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  • CH-4144 Arlesheim, CH-4144 Arlesheim
  • 09/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-282209)

Campus Klinik Arlesheim: Ersatzneubau Haus Wegman


  • 3. Rang 3. Preis

    kein Bild vorhanden
    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Aeschlimann Hasler Architekten Partner, Zürich (CH)
    Architekten: stump & schibli architekten, Basel (CH)
    Bauingenieure: RMB Engineering AG, Zürich (CH), Lenzburg (CH)
    sonstige Fachplaner: IBG Institut für Beratungen im Gesundheitswesen, Aarau (CH)
    Bauingenieure: HKP Bauingenieure AG, Baden (CH)
    Projektsteuerer: Büro für Bauökonomie AG, Luzern (CH), Basel (CH)
    Künstler: Jürg Stäuble, Basel (CH)
    sonstige Fachplaner: Künzler Baubiologie Lehmbau, Winterthur (CH)
    sonstige Fachplaner: Beratende Ingenieure Scherler AG, Winterthur (CH)
    Brandschutzplaner: BDS Security Design AG, Bern (CH)

    Preisgeld
    37.000 CHF

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebau
    Das Projekt Mysa-Ita präsentiert einen wohlproportionierten Baukörper, der in der ersten Etappe ein Gleichgewicht zwischen Gebäude und Park etabliert. Drei Volumen werden zu einer Gesamtform zusammengeschoben, durch eine leichte Abweichung von
    der Orthogonalität soll dessen harmonische Einbettung in die Parklandschaft gefördert werden. Innenhöfe und Terrassen verstärken den Bezug von Innen zu Aussen. Auch die vorgeschlagene zweite Etappe bewahrt die Massstäblichkeit des Projektes.
    Ein durchgehend viergeschossiges Volumen wird in die Topografie eingepasst, ohne resultierendes Sockelgeschoss. Die Ausgangslage schafft Übersichtlichkeit für die innere Organisation. Der Haupteingang erfolgt sowohl für den Pfeffingerhof wie auch für
    das Haus Wegman über einen gemeinsamen Eingangshof nördlich des Stollenrains und verbindet die beiden Häuser zu einem Ganzen. Ob der Eingang der Permanence im Norden des Gebäudes richtig liegt, muss geklärt werden. Dem Ita Wegman Haus
    und der Villa wird genügend Distanz zum Neubau zugemessen, um sie als andersartige Architekturen in ihrer Eigenständigkeit zu bestärken. Eine einheitliche Fassadengestaltung unterstreicht das Bestreben der Verfasser, einen ruhigen, harmonischen Gesamteindruck
    zu vermitteln.

    Architektur
    Der Anspruch, ein identitätsstiftendes architektonisches Konzept zu verfolgen, wird durch die Wahl der Materialien, weiche Formen in der Dachgestaltung und ein rhythmisches Ausklinken der Fensterpartien unterstützt. Lehm soll als Wandverkleidung aussen und
    innen Ortsbezogenheit darstellen und Wärme und Geborgenheit vermitteln. Anthroposophisches Gedankengut wird für die Materialität und Formgebung als bestimmender Faktor zitiert. Ganz schlüssig ist die Übereinstimmung von Absicht und Darstellung nicht, jedoch tritt ein ernsthaft beabsichtigtes Eingehen auf die gestellte
    Thematik zu Tage. Gemäss dem Beschrieb der Architekten besteht das Haus aus tragenden Fassaden, tragenden Kernen und einem Skelettbau. Dies wird in den Plänen nicht entsprechend dargestellt. Das Projekt weist jedoch in statischer Hinsicht keine Probleme auf. Der Aufbau der Fassade entspricht, wie bereits ausgeführt, dem
    Ziel, Homogenität und Identität mit dem Ort und der Bestimmung des Gebäudes zu vermitteln. Auch eine Neigung zu dekorativen Gestaltungsansichten ist erkennbar; die verschiedenen architektonischen Mittel, die im Fassadenschnitt zum Ausdruck kommen (ebenso der Sonnenschutz), scheinen der ursprünglichen Absicht der Vereinheitlichung jedoch abträglich. Die Lichtführung der Innenräume wird durch die
    drei Innenhöfe und die Öffnungen der Erschliessungswege zur Fassade bestimmt. Grosszügige Terrassen schaffen Aufenthaltsorte von hoher Qualität.
    Die Farbgebung der Innenräume wird einheitlich dem warmen, erdbezogenen Ausdruck der Lehmwände untergeordnet. Die dadurch erzeugte Raumstimmung
    wirkt freundlich und beruhigend auf die Benutzer.

    Funktionalität
    Funktionell überzeugt das Projekt in seiner Grundrissorganisation. Einzelne Situierungen von Räumen sind weniger schlüssig, jedoch austauschbar. Ob die geschwungene Treppe vom Eingangsgeschoss nur ins erste Obergeschoss für ein Krankenhaus
    überzeugt, ist fraglich. Beabsichtigt wird damit ein grösserer Lichthof, betrieblich fordert dies jedoch den Wechsel auf die gegenüberliegende Treppenanlage – ein wenig schlüssiger räumlicher Ablauf. Den Patientenzimmern fehlt ein Gestaltungsansatz,
    der über die bekannten Standardlösungen hinausgeht. Es wird jedoch nachgewiesen, dass ein zweites Bett platziert werden kann.

