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  • DE-10707 Berlin, DE-12101 Berlin
  • 09/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-291345)

Umgestaltung Platz der Luftbrücke in Berlin


  • 1. Preis

    Gestaltungskonzept Platz der Luftbrücke, M 1:500, © Bruun & Möllers GmbH & Co.KG, Hamburg

    Landschaftsarchitekten
    Bruun & Möllers GmbH & Co. KG, Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Moritz Möllers , Bertel Bruun

    Mitarbeit
    Laika Alm, Yen Nguyen, Alexandra Anton, Johannes Evert, Philipp Hoß, Marcella Knaack

    In Zusammenarbeit mit:
    Verkehrsplaner: ARGUS Stadt- und Verkehrsplanung, Hamburg (DE)
    sonstige Fachplaner, Wasserbauingenieure: BWS GmbH, Hamburg (DE)

    Preisgeld
    16.000 EUR

    Erläuterungstext
    In Vielfalt geeint

    Wie zwei unvollendete Symphonien stellen sich die beiden städtebaulichen Rahmen des Platzes der Luftbrücke dar. Zum einen das Ensemble der beiden Kopfbauten von Bruno Möhring westlich des Tempelhofer Damms, zum anderen das Flughafengebäude von Ernst Sagebiel mit dem Luftbrückendenkmal und Ehrenhof im Osten. Durch gezielte Maßnahmen soll die Vielfalt und die Besonderheit der einzelnen Orte erhalten bleiben, gleichzeitig aber auch eine Identität durch einen gestalterischen Verbund dieser geschaffen werden.

    Der Entwurf für den neuen Platz der Luftbrücke zeichnet einen zusammenhängenden, erlebbaren Stadtraum, der einen urbanen Kontrapunkt zur angrenzenden großen, landschaftlichen Tempelhofer Freiheit setzt. In allen Maßstäben und Ebenen lebt der Entwurf von Elementen und Motiven, die Bezüge schaffen zum Ort, der Geschichte und den Menschen. Er lebt von Kontrasten zwischen Offenheit und Geborgenheit, weichen und harten oder grünen und steinernen Plätzen, rauen und glatten, hellen und dunklen, modernen und traditionellen Materialien.

    Die neue Formensprache zeigt die Transformation des Ortes und lässt die städtebaulich heterogene Situation zusammenwachsen. Gleichzeitig bezieht sie sich an jeder Stelle auf die Geschichte der einzelnen Teilbereiche. Die Materialsprache zeichnet dieses Bild nach. Neue Elemente werden durch neue Materialien in einen vorhandenen Teppich aus den für den Ort und die Stadt Berlin typischen eingefügt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    „Identität durch gestalterischen Verbund“ ist das Leitmotiv der Arbeit. Neben einer aufeinander abgestimmten Materialität werden dabei formale Motive verfolgt, die die Teilbereiche beiderseits des Tempelhofer Dammes verbinden sollen. In der Diskussion stehen formale Fragen nicht im Vordergrund, sondern eine Reihe pointierter räumlicher und programmatischer Setzungen, die die Einzelbereiche in ihrer Eigenart jeweils stärken. Dabei löst die Arbeit auch kontroverse Debatten aus.

    Die vorgeschlagene Entwurfslösung für die zentrale Grünfläche wirft die Frage auf, in welchem Maß in das Gartendenkmal eingegriffen werden muss, um eine wirkliche In-Wert-Setzung zu erreichen. Mit der Integration des neuen Rampen-Treppen-Elements wird eine klare Hinwendung zum Ankunftsort des U-Bahnhofs erreicht. Der Raum wird vom richtigen Schwerpunkt her eröffnet. Das vorgeschlagene Wege-Oval ermöglicht einen Rundweg und eröffnet damit eine neue Erlebnisqualität für den Garten.
    Mit der dargestellten Intervention wird allerdings ein erheblicher Eingriff in die Denkmalsubstanz in Kauf genommen, in Teilen kommt dies einem Neubau gleich. Ob der Zugewinn an Erlebnisqualität den Verlust der Denkmalqualität rechtfertigt, wird kontrovers diskutiert. Einigen der Gestaltdetails würde man dabei etwas mehr Zeitlosigkeit wünschen, sie lassen zum Teil noch Sensibilität und Ortsbezug vermissen. Die radikalen Rodungen zur Schaffung des Sichtfensters zum Ehrenhof (siehe Perspektive) wie auch die Inszenierung mit Fahnenschmuck werden als allzu monumental wahrgenommen bzw. lösen fehlgeleitete Assoziationen aus.

