachvollziehbar. Während die Mitte frei von weiteren Einbauten bleibt, nehmen die Ränder alle notwendigen Nutzungen wie TG-Abgang, Bushaltestelle und Fahrradstellplätze auf. Ein Wasserfeld bildet einen räumlichen Schwerpunkt und lädt zum Aufenthalt und zum Spielen ein.
    Insgesamt stellt die Arbeit einen sehr wertvollen Beitrag dar. Mit ruhigen und selbstverständlich erscheinenden Maßnahmen werden vorhandene Qualitäten gestärkt und so ein lebendiger Platz für die Landauer Bürger geschaffen der im Dialog mit der vorhandenen Bebauung so nur hier denkbar ist.


INFO-BOX

Angelegt am 06.09.2018, 13:59
Zuletzt aktualisiert 11.09.2018, 15:34
Beitrags-ID 4-162185
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