    Therapiebereich
    Das Konzept wirkt etwas massig, die Schwerekräfte überwiegen. Es scheint sich wenig in die spätere Wahrnehmungssituation hineinzuversetzen. Leider sind die Gänge möglicherweise etwas dunkel. Der Therapiebereich wirkt etwas undurchdacht: Zwei
    Malateliers scheinen keinen direkten Aussenkontakt zum Tageslicht aufzuweisen. Physiotherapie und die anderen Therapien sind vermischt, die Abläufe sind
    zum Teil nicht kompatibel.

    Pflegebereich
    Das Projekt überzeugt mit funktional guter Struktur und mit einer guten Raumanordnung.
    Qualitativ lässt die Ausnutzung der Fläche jedoch wenig Raum zum „Atmen“. Die Gestaltung der Flure im Bettentrakt erlaubt kaum die Möglichkeit sich zu begegnen und bietet keine atmosphärisch schöne Nischen. In den Patientenzimmern gibt es nur kleinere
    öffnungsbare Lüftungsflügel.

    Anthroposophische Betrachtung
    Die warmen Farben und die Materialisierung betonen das Hüllende gut. Die Patientenzimmer versuchen diese Elemente aufzunehmen. Die Bewegungszonen sind hingegen deutlich funktionaler – längere und dunklere Gänge gewährleisten wenig
    Geborgenheit. Die Formgebung des Gebäudes wirkt seelisch spannend
    und angenehm. Die Grösse des Baukörpers wirkt eher mächtig und dominant. Das Fehlen eines freien Zugangs zum Aussenraum bei den Patientenzimmern schränkt die seelische Qualität des Patientenzimmers deutlich ein. Durch den Mangel an Begegnungszonen
    ist die Unterstützung der seelischen Entfaltung im Genesungsprozess gering.
    In der Gestaltung der Fassade werden Elemente einer Ausstrahlung bzw. Unverwechselbarkeit sichtbar. Die getaktete Fassadengestaltung lässt keine Aufrichtekräfte oder andere identitätsstiftende Elemente entstehen.

    Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit
    Das Projekt ist kompakt, weist eine dem Durchschnittswert entsprechende Geschoss- und Nettofläche aus und erscheint als wirtschaftlich in Erstellung und Betrieb.
    Die Anforderungen an die Nachhaltigkeit erfüllt das Projekt Mysa-Ita knapp, jedoch unausgewogen. Die Minergie-P Anforderungen werden sicherlich erreicht,
    weitere Nachhaltigkeitsaspekte werden aber nur teilweise berücksichtigt. Grosser Optimierungsbedarf besteht bei der soziokulturellen und funktionalen
    Qualität (generelle Aufenthaltsqualitäten – wenig Begegnungsmöglichkeiten in Verkehrsflächen, fast raumhohe Fenster, nur kleine Lüftungsflügel)
    und bei der technischen Qualität, insbesondere bei der Reinigung und Instandhaltung (Fenster von aussen zu reinigen) sowie der Rückbau- und die Recyclingfreundlichkeit
    (vom Prinzip her Massivbau mit Aussendämmung und als Witterungsschutz Lehmelemente).

    Aussenraum
    Der Freiraum besteht aus einer kuriosen Mischung cleverer Strategien, klassischer, gut gemachter Gartengestaltung und zeugt teilweise von fehlender Sensibilität. Der Entwurf brilliert durch den grosszügigen Park der, trotz des grossen Volumens der
    zweiten Etappe, erhalten bleibt. Die Adressbildung zum Stollenrain gelingt als guter Vorplatz zwischen Pfeffingerhof und der neuen Klinik. Der Preis dafür
    ist der grosse Parkplatz im Norden. Ein sicherer Fussweg entlang des Parkplatzes von der Bushaltestelle im Norden bis zum Haupteingang wäre nötig.
    Die differenzierten Gartenräume sind gut platziert und besonnt. Die grosse Restaurantterrasse im Süden zum Park hin besitzt viele Qualitäten. Die
    klassischen Gartenthemen von Vegetation, Wasser und Wege sind angemessen eingesetzt. Die heute identitätsstiftende Blutbuche müsste in Zukunft einen
    wichtigen Ort, wie auch einen Beitrag zum Ort finden. Zu wenig sensibel wirken jedoch der sehr hohe Anteil undifferenzierten Hartbelages um das Haus herum
    sowie der nackte Blick auf die massive Südfassade vom Park her. Verwunderlich bleibt der fehlende aber entscheidende Umgang mit der Topographie.
    Der Parkplatz fällt zwischen den beiden Eingängen um drei Meter ab, während die Topographie der Südseite nicht beeinflusst wird.
    Trotz genauen Angaben zu Pflanzen und Materialien bleibt der Entwurf etwas schematisch und formalistisch.

    Gesamtwürdigung
    Die Qualität des Projektes liegt in der konzentrierten Form, die kurze Wege und Übersichtlichkeit zur Folge hat. Sie äussert sich insbesondere im Bezug
    vom Gebäude zum Park, der selbst in der zweiten Etappe noch grosszügige Aussenräume ermöglicht. Auch die innere Wegführung ist differenziert und
    ansprechend; sie gewährt unterschiedliche Bezüge zum Aussenraum im Park, in den Höfen und auf den Terrassen. Abgesehen von Formalismen überzeugt
    das Projekt durch seine städtebaulichen und architektonischen Qualitäten.