loading
  • DE-71083 Herrenberg
  • 09/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-301040)

Umgestaltung des Bereiches Seestraße und Reinhold-Schick-Platz in Herrenberg


  • 1. Preis

    Lageplan, © Stefan Fromm Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Stefan Fromm

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: WICK + PARTNER ARCHITEKTEN STADTPLANER, Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    26.865 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept

    Die Stadt Herrenberg ist baulich durch die historische Altstadt geprägt. Zwischen Hirschgasse und Küfergasse ist die historische Stadtmauer noch erhalten. Im weiteren Verlauf ist ein klarer Altstadtrand erlebbar. Die Stadttore im Bereich des ehemaligen Nufringer Tors und am Bronntor sind heute nicht mehr erhalten.

    Im Bereich des Nufringer Tors wird derzeit, in Reminiszenz an das historische Stadttor,
    ein punktförmiges Gebäude errichtet (Seecube). Dieser Gedanke soll auch im Bereich des Bronntors aufgegriffen werden. Ein kubischer Baukörper markiert auch hier den Übergang in die historische Altstadt. Der Baukörper ist zur Hindenburgstraße schmaler als die bisherige Bebauung und schafft damit mehr Raum für die Zugänge zur Altstadt.

    Er springt leicht aus der bogenförmigen Altstadtkante hervor und gibt so einen baulichen Fingerzeig Richtung Bahnhof. Die Gebäudestellung betont den Blick vom Reinhold-Schick-Platz zur Stiftskirche.

    Der kubische Baukörper übernimmt die Traufhöhe der benachbarten Gebäude. Die Laterne des 3.+ 4. OG ist transparent, so dass sich der Baukörper trotz moderner Architektursprache in die historische Umgebung einpasst.

    Die beiden Ersatzbauten auf der Westseite sind gegenüber der bisherigen Baukante leicht nach innen gedreht. Sie verfügen aber ansonsten über eine an die historische Bausubstanz angelehnte Architektursprache (Satteldach, Lochfassade, Ablesbarkeit der Geschosse etc.).

    Um den Bereich des „Seeles“ entstehen drei Pavillons in überhöhter, eingeschossiger Bauweise, die durch ihre Nutzungen den Raum beleben. Einfache Rahmenkonstruktionen sind transparent gefüllt, um vor den historischen Fassaden und der Stadtmauer eine eigene zeitgemäße Architektursprache zu vertreten. Als Nutzungen sind Bistrogastronomie, Blumenladen, Fahrradmobilität oder ähnliches denkbar.

    Freiraumkonzept

    1. Realisierungsteil und Ideenteil Reinhold-Schick-Platz

    Zentrale Aufgabe des Wettbewerbs ist die Umgestaltung der heute unattraktiven und stark befahrenen Seestraße in einen attraktiven, belebten und gut nutzbaren öffentlichen Straßenraum - einen "Stadtboulevard". Dabei sollen die trennende Wirkung der Seestraße zwischen Altstadt und den angrenzenden westlichen Innenstadtbereichen, vor allem dem neu entstehenden Seeländer-Areal möglichst beseitigt und beide Bereiche dadurch belebt und aufgewertet werden.

    Grundlage für die Umgestaltung bildet die Verkehrskonzeption von Brenner Bernard Ingenieure, die die Seestraße auf ein verkehrsverträgliches Minimum reduziert und gleichzeitig die Radwegebeziehungen konsequent ausbaut.

    Ein wichtiges Element unseres Vorschlags ist daher die Einführung eines neuen einheitlichen Stadtbodenbelags („Innenstadtbelag"), der sich vom „Altstadtbelag“ abhebt und die Bereiche vor der historischen Stadtmauer auf der Altstadtseite mit dem Bereich jenseits der neugestalteten Seestraße verknüpft – also den gestalterischen Übersprung über die Seestraße herstellt. Dabei soll der neu entstehende Seeländer Platz in diese Belagskonzeption genauso einbezogen werden wie die gesamten Fußwegebereiche zu beiden Seiten der Seestraße, des Reinhold-Schick-Platzes (Ideenteil) und der Hindenburgstraße (außerhalb des Wettbewerbsbereichs). Auch die neue Fußgängerzone im nördlichen Abschnitt der Horber Straße, die durch die neue Verkehrsführung zur Innenstadtentlastung ("Var. I3opt.") ermöglicht wird, soll in diesem Belag ausgeführt werden.

    Durch dieses Stadtbodenkonzept kann die trennende Wirkung der Seestraße reduziert und die Stadtbereiche Altstadt/ Schlossberg und angrenzende Innenstadtbereiche zusammengefasst werden. Im Sinne einer hochwertigen, dem Standort und den städtebaulichen Zielen entsprechenden Gestaltung wäre ein Belag aus grau-beige-gelblichem Granit in verschiedenen Formaten und im unregelmäßigen Verband verlegt, u. E. angemessen. Aus Kostengründen (Lebenszykluskosten!) wäre eventuell auch ein Betonwerksteinmaterial (in Anlehnung an den im Seeländer-Areal vorgesehenen Belag) denkbar.

    Ein weiteres wichtiges Gestaltungselement ist die Begrünung. Um den Straßenraum der Seestraße – Hindenburgstraße stadträumlich nicht von der Altstadt auszugrenzen sondern in diesen räumlich einzubeziehen, wird eine – soweit möglich – durchgehende einheitliche Baumreihe aus lichtkronigen, mittelkronigen Bäumen auf der Außenseite der Straßenräume vorgeschlagen. Hier wären etwa klimaverträgliche Gleditschien oder Boulevardeichen vorstellbar.