    Die Gestaltung des Ehrenhofs überzeugt. Mit der Idee, die Rasterfelder als Wasserspiegel zu aktivieren, schafft die Arbeit das Kunststück, die Authentizität der historischen Ebene mit einer sinnfälligen programmatischen Neuorientierung zu verbinden. Die Fläche bleibt vollständig für Veranstaltungen nutzbar, im Alltagsmodus erhält der Raum eine starke atmosphärische Qualität. Vor dem Hintergrund des Klimawandels wird der Vorschlag als zeitgemäßer Vorschlag zur Steigerung der Aufenthaltsqualität gewürdigt. Das Wasserspiel mit dem Thema der Regenwassernutzung zu koppeln, wird auch als Ausdruck einer Wertschätzung des Elements Wasser positiv bewertet. Hierbei ist jedoch noch die technische Realisierung zu prüfen, da der Einsatz von Nebeldüsen im Zusammenhang mit der Nutzung von Regenwasser problematisch ist (gesundheitsschädigende Aerosole).

    Auch die Gestaltung der Plätze auf der Westseite wird überwiegend positiv bewertet. Die Gestaltung der sogenannten Piazza (westlicher Platz) mit den Baumsolitären und dem Wasserbecken ist gut vorstellbar und überzeugend angeordnet, auch wenn der Entwurf sich damit nicht allein stellt.

    Am Kaiserkorso erscheint die formale Übertragung der Pflanzschalen der Denkmalfläche nicht zwingend. Dennoch wird die Schaffung einer geschützten, inneren Qualität gewürdigt, wenngleich eine allzu dichte und hohe Bepflanzung der Lesbarkeit und Transparenz des Stadtraums entgegensteht und nicht nur positiv gesehen wird. Der Umgang mit dem Baumbestand ist eher schonend und die Arbeit entwickelt die frei angeordneten Bäume als verbindendes Element der Westseite.

    In verkehrlicher Hinsicht wird die Reduzierung auf nur einen Fahrstreifen zwischen Ehrenhof und Gartendenkmal ausdrücklich gelobt. Nicht verständlich ist aber der verbleibende Streifen zwischen den diagonalen Parkständen, der die Zwischenräume und Distanzen vor dem Ehrenhof unnötig vergrößert. Am Kaiserkorso wird die Beschränkung auf einen Parkstreifen auf der Gebäudeseite sehr positiv gesehen. Leider erzwingt das vorgeschlagene Schrägparken allerdings eine dauerhafte Durchfahrtsmöglichkeit auf die Manfred-von-Richthofen-Straße.

    Die Anforderungen an den Umgang mit Regenwasser sind umgesetzt. Neben dem Vorschlag für den Ehrenhof werden für alle Teilbereiche gestalterische Lösungen für Retention und Versickerung vorgetragen. Zu Detailfragen (z. B. Baumrigolen) besteht noch technischer Klärungsbedarf. Insgesamt liefert die Arbeit für die Teilbereiche wertvolle programmatische und räumliche Lösungen. Für die gestalterische Detaillierung würde sich die Jury eine weniger formal geprägte Haltung zugunsten einer noch stärker ausgeprägten Sensibilität im Umgang mit dem einzelnen Ort wünschen.