    Die Innenseiten sowie die Verknüpfungsbereiche Seeländer-Areal und Fußgängerzone Horber Straße werden durch locker gestellte, verschiedenartige Bäume einzeln oder in kleinen Gruppen geprägt, in die auch die vorhandenen, prinzipiell erhaltenswerten Platanen und Linden vor der Stadtmauer gegenüber des Bereichs Seeländer Platz mit einbezogen werden. Dadurch entsteht eine lockere Atmosphäre, die den Platz- und Aufenthaltscharakter dieser Fläche betont. Grüne Baumquartiere in Verbindung mit Sitzelementen unter den Bäumen stärken diese Aufenthaltsqualität. Darüber hinaus lässt die lockere Baumstellung genügend Durchblicke zur historischen Stadtmauer und Altstadt offen und setzt diese wieder angemessen in Szene.

    Im Realisierungsteil wird im Bereich des heutigen Parkplatzes als prägendes Element ein flaches Wasserbecken (Wasserspiegel) in Reminiszenz an das historisch hier gelegene „Seele“ vorgeschlagen. Gedacht ist ein flacher, zur Stadtmauer hin auf null auslaufender Wasserspiegel der für den Platz, im Winter auch ohne Wasser, eine multifunktionale Nutzung erlaubt. Damit werden mehrere Funktionen erfüllt:

    - Identitätsstärkung des historischen "Seeles" im Bereichs ("Seestraße")
    - Schaffung einer Aufenthaltsqualität in Verbindung mit dem Gastronomiepavillon
    - Schaffung einer identitätsstiftenden Gestaltungsqualität
    - Trittsteinbildung zum neuen Seeländer-Areal
    - Schaffung eines Angebots von belebenden Nutzungen
    - Stärkung des Altstadteingangs Hirschgasse und damit Vernetzung mit dem Seeländer-Areals.

    Im südlichen Teil der Platzsituation stellt ein kleiner Wasserlauf als (ebenfalls historischer) Auslauf des „Seeles“ die Verbindung zum Küferplatz her, der zur Belebung ebenfalls einen kleinen Pavillon (z. B. Blumenkiosk) erhält. Der Küferplatz selbst wird in seiner grundsätzlichen Gestaltung erhalten und in das Gestaltungskonzept mit einbezogen. Die heutigen Grünflächen werden i. S. einer "altstadtgemäßen" einheitlichen Gestaltung entfernt.


    2. Ideenteil Altstadt

    Das heute bereits in Teilbereichen der Altstadt (z.B. Hirschgasse) vorhandene grau-rötliche Natursteinpflaster soll aufgenommen und in eine moderate, möglichst einheitliche Bodengestaltung integriert werden. Die Pflasterformate sollen ¬- entsprechend der kleinteiligeren räumlichen Situation - kleinformatiger und die Verlegeart flexibel sein (Rundbogen oder wilde Verbände). Zur Kennzeichnung besonderer Situationen (z.B. kleine Plätzchen, Stellplätze) soll ein großformatiges Material in regelmäßiger Verlegeart (Reihenverband) verwendet werden. Baumstellungen sind nur vereinzelt an besonderen Stellen vorgesehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Grundlegende Leitidee ist die Ausbildung des Stadtboulevards mit Hilfe eines neuem ‘Stadtbodenbelags’.
    Die Verbindung zwischen Altstadt, Seestraße sowie dem neuem Seeländerareal soll damit räumlich gestärkt und die trennende Wirkung abgemildert werden. Die Idee des Stadtbodenbelags wird positiv hervorgehoben. Die angedachte Trittsteinbildung zwischen Altstadt und Seeländerareal erscheint nachvollziehbar und gelungen.
    Räumlich gegliedert wird der neue Stadtboulevard durch eingesetzte Pavillons, die unterschiedliche Funktionen aufnehmen können.
    Die Positionierung der Einbauten erscheint verständlich und für den Ort angemessen. Vorgeschlagenen Nutzungen wie Café, Informations- und Mobilitätspunkt werden als realistisch und passend gesehen.
    Die Eingangsplätze zur Altstadt werden verständlich in den neuen Stadtboden integriert und die Zugänge zur Altstadt betont.
    Allerdings erscheint der Zugang zur Hirschgasse weniger prägnant als die anderen Eingänge.
    Die neue Ausformulierung des Platzes am Bronntor mit einer 4-geschossigen Bebauung wird kritisch diskutiert. Durch Kubatur und Position des Neubaus wird der Zugang betont aber auch stark eingeschränkt. Eine andere bauliche Lösung ist hier wünschenswert.
    Kernelement der Freiraumgestaltung ist neben dem einheitlichen Bodenbelag und einer lockeren Baumpflanzung der großzügige Wasserspiegel im Bereich des Seelesplatzes.
    Die sogenannte ‘Seele’ (Wasserspiegel) wird aus der historischen Situation abgeleitet. Eingefasst mit Plattenbändern, Sitzelementen und Sitzstufen wird der Wasserspiegel als attraktives, vielversprechendes Freiraumelement gewürdigt. Gleichzeitig wird das Wasserelement kontrovers diskutiert. Neben der Dimensionierung wird der Wegfall des Baumbestandes als besonders kritisch und wenig nachvollziehbar diskutiert.
    Da die Verfasser das vorgeschlagene Verkehrskonzept übernommen haben, ist die Funktionsfähigkeit sichergestellt. Defizite gibt es jedoch im Bereich der Radverkehrsführung. In der Seestraße fehlen teilweise Radverkehrsanlagen, insbesondere im Bereich des Seelesplatz werden Vorschläge für eine Radverkehrsführung erwartet. Die Fahrbahnbeläge aus veredeltem Asphaltbelag an den Fußgängerquerungen werden als guter Vorschlag anerkannt.

    Insgesamt wird die Arbeit als sehr angemessener Vorschlag positiv hervorgehoben.